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    Feed ScienceBlogs auf Deutsch http://scienceblogs.de Wissenschaft - Kultur - Politik Tue, 25 Jun 2019 18:13:10 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 40905212 Astronomie in 365 Tagen: Tag 176 (Sonnenflecken) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken/#respond Tue, 25 Jun 2019 16:15:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30258 Das Gas der Sonne ist so heiß, dass die Elektronen der Atome nicht mehr an die Atomkerne gebunden sind. Kerne und Elektronen bewegen sich unabhängig voneinander. So etwas nennt man “Plasma” und es ist elektrisch geladen.
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    Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

    Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

    Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Meine Texte dazu stehen oben – kann man aber natürlich auch verändern.

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    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken/feed/ 0 42901
    Snoopy: Bei der Generalprobe zur Mondlandung verloren und jetzt (vielleicht) wieder da! [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/snoopy-bei-der-generalprobe-zur-mondlandung-verloren-und-jetzt-vielleicht-wieder-da/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=snoopy-bei-der-generalprobe-zur-mondlandung-verloren-und-jetzt-vielleicht-wieder-da http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/snoopy-bei-der-generalprobe-zur-mondlandung-verloren-und-jetzt-vielleicht-wieder-da/#respond Tue, 25 Jun 2019 06:00:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29851
Vor 50 Jahren sind wir das erste Mal auf dem Mond gelandet. Aber jede Premiere hat auch eine Generalprobe. Im Fall der Apollo-11-Mission die am Ende Neil Armstrond und Buzz Aldrin auf die Oberfläche des Mondes gebracht hat, war das die Apollo-10-Mission. Und um die soll es heute in meinem 50tägigen Blog-Countdown zum Jubiläum gehen.…]]>

Vor 50 Jahren sind wir das erste Mal auf dem Mond gelandet. Aber jede Premiere hat auch eine Generalprobe. Im Fall der Apollo-11-Mission die am Ende Neil Armstrond und Buzz Aldrin auf die Oberfläche des Mondes gebracht hat, war das die Apollo-10-Mission. Und um die soll es heute in meinem 50tägigen Blog-Countdown zum Jubiläum gehen. Denn ein wichtiges Stück Technik das damals verschwunden ist, ist heute (vielleicht) wieder aufgetaucht.

Apollo 10 flog am 18. Mai 1969 ins All. Zuvor hatte ja schon Apollo 8 gezeigt das man in der Lage war, den Mond zu umrunden und Apollo 9 zeigte, dass die Mondlandefähre im Prinzip funktionierte. Apollo 10 sollte nun beides zusammenführen und deswegen taten Eugene Cernan, Thomas Stafford und John Young das, was nach ihnen Armstrong, Aldrin und Collins tun sollten. Beziehungsweise taten sie FAST genau das gleiche. Sie flogen zum Mond. Sie umkreisten den Mond. Sie trennten die Landefähre vom Kommandomodul. Sie näherten sich mit der Landeoberfläche dem Mond. Aber sie landeten nicht.

Fast da! Aber nur fast… (Bild: NASA, gemeinfrei)

14 Kilometer über der Mondoberfläche drehten sie wieder um. Sie wären zwar vermutlich auch da schon in der Lage gewesen, tatsächlich zu landen; trotz einiger Computerprobleme. Aber ein Start vom Mond zurück ins All wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Die NASA hatte absichtlich nicht genug Treibstoff mitgeschickt um sicher sein zu können dass Cernan und Stafford nicht vielleicht doch spontan eine echte Landung versuchten.

Wäre es eine echte Landung gewesen, dann wäre die Mondlandefähre zuerst komplett auf dem Mond aufgesetzt. Beim Rückflüg ins All wäre dann aber die sogenannte “Abstiegsstufe” dort geblieben. Das ist das Teil, das man nur zum Landen braucht. Die “Aufstiegsstufe” die ins All fliegt wäre dann aber auch nicht lange im Einsatz gewesen. Nachdem die Astronauten wieder zurück ins Kommandomodul geklettert wären, hätte man auch sie im All zurück gelassen. Um auch das zu simulieren, wurde die Abstiegsstufe einfach im All abgesprengt so dass sie später auf den Mond stürzen würde. Die Aufstiegsstufe schickte man nach der Rückkehr zum Kommandomodul auf eine Umlaufbahn um die Sonne. Man wollte sie nicht im Mondorbit lassen, aus Angst sie könnte aus Versehen Apollo 11 in die Quere kommen.

Snoopy, gesehen von Charlie Brown aus (Bild: NASA, gemeinfrei)

Der Name der Mondlandefähre war “Snoopy” und das Kommandomodul hatte das Rufzeichen “Charlie Brown”. Gemeinsam mit Young, Stafford und Cernan ist auch Charlie Brown wieder zurück zur Erde geflogen. Wo Snoopy sich rumtreibt, war aber unbekannt. So genau war seine Bahn nicht bekannt um das Ding leicht wiederfinden zu können. Und da der Weltraum groß, so eine Aufstiegsstufe aber eher klein ist, hat sie seit 1969 niemand mehr zu Gesicht bekommen.

Bis vor kurzem. 2011 begannen Amateurastronomen damit, nach Snoopy zu suchen. Und einer von ihnen, Nick Howes, denkt, er hätte Snoopy gefunden. Zumindest ist er sich “zu 98% sicher”. Die ganze Geschichte kann man zum Beispiel hier oder hier nachlesen.

“The heliocentric orbit looks good, the object is artificial, and the size is right.”

sagt Howes in einem der oben verlinkten Interviews. Aber absolut sicher wird man es erst wissen, wenn das Objekt nahe genug ist um per Radar abgetastet zu werden.

Momentan trägt es die Bezeichnung “2018 AV2”, befindet sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne auf der es 382 Tage für eine Runde braucht und ist zur Zeit mehr als 50 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Damit ist es nur in den allergrößten Teleskopen sichtbar. Wir müssen noch bis zum 4. Juli 2037 warten, dann erreicht es mit einem Abstand von 6,4 Millionen Kilometer seinen “nächsten” Abstand zur Erde.

Es wäre schön gewesen, wenn wir rechtzeitig zum Jubiläum auch das verlorene Requisit der Generalprobe wieder gefunden hätten. Auch aus wissenschaftlicher Sicht; man kann sicher viel lernen, wenn man untersucht wie so eine Raumfähre nach 50 Jahren im All aussieht. Aber wer weiß – vielleicht kriegen wir Snoopy ja doch noch mal ein wenig genauer zu sehen. Das 75. Jubiläum der ersten Mondlandung kommt ja auch noch irgendwann…

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Tag 175/365: Die Sonne ist kein fester Körper und rotiert darum nicht einheitlich. Das Material am Äquator braucht ungefähr 25 Tage für eine Rotation, in der Nähe der Pole sind es circa 30 Tage.

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/astronomie-in-365-tagen-tag-175-sonnenflecken/feed/ 0 42900
Was wäre wenn… wir vor 50 Jahren nicht auf dem Mond gelandet sind? [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/was-waere-wenn-wir-vor-50-jahren-nicht-auf-dem-mond-gelandet-sind/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=was-waere-wenn-wir-vor-50-jahren-nicht-auf-dem-mond-gelandet-sind http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/was-waere-wenn-wir-vor-50-jahren-nicht-auf-dem-mond-gelandet-sind/#respond Mon, 24 Jun 2019 06:00:39 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29850
Die große Mondlandungsshow der Science Busters ist schon wieder Geschichte. Aber ein paar Mal werde ich noch alleine ein wenig über die erste Landung auf dem Mond vor 50 Jahren reden. Und zwar in Münster (am 1. Juli) und Nürnberg (am 2. Juli). Ich wurde gebeten über die Verschwörungstheorien zur Mondlandung zu sprechen. Was ich…]]>

Die große Mondlandungsshow der Science Busters ist schon wieder Geschichte. Aber ein paar Mal werde ich noch alleine ein wenig über die erste Landung auf dem Mond vor 50 Jahren reden. Und zwar in Münster (am 1. Juli) und Nürnberg (am 2. Juli).

Ich wurde gebeten über die Verschwörungstheorien zur Mondlandung zu sprechen. Was ich ja eigentlich gar nicht so extrem gerne tue. Das ist ein Thema, zu dem wirklich schon jeder alles gesagt hat, was gesagt werden kann. Natürlich kann man immer noch ein weiteres Mal erklären, warum die Schatten der Astronauten auf der Mondoberfläche genau so sind, wie sie sein sollen; warum die Fahne sich so bewegt, wie sie es tun muss; warum der Staub so fällt, wie er es tut, und so weiter. Aber damit reproduziert man nur wieder all die Diskussionen, die in den letzten Jahrzehnten mehr als genug geführt sind und wenn man sich in all diesen Details verzettelt, überzeugt man nicht nur sowieso niemanden der wirklich daran glauben will, sondern verpasst auch die eigentlich spannende und beeindruckende Geschichte!

Ja, wir waren wirklich dort! (Bild: NASA)

Ich habe deshalb zwar meinen Vortrag durchaus um das Thema “Verschwörung” herum strukturiert. Aber den Fokus ganz woanders gesetzt. Nämlich bei der Frage, die man sich meist nicht stellt, wenn man behauptet, das wir nie zum Mond geflogen sind: “Was wäre wenn?” Was würde daraus folgen, wenn das, was die Verschwörungstheoretiker behaupten, WIRKLICH WAHR wäre. Wie müsste eine Welt aussehen, in der die Mondlandung nur ein Fake ist? Um das heraus zu finden, ist es notwendig die Geschichte des ersten Flugs zum Mond von Anfang an zu erzählen. Man muss auch die Geschichte der sowjetischen Bemühungen im Weltraum erzählen. Und jede Menge andere Geschichten. All die werde ich erzählen um am Ende zu zeigen, warum die Welt in der wir leben definitiv eine Welt ist, in der vor 50 Jahren das erste Mal Menschen auf dem Mond gelandet sind.

Ich würde mich freuen, wenn ihr vorbei kommt. In Münster werde ich im Planetarium auftreten (Sentruper Straße 285, 4861 Münster). Das ganze beginnt um 19.30 und Informationen/Tickets gibt es hier. Am Tag darauf werde ich in Nürnberg ebenfalls im Planetarium (Nicolaus-Copernicus-Planetarium Bildungszentrum, Am Plärrer 41) sein; ebenfalls um 19.30 und Informationen/Tickets findet ihr hier.

Bis dann!
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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Some song lyrics provided by Google’s lyrics platform contain the hidden message RED HANDED. It was encoded by competitor Genius in order to prove that Google is copying from them.

Readers of my (German) book about the history of steganography (Versteckte Botschaften) certainly are familiar with the concept of fictitious entries.

 

Fictitious entries

A fictitious entry is a deliberately incorrect entry in a reference work, such as a dictionary, an encyclopedia, or a map. The purpose of a fictitious entry is (provided that it is not a mere hoax) to reveal plagiarism or copyright infringement. If, say, a non-existing expression originally published in dictionary A is later encountered in dictionary B, it can be assumed that the creators of dictionary B have copied from their competitor.

Here are a few famous examples of fictitious entries (some of them are taken from Wikipedia, I hope this list doesn’t contain a fictitious entry):

 

Trap quotes

Blog reader Dave Oranchak recently informed me about a similar kind of steganography: trap quotes. Apparently, trap quotes are used by the website Genius, which refers to itself as “the world’s biggest collection of song lyrics and musical knowledge”. In recent years, Genius has faced Google as an increasingly important competitor, as Google provides more and more song lyrics on its own platform.

According to the website JWZ (operated by Jamie Zawinski), Genius now accuses Google of copying lyrics from their database. Allegedly, this can be proven with subtle changes (trap quotes) Genius made to some of the songs in its lyrics collection and that were later found on Google.

These trap quotes consist of apostrophes alternating between straight and curly in exactly the same sequence for every song. When the two types of apostrophes are converted to dots and dashes and read as Morse code, they spell out the words RED HANDED.

Technically speaking, the apostrophes not only represent a trap quote, but also a semagram.

 

Is it illegal?

There’s no doubt that we deal with a nice example of steganography here. However, I have no idea what the legal implications are. I assume that Google has the right to publish all these song lyrics, otherwise they wouldn’t do it. And if they have the right, it doesn’t make much a difference, in my view, if they copy the lyrics from the CD booklets or if they take them from other websites. Perhaps, a reader knows more about the legal background of these practices.

The author of the JWZ article concludes: “So that’s clever and funny, and Google are anticompetitive dicks, but there are no winners here. Genius is straight up admitting that the thing that drives people to their site is just the lyrics, not the annotations that they provide. Google isn‘t cloning their annotations.“


Further reading: How steganography solved a murder case

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Träumen Octopusse von elektrischen Kalmaren? [Meertext] http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/23/traeumen-octopusse-von-elektrischen-kalmaren/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=traeumen-octopusse-von-elektrischen-kalmaren http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/23/traeumen-octopusse-von-elektrischen-kalmaren/#respond Sun, 23 Jun 2019 17:45:33 +0000 http://scienceblogs.de/meertext/?p=2965 Do octopuses dream of electric squid?fragte der Sydney Morning Herald.
Anlaß der Frage war ein Video von Rebecca Otey, das einen offenbar schlafenden Octopus zeigt – ein bleicher Krake hängt fast bewegungslos im Wasser, auf einmal laufen dunkle Farbwellen über seinen Körper.
Rebecca Otey  hatte zwei schlafende Kraken 2017 während ihres Praktikums im Butterfly Pavilion gefilmt. Ihre Interpretation des Farbwechsels: Der Octopus muss heftig geträumt haben. Die beiden Kraken sind Karibische Zweifleck-Octopusse (Octopus hummelincki), der Butterfly Pavilion ist ein Non-Profit-Zoo für wirbellose Tiere in Westminster, Colorado. Rebecca Otey hatte das Video im Februar 2018 bei Youtube hochgeladen.


Diese Interpretation ist im Netz natürlich begeistert aufgegriffen worden, Kraken sind in der Pop-Kultur Symboltiere für pfiffige Quasi-Aliens und der Cat-Content für Nerds.
Was steckt dahinter?
Können Kraken träumen?
Das würde voraussetzen, dass sie schlafen.
Können Kraken schlafen?


Octopusse können schlafen

Daniela Meisel war 2011 zu dem Ergebnis gekommen: “Behavioral sleep in Octopus vulgaris” – Kraken können also schlafen (D. V. Meisel, Ruth Anne Byrne, J. A. Mather, Michael J. Kuba: “Behavioral sleep in Octopus vulgaris” ; Vie et Milieu 61(4):185-190,  December 2011).
Aber wie lässt sich so etwas nachweisen?
Schlaf ist für Wirbeltiere ein essentieller Teil ihres Lebens, diese Ruhephase des Körpers ist für sie überlebenswichtig. 
Biologen können Schlaf an den Vitalfunktionen und neurologischen Mustern gut nachweisen. Bei wirbellosen Tieren ist Schlaf weitaus weniger gut untersucht. Meisel hatte dazu 16 Octopusse Tag und Nacht gefilmt. Die Octopusse waren jeweils allein im Aquarium, es gab keine Reize von außen. Die Biologen haben die Aktivitäszyklen der achtarmigen Weichtiere dokumentiert. Klar erkennbar war, dass die Octopusse für ihre Ruhepause einen bevorzugten Ruheplatz hatten, manchmal einen Schlupfwinkel bauten und eine bevorzugte Körperhaltung einnahmen. In der Ruhephase zuckten Arme und Tentakel, außerdem zeigten die Tiere dann eine spezifische Halb- und-Halb-Färbung, die keine Tarnung war. Darum sind Meisel und ihre Kollegen überzeugt: Octopusse schlafen!

Können Octopusse träumen?

Träumen ist die psychische Aktivität während des Schlafes. Rebecca Otey hatte richtig beobachtet, dass die Kraken in ihrer Ruhephase waren, die dem Wirbeltierschlaf entspricht. Zu Beginn des Videos haben die Oktopusse eine opak-weißliche Färbung.  Dann laufen plötzlich dunkle Farbwellen über den Köper, im Rhythmus der Atmung. Als nächstes überflutet eine dunkle Färbung die Krakenhaut um verblasst schließlich wieder zu fast Weiß.

Die Farbwechsel werden über die Chromatophoren in der Haut hervorgerufen, spezialisierte Farbzellen, die sich kontraktieren oder ausdehnen können. Dazu kommen noch Iridiophoren und Leucophoren. Sie alle zusammen erschaffen die Farben von weißlich mit silbrigem Schimmer über Rot bis zu Dunkelbraun der Krakenhaut. Tintenfische können ihre Hautfarbe aktiv und schnell verändern. Die Farbe dient der Tarnung und der Kommunikation, soviel ist heute sicher.

Auch wenn die Tintenfisch-Forschung bereits seit Jahren auch den Schlaf dieser Tiere erforscht, gibt es da noch viele offene Fragen, erklärt Sara Stevens vom Butterfly Pavilion, gegenüber Live Science. Dass Octopusse eine dem REM-Schlaf der Wirbeltiere ähnliche Schlafphase haben, die auch für das Träumen wichtig ist, ist zwar eine Hypothese, aber bislang noch nicht endgültig bewiesen: “It’s been hypothesized that octopus species can exhibit something very similar to REM cycles in humans — but the jury’s still out on whether they’re achieving REM sleep”.

Das liegt auch daran, dass Octopusse nicht ein einziges Zentralnervensystem wie Wirbeltiere haben, sondern neben ihrem zentralen Ganglion im Kopf auch noch in jedem Arm ein untergeordnetes Arm-Gehirn. Wie die Schlaf-Koordination und dann noch mögliche Träume dieser Nervenknoten aussehen könnte, ist vollständig ungeklärt. Dass der Farbwechsel einen traumartigen Grund haben könnte, ist allerdings eine naheliegende Interpretation.

Träumen Octopusse von elektrischen Kalmaren?
Octopusse werden, da ihre Nervenstruktur so ganz anders ist, als die der Wirbeltiere, mittlerweile als Inbegriff einer fremdartigen Intelligenz betrachtet. Der dabei manchmal gebrauchte Begriff „alien“ ist immer mal wieder als „außerirdisch“ interpretiert worden, was dann regelmäßig zu großflächiger Medienhysterie führt. Dabei bedeutet „alien nur „fremdartig“ – schließlich trennen die Weichtiere und die Chordatiere (inkl. der Wirbeltiere – also wir) fast 600 Millionen Jahre Evolution.
Der australische Philosoph Peter Godfrey-Smith hat sich immer wieder mit der Intelligenz und auch dem Bewußtsein des Octopus beschäftigt – natürlich war auch er zum Video des Träumenden Octopus interviewt worden. Der Sydney Morning Herald hatte ihn dazu interviewt  – “Professor Godfrey-Smith said it is not clearly known. It appears cephalopods engage in some sleep-like activity, with something similar to rapid-eye movement.”. Godfrey-Smith konnte also nur bestätigen, dass Octopusse  schlafähnliche Zustände zeigen, inklusive der schnellen Augenbewegungen (rapid-eye movement = REM), die für die traumintensive REM-Schlafphase der Säugetiere und Vögel so charakteristisch sind.

Die Überschrift des Sydney Morning Herald ist allerdings ein Kracher: „Träumen Octopusse von elektrischen Kalmaren?“ ist eine Reverenz an den berühmten dystopischen Roman von P. K. Dick: “Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (Do Androids Dream of Electric Sheep? – 1968), der 1982 als „Blade Runner“ von Ridley Scott verfilmt das Cyberpunk-Zeitalter in die Kinos brachte. Der Film basiert eher locker auf der Roman-Idee, in Buch und Film geht es darum, wie menschlich oder menschenähnlich Androiden – humanoide Roboter – sind.
Damit ist der Octopus mal wieder als Liebling der Nerds, Ikone der Science Fiction und Quasi-Alien ehrenhalber in die Schlagzeilen geraten.

 

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Preise und ihre Endziffern [Mathlog] http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/23/preise-und-ihre-endziffern/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=preise-und-ihre-endziffern http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/23/preise-und-ihre-endziffern/#respond Sun, 23 Jun 2019 08:04:44 +0000 http://scienceblogs.de/mathlog/?p=12413 Im letzten Beitrag ging es um eine Aufgabe, bei der gefragt wurde, wie wahrscheinlich es ist, beim Einkaufen im Supermarkt einen glatten Eurobetrag zu bezahlen. Die naheliegende Lösung wäre natürlich 1%. Andererseits enden die allermeisten Preise auf die Endziffer 9, bis auf wenige Artikel, deren Preise auf 0 oder 5 enden, und bis auf Dinge,…]]>

Im letzten Beitrag ging es um eine Aufgabe, bei der gefragt wurde, wie wahrscheinlich es ist, beim Einkaufen im Supermarkt einen glatten Eurobetrag zu bezahlen.

Die naheliegende Lösung wäre natürlich 1%. Andererseits enden die allermeisten Preise auf die Endziffer 9, bis auf wenige Artikel, deren Preise auf 0 oder 5 enden, und bis auf Dinge, die abgewogen werden wie 🍇 und 🍅. Das spricht gegen eine Gleichverteilung der Endziffern.

Tatsächlich gibt es, worauf mich Joseph in den Kommentaren hingewiesen hat, eine 65 Seiten lange Münzgeldstudie der Deutschen Bank aus dem Jahr 2015, in der diese Frage untersucht wird. (Hintergrund ist die angedachte Abschaffung der 1- und 2-Cent-Stücke.)

In dieser Studie findet sich eine Verteilung der häufigsten Preise.

Aus der Verteilung der Preise könnte man natürlich die Verteilung der Centbeträge berechnen. Leider interessiert man sich in der Studie nur für die letzte Stelle.

Es ist sicher plausibel, dass die Ziffern der vorletzten Stelle gleichverteilter sein sollten als die der letzten Stelle. Die Wahrscheinlichkeit für einen glatten Eurobetrag dürfte also zwischen 1,2 und 1,3 Prozent liegen, jedenfalls deutlich über 1%.

Die Studie findet man auf https://www.bundesbank.de/resource/blob/599430/0f1ab0849f009dbede497e8e2cbd03cb/mL/muenzgeldstudie-data.pdf.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 174 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/astronomie-in-365-tagen-tag-174-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-174-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/astronomie-in-365-tagen-tag-174-sonne/#respond Sun, 23 Jun 2019 16:41:28 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30137 Auch in Zukunft werden wir Planeten nur selten direkt sehen können. Und wir werden die Planeten immer nur als Lichtpunkt sehen; aber keine Details ihrer Oberfläche. Dafür sind sie viel zu weit von der Erde entfernt.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 174

Tag 174/365: Es dauert im Durchschnitt circa 100.000 Jahre bis die Energie aus dem Kern die Sonnenoberfläche erreicht und dort in Form von Licht ins All abgestrahlt wird.

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Video: Warum seit fünf Jahrzehnten keiner mehr zum Mond geflogen ist [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/video-warum-seit-fuenf-jahrzehnten-keiner-mehr-zum-mond-geflogen-ist/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=video-warum-seit-fuenf-jahrzehnten-keiner-mehr-zum-mond-geflogen-ist http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/video-warum-seit-fuenf-jahrzehnten-keiner-mehr-zum-mond-geflogen-ist/#respond Sun, 23 Jun 2019 06:00:37 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29849 In meinem 50tägigen Countdown hier im Blog zähle ich ja die Tage bis sich die Landung der ersten Menschen auf dem Mond zum 50. Mal jährt. Diesen ersten Menschen – Neil Armstrong und Buzz Aldrin – sind noch zehn weitere gefolgt. Von den insgesamt also 12 “Moonwalkern” sind 8 schon gestorben. Die vier verbliebenen sind…]]>

In meinem 50tägigen Countdown hier im Blog zähle ich ja die Tage bis sich die Landung der ersten Menschen auf dem Mond zum 50. Mal jährt. Diesen ersten Menschen – Neil Armstrong und Buzz Aldrin – sind noch zehn weitere gefolgt. Von den insgesamt also 12 “Moonwalkern” sind 8 schon gestorben. Die vier verbliebenen sind Buzz Aldring (89 Jahre alt), David Scott (87 Jahre), Charles Duke (83 Jahre) und Harrison Schmitt (83 Jahre). Recht jung sind die vier Herren also alle nicht mehr und rein statistisch gesehen kann es nicht mehr lange dauern, bis niemand mehr auf diesem Planeten lebt der jemals einen anderen Himmelskörper betreten hat.

Das wäre schade. Und die Frage die sich da stellt lautet: Warum sind wir seit 1972 nicht mehr auf den Mond zurück gekehrt? Das hat Quarks & Co gefragt und die Gründe in einem netten Video zusammengefasst:

Ich bin gespannt ob wir es hinkriegen, noch jemandem zum Mond beschicken bevor die letzten Mondbesucher der Apollo-Missionen gestorben sind. Es wäre schon irgendwie schade, wenn die Zeit zwischen 1969 und 202x (ich bin mal optimistisch und hoffe, das dieses Jahr niemand mehr stirbt) eine Ausnahme gewesen ist. Und wir demnächst wieder in einer Welt leben, in der es keine Menschen gibt die erzählen können, wie es ist einen anderen Himmelskörper zu betreten…

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 173 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/astronomie-in-365-tagen-tag-173-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-173-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/astronomie-in-365-tagen-tag-173-sonne/#respond Sat, 22 Jun 2019 16:41:28 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30136 Das durch die Energie aus dem Kern aufgeheizte Material der Sonne das nach oben steigt und wieder absinkt kann man beobachten. Die Sonne “brodelt” wie ein Topf kochendes Wasser. Das nennt man “Granulation”.
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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 173

Tag 173/365: Das durch die Energie aus dem Kern aufgeheizte Material der Sonne das nach oben steigt und wieder absinkt kann man beobachten. Die Sonne “brodelt” wie ein Topf kochendes Wasser. Das nennt man “Granulation”.

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Wernher von Braun: Genie oder Blender? [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/wernher-von-braun-genie-oder-blender/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wernher-von-braun-genie-oder-blender http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/wernher-von-braun-genie-oder-blender/#respond Sat, 22 Jun 2019 06:00:08 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29848 Heute gibt es in meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung was zum Hören. Mein Podcast-Kollege Holger Klein hat im letzten Jahr mit Christopher Lauer geredet. Der hat eine Bachelorarbeit mit dem Titel “Umstände und Voraussetzungen für Wernher von Brauns Eintritt in das Heereswaffenamt” verfasst und darin untersucht, wie Wernher von Braun eigentlich seine…]]>

Heute gibt es in meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung was zum Hören. Mein Podcast-Kollege Holger Klein hat im letzten Jahr mit Christopher Lauer geredet. Der hat eine Bachelorarbeit mit dem Titel “Umstände und Voraussetzungen für Wernher von Brauns Eintritt in das Heereswaffenamt” verfasst und darin untersucht, wie Wernher von Braun eigentlich seine große Karriere gemacht hat.

Genie oder Blender? (Bild: NASA/MSFC, gemeinfrei)

Wernher von Braun gilt wie kein anderer als der Kopf hinter dem ersten Flug zu Mond; ohne seine Arbeit an den V2-Raketen und später seiner Arbeit im Apollo-Programm wäre die NASA nicht zum Mond gekommen. Aber war das wirklich so? Dass von Braun nicht so unwissend über die grauenhaften Zustände in den Konzentrationslagern war, in denen die für den Bau der V2-Raketen verwendeten Zwangsarbeiter lebten, ist mittlerweile klar. Aber Lauer ist auch der Meinung, dass von Braun generell nicht so begabt und wissend war, was die Raumfahrttechnik angeht. Und dass sein Ruf als “Wunderkind” und sein späterer Ruhm als Mann der die Mondlandung möglich gemacht hat, vor allem seinen Selbstvermarktungsfähigkeiten und seinen Mitarbeitern zu verdanken ist. Welche Belege es dafür gibt, könnt ihr euch im Podcast selbst anhören.

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 172 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/astronomie-in-365-tagen-tag-172-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-172-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/astronomie-in-365-tagen-tag-172-sonne/#respond Fri, 21 Jun 2019 16:41:27 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30135 Hinter der Strahlungszone der Sonne schließt die “Konvektionszone” an. Die Energie wird hier in Form von Wärme nach außen transportiert. Das Gas aus dem die Sonne besteht heizt sich auf, steigt nach oben, kühlt dort ab und sinkt wieder nach unten.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 172

Tag 172/365: Hinter der Strahlungszone der Sonne schließt die “Konvektionszone” an. Die Energie wird hier in Form von Wärme nach außen transportiert. Das Gas aus dem die Sonne besteht heizt sich auf, steigt nach oben, kühlt dort ab und sinkt wieder nach unten.

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Luna 10 und Apollo 8: Alles dreht sich um den Mond [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/luna-10-und-apollo-8-alles-dreht-sich-um-den-mond/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=luna-10-und-apollo-8-alles-dreht-sich-um-den-mond http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/luna-10-und-apollo-8-alles-dreht-sich-um-den-mond/#respond Fri, 21 Jun 2019 06:00:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29837 Noch 30 Tage sind übrig im 50tägigen Artikel-Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung. Und weil sich alles um den Mond dreht, geht es heute um das, was den Mond umkreist. Bevor die Astronauten von Apollo 11 auf dem Mond landen konnten, musste sie erst einmal eine Umlaufbahn um den Mond herum einnehmen. Das gelang ihnen…]]>

Noch 30 Tage sind übrig im 50tägigen Artikel-Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung. Und weil sich alles um den Mond dreht, geht es heute um das, was den Mond umkreist.

Bevor die Astronauten von Apollo 11 auf dem Mond landen konnten, musste sie erst einmal eine Umlaufbahn um den Mond herum einnehmen. Das gelang ihnen hervorragend. Aber so wie alles andere in der Raumfahrt musste auch das erst lange geübt werden. Die ersten, die überhaupt was zum Mond geschickt hatten, war die Sowjetunion. Ihre Raumsonde Luna 1 flog am 4. Januar 1959 in 6000 Kilometer Entfernung am Mond vorbei. Aber eben nur vorbei, nicht rundherum. Im September schlug Luna 2 auf dem Mond auf und war damit das erste Objekt aus Menschenhand das dort landete. Eine Umlaufbahn hat aber auch sie vorher nicht erreicht. Luna 3 flog tatsächlich um den Mond herum. Aber es war keine echte Umlaufbahn, es war ein “Hin, rum und Zurück” (Nein, das ist kein offizieller Raumfahrtausdruck; das hab ich mir gerade ausgedacht). Es war eine “freie Rückkehrbahn”, also vereinfacht gesagt eine Flugbahn in Form einer liegenden “Acht” in deren beiden Teilen Erde und Mond liegen. Damit konnte Luna 3 im Oktober 1959 zwar das erste Mal die Rückseite des Mondes fotografieren. Aber ein Umlaufbahn war es eben nicht. Luna 4 flog am Mond vorbei, ungeplant. Luna 5 schlug auf dem Mond ein; ebenfalls ungeplant. Luna 6, 7 und 8 hatten ebenfalls Fehlfunktionen. Luna 9 landete am 31. Januar 1966 erfolgreich auf dem Mond und die Landung war tatsächlich eine Landung und kein Einschlag. Und auch wenn das eine sehr beeindruckende Premiere war – das erste Mal eine kontrollierte und sanfte Landung auf dem Mond – musste man immer noch auf die Umkreisung warten.

Die gelang mit Luna 10 am 3. April 1966. Drei Stunden brauchte sie für einem Umlauf um den Mond. Der erste künstliche Satellit des Mondes maß Gammastrahlung, hatte Instrumente dabei um Mikrometeorite zu registrieren, suchte nach Infrarotstrahlung vom Mond und analysierte auch den Sonnenwind und die Stärke der kosmischen Strahlung in der Umgebung des Mondes. Sie entdeckte außerdem das, was wir heute “Mascons” nennen, also große Bereiche mit Gestein das eine höhere Dichte als üblich hat (“mass concentration”). Man geht davon aus, dass sie in der Frühzeit des Sonnensystems entstanden als riesige Asteroiden auf dem Mond einschlugen. Neben all der Wissenschaft hatte Lunar 10 auch noch ein Gerät an Bord das “Die Internationale” abspielen und zur Erde senden sollte. Was aber – im Gegensatz zur wissenschaftlichen Mission – nicht funktioniert hat.

Die Amerikaner waren – wie immer zu dieser Zeit – ein klein wenig langsamer als die Sowjetunion. Ihre erste Mondumlaufbahn wurde im August 1966 von der Raumsonde “Lunar Orbiter 1” erreicht. Die ersten Menschen die den Mond in einer Umlaufbahn umrundeten waren dann aber doch Amerikaner. Und zwar Frank Borman, James Lovell und William Anders, die im Rahmen der Apollo-8-Mission am 24. Dezember 1968 in eine echte Mondumlaufbahn einschwenkten und den Mond zehnhmal umrundeten, bevor sie wieder zurück zur Erde flogen.

Die Besatzung von Apollo 8 (Bild: NASA, gemeinfrei)

Seitdem hat der Mond immer wieder künstliche Satelliten bekommen. Und falls jemand nun wissen will, ob der Mond auch einen echten “Mond” haben kann, also einen natürlichen Himmelskörper der so um ihn herum kreist wie der Mond um die Erde: Diese Frage habe ich hier beantwortet.

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Sternengeschichten Folge 343: Der Supergalaxienhaufen Laniakea [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/sternengeschichten-folge-343-der-supergalaxienhaufen-laniakea/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sternengeschichten-folge-343-der-supergalaxienhaufen-laniakea http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/sternengeschichten-folge-343-der-supergalaxienhaufen-laniakea/#respond Fri, 21 Jun 2019 06:02:23 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30001 Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen. ————————————————————————————— Sternengeschichten Folge 343: Der Supergalaxienhaufen Laniakea Heute geht es in den Sternengeschichten wieder einmal ganz nach draußen. Beziehungsweise werfen wir einen Blick auf…]]>

SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter]
Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen.


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Sternengeschichten Folge 343: Der Supergalaxienhaufen Laniakea

Heute geht es in den Sternengeschichten wieder einmal ganz nach draußen. Beziehungsweise werfen wir einen Blick auf die sehr, sehr großen Strukturen im Universum. In Folge 63 habe ich ja schon mal über die großräumige Struktur des Kosmos gesprochen. Darüber, dass die Erde Teil des Sonnensystems ist, das Sonnensystem Teil der Milchstraßengalaxie die zusammen mit jeder Menge anderer Galaxie einen Galaxienhaufen bildet. Der wiederum mit anderen Galaxienhaufen einen Supergalaxienhaufen bildet und die vielen Supergalaxienhaufen im Universum bilden noch größere Strukturen.

Es ist aber gar nicht so einfach, diese großen Strukturen zu identifizieren und herauszufinden, was wozu gehört. Beim Sonnensystem ist es ja noch recht simpel: Alles was die Sonne dauerhaft umkreist, ist Teil des Sonnensystems. Und alle Sterne die sich um das Zentrum der Milchstraße bewegen sind Teil unserer Galaxie. Aber danach wird es schon ein wenig schwieriger. Wenn man die Bewegung der Galaxien selbst betrachtet sind die Dinge nicht mehr so klar. Bei Galaxien gibt es keine so klare Hierarchien mehr.

Die Sonne hat sehr viel mehr Masse als all die Himmelskörper die sie umkreisen. Sie ist das klare Zentrum des Sonnensystems und auch bei der Milchstraße ist in deren Zentrum sehr viel mehr Masse als in den äußeren Bereichen. Betrachtet man aber die Galaxien, die sich in einem Galaxienhaufen bewegen, gibt es selten ein einziges dominierendes Objekt um das herum sich alle anderen Galaxien bewegen. Die Systeme aus Milliarden von Sternen haben alle zumindest annäherungsweise die gleiche Masse und sie wirbeln durcheinander ohne das klar ist, wer jetzt zu wem gehört. Vor allem weil das “wirbeln” selbstverständlich höchst übertrieben war. Galaxien bewegen sich zwar wie alle anderen Objekte im Universum und sie tun das schneller als die Planeten oder Sterne. Aber die Größenskalen auf denen diese Bewegung stattfindet ist enorm. Die anderen Galaxien sind absurd weit von uns entfernt und die Abstände zwischen ihnen sind gewaltig. Die Umkreisung zweier Galaxien kann Millionen Jahre dauern und die Bewegung aller Objekte in einem Galaxienhaufen zu untersuchen ist ein kompliziertes Unterfangen. Nur weil wir ein paar Galaxien am Himmel in der gleichen Region sehen können heißt das noch lange nicht, dass sie auch zusammengehören und gemeinsam durch ihre wechselseitige Gravitationskraft aneinander gebunden sind.

Künstlerische Darstellung der Milchstraße mit Scheibe (außen) und dem hellen Bulge in der Mitte (Bild: Mark Garlick, public domain)

Will man die großräumigen Strukturen im Universum kartografieren, dann muss man normalerweise zuerst mal herausfinden, wie weit die Galaxien entfernt sind, die man klassifizieren will. Vielleicht sind die beiden Galaxien die wir dicht nebeneinander am Himmel sehen ja in Wahrheit Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt. Wir sehen ja immer nur ein zweidimensionales Bild. Entfernungsbestimmung ist aber nicht so einfach, vor allem bei diesen großen Entfernungen. Und selbst wenn man herausgefunden hat, dass ein Haufen Galaxien alle tatsächlich in der gleichen Region des Universums liegen, folgt daraus nicht, dass sie auch zusammen einen Galaxienhaufen bilden.

Schauen wir dazu wieder in das leichter verständliche Sonnensystem. Wir blicken zum Himmel und sehen auf unserer Aufnahme ein paar Planeten und vielleicht auch ein paar Asteroiden. Wir messen ihre Entfernung zur Sonne und stellen dabei fest, dass sie sich alle in mehr oder weniger der gleichen Gegend befinden. Sind sie deswegen auch alle Teil des Sonnensystems? Vielleicht. Vielleicht stammt aber auch einer der Asteroiden aus dem interstellaren Raum. Vielleicht saust er gerade mit enormer Geschwindigkeit durch unser Sonnensystem hindurch und verschwindet demnächst wieder irgendwo zwischen den Sternen. Um das zu bestimmen müssen wir auch die Geschwindigkeit kennen mit der sich die Objekte bewegen. Im Sonnensystem ist das halbwegs einfach, hier können wir ziemlich schnell bestimmen, auf welchen Bahnen sich Objekte bewegen und prüfen, ob sie die Sonne wirklich umkreisen oder nur auf der Durchreise sind.

Bei den Galaxien in einem Galaxienhaufen ist das aber viel schwieriger. Die beobachtbare Bewegung ist extrem gering; wir müssten schon ein paar Millionen Jahre am Stück beobachten um wirklich etwas davon zu sehen. Und auch hier kann es sein, dass eine Galaxie die sich inmitten anderer Galaxien befindet, nur auf der Durchreise ist und kein Teil des Galaxienhaufens. Es ist also, kurz gesagt, eine knifflige Situation. Die im Jahr 2014 der amerikanische Astronom Brent Tully und seine Kollegen ein wenig durchschaubarer gemacht haben. Sie haben jede Menge Galaxien in unserer Umgebung beobachtet und zwei unterschiedliche Arten von Geschwindigkeiten bestimmt. So etwas macht man bei diesen Entfernungen über die Rotverschiebung. Darüber habe ich ja schon in Folge 21 der Sternengeschichten ausführlich gesprochen. Das ganze funktioniert mit dem Doppler-Effekt, den man auch von der Sirene bei Einsatzfahrzeugen kennt. Dort ändert sich die Tonhöhe, je nachdem ob das Fahrzeug sich auf uns zu oder von uns weg bewegt weil die Schallwellen durch die sich bewegende Schallquelle entweder gestaucht oder gestreckt werden. Das funktioniert mit Licht aber genau so, nur ändert sich hier die Farbe entweder in Richtung blau, wenn sich eine Lichtquelle auf uns zu bewegt oder zum Roten, wenn sie sich entfernt.

Wir wissen, dass das Universum sich beständig ausdehnt. Alle Galaxien die wir beobachten bewegen sich also von uns fort und zwar umso schneller, je weiter sie entfernt sind, wie ich in Folge 249 ausführlich erklärt habe. Alle Galaxien zeigen also auch eine Rotverschiebung die um so größer ausfällt, je größer ihre Entfernung ist. Diese Rotverschiebung ist aber eben ein Result der Expansion des Universums; sie entsteht weil der Raum selbst sich ausdehnt, nicht weil die Galaxie sich DURCH den Raum bewegt. Das tut sie aber und auch das verursacht eine kleine Rotverschiebung. Diese durch die Eigenbewegung der Galaxie verursachte Rotverschiebung ist es die relevant ist wenn wir wissen wollen, wer zu einem Galaxienhaufen gehört und wer nicht. Denn die sagt uns etwas über das gravitative Kräftemessen im Universum.

Stellen wir uns einen einfachen Fall vor: Zwei große Galaxien weit voneinander entfernt und eine dritte Galaxie irgendwo dazwischen in der Mitte. Beide äußeren Galaxien üben eine Gravitationskraft auf die mittlere Galaxie aus – aber welche ist stärker? Wenn wir sehen könnten, in welche Richtung sich die mittlere Galaxie bewegt, wüssten wir auch, ob wir sie mit der einen oder der anderen Galaxie zu einer Gruppe zusammenfassen sollen.

In der Realität ist das noch viel komplizierter. Da hat man nicht drei Galaxien sondern hunderttausende die alle aneinander zerren und jeweils ihre Bewegung beeinflussen. Um das aufzudröseln hat haben Tully und seine Kollegen also probiert die Eigenbewegung der Galaxien zu messen. Das ist bei weit entfernten Objekten extrem schwer, weil die durch die Expansion des Universums verursachte Rotverschiebung deutlich größer ist als die, die von der Eigenbewegung stammt. Aber es ist ihnen mit ein paar neuen mathematischen Filtermethoden gelungen die Daten so zu verarbeiten, dass sie auch diesen kleinen Anteil isolieren und so die Bewegungsstrukturen der vielen Galaxien in unserer Umgebung sichtbar machen konnten.

Und sie stellten dabei fest, dass man hier klare Grenzen ziehen kann. Ein Haufen Galaxien bewegte sich – vereinfacht gesagt – gemeinsam in die eine Richtung, ein anderer Haufen in die andere Richtung. Die Realität ist ein bisschen komplizierter, man kann es sich vielleicht so vorstellen wie die Wasserscheiden bei Flusssystemen. Alle Flüsse fließen ja irgendwann ins Meer. Hier in Europa fließen manche ins Mittelmeer, manche in die Nordsee, manche in den Atlantik, manche ins schwarze Meer, und so weiter. Welcher Fluss wo landet kann man auf den ersten Blick nicht so einfach sagen. Die Donau zum Beispiel fließt nach Süden ins schwarze Meer, der Rhein nach Norden in die Nordsee, und das obwohl die Quelle des Rheins viel weiter südlich liegt als die Quelle der Donau. Aber wenn man alle Quellen auf einer Karte einzeichnet und schaut, wohin die Flüsse fließen, kann man trotzdem Grenzen um die jeweiligen Einflussbereiche der Meere ziehen. Diese Grenzen sind die Wasserscheiden und so ähnlich funktioniert es auch bei den Galaxien. Man kann Grenzen finden, die die gravitativen Einflussbereiche der Galaxienhaufen voneinander trennen. Beziehungsweise IST in dem Fall der gravitative Einflussbereich genau das, was man “Galaxienhaufen” nennt.

Ich glaube ich kann mein Haus sehen! (Tully et al, 2014)

In diesem Fall haben Tully und seine Kollegen circa 100.000 Galaxien identifiziert, darunter auch die Milchstraße, die sich über einen Bereich von ungefähr 520 Millionen Lichtjahren erstrecken und alle aufgrund ihrer Bewegung zusammengehören. Bisher dachte man, der sogenannte Virgo-Haufen wäre die übergeordnete Struktur zu der Milchstraße gehört. Unsere Galaxie bildet ja mit ein paar anderen Galaxien, darunter die Andromedagalaxie, den sogenannten “Lokalen Haufen”. Und dieser Galaxienhaufen gehört mit ein paar anderen Galaxienhaufen zum Virgo-Haufen. Dachte man. Die neue Arbeit hat gezeigt, dass der Virgo-Haufen quasi nur ein Vorort einer noch viel größeren Struktur ist. Nämlich dem riesigen Supergalaxienhaufen der den Namen “Laniakea” bekommen hat. Das Wort stammt aus dem Hawaiischen und bedeutet so viel “unermesslicher Himmel”. Eine absolut treffende Beschreibung! Die mehr als 500 Millionen Lichtjahre durchmessende Region des Univesums mit ihren 100.000 Galaxien zu der auch wir gehören kann man mit Sicherheit als “unermesslich” für uns Menschen beschreiben. Und noch unermesslicher wird die Sache, wenn wir uns klar machen, dass auch Laniakea nur einer von sehr, sehr vielen solcher Supergalaxienhaufen im Universum ist…

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Wenn aus Ungesagtem Unsagbares wird: Politische Kultur am Abgrund oder am Wendepunkt? [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt/#respond Thu, 20 Jun 2019 17:40:13 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4079 Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bringt die AfD in Erklärungsnöte. Selbst hochrangige AfD-Funktionäre haben immer wieder Äußerungen von sich gegeben, die man als Aufruf zur gewaltsamen Abrechnung mit dem politischen Gegner verstehen kann. So ist beispielsweise bis heute eine Drohung des Chefs der AfD in Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, bei twitter online:

„Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden! Dafür lebe und arbeite ich. So wahr mir Gott helfe!“

Natürlich will ich Uwe Junge nicht unterstellen, dass er das als Aufruf zu Mord und Totschlag am politischen Gegner gemeint hat, aber es ist eben auch nicht klar, was er gemeint hat und mancher Hitzkopf liest aus solchen Ankündigungen eben heraus, was er meint, dass es gemeint ist. Auch Gaulands böses Wort über die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz kann man so oder so verstehen:

„Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.”

So hat er es selbstverständlich nicht gemeint, sondern so. Also irgendwie anders. Gegenüber Walter Lübcke gab es im Vorfeld nicht nur offene Morddrohungen aus der rechtsradikalen Szene, sondern eben auch „missverständliche“ Äußerungen der rechten Politprominenz, erst vor kurzem von Erika Steinbach. Jetzt hat also jemand irgendetwas so verstanden, wie es die AfD hoffentlich nie gemeint hat, aber bewusst als assoziationsoffenes Angebot nach rechts in die öffentliche Diskussion gab. Und wenn solche „missverständlichen“ Äußerungen von Rechtsaußen in den Kommentaren dann eindeutig ausgelegt wurden, hat man sie oft genug nicht gelöscht, sondern stehenlassen. So wird Unsagbares aus Ungesagtem.

Wie geht die AfD mit der Situation um? Das „strategische Entsetzen“ der Parteioberen und der in Machtergreifungskategorien denkenden Köpfe des AfD-Umfelds ist groß. Der Mord an Walter Lübcke zerstört das Spiel des Offenhaltens von „Nicht-so-Gemeintem“ gegenüber rechten Auslegungen und dementsprechend versucht man nun zu suggerieren, man habe nie dieses Spiel gespielt und sich immer eindeutig gegen jede Gewalt, natürlich von links und rechts, distanziert. Alice Weidel exerziert das auf Facebook vor:

„Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschüttert ganz Deutschland. Mutmaßlicher Täter soll ein verurteilter Neonazi sein, der jüngsten Ermittlungen zufolge nicht allein handelte. Der 45-Jährige ist einschlägig vorbestraft, war Mitglied der NPD, saß wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis und griff in den Neunziger Jahren eine Asylunterkunft an. Die Ermordung Walter Lübckes ist die Tat eines Wahnsinnigen, eines Entglittenen.“

Sie weiß schon, dass es ein „Neonazi“ war, kein Mitläufer der AfD, kein von AfD-Sprüchen zur Tat verleiteter Sympathisant. Und natürlich muss er „wahnsinnig“ sein. Vielleicht stimmt das alles, aber auch solche Leute können anfällig für da sein, was über Jahre von prominenten AfD-Leuten zu hören war. Aber wer darauf hinweist, diffamiert, so Weidel, eine „fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Bürgerpartei“:

„Statt pietätvoll Lübckes Familie Raum zur Trauer zu lassen und das Geschehen bis ins kleinste Detail lückenlos aufzuklären, verfallen die Altparteien in ihre üblichen Beißreflexe und versuchen den Mord in Verbindung mit der AfD zu bringen. Damit verunglimpfen sie nicht nur unsere fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Bürgerpartei, die sich schon zur Gründung gegen Extremismus und Gewalt eindeutig positionierte, sondern man diffamiert zugleich Millionen unserer Wähler.“

Nicht wirklich lange ist es her, dass Alice Weidel mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, sie habe sich in einer Mail 2013 so über die Bundesregierung geäußert:

„Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen“

Das ist RAF-Sprache pur. Wenn die AfD es ernst damit meint, durch ihre Sprache nicht zu Gewalt beitragen zu wollen, sollte sie einmal innehalten und darüber nachdenken, ob sie wirklich gar keinen Anlass zur Selbstbesinnung hat, statt gleich wieder zurückzuschießen und Kritikern an ihrem Politikstil Diffamierung zu unterstellen. Weidels Aufforderung, „Abrüstung ist das Gebot der Stunde“, gilt das für die AfD-Frontleute selbst nicht? Sonst liegt die Vermutung nahe, dass der Mord an Walter Lübcke für die AfD nur ein politischer Spielball im immer gleichen Spiel ist: Die AfD ist das unschuldige Opfer von Kampagnen der Schweine und Marionetten der Siegermächte, die man eines Tages zur Rechenschaft ziehen muss und dann irgendwo in Anatolien entsorgt.

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 171 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/astronomie-in-365-tagen-tag-171-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-171-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/astronomie-in-365-tagen-tag-171-sonne/#respond Thu, 20 Jun 2019 16:41:26 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30134 Um den Kern herum befindet sich die “Strahlungszone”. Hier wird die Energie aus dem Kern in Form von Strahlung in Richtung der Sonnenoberfläche transportiert.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 171

Tag 171/365: Um den Kern herum befindet sich die “Strahlungszone”. Hier wird die Energie aus dem Kern in Form von Strahlung in Richtung der Sonnenoberfläche transportiert.

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Wahrscheinlichkeitstheorie für Babys [Mathlog] http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/20/wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/20/wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys/#respond Thu, 20 Jun 2019 07:22:51 +0000 http://scienceblogs.de/mathlog/?p=12404 Der Loewe-Verlag hat damit begonnen, eine Baby-Universität herauszubringen, unter anderem mit Büchern zur Quantenphysik und Relativitätstheorie. Einen Band „Wahrscheinlichkeitstheorie für Babys“ gibt es bisher nicht, dafür hat das englische Original der Buchreihe aber Bayesian Probability for Babies im Angebot. Die Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung haben eine Kinderseite, bei der in jedem Heft eine Knobelaufgabe mit…]]>

Der Loewe-Verlag hat damit begonnen, eine Baby-Universität herauszubringen, unter anderem mit Büchern zur Quantenphysik und Relativitätstheorie. Einen Band „Wahrscheinlichkeitstheorie für Babys“ gibt es bisher nicht, dafür hat das englische Original der Buchreihe aber Bayesian Probability for Babies im Angebot.

Die Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung haben eine Kinderseite, bei der in jedem Heft eine Knobelaufgabe mit Praxisbezug gestellt wird. Im neuen Heft gibt es eine Aufgabe zur Wahrscheinlichkeitstheorie: Wie wahrscheinlich ist es, beim Einkaufen im Supermarkt einen glatten Eurobetrag zu bezahlen? Hängt es auch von der Anzahl der gekauften Artikel ab?

Ich muß zugeben, dass mich die Aufgabe etwas ratlos zurückläßt.
Wie immer, wenn ich nicht weiterweiß, wende ich mich also an die Leser, um die Frage per Abstimmung zu klären.

Wie wahrscheinlich ist es, einen glatten Eurobetrag zu bezahlen?

1%
10% – falls eine durch 10 teilbare Artikelanzahl erworben wurde.
10% – falls eine durch 10 teilbare Artikelanzahl, aber kein Obst und Gemüse, erworben wurde.
Nichts davon.
Survey Maker | Make Surveys in Minutes | PollMaker

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Can you decipher this encrypted inscription from the Way of Saint James? [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/20/can-you-decipher-this-encrypted-inscription-from-the-way-of-saint-james/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=can-you-decipher-this-encrypted-inscription-from-the-way-of-saint-james http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/20/can-you-decipher-this-encrypted-inscription-from-the-way-of-saint-james/#respond Thu, 20 Jun 2019 15:47:09 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18718 Camino de Santiago hiker Jens Grabarske has made me aware of an encrypted inscription in northern Spain. Can reader decipher it? In 2006, German actor and comedian Hape Kerkeling published a book about his hike on the Way of Saint James (Camino de Santiago). Titled I’m Off Then (German original: Ich bin dann mal weg),…]]>

Camino de Santiago hiker Jens Grabarske has made me aware of an encrypted inscription in northern Spain. Can reader decipher it?

In 2006, German actor and comedian Hape Kerkeling published a book about his hike on the Way of Saint James (Camino de Santiago). Titled I’m Off Then (German original: Ich bin dann mal weg), this work became extremely popular in Germany. It was translated into English in 2009. According to Wikipedia, I’m Off Then has sold over three million copies. A film adaptation was released in December 2015.

Contrary to most other works of Hape Kerkeling, I’m Off Then is not primarily humoristic in nature. Instead, it tells the true story of how Kerkeling started his long, solitary hike in order to escape his midlife crisis.

As a consequence of Kerkeling’s unexpected bestseller, hiking on the Way of Saint James (actually, it consists of many ways, all of which lead to the cathedral of Santiago de Compostela, Spain) became very popular in the German-speaking world. Originally, a hike of this kind was considered a pilgrimage, but nowadays many people take such a trip without religious motives.

My friend and fellow-skeptic Jens Grabarske recently started a hike on the Way of Saint James, too. On the Camino Primitivo, the oldest route to Santiago de Compostela, near the town of Tineo, Jens came across the following stone:

Source: Jens Grabarske

Apparently, the inscription on this stone is encrypted. Thankfully, Jens thought of me and sent me a picture of it.

This stone (I don’t know if it has an official name) isn’t mentioned in the crypto literature I am aware of. I haven’t even found information about it on the internet. When I learned about it from Jens, the first thing I did is include it in my Cryptologic Travel Guide.

The solution of the cryptogram is known. However, I will wait for a few days before I publish it. Readers of this blog are invited to try to decipher this message themselves and to publich the plaintext in the comment section. Good luck!


Further reading: The Langelsheim inscription: an unsolved cryptogram on a baroque altar

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Noch einmal: Die Kommentarspalten des Deutschen Ärzteblatts als Spielwiese der Impfgegner [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/noch-einmal-die-kommentarspalten-des-deutschen-aerzteblatts-als-spielwiese-der-impfgegner/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=noch-einmal-die-kommentarspalten-des-deutschen-aerzteblatts-als-spielwiese-der-impfgegner http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/noch-einmal-die-kommentarspalten-des-deutschen-aerzteblatts-als-spielwiese-der-impfgegner/#respond Thu, 20 Jun 2019 10:39:34 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4075 Vor vier Wochen hatte ich hier darüber berichtet, dass die Kommentarspalten des Deutschen Ärzteblatts, immerhin das Organ der Bundesärztekammer, beim Thema Impfen von Impfgegnern zugespammt werden. Es sind im Wesentlichen immer drei Kommentatoren, „Mitdenker“ und „Pro-Natur“, zwei faktenbefreite Polemiker, und – mit etwas mehr Datenbezug – „Rosenkohl“.

Ich habe gerade die Kommentarspalten des Ärzteblatts zum Thema Impfen in den letzten vier Wochen noch einmal überflogen, die drei sind praktisch immer dabei. So auch gestern bei einem Ärzteblatt-Bericht über den Tod eines dreijährigen Kindes in Dresden, das möglicherweise infolge einer Meningokokken-Infektion gestorben ist. Ob tatsächlich eine Meningokokken-Infektion ursächlich war, wird noch untersucht. Der Kommentar von „Pro-Natur“ dazu beim Ärzteblatt:

Der Kommentator nimmt den Tod des Kindes, dessen nähere Umstände zudem noch offen sind, zum Anlass, mit falschen Aussagen Stimmung gegen das Impfen zu machen. Dass Impfen einen negativen Einfluss auf das Immunsystem hat und ungeimpfte Kinder gesünder seien, behauptet nicht einmal der gewiss nicht impfaffine Autor von „Eingeimpft“, David Sieveking. Der zitiert immerhin die Studien von Peter Aaby zu unspezifischen Impfeffekten, positiven wie negativen. Bei dem Thema ist noch vieles unklar, aber für die pauschale und einseitig negative Aussage von Pro-Natur spricht nichts, gar nichts.

Die Frage bleibt, warum das Deutsche Ärzteblatt diese Narrenbühne zulässt, als ob man die Warnung der WHO, dass Impfgegner eine „globale Bedrohung“ darstellen, nicht gehört hätte.

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Die Wiederauferstehung des Dodo – vom Pummelchen zum kräftigen Läufer (Teil 2) [Meertext] http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/20/die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/20/die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer/#respond Thu, 20 Jun 2019 07:00:13 +0000 http://scienceblogs.de/meertext/?p=2952 Auf der Basis der vorliegenden Informationen eine Rekonstruktion erschaffen, ist nicht nur eine fachliche Herausforderung, sondern auch zeitraubend und kostenintensiv. 2015 zeigte ein Sponsor Interesse, das Senckenberg-Museum bei so einer Dodo-Rekonstruktion finanziell zu unterstützen. So konnte Hilde Enting – fast – mit ihrem Projekt Dodo loslegen.
Sie wollte unbedingt noch die neue Publikation abwarten, deren Erscheinen für 2016 angekündigt war. Einer der Autoren: der versierte Dodologe Julian Hume. So verzögerte sich das Projekt noch einmal, aber diese Arbeit sollte noch wichtige neue Impulse geben und einige ihrer Vermutungen bestätigen.

Die meisten Dodo-Skelette stammen aus Grabungen im Mare aux Songes, einem küstennahen Sumpfgebiet im Südosten der Insel Mauritius. Der Sumpf ist eine Fossillagerstätte, in der sich die subfossilen Überreste von etwa 300 Dodos und anderer im Holozän ausgestorbener Tierarten angesammelt haben, darunter viele Dodos. Eine Expedition von 2005 erbrachte neue Ergebnisse: Viele der Tiere waren offenbar während einer Dürreperiode im zähen Schlamm des Sumpfes stecken geblieben, sie sind dann dort verendet und ihre Knochen eingespült worden. Allerdings liegen die Knochen durcheinander und lassen sich nicht einzelnen Individuen zuordnen, so dass daraus “Komposit-Dodo-Skelette” entstanden sind, die heute in vielen Museen der ganzen Welt sind. Eines dieser Exemplare gehört auch zur Sammlung des Senckenberg-Museums.

Die meisten heute erhaltenen Dodo-Skelette sind also aus den Knochen verschiedener Vögel zusammengesetzt, die – abhängig von Alter und individuellem Körperbau – unterschiedlich groß gewesen sein dürfte. Für biomechanische Analysen ist aber das Größenverhältnis der einzelnen Knochen zueinander aussagekräftig. Eine seriöse biomechanische Untersuchung kann also nur an den Knochen eines einzigen Individuums durchgeführt werden.
Claessens, Hume und ihre Mitautoren legten mit ihrer Arbeit “The morphology of the Thirioux dodos” eine neue Rekonstruktion des Bewegungsablaufs und der Körperhaltung vor, die auf einem ganzen Skelett basierte (Claessens, L. P. A. M., H. J. M. Meijer, and J. P. Hume. 2015. The morphology of the Thirioux dodos; pp. 29–187 in L. P. A. M. Claessens, H. J. M. Meijer, J. P. Hume, and K. F. Rijsdijk (eds.), Anatomy of the Dodo (Raphus cucullatus L., 1758): An Osteological Study of the Thirioux Specimens. Society of Vertebrate Paleontology Memoir 15. Journal of Vertebrate Paleontology 35(6, Supplement)).

Claessens, Hume et al haben die Knochen der beiden Skelette, die nachweislich zu jeweils einem einzigen Individuum gehören, untersucht. Diese Skelette stammen aus einer historischen Grabung des mauritianischen Amateur-Naturforschers Etienne Thirioux, der sie vor mehr als 100 Jahren gefunden hatte. Er konnte seine Funde damals nicht publizieren und so sind sie in Vergessenheit geraten. Sie stammen aus einer anderen Lokalität – Thirioux hatte sie 1904 in Höhlen bei Le Pouce, gefunden. Die Exemplare gehören heute Museen in Durban und Port Louis.
Vor allem das Exemplar aus Port Louis bot den Dodologen neue Einsichten in die relativen Proportionen des großen flugunfähigen Vogels, der perfekt an sein Ökosystem angepasst war. Das Projekt zur Studie der Biomechanik der Fortbewegung trägt den Namen „Dodomotion“-Projekt. Es ging dabei auch um die besonderen musculoskeletalen Modifikationen, die die schnelle Evolution der Köpergröße ermöglichten.

Claessens, Hume und ihre Mitautoren legten mit ihrer Arbeit “The morphology of the Thirioux dodos” eine neue Rekonstruktion des Bewegungsablaufs und der Körperhaltung vor, die auf einem ganzen Skelett basierte (Claessens, L. P. A. M., H. J. M. Meijer, and J. P. Hume. 2015. The morphology of the Thirioux dodos; pp. 29–187 in L. P. A. M. Claessens, H. J. M. Meijer, J. P. Hume, and K. F. Rijsdijk (eds.), Anatomy of the Dodo (Raphus cucullatus L., 1758): An Osteological Study of the Thirioux Specimens. Society of Vertebrate Paleontology Memoir 15. Journal of Vertebrate Paleontology 35(6, Supplement)).


Dodo-Golem aus Draht, Knetmasse, Federn und mehr

Die Rekonstruktion eines ausgestorbenen Tieres ist eine Arbeit im Spannungsfeld zwischen Forschung, Handwerk und Kunst. Um aus einzelnen Teilen und Meßdaten ein lebensnahes Modell zu bauen, braucht es ein enormes Wissen von Anatomie bis Materialkunde, Forschergeist und geschickte Hände. Stück für Stück hat sich die Präparatorin mit unterschiedlichen Techniken dem Dodo genähert, theoretisch und praktisch. Ihre Arbeitsgrundlage waren die detailliert vermessenen Skelette in der Arbeit von Claessens, Meijer und Hume.
Aus den anatomischen und biomechanischen Daten hat Hilde Enting zunächst ein lebensgroßes Dodo-Poster gezeichnet, in dem Knochen, Körper- und Gefiederumriss sowie die wichtigen Maße eingezeichnet waren. Auch die aufrechte Körperhaltung stammt aus dieser Arbeit.

Das Grundgerüst besteht bei Präparaten oft aus einem Skelett – beim Dodo undenkbar, die wenigen Skelette sind viel zu kostbar. So hat Hilde Enting ihrem Vogel ein Gerippe aus Draht und anderen stabilen Materialien gegeben. Dabei hat sie bereits die Größe und lebensnahe Körperhaltung des Tieres angelegt.  Mit formbarem Füllmaterial wie Modelliermasse bekam das Gerüst die Körperform und -fülle. Die Oberfläche des Dodo-Körpers sieht mit ihrer Muskulatur so lebensecht aus wie ein gerupfter Truthahn – nur ohne Stoppeln.
Nach den Abmessungen und der aufrechten Körperhaltung ist der Frankfurter Dodo nun 72 Zentimeter hoch. In vielen anderen Quellen wird er als einen Meter hoch beschrieben. Das zeigt mal wieder, dass kaum jemand ihn ernsthaft gemessen, sondern die meisten Autoren wohl eher voneinander abgeschrieben haben. So, wie die Maler und Zeichner kopiert haben, ohne selbst Material gesehen zu haben.

Die vorhandenen Gipsabgüsse von Kopf und Fuß wurden eingescannt, dann 3 D-ausgedruckt. Diese Druck-Produkte sind allerdings erst ein Zwischenschritt, denn sie stammen von mumifizierten, verformten Körperteilen mit geschrumpftem Weichgewebe.
Raphus cuclatus hatte ein nacktes Gesicht mit einem gewaltigen Schnabel. Der Schnabel hatte eine große Hornscheide, die an einen übergestülpten Socken erinnert und endete in einem Haken. Der Schnabel des Senckenberg-Exemplars war natürlich ohne die Hornscheide, die nach dem Tod des Tieres brüchig wird und ab- oder zerfällt.
Hilde Enting begann ihre Rekonstruktion mit dem Einscannen des Kopf-Gipsabdrucks und einem 3 D-Print. Den hat sie dann abgeformt, dann gegossen, an dem Ergebnis hat sie dann weiter geschnitzt, bis sie mit der Form zufrieden war – schließlich musste sie die Größe und Form der Hornscheide rekonstruieren und dem Dodo-Gesicht realistische Hautfalten geben.
So hilfreich und nützlich 3 D-Drucker sind, sie sind nur ein weiteres Instrument im Werkzeugkoffer der Präparatoren. Ein einzigartiges Präparat braucht immer noch viel mehr Arbeit und Kunstfertigkeit.

Der Dodo-Fuß ist kräftig, groß und fleischig. Ganz klar der Fuß eines Fußgängers, irgendwo zwischen Huhn und Nandu. Die Weichteile des mumifizierten Fußes sind natürlich geschrumpft und verformt. Hier hat sie die Maße des sehr großen Exemplars aus der Claessens-Arbeit genommen und auf diese Knochen dann um Weichteile und Haut – angelehnt an den mumifizierten Fuß – ergänzt. Wenn man sich ausschaut, wie lebendig die Schwielenpolster und die reptilhafte Hautoberfläche sind, werden die Sachkenntnis und Kunstfertigkeit der Präparation deutlich.

Die Befiederung eines Präparats ist auch eine besondere Herausforderung – schließlich sollen die Federn wie lebendig aussehen. Wie viele Federn in verschiedenen Formen und Größen hatte das Original?
In diesem Fall beschloß Hilde Enting, die Gefieder-Rekonstruktion einem Feder-Experten zu überlassen: Dem Erfurter Präparator Marco Fischer (BioDesign, Apolda). Im Januar 2018 wurde der Dodo zum Befiedern gegeben. Der Ohrfasan (Crossoptilon auritum) sollte der Federspender werden. Dieser in Asiens Mischwäldern lebende Fasan hat eine ähnliche Ökologie und ein vermutlich ähnliches Gefieder wie der Dodo – grau und „haarartig zerschlissen“ sind seine Federn. Die Federn ausgesuchter Fasanen wurden nochmals gefärbt, in verschiedenen Braun-Nuancen.
Das schlichte braune Federkleid lässt den Aufwand, den es verursachte, kaum ahnen.
Die Flügelchen mit ihrer Haltung tief an der Seite des runden Rumpfes und ihrer kurzen Befiederung sind auf den Gemälden gut erkennbar – so auch beim Senckenberg-Dodo.
Aber wie sieht es mit dem Schwanz aus?
Der Dodo hat ein rundes Hinterteil, einige Gemälde und Zeichnungen zeigen einen Federtuff.
Eine Abbildung präsentiert den exotischen Vogel sogar von der Hinterseite– den Bürzel schmückt ein blütenartiger Federtuff. Ob die Dronte-Kehrseite ein Affront des Zeichners gegen seinen Auftraggeber war oder ein anderes Zeichen setzen sollte, wissen wir heute nicht – aber sicher ist, dass der Dodo auch von hinten sehenswert war. Die auffallend gekräuselten Schwanzfedern werden oft in Texten und Abbildungen beschrieben, in anderen Beschreibungen fehlen sie hingegen ganz.
Einige Wissenschaftler meinen, dass Raphus vielleicht nur manchmal ein schmuckes Schwänzchen hatte, abhängig von der Jahreszeit. Das würde das zeitweilige Vorhandensein eines so auffallenden Merkmals erklären.

So hat die geniale Präparatorin in monatelanger Arbeit leblosen Materialien wie Draht und Modelliermasse Leben eingehaucht und einen Dodo-Golem erschaffen.
Aus glänzenden Augen schaut er mich aus der Vitrine an, die helle Iris lässt seinen Blick scharf wirken: Zeitgenossen sagen, seine Augen hätten geglitzert wie Diamanten, erklärt Hilde Enting, darum hat sie Glasaugen mit heller Iris gewählt.
Erhaben und neugierig gleichermaßen ist der stattliche Vogel.
Bei genauerem Hinschauen ist zu sehen, dass die hintere Zehe leicht erhoben ist – daran klebt eine Daunenfeder. Erst bei man ganz Hinsehen wird erkennbar, was die Feder dort hält: Ein Dodo-Köttel.

Gleich hinter dem Eingang zur Vogelabteilung steht er nun, hinter der Treppe in die oberen Stockwerke.
In der Gesellschaft des Riesenalks und einiger Moas. Flugunfähige Vögel von unterschiedlichen Kontinenten. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle sind durch den Menschen ausgerottet worden. Ein Club der gefiederten Mahner.

Nur ausgeleuchtet ist er noch nicht ganz perfekt – hoffentlich bekommt das neue Highlight des Vogelsaals noch etwas mehr Licht.


Dodo und Mensch – Zerrbild einer unglücklichen Beziehung

Warum ist der Dodo unsterblich geworden, ja gerade symbolhaft für ein ausgerottetes Tier? Bezeichnend dafür ist der englische Ausdruck „dead as a dodo“.
Und nicht der Solitär von der Insel Reunion? Ebenfalls ein großer flugunfähiger Vogel, auf einer Insel endemisch lebend und im gleichen Zeitraum entdeckt und ausgerottet.
Im Senckenberg steht der Dodo in einer kleinen Gruppe Vögel, die durch den Menschen ausgelöscht worden sind: Riesenalk und Moas.
Erschlagen für ihr Fleisch oder um in Kuriositäten- und Naturaliensammlungen zu enden.

„Ausgestopft“ zu postmortalem Ruhm gekomme. Selbst ihre Eier wurden noch gesammelt, zum Essen oder für oologische Sammlungen – die Rieseneier waren begehrte Sammlerstücke für Museen und Zeitgenossen, die sich gern als Naturphilosophen inszenierten.
Die meisten dieser Vögel sind nur wenigen Menschen bekannt.
Was hat der Dodo, was sie nicht haben? 

Trotz aller Dramatik sieht der Dodo auf Abbildungen und Rekonstruktionen eher sympathisch als dramatisch aus. Neugierig, zutraulich, behäbig.
Außerdem haben ihn ja schon die ungebildeten Menschen vor Jahrhunderten ausgerottet, lange bevor es Artenschutzmaßnahmen gab. Da müssen wir aufgeklärte Menschen uns heute keine Vorwürfe machen.
War er vielleicht selbst schuld, weil er so arglos war?

Oder zu langsam zum Weglaufen?
In Wahrheit war er gar nicht tollpatschig. Das Projekt Dodomotion hat jedenfalls erbracht, dass der auf Mauritius lebende Dodo ein perfekt an seine Umgebung angepaßter Laufvogel war, der in einer schnellen Evolution das Fliegen aufgab und zum Läufer wurde, wie seine kräftigen Füße und Beine sowie die aufrechte Körperhaltung bezeugen.
Zum bemitleidenswerten übergewichtigen Tolpatsch, der traurig auf zu großen Füßen herumstolpert, wurde er erst durch den Menschen. Für seine Arglosigkeit konnte er nichts, auf seiner Insel gab es keine Feinde. Der nachtaktive Fruchtfresser konnte in aller Ruhe seine Nester am Boden bauen und seine Küken dort behüten.
Bis zur Ankunft der Menschen mit ihrer Gier nach Proviant und Kuriositäten und ihrer vierbeinigen Plage von Begleitern wie Hunden, Katzen und Ratten. Dann war es schnell um die endemischen Vögel geschehen, innerhalb weniger Jahrzehnte waren sie vollständig ausgerottet.

Der Dodo ist ein besonderer Vogel und gleichzeitig Metapher und Projektionsfläche: Einst ein exotisches Tier, steht er heute für die Rücksichtslosigkeit der Menschen und und stetige Bedrohung der Biodiversität.


Persönliche Anmerkung:
2002 haben Hilde Enting und ich gemeinsam in der Zoologischen Abteilung des Hessischen Landesmuseums eine kleine Vitrine zum Dodo und Solitär eingerichtet. Den ca zwei Quadratmetern war kaum anzusehen, wieviel Rechercheleistung dafür nötig war. Die braunen abgenagt aussehenden Knochen des Solitärs sahen alles andere als kostbar aus, vom Dodo war noch weniger vorhanden. Solange beschäftigt sich die Präparatorin bereits mit diesem Thema. Dieser Zeitraum zeigt, wie lange es manchmal braucht, um in einem Museum auch nur eine einzelne Rekonstruktion zu realisieren.

Für diesen Artikel haben wir von Hilde eine Sonderführung bekommen und davon jede Minute genossen!

 

Zum Weiterlesen:

Claessens, Hume und ihre Mitautoren legten mit ihrer Arbeit “The morphology of the Thirioux dodos” eine neue Rekonstruktion des Bewegungsablaufs und der Körperhaltung vor, die auf einem ganzen Skelett basierte (Claessens, L. P. A. M., H. J. M. Meijer, and J. P. Hume. 2015. The morphology of the Thirioux dodos; pp. 29–187 in L. P. A. M. Claessens, H. J. M. Meijer, J. P. Hume, and K. F. Rijsdijk (eds.), Anatomy of the Dodo (Raphus cucullatus L., 1758): An Osteological Study of the Thirioux Specimens. Society of Vertebrate Paleontology Memoir 15. Journal of Vertebrate Paleontology 35(6, Supplement)).

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Dodo_-_2_From_the_Journal_of_the_Gelderland_1601.png

https://www.welt.de/wissenschaft/article168017311/So-lebte-der-sagenumwobene-Riesenvogel-wirklich.html#

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturgeschichte-des-dodo-raetselhafter-vogel-zum-liebhaben.976.de.html?dram:article_id=442205

https://www.theatlantic.com/science/archive/2016/06/the-dodos-redemption/486086/

https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02724634.2015.1121723?scroll=top&needAccess=true

https://books.google.de/books?id=g9ZogGs_fz8C&pg=PA229&lpg=PA229&dq=Joris+Joostensz+Laerle&source=bl&ots=1C933zV4Hq&sig=ACfU3U1IKCZDykY-OEfpXuzBhAFl7qcM4g&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwj96snbscviAhVlMewKHS66BGgQ6AEwDHoECAkQAQ#v=onepage&q=Joris%20Joostensz%20Laerle&f=false

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http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/20/die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer/feed/ 0 42879
SCE to AUX oder: Wie Apollo 12 beinahe nicht zum Mond geflogen wäre [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere/#respond Thu, 20 Jun 2019 06:00:38 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29836 In meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute einen Gastbeitrag von Rüdiger. Er hat eine sehr schöne Geschichte über ein technisches, aber sehr interessantes (und wichtiges!) Detail der Apollo-Mondflüge aufgeschrieben. Ich wünsch euch viel Spaß damit – und wenn ihr auch eine Geschichte über den Mond, die Mondlandung oder ein verwandtes…]]>

In meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute einen Gastbeitrag von Rüdiger. Er hat eine sehr schöne Geschichte über ein technisches, aber sehr interessantes (und wichtiges!) Detail der Apollo-Mondflüge aufgeschrieben. Ich wünsch euch viel Spaß damit – und wenn ihr auch eine Geschichte über den Mond, die Mondlandung oder ein verwandtes Thema als Gastbeitrag erzählen wollt, dann schreibt mir doch einfach ne Mail (aber bitte bis 30. Juni).
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SCE to AUX Oder: Wie Apollo 12 beinahe nicht zum Mond geflogen wäre

Gastbeitrag von Rüdiger

An einem regnerischen Freitagnachmittag, dem 14. November 1969 um 16:22 Uhr Ortszeit startete die Apollo 12 Mission mit den Astronauten Charles “Pete” Conrad, Richard F. Gordon und Alan L. Bean mit einer Saturn V Rakete von der Startrampe 39A in Cape Canaveral.

Nach der geglückten Landung von Apollo 11 und den ersten Schritten auf dem Mond, sollte diese Mission im Oceanus Procellarum, dem Ozean der Stürme landen, in unmittelbarer Nähe der zwei Jahre zuvor dort gelandeten Sonde Surveyor 3. Dies war besonders spannend, weil man so die Gelegenheit hatte, zu untersuchen, wie sich ein längerer Aufenthalt auf dem Mond auf die Technik auswirkt.

Die Wetterbedingungen waren nicht ideal. Es regnete in Strömen und ein Gewitter zog über das Startgebiet. Der Start fand jedoch planmäßig statt. Die fünf mächtigen F1-Triebwerke der ersten Stufe brachten den Boden zum Erbeben und verbrannten ihre rund 60.000 bzw. 90.000 Liter an Kerosin und flüssigem Sauerstoff pro Minute. Eine unvorstellbare Leistung von 34.000 kN Schub wurden freigesetzt. Die mächtigen Haltearme, die die Saturn V bis jetzt an ihrem unteren Rand auf der mobilen Startplattform festgehalten haben, schwenkten nach oben, und während ein flammendes Inferno unter den Triebwerken sich den Weg durch den Flammengraben bahnte, erhob sich langsam und majestätisch die fast 3.000 Tonnen schwere Rakete, passierte den Launch Umbilical Tower und drehte sich planmäßig durch das für die Startphase vorgesehene Rollprogramm in die korrekte Position. Alles sah, trotz des schlechten Wetters, nach einem Bilderbuchstart aus.

Dann – genau 36,5 Sekunden nach dem Start – traf ein Blitz die startende Rakete. Der Abgasstrahl aus ionisiertem Gas fungierte wie ein Blitzableiter, an dem der Blitz entlang zum Boden wandern konnte. Sensoren in den Brennstoffzellen des Kommando-Service-Moduls, die für die Stromversorgung der Kommandokapsel zuständig waren, bemerkten eine Überladung und schalteten diese ab, was zum Ausfall eines Großteils der Cockpitinstrumente führte. Knapp 16 Sekunden später schlug ein weiterer Blitz in die Rakete ein. Diesmal fiel in der Kommandokapsel auch der sogenannte “Eight-Ball” aus, der Fluglageanzeiger. Zusätzlich wurde die Übermittlung der Telemetrie an Mission Control gestört, die Terminalbildschirme zeigten wirre Muster von blinkenden Zeichen an.

Blitzeinschlag im LUT nach dem Start von Apollo 12. Bild: NASA, Scan: Ed Hengeveld, gemeinfrei

Pete Gordon blickte indessen an Bord der “Yankee Clipper” getauften Kommandokapsel auf einen, wie er ihn später bezeichnete, “beleuchteten Weihnachtsbaum” von Warn- und Alarmlichtern.

“I got three fuel cell lights, an AC bus light, a fuel cell disconnect, AC bus overload 1 and 2, Main Bus A and B out. We just lost the platform gang. I don’t know what happened here; we had everything in the world drop out.”, funkte er zu Gerald Carr, der als CAPCOM (Capsule Communicator) die Verbindung mit den Astronauten über Sprechfunk hielt.

Die Techniker in Mission Control hatten nicht die geringste Ahnung, was passiert war. Sie wussten nichts von dem Blitzschlag. Die Anzeigen auf ihren Bildschirmen waren ein einziger Kauderwelsch. John Aaron, ein Techniker in Mission Control, bezeichnete sie untertrieben als “non-sensical”.
Man stand also mit einem Problem da, das noch nie aufgetreten war, und von dem man noch nicht einmal genau wusste, was es war, geschweige denn, wo es herkam. Guter Rat war mehr als teuer.

Der Datenmüll auf den Terminals der Controller. Bild: NASA, gemeinfrei

Zumindest flog die Rakete immer noch auf Kurs. Die Steuerung, die sogenannte Instrument Unit für die anfängliche Flugphase bis in den Orbit, befand sich nämlich nicht in der Kommandokapsel, sondern in einem Ring zwischen der zweiten und dritten Stufe. Dort waren die Fluglagesensoren, Gyroskope, Beschleunigungssensoren und ein Flugkontrollcomputer, der von IBM für die NASA entwickelt worden war, untergebracht. Die Instrument Unit war von den restlichen Systemen komplett unabhängig und schien trotz des Blitzeinschlags noch brav ihren Dienst zu tun, was den Astronauten und Mission Control zumindest noch ein paar Minuten Zeit verschaffte, bis eine Entscheidung über einen Missionsabbruch getroffen werden musste.

In so einem Fall würde der sogenannte Launch Escape Tower an der Spitze der Rakete gezündet werden, und die Kommandokapsel mit den Astronauten in eine sichere Entfernung bringen. Dann würde die komplette restliche Rakete kontrolliert gesprengt werden, was man natürlich vermeiden wollte. Aber was nutzten noch so viele zusätzliche Minuten, wenn man keine Telemetriedaten hatte, aufgrund derer man das Problem hätte analysieren oder gar beheben können?
John Aaron war für die Telemetrietechnik eigentlich gar nicht zuständig. Sein Bereich waren die Brennstoffzellen, die Elektrik der Kapsel, der Kabinendruck und andere Systeme. Die Mitarbeiter in Mission Control, die Ingenieure und Techniker saßen in den “Gräben”, den Trenches, wie die Reihen von Kontrollpulten im sogenannten MOCR, dem Mission Operations Control Room genannt wurden. Dort wurden die unterschiedlichen Kontrollstationen mit Akronymen bezeichnet. FIDO, TELMU, GNC, RETRO… überhaupt war die NASA immer groß darin, alles mögliche mit coolen Abkürzungen zu versehen. Das hatte jedoch auch einen Sinn: Es ermöglicht eindeutige Namen, die möglichst kurz sind, da sie beispielsweise auch im Funkverkehr ständig verwendet werden, und hier kommt es auf kurze, präzise Bezeichnungen an. Wer sich einen typischen “Flight Director’s Loop” (zum Beispiel von einem Start) anhört, wird merken, wie außerordentlich effizient diese “NASA-Speech” sein kann.

Effizient war auch die Arbeitsweise und Problemlösungstaktik in Mission Control, aber ohne Daten half auch dies nicht. Wirre Zeichen flimmerten über die Mattscheibe der Terminals.

Gerry Griffin, der als Flight Controller die Hauptaufsicht über den Missionsablauf hat, musste bald eine Entscheidung treffen. Go oder No Go. Er wollte nicht unbedingt als der erste Flight Controller in die Geschichte eingehen, der einen Missionsabbruch mit Selbstzerstörung der größten, jemals gebauten Rakete befahl.

Aber keine der Stationen konnte in dieser Situation ein “Go” geben. Man tappte immer noch im Dunkeln.
Ein sinnfreies Muster blinkte dort, wo Daten über den Zustand der Systeme angezeigt werden sollten. John Aaron starrte auf dieses Muster. Er hatte es irgendwo schon einmal gesehen. Er dachte angestrengt nach. Es war vor über einem Jahr gewesen. Damals wurden die Systeme der Kommandokapsel während einer Testsequenz am Boden versehentlich mit nur einer Batterie hochgefahren. Die Elektronik, die die Signalspannung anpasst und die Daten der Telemetriesensoren aufbereitet, erhielt nicht genügend Strom und erzeugte quasi Datenmüll. Genau so einen Datenmüll, wie der, auf den er gerade blickte.

SCE to AUX. Bild: NASA, gemeinfrei

“Flight, try SCE to AUX!” – John Aaron sprach Gerry Griffin über seine Konsole hinweg an, der verdutzt zurück fragte: “SCE to AUX? What is that?”, aber dennoch Gerald Carr instruierte, die Anweisung an die Crew weiterzugeben. Er vertraute selbstverständlich auf die Expertise seiner Mitarbeiter, so auch auf die von John Aaron.

Carr gab die Anweisung weiter: “Apollo 12, Houston. Try SCE to auxiliary. Over.”

Pete Conrad an Bord der Yankee Clipper antwortete prompt: “FCE to auxiliary… What the hell is that?”

Gordon fiel im Hintergrund ein: “FCE? Fuel Cells?”

“NCE..?”, fragte Conrad zurück.

Gerald Carr korrigierte: “SCE, SCE to AUX. SCE to auxiliary!”

Alan Bean, der als Lunar Module Pilot (LMP) auf der rechten Seite der Kapsel saß, wusste was gemeint war. Er sah den Schalter direkt vor sich. Er betätigte ihn. SCE. Signal Conditoning Electronics. Die Elektronik zur Signalaufbereitung auf Hilfsstrom schalten.

Bingo.

Die Daten waren wieder da. Die Telemetrie funktionierte. Jetzt konnten die Mitarbeiter in Mission Control wieder etwas tun. Schnell war das Problem eingekreist: Die Brennstoffzellen waren ausgefallen – sicherheitshalber von den Bordsystemen abgeschaltet worden. Man musste sie nur resetten und neu starten, wollte aber warten, bis der Orbit sicher erreicht war.

Mittlerweile war auch die erste Stufe der Saturn V leergebrannt und abgetrennt worden. Die Instrument Unit spulte beharrlich ihr Programm ab. Für die Astronauten fühlte sich das Staging, das Abtrennen der Stufe, in etwa so an, als ginge man bei 300 Sachen voll in die Eisen, um ein paar Sekunden darauf von null auf 300 in einer Sekunde zu beschleunigen. “A hell of a ride”, wie mancher Astronaut es beschrieb.
All das lief jedoch perfekt nach Plan ab, die Instrument Unit hatte während all dieser aufregenden Minuten die Rakete auf Kurs gehalten und die Abtrennung der ersten Stufe veranlasst. Diese Unit der Saturn V basierte übrigens auf einem Versuchssystem, das Wernher von Braun und Konrad Dannenberg bereits über 20 Jahre zuvor in Peenemünde in ihrer A4 (Aggregat 4) getestet hatten; jener Rakete, die seinerzeit als “Vergeltungswaffe” V2 traurige Berühmtheit erlangte. IBM hatte diese weiterentwickelte Version für die NASA gebaut.

John Aaron. Bild: NASA, gemeinfrei

John Aaron, der durch eine Kombination aus Zufall, Wissen und Neugier, über den Tellerrand seiner Zuständigkeit hinaus über Systeme Bescheid zu wissen, genau im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen konnte und damit Apollo 12 vor einer Katastrophe bewahrt hat, wurde für diese Aktion mit dem Spitznamen “Steely-Eyed Missile Man” bedacht. Seitdem ist dies im NASA-Jargon ein feststehender Begriff für einen Ingenieur oder Astronauten, der schnell eine geniale Lösung für ein schwieriges Problem unter extremem Druck findet.

Aaron war übrigens auch bei der Beinahe-Katastrophe von Apollo 13 mit von entscheidender Bedeutung. Nachdem bei der Mission auf ungefähr halbem Weg zum Mond eine Explosion die Sauerstofftanks des Versorgungsmoduls zerstört hatte, war er es, der die einzig mögliche Vorgehensweise benannte: Die Kommandokapsel abzuschalten und die Mondlandefähre als Rettungsboot zu nutzen, obwohl man zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob man die Kapsel überhaupt jemals würde reaktivieren können. Dies nicht zu tun, hätte jedoch in einem sicheren Tod der Besatzung in den nächsten Stunden resultiert.
Und wer zufällig den Film “Der Marsianer” im Originalton schaut (oder das Buch liest), wird bemerken, dass in der Szene, wo die Besatzung der Hermes ohne Wissen der NASA ein Manöver zur Kursänderung vornimmt, die Kommandantin folgende Nachricht an Mission Control übermittelt:
“Houston, Be Advised: Rich Purnell is a Steely-Eyed Missile Man.”

Rich Purnell ist in der Geschichte ein Astrodynamiker, der in einer brenzligen Situation eine funktionierende Lösung für ein in dem Moment unmöglich scheinendes Problem findet. Durch sein komplexes “Purnell-Manöver” wird die Rettung von Mark Watney überhaupt möglich gemacht.
Es gibt aber auch noch andere “Steely-Eyed Missile Men”, auch wenn sie vielleicht offiziell nicht so genannt werden. Alle Mitarbeiter in Misson Control, jeder Flight Director, jeder Techniker und Ingenieur. All diese Menschen leisten eine großartige Arbeit. Die Pioniere in Mission Control haben diesen Job nicht nur erlernt, sondern auch von quasi Null an entwickelt. Als Alan Shepard als erster US-Amerikaner mit einer Mercury Redstone Rakete, einer umgebauten militärischen Langstreckenrakete zu seinem ersten Suborbitalflug aufbracht, waren die Arbeitsabläufe und Prozeduren noch in den Kinderschuhen. Die Technik war immer gerade so weit und so gut, dass sie das tat, wofür man sie brauchte. Man war ungeheuer kreativ, musste alles quasi neu erfinden. Hier war hauptsächlich Christopher Columbus Kraft (ja, er heißt wirklich so…) für verantwortlich. Er und Gene Kranz, der sowohl die Mondlandung als Flight Director begleitet hat, als auch bei Apollo 13 während der Rettungsaktion die Fäden in der Hand hatte, haben Mission Control maßgeblich mit aufgebaut und all die Prozeduren entwickelt, die dafür gesorgt haben, dass ein “SCE to AUX” im richtigen Moment eine ganze Mission, das Raumfahrtzeug und vor allem die Astronauten rettet.

Wer sich übrigens näher für die Geschichte und Technik von Mission Control interessiert, dem seien folgende Videos ans Herz gelegt:
• Failure Is Not An Option – A Flight Control History of NASA:

• Mission Control – The Unsung Heroes of Apollo
https://www.netflix.com/title/80175483

Zu den amerikanischen Weltraummissionen generell:
When We Left Earth – The NASA Missions

Und hier zu der Technik, die speziell für das Mondprogramm entwickelt wurde:
Moon Machines

Und wer die Landung multimedial nachverfolgen will, wird hier fündig. Die echten Audio-Loops, zusätzlich repräsentiert als Kurznachrichten im Twitter-Style, plus synchrone Videosequenzen. Sehr beeindruckend.
First Men on the Moon

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere/feed/ 0 42786
Wieder einmal Bioscan & Co. [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/19/wieder-einmal-bioscan-co/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wieder-einmal-bioscan-co http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/19/wieder-einmal-bioscan-co/#respond Wed, 19 Jun 2019 21:13:21 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4072 Seit einiger Zeit berichten die Medien regelmäßig über blinkende Scheindiagnostika wie Bioscan, dem Gerät, das auch dem Leberkäse sagt, ob er zum Arzt soll. Heute war dazu unter dem Titel „Abzocke mit Bioscannern in der Apotheke“ wieder ein Beitrag in der ARD, gefühlt zum zehntenmal. Manche Apotheken reden den Kunden mit den Bioscannern erst nichtvorhandene gesundheitliche Probleme ein und bieten dann dazu passend teure Mittelchen an. Wenn man Glück hat, verliert man nur Geld, wenn man Pech hat, seine Gesundheit. Im Plusminus-Beitrag heute wurde z.B. einer Testperson mit ganz normalen Eisenwerten ein Eisenmangel „diagnostiziert“ und ein entsprechendes Mittel empfohlen. Eine dauerhafte Eisenüberversorgung kann zu gesundheitlichen Beschwerden bis hin zu Gewebeschäden führen.

Der Hersteller des Bioscan-Geräts bewirbt es als „Skalarwellen-Analysator“. Skalarwellen gibt es nicht. Ob man sich für diese Aussage demnächst auch eine juristische Unterlassungsaufforderung einhandelt, weiß ich nicht, ich kann hier ja schon einmal vorsorglich sagen, dass ich nicht vorhabe, mich mit diesem Unsinn länger als unbedingt nötig zu beschäftigen.

Was mich interessiert: Wenn das Gerät in Apotheken eingesetzt wird, um den Absatz anzukurbeln, obwohl es physikalischer und technischer Unfug ist, warum werden dann die Apothekerkammern nicht aktiv? Und analog, wenn Ärzte damit arbeiten, warum nicht die Ärztekammern? Die Berufsordnungen der Landesapothekerkammern enthalten z.B. solche Formulierungen: „Der Apotheker hat im Rahmen seines Verantwortungsbereiches geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die der Sicherung der Qualität seiner Berufsausübung und seiner Arbeitsstätte nach dem Stand von Wissenschaft und Technik dienen“, die der Landesärztekammern solche: „Mit Übernahme der Behandlung verpflichten sich Ärztinnen und Ärzte den Patientinnen und Patienten gegenüber zur gewissenhaften Versorgung mit geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.“ Und was sagt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu?

Was Herr Spahn dazu meint, will ich erst mal noch nicht fragen, er produziert schließlich selbst wie eine Art Bioscanner am laufenden Band fragwürdige Problembeschreibungen mit fragwürdigen Lösungsvorschlägen. Aber wenn ich die gefühlt 100.ste Sendung zu Bioscannern ansehen musste, gründe ich VEGIDA, die „Vernünftigen gegen die Irrationalisierung des Abendlandes“, kaufe mir einen Bioscanner und schicke jeden Montag die Befunde an Spahn.

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http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/19/wieder-einmal-bioscan-co/feed/ 0 42896
Astronomie in 365 Tagen: Tag 170 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne/#respond Wed, 19 Jun 2019 16:41:29 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30133 Der Kern der Sonne hat einen Radius von circa 175.000 km. Er enthält fast die Hälfte ihrer gesamten Masse. Die Dichte ist dort so hoch, dass hier Kernfusion stattfinden kann. Die gesamte Energie der Sonne wird dort produziert.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 170

Tag 170/365: Der Kern der Sonne hat einen Radius von circa 175.000 km. Er enthält fast die Hälfte ihrer gesamten Masse. Die Dichte ist dort so hoch, dass hier Kernfusion stattfinden kann. Die gesamte Energie der Sonne wird dort produziert.

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne/feed/ 0 42857
Hilfe ich bin verstrahlt worden! – Anfragen & Fälle von Lesern mit Gesundheitsproblemen und Strahlung – Teil 3 – Häufige Fehler [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/19/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/19/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler/#respond Wed, 19 Jun 2019 06:44:01 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=1918 Ich habe nach einer sehr hohen Strahlendosis eine Woche lang Blut gehustet und im Bett am Morphintropf gehangen. Ich weis, wie es ist nur jeden zweiten Gedanken klar fassen zu können und gleichzeitig mit der Angst klarzukommen das, was da passiert, irgendwie überstehen zu müssen. Damit bin ich aber als Strahlenphysiker und potentieller Gutachter/Experte einer…]]>

Ich habe nach einer sehr hohen Strahlendosis eine Woche lang Blut gehustet und im Bett am Morphintropf gehangen. Ich weis, wie es ist nur jeden zweiten Gedanken klar fassen zu können und gleichzeitig mit der Angst klarzukommen das, was da passiert, irgendwie überstehen zu müssen. Damit bin ich aber als Strahlenphysiker und potentieller Gutachter/Experte einer von Wenigen. Sachbearbeiter auf Ämtern, Gutachter in Instituten, Justizbeamte und Wissenschaftsbegeisterte Menschen in Foren haben diese Erfahrung (mit ein paar Ausnahmen) nicht … und das ist gut so.

Nur wenn man die Emotionen und menschlichen Schicksale hinten anstellt, dann können ordentliche, sachliche und objektive Urteile gefällt, Maßnahmen ergriffen und umgesetzt werden. Wenn wir unseren Ängsten die Oberhand überlassen, dann enden wir im Chaos und es wird der Gesellschaft als solches schlechter gehen. Daher will ich von Anfang an eine Lanze brechen für die kranken Menschen, die eben gerade an einem wirklichen Tiefpunkt schreiben, diskutieren, berichten und ebenso, für die Offiziellen, die objektiv sein wollen, sollen und müssen.

  1. Gesundheit ist das Wichtigste. Bevor ihr loslegt und einen Schuldigen dingfest macht, eine Behörde zum Eingreifen bringt oder jemanden verklagt, seht erstmal zu, dass das es euch gut geht. Akute Gefährdungssituationen müssen entschärft sein und Medikamente müssen stabil eingestellt sein. Klar gibt es genug Krankheiten, die sehr lange dauern und tendenziell immer schlimmer werden. Aber auch diese haben stabile Phasen (und wenns auch nur für ein paar Tage sind) und Achterbahnfahrten wenn neue Medikamente oder Symptome dazu kommen. Seht zu, dass ihr nur in den stabilen Phasen was tut und sonst die Ressourcen zur Erholung und Heilung einsetzt.
  2. Holt euch psychologische Hilfe. Das sind die besten Verbündeten, die ihr haben könnt. Therapeuten, Psychater und Pychoonkologen helfen mit den Ängsten besser fertig zu werden, die alle ganz natürlich in einer solchen Situation haben. Wenn man mit diesen besser klar kommt, dann hat man viel mehr Ressourcen für Heilung und letztendlich auch “den (Gegen)angriff” zur Verfügung.
  3. Einen Freund: Es ist genauso, wie wenn man mit dem Ex-Partner per Brief und Mail um das Sorgerecht der zuvor noch verhassten Zimmerpflanze streitet. Dann geht es plötzlich nicht mehr um die Zimmerpflanze, sondern alle Emotionen kochen hoch und beide werfen sich nur noch Beleidigungen und die kleinsten Kleinigkeiten an den Kopf, die in der Beziehung schief gelaufen sind. Da braucht ihr einen guten Freund und dem gebt ihr dann alles, was ihr schreibt, im Internet verfasst und sonstwie in die Welt hinaustragt erst mal zum drüberlesen. Wenn der dann sagt: “Ne das kannste aber so nicht sagen.” Dann hört auf den und schreibt es notfalls noch mal neu.
  4. Holt euch Hilfe: Am besten Selbsthilfegruppen und Organisationen wie das rote Kreuz oder Greenpeace. Zur Not irgendwelche Diskussionsforen im Internet (wie diese hier). Aber Vorsicht, da treiben sich die wildesten komischen Gesellen (wie ich) herum, von denen man nie wirklich wissen kann, wer sie sind oder was sie eigentlich wollen. Wir Menschen sind Herdentiere und die Gemeinschaft macht uns stark. Holt Hilfe.
  5. Bleibt ruhig: Bei jeder “Attacke gegen eine Behörde” lasst dem “Gegner” eine Rückzugsmöglichkeit und setzt ihm nicht die Pistole auf die Brust. Wenn ihr merkt, dass eine Behörde mauert, abblockt, sich unendlich lang Zeit mit der Bearbeitung lässt … dann lasst sie. Ruft nicht täglich einen Sachbearbeiter an, sondern nehmt eine Auszeit und überlegt in Ruhe, ob eine andere Strategie an einer anderen Stelle nicht sinnvoller wäre. Das gleiche gilt für euch selber. Lasst euch immer eine Rückzugsmöglichkeit offen. Wenn ihr euch immer nur mit dem Bundesamt für Strahlenschutz beschäftigt und die euch schon in Lawinen von Gutachten begraben haben, die euch haarklein erklären, warum euer Fall unmöglich ist … dann gebt euch geschlagen. Zieht euch zurück und kämpft an einem anderen Tag an einer anderen Stelle. Wer sich absolut verbissen an einer Stelle festkämpft der hat nicht nur verloren, der wird auch sonst nichts mehr anderes machen. Wo Leben ist, da ist noch Hoffnung und wenn es an einer völlig neuen Stelle passiert.
  6. Lasst ab von Drachen: Redet nicht von Geheimdiensten, Regierungsverschwörungen und dergleichen. Da könnt ihr nur verlieren, selbst wenn es war ist. Behaltet es für euch, aber hängt es nicht an die große Glocke.

Beispiel: Fallbeispiel NHL

  1. Nur so halb. Grundsätzlich ist er in ärztlicher Behandlung bzgl. des NHL-Krebs, aber es gibt verschiedenen Behandlungsmethoden, manche Medikamente nur bei Studien etc. pp. Würde die vermeintliche Strahlungsbehandlung in der Kindheit als Ursächlich angesehen werden könnten evtl. zusätzliche, neue medizinische Verfahren (wie Antikörperbehandlung) eine Option sein. Aber eigentlich sollte mit der klaren jetzigen Diagnose ein stabiler Zustand erreicht sein.
  2. Keine Angaben. Bei Leuten “vom alten Schlag” ist psychologische Hilfe oft stigmatisiert. Ich hoffe hier ist das nicht der Fall.
  3. Keine Angaben. Aber wenn Behörden die gleichen Briefe, mit einem gleichen Satzbau, wie ich bekommen haben, dann hat da garantiert kein zweites paar Augen drüber geguckt. Bitte unbedingt ändern.
  4. Keine Angaben. Er ist wohl im Internet aktiv, was ihn auch hier auf Scienceblogs gebracht hat, aber das ist die schwächste Form von Hilfe, die es geben kann. Wie sieht es in dem Fall mit Greenpeace oder den Grünen aus?
  5. Da hat er sich wohl durch alle möglichen Behörden und Institutionen telefoniert und geschrieben. Empfehlungen siehe oben.
  6. Keine richtigen Drachen in Sicht, nur Beamte und Verantwortliche, die im Zweifelsfall den eigenen Pelz retten wollen. Das kann man denen dann auch sicher nicht vorwerfen. Also kein Problem an dieser Front

Zurück zur Einleitung und dem Fallbeispiel

 

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/19/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler/feed/ 0 42475
Johann Wolfgang von Goethe und der Mond [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond-2/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond-2 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond-2/#respond Wed, 19 Jun 2019 06:01:14 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29835 Wenn wir an die erste Landung von Menschen auf dem Mond denken, dann denken wir vor allem an Technik, Raumfahrt und Wissenschaft. Und natürlich war die Landung eine technische und wissenschaftliche Meisterleistung. Aber der Mond hat selbstverständlich auch eine kulturelle und geisteswissenschaftliche Seite. Und in der heutigen Folge meines 50tägigen Countdowns zum 50. Jubiläum der…]]>

Wenn wir an die erste Landung von Menschen auf dem Mond denken, dann denken wir vor allem an Technik, Raumfahrt und Wissenschaft. Und natürlich war die Landung eine technische und wissenschaftliche Meisterleistung. Aber der Mond hat selbstverständlich auch eine kulturelle und geisteswissenschaftliche Seite. Und in der heutigen Folge meines 50tägigen Countdowns zum 50. Jubiläum der Mondlandung geht es daher um einen, der Geistes- und Naturwissenschaft immer schon als Teil eines großen Ganzen gesehen hat: Johann Wolfgang von Goethe.

Goethe schaut – vermutlich gerade nicht zum Mond (Bild: K.J. Stieler, gemeinfrei

Goethe kennt man heute natürlich für seine literarischen Werke. Aber er hat sich immer auch schon sehr für die Naturwissenschaft interessiert. Als Geheimrat in Weimar war er unter anderem für den Bergbau zuständig, was, wie er selbst gesagt hat, sein Interesse an der Natur geweckt hat. Goethe hat übrigens auch die Sternwarte in Jena gegründet und zwar im ehemaligen Garten von Schiller (und welche andere Sternwarte kann schon auf so eine Geschichte verweisen!). Goethe wollte auch die Newtonsche Optik umstürzen und entwickelte eine eigene Lehre von Licht und Farben. Die war aber eher Quatsch – was nichts daran ändert, dass er sich sein Leben lang mit der Naturwissenschaft beschäftigt hat.

In seinen literarischen Werken kann man sie daher auch immer wieder finden. Inklusive Mond. Aus dem Jahr 1778 stammt zum Beispiel das Gedicht mit dem Titel “An den Mond”:

“Füllest wieder Busch und Thal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud’ und Schmerz
In der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd’ ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt!

Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!

Wenn du in der Winternacht
Wüthend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.”

Gleich hier bei mir zuhause ums Ecke liegen die schönen Dornburger Schlösser und als Goethe dort 1828 den Mond beobachtet hat, hat ihn das zum Gedicht “Dem aufgehenden Vollmond” inspiriert:

“Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen,
Und nun bist du gar nicht da.

Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, dass ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.

So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht!”

Vollmondnacht am Fluß (gemalt von Goethe), gemeinfrei

Goethe hat den Mond aber nicht nur mit Papier und Feder in der Hand beobachtet, sondern auch mit dem Teleskop. In seinen Briefen findet man immer wieder Berichte über seine Beobachtungen. Am 11. Februar 1800 schrieb er etwa an Friedrich Schiller:

“Um 7 Uhr, da der Mond aufgeht, sind Sie zu einer astronomischen Partie eingeladen, den Mond und den Saturn zu betrachten, denn es finden sich heute Abend drei Teleskope in meinem Haus.”

Goethe und Schiller, gemeinsam bei astronomischen Beobachtungen: Da wäre man wohl gerne dabei gewesen. Ich zumindest!

Und wie jeder Hobby-Astronom ist auch Goethe nicht immer erfolgreich bei seinen Versuchen, wie er am 2. April 1800 an Karl Ludwig von Knebel über sein neu gekauftes Teleskop schrieb:

“Den Mond zeigt es köstlich, mit den Planeten will es aber noch nicht ganz gelingen, ob man gleich den Ring des Saturns sehr deutlich unterscheidet; vielleicht gelingt es uns auch noch, das zweideutige und doppelbildartige in diesen Fällen bei Seite zu bringen.”

Und Goethe wäre nicht Goethe, wenn er nicht immer auch an die Frauen denken würde. Anscheinend hat er sein Teleskop zum Laufen gebracht und einiges damit vor, wie er am 10. April 1800 an Schiller berichtet:

“Es war eine Zeit, wo man den Mond nur empfinden wollte, jetzt will man ihn sehen, ich wünsche daß es recht viel Neugierige geben möge damit wir die schönen Damen nach und nach in unser Observatorium locken.”

Wer noch mehr über Goethe und den Mond wissen will, dem kann ich das kleine Büchlein “Goethes Monde: Gedichte und Zeichnungen”* empfehlen, das alle Stellen in Goethes Werken auflistet, in denen er über den Mond spricht (und aus der ich auch die obigen Zitate habe).

Ich bin mir sicher, dass Goethe auch anlässlich der ersten Landung auf dem Mond das eine oder andere Gedicht produziert hätte. Schade, das wir die nicht zu lesen bekommen.

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Diebe und Halsbänder [Mathlog] http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/19/diebe-und-halsbaender/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=diebe-und-halsbaender http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/19/diebe-und-halsbaender/#respond Tue, 18 Jun 2019 20:45:40 +0000 http://scienceblogs.de/mathlog/?p=12398 Dies ist eine Geschichte über Diebe. Sie stehlen zusammen ein Halsband. So beginnt Noga Alon im neuen Numberphile-Video. Das Halsband hat Rubine und Diamanten und diese sollen mit nur zwei Schnitten gerecht aufgeteilt werden. Dass das möglich ist folgt aus einem Stetigkeitsargument, das Alon als eine diskrete Version des Zwischenwertsatzes bezeichnet. Über ein ähnliches Stetigkeitsargument…]]>

Dies ist eine Geschichte über Diebe. Sie stehlen zusammen ein Halsband. So beginnt Noga Alon im neuen Numberphile-Video.

Das Halsband hat Rubine und Diamanten und diese sollen mit nur zwei Schnitten gerecht aufgeteilt werden. Dass das möglich ist folgt aus einem Stetigkeitsargument, das Alon als eine diskrete Version des Zwischenwertsatzes bezeichnet.

Über ein ähnliches Stetigkeitsargument hatte ich hier mal in TvF XII geschrieben, nämlich über den Beweis, dass jede geschlossene Kurve durch ein Quadrat umschrieben werden kann.

Der Beweis (nach dem Buch von Boltjanski-Efremowitsch) geht wie folgt:
Zu jedem Winkel α findet man ein Rechteck, dessen erste Seite Neigungswinkel α hat und das die Kurve umschreibt. (Man nehme einfach ein sehr grosses Rechteck mit Neigungswinkel α, das gross genug ist um die Kurve im Inneren zu enthalten. Dann verschiebe man die Seiten durch Parallelverschiebung, bis sie die Kurve gerade berühren.) Sei A die Länge der ersten Seite, B die Länge der zweiten Seite. Falls A-B=0 ist, haben wir ein Quadrat. A und B hängen stetig vom Winkel α ab. (Das muss man strenggenommen eigentlich noch beweisen.) Nun erhalten wir für α=90o dasselbe Rechteck wie für α=0o, wobei aber die Rolle von A und B vertauscht ist. Wenn also für α=0o A>B ist, dann ist für α=90o B>A (und umgekehrt). A-B ist also bei α=0o positiv und bei α=90o negativ, oder umgekehrt. Also muss A-B zwischendurch einmal den Wert 0 annehmen, wir bekommen also ein Quadrat.

Das ist „im Prinzip“ dasselbe Argument wie bei der Zerlegung des Halsbands. Im Video geht es dann natürlich noch um anspruchsvollere Probleme, wie sie im (englischen) Wikipedia-Artikel Necklace splitting problem beschrieben werden.

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http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/19/diebe-und-halsbaender/feed/ 0 42888
Die Geschichte der Erforschung des chemischen Universums [BioInfoWelten] http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/18/die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/18/die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums/#respond Tue, 18 Jun 2019 18:01:38 +0000 http://scienceblogs.de/bioinfowelten/?p=255 Heute bin ich auf eine interessante Veröffentlichung über die Geschichte der Chemie gestoßen, genauer gesagt, über die Entdeckung neuer chemischer Strukturen. Spannend finde ich das, weil Strukturdatenbanken die grundlegende Ressource meines Doktorarbeitsthemas waren, und weil neue chemische Moleküle immer auch das Potential für die Entwicklung neuer Medikamente bieten. Um die wissenschaftlichen Entdeckung der Chemie aus…]]>

Heute bin ich auf eine interessante Veröffentlichung über die Geschichte der Chemie gestoßen, genauer gesagt, über die Entdeckung neuer chemischer Strukturen. Spannend finde ich das, weil Strukturdatenbanken die grundlegende Ressource meines Doktorarbeitsthemas waren, und weil neue chemische Moleküle immer auch das Potential für die Entwicklung neuer Medikamente bieten.

Um die wissenschaftlichen Entdeckung der Chemie aus mehr als 200 Jahren zu analysieren, haben die Autoren natürlich nicht tausende Veröffentlichungen gewälzt, sondern die Geschichte der Chemie mit einem vollständig datengetriebenen Ansatz aufgerollt. Soll heißen, sie haben sich die größte Reaktionsdatenbank geschnappt, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und in der sich etwa 42 Millionen Reaktionen mit über 20 Millionen Substanzen befinden, und darauf eine Menge Statistiken berechnet.

Das “chemische Universum” umfasst alle möglichen chemischen Strukturen, von kleinen Molekülen wie Wasser, bis zu riesigen Molekülen wie Proteinen. Dazu zählen sowohl Substanzen, die auf natürliche Weise vorkommen, aber auch Substanzen, die chemisch synthetisiert werden müssen, das heißt durch eine Reaktion von zwei oder mehreren Verbindungen hergestellt werden. Jedes Jahr dehnt sich das “chemische Universum” um 4,4 Prozent aus, das heißt, jedes Jahr werden 4,4 Prozent neue chemische Strukturen entdeckt; davon etwa die Hälfte durch Synthese. Und das relativ konstant seit 1800. “Relativ”, weil dieses Wachstum natürlich auch Schwankungen unterlag, unter anderem durch gesellschaftliche, aber auch durch wissenschaftliche Ereignisse.

Die drei Zeitalter der Strukturchemie

Wissenschaftlich lassen sich in den Daten drei verschiedene Perioden erkennen, deren Übergänge sich überraschenderweise ziemlich scharf abtrennen lassen: das protoorganische, das organische und das organometallische “Zeitalter”. Während der Übergänge zwischen den Zeitaltern waren die Wachstumsraten leicht gestört, aber die Chemie kehrte schnell zu ihrem Wachstumstrend von 4,4 Prozent zurück.

Im protoorganischen Zeitalter (1800–1860) und vor allem in den ersten Jahren, schwankte die jährliche Wachstumsrate noch recht stark. In diesem Zeitalter dominierten anfangs Kohlenstoff- und Wasserstoff-Verbindungen, später Verbindungen auf Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff- und Halogenbasis. In dieser Zeit wurde der chemische Raum noch hauptsächlich durch Extraktion von Substanzen aus tierischen und pflanzlichen Produkten erweitert; Synthese fand wenn, dann basierend auf typisch anorganischen Verbindungen statt.

Im zweiten Zeitalter, dem organischen Zeitalter (1861–1980), wurden neue Substanzen bereits mit einer viel größeren Regelmäßigkeit entdeckt. Diese Regelmäßigkeit lässt sich wissenschaftlich auch mit der Einführung der Valenz- und Strukturtheorie in Verbindung bringen, die die Forschung in der organischen Chemie um 1860 veränderte. Ab da gingen die Chemiker in ihrer Arbeit wesentlich planmäßiger vor und die Neuentdeckungen waren dadurch weniger vom Zufall bestimmt als in der Epoche zuvor.

Im organometallischen Zeitalter (1981-heute) erlebten die Metallverbindungen ein Revival, sowohl als Ausgangsstoffe als auch als Endprodukte chemischer Reaktionen. Zehn Prozent der neuen Verbindungen basierten auf Platinmetallen. Siliciumverbindungen, bisher kaum beachtet in der Geschichte der Chemie, wurden zu Stars. Noch stärker als in der vorherigen Epoche wurde regelmäßig eine Verbindung nach der anderen synthetisiert. Ab etwa 1995 gewannen vor allem bioorganische Verbindungen an Interesse.

Das “Abgrasen” des chemischen Universum

Interessanterweise wurden nicht nur neue Strukturen entdeckt, sondern auch neue Stoffzusammensetzungen, also die Menge an Elementen, aus denen die Moleküle bestehen (unabhängig von deren Verhältnis, vgl. Summenformel). Unangefochten auf Platz 1 stehen seit 1890 die Substanzen, die sich rein aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff zusammensetzen. Alles in allem wurde das “chemische Universum” also bisher eher ohne rechten “Plan” abgegrast. Nur wenige der Stoffzusammensetzungen sind überhaupt ausführlich untersucht.

Einfluss gesellschaftlicher Ereignisse: Chemie in Zeiten der Weltkriege

Wie zu erwarten, hatten die beiden Weltkriege einen drastischen Einfluss auf die Wissenschaft und führten zum vorübergehenden Einbruch in der Anzahl der neu entdeckten chemischen Substanzen. Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs waren besonders verheerend, insbesondere weil sich die chemische Industrie und Forschung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf Deutschland konzentrierte. Im Nachhinein führte der Krieg zu einem raschen Aufstieg der Chemie in anderen Ländern, insbesondere den USA. Vielleicht auch deshalb waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Anzahl chemischer Neuentdeckungen weniger stark zu spüren. Nach beiden Kriegen erholte sich die chemische Forschung (so wie auch andere Forschungsgebiete) von diesen Rückschlägen relativ schnell und kehrte zu ihrer Wachstumskurve von etwa 4,4 Prozent pro Jahr zurück.

Die Kriege führten aber auch zu einer Verlagerung der chemischen Forschung. Während des Ersten Weltkriegs nahm unter anderem die Bedeutung von Arsen-, Antimon- und Bismut-Verbindungen zu, während die von Aluminium, Gallium, Indium und Thallium abnahm. Das Interesse an Arsen-Verbindungen erklärt sich vermutlich durch die verschiedenen im Ersten Weltkrieg entwickelten Arsen-Kampfstoffe. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Stickstoffverbindungen und Alkalimetalle zunehmend uninteressant, während Schwefel, Bor, Phosphor und Silicium an Interesse gewannen. Phosphorverbindungen wurden vor allem relevant, als ihr Rolle in alltäglichen Anwendungen und als neuartige Insektizide und andere industrielle Materialien bekannt wurde.

Die Lieblinge der Chemiker

Interessanterweise, waren und sind die Chemiker recht konservativ bei der Wahl ihrer Ausgangsstoffe. Die meisten Substrate werden nur ein einziges Mal als Ausgangsstoff verwendet; die “Lieblingsstoffe” jedoch immer wieder. Ein möglicher Grund ist sicher die leichte Verfügbarkeit dieser Substanzen. In der Tat umfassen die meisten Reaktionen typischerweise zwei Ausgangsstoffe: eine weniger bekannte Substanz und einen “Klassiker” aus dem Synthesewerkzeugkasten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren vor allem starke Säuren und Basen beliebt, später vor allem organische Substanzen. Einer der Topstars ist Essigsäureanhydrid, das 1852 synthetisiert wurde und seit 1880 besonders gern für Acetylierungsreaktionen verwendet wird. Eine Acetylierung ist der Austausch von einem Wasserstoffatom durch eine Acetylgruppe (C2H3O), wobei entsprechende Verbindungen entstehen (zum Beispiel Aceton, Heroin oder Himbeerketon, die Hauptgeruchskomponente von Himbeeren).

Wie geht’s weiter?

Alles in allem wirft die Studie die Frage auf, warum die Chemie trotz gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Störfaktoren eine so stabile Wachstumsrate von 4,4 Prozent beibehält? Die Forscher basteln derzeit an formalen Modellen, um diese Frage weiter zu untersuchen. Ich bin gespannt!

Exploration of the chemical space and its three historical regimes.
EJ Llanos, W Leal, DH Luu, J Jost, PF Stadler, G Restrepo.
Proc Natl Acad Sci USA, pii: 201816039, 2019

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http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/18/die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums/feed/ 0 42887
Astronomie in 365 Tagen: Tag 169 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne/#respond Tue, 18 Jun 2019 16:41:24 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30132 Im Kern der Sonne herrschen Temperaturen von etwa 15 Millionen Grad. An ihrer Oberfläche sind es nur 5500 Grad Celsius.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 169

Tag 169/365: AIm Kern der Sonne herrschen Temperaturen von etwa 15 Millionen Grad. An ihrer Oberfläche sind es nur 5500 Grad Celsius.

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne/feed/ 0 42856
Die Wiederauferstehung des Dodo – im Senckenberg-Museum (Teil 1) [Meertext] http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/18/die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1 http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/18/die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1/#respond Tue, 18 Jun 2019 07:00:29 +0000 http://scienceblogs.de/meertext/?p=2950 Der große braune Vogel guckt mich aus glänzenden Augen an, vorbei an seinem gewaltigen Schnabel. Der klobige Schnabel endet in einem großen Haken und wirkt durch das unbefiederte Gesicht des Vogels noch größer. Mit erwartungsvoll erhobenem Kopf, in gelassener Neugier, starrt er zurück. Das nackte Gesicht ist vom Kopfgefieder eingerahmt wie von einer Kapuze und hat dem Federvieh seinen wissenschaftlicher Namen Raphus cucullatus eingebracht – „kapuzentragender Nachtvogel“.
Besser bekannt als Dodo oder Dronte.
Über 70 Zentimeter hoch und solide gebaut ist das kapitale Federvieh. Der massive Körper steht auf zwei starken Beinen mit großen Füßen, die lächerlich kleinen Flügel ohne Schwungfedern und die Andeutung eines Schwänzchens zeigen klar, dass er gut zu Fuß war.
Unprätentiös dunkelbraun-grau gescheckt ist das glatte Gefieder, ohne gezwirbelte und geschwungene Schmuckfedern. Der Schnabel schimmert bläulich.
1589 von holländischen Seeleuten auf Mauritius entdeckt und als willkommener, wenn auch wenig wohlschmeckender Proviant gegessen oder lebendig mitgenommen. Wenig später auch als Rarität und Forschungsobjekt gesammelt, schmolz die kleine Population des großen flugunfähigen Vogels schnell dahin, 1690 war die Art dann schon ausgerottet.

Jetzt steht er mit glänzenden Augen wieder im Senckenberg-Museum – die Präparatorin Hilde Enting hat diese Ikone des menschengemachten Artensterbens wieder zum Leben erweckt. In jahrelanger Vorbereitung und nach dem allerneusten wissenschaftlichen Stand.


Der Senckenberg-Dodo – die Präparatorin und ihr Projekt

Vom Dodo sind heute viele Skizzen, Zeichnungen und Gemälde sowie Beschreibungen von Zeitgenossen erhalten. Das Originalmaterial ist ungleich rarer – ein mumifizierter Kopf, ein ebensolcher Fuß und viele Skelette, von denen aber nur zwei von einem Individuum stammten, alle anderen sind aus den Knochen verschiedener Exemplare zusammengesetzt.
Ein ausgestorbenes Tier zum Leben zu erwecken ist auf dieser spärlichen Basis und widersprüchlichen Abbildungen eine gewaltige Herausforderung. Die Präparatorin Hilde Enting ist von dem knolligen Vogel aber schon seit zwei Jahrzehnten fasziniert, seit sie Fullers Buch „Extinct Birds“ in die Hände bekam. Seitdem sammelt sie Informationen und beschäftigt sich mit der Frage „Wie sah der Dodo denn nun wirklich aus?“.

Schon lange gibt es ein Skelett im Senckenberg-Museum – allerdings nicht aus den Knochen nur eines Individuums -, Gipsabgüsse von dem mumifizierten Kopf und Fuß lagen ebenfalls vor. Aber zu viele Informationen fehlten noch.
Der ausgestorbene Dodo ist kein Vogel wie jeder andere, ein Abguss vom Original oder eine Dermoplastik mit einem Original sind ausgeschlossen. Die eigentliche Arbeit der Präparatorin begann darum mit der Erforschung der historischen Überlieferungen in Wort und Bild. Besonders problematisch ist dabei, dass sich die Abbildungen so stark voneinander unterscheiden. Manche Zeichnungen und Gemälde zeigen rundliche, träge Vögel, andere Vögel sind dynamischer und viel schlanker. Was stimmt nun? Und: was sagen WissenschaftlerInnen dazu? In der Diskussion mit dem Senckenberg-Paläo-Ornithologen Gerald Mayer, durch das Studieren der Publikationen und die historischen Kontexte kam Hilde Enting der lebensechten Rekonstruktion immer näher.


Ökologie eines Verschwundenen

Der Dodo war ein flugunfähiger nachtaktiver Vogel, der ausschließlich auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean vorkam. Der als etwas über einen Meter große und etwa 20 Kilogramm schwer beschriebene Vogel lebte und brütete im Unterholz, er hatte auf der Insel keine natürlichen Feinde.
Das Gefieder war in blaugraubraun Schattierungen, eine gute Tarnfarbe für seinen Lebensraum.

Ein besonders wichtiger Bestandteil des mutmaßlichen Dodo-Menus waren wohl die hartschaligen Früchte des Calvarienbaums. Vogel und Frucht sind endemisch auf Mauritius, lange Zeit wurde eine Ko-Evolution angenommen: Die Calvarien-Früchte sollten erst nach der Darmpassage im Vogelgekröse keimen:
„Zurückgehend auf einen einflussreichen Artikel des amerikanischen Ökologen Stanley A. Temple[6] hat sich die Theorie verbreitet, der Calvariabaum von Mauritius wäre in Koevolution zum berühmten, ebenfalls ausgestorbenen Vogel Dodo oder Dronte (Raphus cucullatus) auf diese vermutlich fruchtfressende Art für die Vermehrung angewiesen gewesen und sei nun, nach deren Ausrottung, ebenfalls zum Aussterben verdammt. Der Same hätte, aufgrund der steinharten Samenschale, nur im Magen der Vögel mit ihren Magensteinen die Fähigkeit zur Keimung erlangt. Zur Erhärtung seiner These verfütterte Temple später Früchte des Baums experimentell an Truthühner (Meleagris gallopavo), wonach sich ihre Keimungseigenschaften stark verbesserten.
Der These ist längst widersprochen worden[7], dennoch wurde die Baumart im Englischen lange Zeit sogar als „Dodo Tree“ bezeichnet. Die These hat, aufgrund ihrer attraktiven moralischen Qualität, weite Verbreitung, bis hin in Schul- und Lehrbücher gefunden.[8][9] Es konnte zumindest bestätigt werden, dass Arten mit großen Früchten wie der Calvariabaum noch stärker zurückgegangen sind als die bedrohte endemische Flora der Insel insgesamt.[10] Inzwischen werden, neben dem Dodo, auch andere ausgestorbene Fruchtfresser genannt, deren Verschwinden möglicherweise ebenso ursächlich für den Rückgang gewesen sein könnte, etwa die Riesenschildkröten der Gattung Cylindraspis[11] Spätere Experimente mit angeritzten Samenschalen zeigten außerdem, dass das Reiben der Samen durch die Magensteine von Vögeln die Keimungseigenschaften nicht, wie erwartet, verbessert.[3] Ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang fruchtfressender Arten und dem Rückgang des Baums ist danach heute durchaus plausibel, aber nicht bewiesen, da die Art außerdem durch andere Faktoren wie Entwaldung und eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten (Neobiota) bedroht ist. Temples ursprüngliche Theorie gilt heute aber als unwahrscheinlich.[12]“ (Wikipedia: Calvarienbaum)


Dodo – ein Vogel zwischen Inselhabitat, Naturalienkabinett und Pop-Kultur

Das exotische Federvieh war populär genug, um immer wieder abgebildet und nachgedruckt zu werden. Viele Zeichnungen und Gemälde aus mehr als 300 Jahren zeigen den ausgestorbenen Vogel, der Wahrheitsgehalt schwankt zwischen Realität und Popkultur. Die Bandbreite der Vogelgestalt ist groß von einem agilen Läufer mit der Körperhaltung eines Moas bis zum knuffigen gefiederten Moppel.

Einige sehr schlichte Zeichnungen sind im Logbuch des holländischen Schiffes „Gelderland“ zu finden. Ganz unprächtig ist der Dodo, schlicht und von mehreren Seiten inklusive einiger Details. Diese Zeichnungen stammen vermutlich von Joris Joostensz Laerle (Julian Hume: The journal of the flagship Gelderland – dodo and other birds on Mauritius 1601 (April 2003, Archives of Natural History 30(1):13-27, DOI, 10.3366/anh.2003.30.1.13))

Drawing of a dodo from the journal of the ship “de Gelderland”, 1601
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Dodo_-_2_From_the_Journal_of_the_Gelderland_1601.png

Laerle war als Steuermann angeheuert worden, zeichnete aber offenbar lieber. Auch wenn er kein ausgebildeter Naturforscher war, sind seine Zeichnungen lebendig und detailreich. Da er vermutlich echte Dodos gesehen hat, in freier Wildbahn, gerade erst gefangen oder getötet, sind seine Skizzen sehr authentisch. Laerle zeichnete einen Dodo, der noch auf dem Boden der Insel Mauritius stand, schreibt der Dodologe Julian Hume und unterstreicht damit die Authentizität der Zeichnungen des holländischen Seemanns.

In Conrad Gessners dreiteiliger Tier-Enzyklopädie von 1669 darf der exotische Vogel nicht fehlen: In Thomus II oder dem „Vollkommenen Vogelbuch“ ist er unter 83 als Cygnus cuculatus beschrieben, als Schwan (Cygnus). Gessner beschreibt den „Schwan“ als schwanengroß mit kräftigen Laufbeinen, einem besonders kräftigen Schnabel. Etwas irritierend ist die Bemerkung, die „Schiffer nennen ihn Walghvogel, einen Vogel, welcher Ekel erregt“.
„Ekelig“ könnte als holländische Beschreibung für tranig, fett, gedeutet werden, erklärt mir Hilde Enting. Beschreibungen über den offenbarwenig angenehmen Geschmack des Vogels gibt es von den Seeleuten genug.
Interessant dabei ist, dass Gessners Abbildungen viel schwerfälliger und roher aussehen, als alle anderen. Dieser Umstand ist sicherlich dem Druckverfahren geschuldet. Trotz der groben Abbildung wirkt sein Dodo aber wesentlich agiler als die Exemplare auf den Ölgemälden und spätere Zeichnungen. Er muss also eine gute Beschreibung oder ein gut erhaltenes Exemplar eines gesunden, fitten Kapuzenvogels gehabt oder gesehen haben. Flügel und Schwanzfedern sind als einzelne Federn klar erkennbar.

Eine der bekanntesten Abbildungen ist der Oxford-Dodo – ein opulentes Öl-Gemälde zeigt einen sehr fetten braungefiederten Vogel inmitten eines exotischen Lebensraums und mit anderen tropischen Vögeln wie Papageien. Das Ashmolean-Museum in Oxford verwahrt auch einen Schädel, auf dessen linker Seite die Haut und der knöcherne Skleralring um das Auge erhalten sind, einen Fuß, eine Feder und ein paar Gewebe-Proben. Vor dem ausgestellten Gemälde stehen ein montiertes Skelett und die Rekonstruktion eines pummeligen gefiederten Exemplars. Der Schwanzpuschel der gefiederten Rekonstruktion sieht aus wie ein Wattebausch
(Mehr zum Hintergrund und Abbildungen des Oxford-Dodos gibt es hier)

Das Gemälde „George Edward’s dodo by Roelandt Savery“ (ca 1626) zeigt einen Dodo mit dem großen Schnabel samt Haken, einem fetten Körper und mit Schwanzpuschel.

Auch Rudolf II. (1552–1612), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Böhmen, fand Gefallen an dem flugunfähigen Inselvogel. So ließ er ihn von dem renommierten Maler Hans Savery dem Jüngeren auf dem Gemälde „Eine Waldlandschaft mit exotischen Vögeln“, das Pelikane, Pfaue, Strauße, Schwäne, einen Papagei, einen Truthahn und einen Dodo versammelt, malen.
„Eines der wertvollsten ausgestopften Tiere in Rudolfs Sammlungen war der Dodo, ein flugunfähiger Vogel, der noch während des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist. Rudolf II. sowie Savery hatten das Glück, diesen Vogel noch zu erlebten. Sie hatten beide eine besondere Vorliebe für den Dodo-Vogel. Darum haben wir den Dodo zum Maskottchen unserer Ausstellung gemacht. Savery platzierte den Dodo sehr gern in seine Tierkompositionen. Einen Dodo können die Besucher zum Beispiel auf dem Savery-Gemälde ´Orpheus mit den Tieren´ aus der Gemäldegalerie Berlin sehen.“

Da Saverys Dodo einen seltsam aussehenden Schnabel hat, besteht die Möglichkeit, dass er als Vorlage für sein Gemälde nur noch den toten, präparierten Dodo genutzt hat. Der Schnabel sieht aus, als ob die Hornscheide geschrumpft und verformt sei, vermutet Hilde Enting. Das wäre eine gute Erklärung – denn der Schnabel sieht aus, als ob er eine Socke ´drübergezogen hatte. Was auch auf vielen späteren Abbildungen übernommen worden ist.

George Edwards Druck „The Dodo and the Guinea Pig“, zeigt ebenfalls einen fettbrüstigen Vogel mit keck aufragendem Federpuschel am Hinterteil – die Schwanzfedern erinnern an Straßenfedern.

Dieser Druck dürfte die Vorlage für eine andere berühmte Dodo-Abbildung gewesen sein:
John Tenniels Dodo-Illustration für Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ dürfte dem außergewöhnlichen Federtier viel Publicity auch außerhalb der Fachwelt gebracht haben. Hinter dem Pseudonym Lewis Carroll verbarg sich der oxforder Mathematik-Dozent Charles Lutwidge Dodgson, der sicherlich dort vor Ort den Hype um den ausgestorbenen Vogel mitbekommen hat.
John Tenniel hat mit seiner Zeichnung “A Caucus-Race and a Long Tale” Massstäbe gesetzt: Sein dicker gemächlicher Dodo mit Gehstock ist so immer wieder kolportiert worden, incl. Hakenschnabel und Schwanzfederpüschel, bis in die Walt Disney-Verfilmung von „Alice im Wunderland“.

Die Zechnung “Dodo attributed to Joris Hoefnagl”, c.1602., zeigt einen kräftigen, aber schlanker Vogel, er erinnert von Körperhaltung und Dynamik her eher an große Laufvögel.
https://www.researchgate.net/publication/228371340_The_history_of_the_Dodo_Raphus_cucullatus_and_the_penguin_of_Mauritius/figures?lo=1

Die Miniatur des Ustad Mansur (Meister Mansur) ohne Titel (1625, Hermitage Museum, Saint Petersburg, Russia) zeigt einen recht schlanken Dronte. Der Vogel läuft offenbar in einer Voliere umher mit einem Sittich, einem Fasan und anderen exotischen Gefiederten. Der Miniaturenmaler Mansur hat diese Vögel nach lebenden Vorbildern in der Menagerie des Kaisers Jahangir gemalt, ihre Gefieder leuchten bis heute dem Betrachter entgegen. Der Herrscher hat ein Exemplar in seiner Menagerie gehalten.

Hilde Enting hat diese Abbildungen und noch mehr sorgfältig analysiert. Ihr Fazit: Nur wenige Zeichner haben einen lebenden Dodo in seinem natürlichen Lebensraum gesehen, Laerle war vermutlich der Einzige, der einen Dodo auf mauritianischem Boden abzeichnete.

Als fürstliche Geschenke, für wissenschaftliche Sammlungen und Raritätenkabinette sind mehrere Vögel nach Europa und Asien gebracht worden. Die Tiere, die die lange Reise von Mauritius nach Europa überlebt haben, hatten sicherlich nicht ihre richtige Nahrung zur Verfügung, Dodos waren Fruchtfresser, außerdem hatten sie in Gefangenschaft sicherlich zu wenig Auslauf. Die fetten und plumpen Dodos der Abbildungen dürften also durch die Gefangenschaft zu ihrer Leibesfülle gekommen sein.
Andere Künstler haben ihre Dodos nach Erzählungen der Seeleute gezeichnet und gemalt, oder nach ausgestopften Exemplaren, viele haben einfach voneinander abgemalt.
Die schlichten, aber lebendigen Laerle-Skizzen und die prächtige Mansur-Miniatur hingegen zeigen agile, gesunde Vögel, die zu den neuen Untersuchungsergebnissen der Publikation von Claessens, Meijer und Hume: „The morphology of the Thirioux dodos“ von 2016 passen.
Beide Künstler dürften die Vögel in ihrem ursprünglichen Zustand oder in guter Form  beobachtet haben.
So dienten die beiden dann im Wesentlichen als Grundlage für den Frankfurter Dronte.

(Fortsetzung folgt)

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http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/18/die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1/feed/ 0 42878
Hilfe, ich bin verstrahlt worden! – Anfragen & Fälle von Lesern mit Gesundheitsproblemen und Strahlung – Teil 2 – Umgang mit Behörden [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/18/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/18/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden/#respond Tue, 18 Jun 2019 06:43:16 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=1898 Eine der ersten Anlaufstellen für Menschen, die Gesundheitsprobleme durch Strahlung haben, sind offizielle Behörden in der einen oder anderen Form. Von der Polizei über das Bundesamt für Strahlenschutz bis zu den Gerichten und Gesundheitsinstitutionen gibt es da viele Anlaufstellen. Alle haben eins gemeinsam, sie lieben Papier, in der ein oder anderen Form und daher sollte der erste Schritt sein, harte Fakten, schwarz auf weiß zu produzieren. Oder ganz konkret:

  1. Konkreter medizinischer Fall. Ihr braucht einen Arztbrief, eine Diagnose, eine klar umrissene medizinische Situation, auf die ihr euch berufen könnt.
  2. Eine plausible Theorie aufgrund derer ermittelt werden kann, z.B. Strahlenbelastung durch das Leben neben einer Mineralwasserabfüllquelle oder Erdgasstation.
  3. Anhaltspunkte und/oder Beweise, die die Theorie untermauern. Strahlungsmesser für 60€ im Internet kaufen und nachmessen.
  4. Offizielle Dokumentationen, Gutachten etc. pp. Strahlenquellen müssen in Deutschland registriert werden. Es gibt offizielle Messtationen und regelmäßige Gutachten für viele Fälle.

… und das ganze wie gesagt in Papierform, damit man es faxen oder per Brief verschicken kann.

1.) Eine Beschreibung von Symptomen reicht nicht, die Behörden wollen einen konkreten Fall haben. Auch wenn ihr euch nicht sicher seid, was es genau ist. Holt euch von einem Arzt einen Arztbrief (oder ähnliches), der eine Krankheit bestimmt. “Konzentrationsstörung, Übelkeit und körperliche Schwäche durch Blutarmut” wäre z.B. schon ein Fall, wenn auch nicht so klar umrissen, wie es ideal wäre. Das ganze sollte so viele Daten wie möglich beinhalten. Pulsmessung, Temperatur, Blutdruck, Körpergewicht kann man alles zuhause machen und darüber Tagebuch führen. Das Blutbild gibt es schon vom Hausarzt. Wenn es diffuse Probleme sind, dann hilft es auch sehr, ein entsprechendes Tagebuch zu führen – wie bei Migränepatienten oder ähnlichen Krankheiten, die man nicht direkt messen kann. Die Ärzte brauchen sich dabei auch gar nicht weit aus dem Fenster legen und irgendwelche Vermutungen anstellen. Dazu sollte man sie auch nicht drängen. Man sollte sich einfach nur den Fall mit den entsprechenden Messwerten aufschreiben lassen und dann die Interpretation ruhig den Behörden überlassen.

2.) Die Behörden brauchen irgendein Ziel, was sie tun können. Also es muss eine plausible Theorie her, ein möglicher Grund für die Gesundheitseinschränkung. Ebensowenig wie die ärztliche Diagnose muss diese Theorie von Anfang an perfekt sein. “Die Beschwerden kommen von Radon im Keller, seit den Umbauten am XXX.” oder “Die Beschwerden kommen vom Aufbau des 5G-Sendemast im Haus gegenüber” oder “Mein Nachbar hat eine Mineraliensammlung begonnen” oder “Die Arztpraxis im Nachbarhaus hat eine neue Röntgenanlage in Betrieb genommen.”

Sachen, die nicht nachgewiesen oder kontrolliert werden können, kann man sich auch direkt schenken. Das erzeugt eher Ablehnung und löst keine konkreten Handlungsanweisungen aus.

3.) Kauft euch einen Strahlungsmesser im Internet und messt nach. Bringt Beweise für eure Theorie auf dem Tisch. Macht Fotos und dokumentiert, wann ihr an welcher Stelle gemessen habt und schreibt Tagebuch darüber. Schreibt auf (und macht Fotos), welchen Strahlungsmesser ihr benutzt habt. Nehmt dabei nicht nur positive Ergebnisse, sondern auch welche, wo eben nichts gemessen wurde, um den Unterschied zu zeigen. Wenn ihr mit dem Strahlungsmesser in der Wohnung erhöhte Strahlung messt, dann geht mit dem gleichen Gerät auch in den Park nebenan und zeigt, dass der Strahlungsmesser dort eben nichts mehr misst. Eine Nullmessung ist auch ein Ergebnis. Vor allem, wenn es zeitabhängig ist. Erhöhte Strahlung um 14:30 in der Wohnung (Arztpraxis ist geöffnet) -> 22:15 keine erhöhte Strahlung in der Wohnung (Arztpraxis ist geschlossen). Die Fotos und Messergebnisse schön aufbereiten und zusammenstellen, dass man sie faxen oder per Brief verschicken kann.

4.) Behörden lieben es, wenn eine andere Behörde schon mal etwas dokumentiert hat. Dann können sie immer schön Verantwortung auf die andere Behörde abwälzen und ihr profitiert davon. Röntgengeräte, Sendemasten etc. pp. müssen alle zugelassen und dokumentiert werden und in einem gewissen Umfang gibt es dazu entsprechende Auskunftsrechte für die Bevölkerung. Erdgasanlagen und Mineralwasserabfüllstationen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Über alles gibt es schönes tolles Papier, das man zitieren und weiterreichen kann. Auch eine Ablehnung ist hilfreich. Wenn ein Brief zurück kommt mit “Das dürfen wir ihnen nicht sagen, da haben Sie kein Auskunftsrecht.” kann man diese Ablehnung bei der anderen Behörde einreichen und diese auffordern, bei der kollegialen Behörde intern nachzuverfolgen, wie die konkrete Bestandsaufnahme aussieht.

Bei welcher Behörde man sich jetzt melden soll, ist gar nicht so einfach bzw. pauschal zu beantworten. Nur die Notfallnummern (also 110 und 112) sind definitiv nichts. Die sind für Notfälle reserviert und auch wenn da jetzt eine Krankheit ist, dann ist sie ja schon ein wenig länger da und daher eben per Definition kein Notfall. Daher auch bei Polizei und Feuerwehr die zentrale Anlaufstelle wählen und sich mit der zuständigen Abteilung verbinden lassen. Vorher per Internet und Behördenauskunft die entsprechende Anlaufstelle heraussuchen ist natürlich noch besser und zeugt von Professionalität.

Schickt lieber erst mal einen Brief und gebt der Behörde etwas Zeit, sich damit auseinander zu setzen. Bei einem Anruf bekommt man ggf. zwar schneller irgendwelche Ergebnisse, aber dadurch fühlen sich Behörden schnell bedrängt und zu Handlungen gezwungen. Das kann für den Betreffenden nur schlechter enden, als wenn man denen eine wenig Zeit und Spielraum lässt. Auch wenn es für die Geschädigten oft schwer ist, in einer solchen Situation noch Geduld aufzubringen, ist Eile leider meist kontraproduktiv. Benutzt die Geschäftszeiten.

 

Das Ziel

Ihr müsst euch ein Ziel festsetzen, das man in einem kompakten Satz beschreiben kann. “Ich will, dass die unmittelbare Gefahr abgewendet wird.” – “Ich will eine Entschädigung für den erlittenen Schaden XY.” – “Ich will eine Anerkennung der Straftat bzw. des Verbrechens und eine strafrechtliche Verfolgung.” – “Ich will eine Aufklärung der Situation, damit Gesetze und Richtlinien zum Wohl der Allgemeinheit geändert werden können.”

Das könnt ihr dann ruhig auch so den Behörden kommunizieren, denn je nachdem, was ihr überhaupt wollt, sind andere Leute zuständig und verschiedenen Wege notwendig.

Außerdem braucht ihr einen Plan-B. Was macht ihr, falls die Behörden nicht tätig werden? Wie könnt ihr selber ohne die Hilfe der Behörden weiterkommen und eine Verbesserung herbeiführen. Dieser Plan-B kann ruhig extrem sein, denn er ist ja nur Plan-B. Wegziehen, aufs Land umziehen, Rehamaßnahmen und Kur notfalls auf eigene Kasse etc. pp. All das kann ein guter Plan-B sein, falls das Primärziel partout nicht zu erreichen ist. Das solltet ihr den Behörden dann aber natürlich nicht auf die Nase binden, sondern für euch und eure Freunde behalten 😉

Beispiel: Fallbeispiel NHL

  1. Klare Diagnose NHL-Krebs, gesichert durch diverse ärztliche Befunde und Laborergebnisse. Eindeutig und undiskutabel.
  2. Theorie: Eine Nagelpilzbehandlung mit einer Neutronenquelle in den 60ger Jahren. Neutronenquellen könnte man nachweisen, wenn welche da wären. Alles gut in diesem Punkt.
  3. Erstes Problem: Die Behandlung ist 50 Jahre her und schwer nachzuvollziehen, da der Patient damals noch ein Kind war. Unterlagen über Strahlungsquellen in dem entsprechenden Zeitraum und Krankenhaus existieren zwar, aber nicht die Strahlenquellen, die in 2. vermutet wurde.
  4. Jede Menge Aussagen von diversen Quellen. Es existieren zwar Aussagen, die die Theorie unterstützen, aber keine harten schwarz-auf-weiß Fakten. Alle Dokumente oder offiziellen schriftlichen Aussagen widersprechen Theorie 2.

Ziel: Ja, das ist mir nicht ganz klar. Die unmittelbare Gefahr liegt lange in der Vergangenheit zurück und die Krankenkasse übernimmt die Versorgung der Krankheit. Schutz der Allgemeinheit kann es auch nicht sein, denn solche Nagelpilzbehandlungen werden schon lange nicht mehr gemacht. Daher wahrscheinlich Anerkennung einer Straftat und Schadensersatz. Alle Leute, die persönlich verantwortlich für die Bestrahlung waren, sind mittlerweile längst an Altersschwäche gestorben. Daher müsste eine Institution verantwortlich sein, die in ihrer damaligen Form noch existiert. Schadensersatz … ja da könnte für jahrelange Krebsschmerzen schon was zusammen kommen.

PLan-B: Keine Angaben

 

Zurück zur Einleitung und dem Fallbeispiel

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/18/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden/feed/ 0 42472
Veranstaltungstipp: 50 Jahre Mondlandung – oder doch nicht? [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond/#respond Tue, 18 Jun 2019 06:00:36 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29834 Beim 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum hab ich heute einen Veranstaltungstipp. Zumindest für alle die in Wien wohnen oder bis heute Abend dorthin fahren wollen. Da kann man nämlich im “Aera” (Gonzagasse 11, 1010 Wien) zu “Skeptics in the Pub” gehen und sich einen Vortrag von Holm Hümmler anhören. Das Thema lautet “50 Jahre Mondlandung –…]]>

Beim 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum hab ich heute einen Veranstaltungstipp. Zumindest für alle die in Wien wohnen oder bis heute Abend dorthin fahren wollen. Da kann man nämlich im “Aera” (Gonzagasse 11, 1010 Wien) zu “Skeptics in the Pub” gehen und sich einen Vortrag von Holm Hümmler anhören. Das Thema lautet “50 Jahre Mondlandung – oder doch nicht?” und so wird die Veranstaltung offiziell angekündigt:

“Ein großer Schritt für die Menschheit – oder der größte Betrug des 20. Jahrhunderts? Im Juli wird der 50. Jahrestag der Apollo-11-Mission gefeiert. Knapp 22 Stunden verbrachten Neil Armstrong und Buzz Aldrin bei der ersten von sechs bemannten Landungen auf dem Mond. Eine ganze Anzahl von Zweiflern bestreitet aber, dass die Mondlandungen jemals stattgefunden haben. Sie verweisen auf suspekte Fotos und Filmaufnahmen, auf denen sie Kulissenschieber mit Jeans und langen Haaren erkannt haben wollen, oder erklären den Flug durchs All wegen tödlicher Strahlung für unmöglich. Der Physiker Dr. Holm Hümmler (Frankfurt/M.) beschäftigt sich seit langem mit den technisch-naturwissenschaftlichen Aspekten von Verschwörungstheorien. Was ist dran an solchen Behauptungen? Und wie kann man die Schlüsselthesen der Verschwörungsgläubigen selbst prüfen?”

Der Eintritt ist frei. Ich werde leider nicht kommen können; ich bin nicht in Wien. Aber wenn ihr dort seid – schaut vorbei!

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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An unsolved encrypted postcard from 1913 [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/17/an-unsolved-encrypted-postcard-from-1913/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=an-unsolved-encrypted-postcard-from-1913 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/17/an-unsolved-encrypted-postcard-from-1913/#respond Mon, 17 Jun 2019 21:24:55 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18705 In 1913 a man sent an encrypted postcard from Jena, Germany, to his lover in the Hamburg area. Can a reader decipher this cryptogram? Tobias Schrödel is certainly known to most readers of this blog for his frequent appearances on Stern TV and as Germany’s only comedy hacker. Check here for a video of one…]]>

In 1913 a man sent an encrypted postcard from Jena, Germany, to his lover in the Hamburg area. Can a reader decipher this cryptogram?

Tobias Schrödel is certainly known to most readers of this blog for his frequent appearances on Stern TV and as Germany’s only comedy hacker. Check here for a video of one of his performances.

Tobias is also a collector of encrypted postcards. Once again, he has provided me a scan of one of his items. This time, it’s a postcard depicting the Neue Universität (New University) in Jena, Germany.

As can be seen on the text side of the card, the recipient was an unmarried woman named Elsbeth Keitel living in Wandsbek-Mariental, which is today a borough of Hamburg.

The sender is not mentioned, but chances are that it was Elsbeth’s fiancé (as frequent readers of this blog know, most encrypted postcards were sent by young men to their lovers).

The first line of the message on the card is written in the clear: “Jena, den 15. Juli 1913”. This means that the card was written on July 15th, 1913, in Jena.

The cipher used is probably a letter substitution (MASC). Some of the letters have two dots on top of them, which probably means that they stand for umlauts (Ä, Ö, and Ü). The first encrypted word in the text could be MEIN.

All in all, it should be possible to solve this encrypted postcard. If you have found the solution, please leave a comment.


Further reading: A postcard from 1909, encrypted in a strange number code

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 168 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/astronomie-in-365-tagen-tag-168-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-168-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/astronomie-in-365-tagen-tag-168-sonne/#respond Mon, 17 Jun 2019 16:41:24 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30131 Die Sonne ist 149,6 Millionen km von der Erde entfernt. Sie hat einen Radius von 700.000 km und eine Masse die dem 332.946fachen der Erdmasse entspricht.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 168

Tag 168/365: Die Sonne ist 149,6 Millionen km von der Erde entfernt. Sie hat einen Radius von 700.000 km und eine Masse die dem 332.946fachen der Erdmasse entspricht.

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Der Great Moon Hoax: Fledermausmenschen auf dem Mond! [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond/#respond Mon, 17 Jun 2019 06:00:32 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29833 Schon lange nevor wir am 21. Juli 1969 auf dem Mond gelandet sind, haben sich die Menschen jede Menge Geschichten darüber erzählt. Vom ältesten Bericht über einen Flug zum Mond hab ich in meinem 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum ja schon erzählt. Heute möchte ich vom “Great Moon Hoax” berichten, dem großen Mond-Schwindel aus dem Jahr…]]>

Schon lange nevor wir am 21. Juli 1969 auf dem Mond gelandet sind, haben sich die Menschen jede Menge Geschichten darüber erzählt. Vom ältesten Bericht über einen Flug zum Mond hab ich in meinem 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum ja schon erzählt. Heute möchte ich vom “Great Moon Hoax” berichten, dem großen Mond-Schwindel aus dem Jahr 1835.

Fledermausmenschen auf dem Mond (Bild: gemeinfrei)

Am 25. August 1835 erschien in der “New York Sun” der erste von sechs Artikel über die Erforschung des Mondes. Das ganze unter dem Titel “„Great astronomical discoveries lately made by Sir John Herschel, L.L.D. F.R.S. &c. At the Cape of Good Hope [From Supplement to the Edinburgh Journal of Science]” und mit erstaunlichen Neuigkeiten. John Herschel, der Sohn des berühmten britischen Astronomen Wilhelm Herschel, war einer der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit. Er hatte, so der Artikel, in Südafrika ein wahrhaft gigantisches Telesekop mit völlig neuer Technik gebaut und war damit in der Lage, die Oberfläche des Mondes in nie gesehenen Details aufzulösen. In weiterer Folge berichtet die “Sun” dann darüber, was dort zu sehen war. Zum Beispiel paradiesische Landschaften mit jeder Menge Tiere:

“Nunmehr begannen wir, den Mittelpunkt des Thales zu durchmustern, und fanden einen breiten vielarmigen Fluß mit hübschen Inseln und Wasservögeln mancherlei Arten. Am zahlreichsten war eine Species des grauen Pelikans; indessen erschien ein schwarz und weisser Kranich mit ungewöhnlich langen Beinen und Schnabel auch sehr häufig.”

Man kann die Artikelserie im Original oder deutscher Übersetzung nachlesen und es lohnt sich. Denn schon bald entdeckten Herschel und seine Kollegen dort nicht nur Tiere, sondern auch eindeutig intelligente Lebewesen:

Vespertilio homo (Bild: gemeinfrei)

“Sie waren ungefähr 4 Fuß hoch, waren, mit Ausnahme des Gesichts, mit kurzen, glatten, kupferfarbigen Haaren bedeckt, und hatten Flügel, welche aus einer dünnen elastischen Haut ohne Haaren bestanden, die hinten zusammengerollt von der Schulterspitze bis zu den Waden lag. Das Gesicht, welches von gelblicher Fleischfarbe war, zeigte eine kleine Veredlung gegen das des großen Orangutangs, da es offener und klüger aussah und eine weit größere Ausdehnung des Vorkopfes zeigte. Indeß war der Mund sehr hervorstehend, obgleich dies etwas durch einen dicken Bart auf dem untern Kinnbacken und durch Lippen von weit menschlicherer Form als diejenigen irgend einer Species des Affengeschlechts verdeckt wurde. […] Wir konnten nun bemerken, daß ihre Flügel eine große Ausdehnung besaßen und in der Striktur Fledermausflügeln glichen, da sie aus einer halb durchsichtigen elastischen Haut bestanden, welche in krummlinigen Abtheilungen vermittelst gerader Halbmesser ausgespannt war, die durch die Rückenhaut verbunden wurden. Was uns aber am meisten in Erstaunen setzte, war der Umstand, daß die Membrane von der Schulter bis zu den Beinen hinunter zusammenhängend, obgleich in der Weite abnehmend, war.”

Der Mond war offenbar von Fledermausmenschen bewohnt, oder “Vespertilio-homo”, wie Herschel sie wissenschaftlich nannte. Und die hatten tatsächlich auch einen Tempel auf dem Mond errichtetm aus Saphir, mit einer Kupferkugel gekrönt.

Die ausführliche Beschreibung der Fledermausmenschenkultur auf dem Mond war eine Sensation und hat der “Sun” zu einer enormen Steigerung ihrer Auflage geholfen. Aber sie war natürlich komplett erfunden. John Herschel hatte nie ein entsprechend großes Teleskop gebaut; das wäre mit der damaligen Technik gar nicht möglich gewesen (auch nicht mit der von heute). Er hatte mit der Sache nichts zu tun – die Artikelserie war das Werk des Reporters Richard Adam Locke (was er 1840 auch offiziell zu gab).

Der Tempel der Fledermausmenschen (Bild: gemeinfrei)

Ein Grund, sich diesen “Great Moon Hoax” auszudenken war die Auflagensteigerung der “Sun”. Ein anderer war mit Sicherheit auch die satirische Auseinandersetzung mit dem, was zur damaligen Zeit reale Wissenschaftler völlig ernsthaft schrieben. Zum Beispiel der deutsche Arzt und Astronom Franz von Paula Gruithausen. 1824 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel “Entdeckung vieler deutlichen Spuren der Mondbewohner, besonders eines collossalen Kunstgebäudes derselben”. Er berichtete darin zwar nicht von der direkten Beobachter irgendwelcher Mondbewohner. Aber er beschreibt sehr genau, dass auf dem Mond die Bauwerke intelligenter Wesen zu sehen seien. Nachdem er festgestellt hatte, dass es

“(…) auf das Vollkommenste erwiesen ist, daß der Mond Wolken und Nebel hat, wodurch es auch zugleich gewiß wird, daß ihm das Wasser nicht fehlen könne.”

beschreibt Gruithuisen was er entdeckt hat. Ein “Collosaler, unsern Städten nicht unähnlicher, Bau im Monde”. Und versichert, dass man sofort sehen könne, dass es sich um etwas Künstliches handel muss:

“Dieses ungewöhnliche Mondgebilde fällt jedem geübten Auge, mit dem ersten Blicke sogleich, als Kunstwerk auf.”

Gruithuisen spekuliert auch darüber, um was es sich dabei handeln könnte:

“Soll dieses Kunstwerk zur Verhöhnung unserer Pyramiden da seyn? — Wenn die Mondbewohner so gute Fernröhre besitzen als wir, so müssen sie doch die chinesische Mauer gesehen haben, welche auch nicht ärmlicher aussieht, als wäre sie von Mondbewohnern gebaut.”

Er ist sich aber sicher, dass es sich um Wohnungen handeln muss und kann auch erklären, warum die genau so aussehen, wie sie es tun:

“Der Mondbewohner hat nichts stärker zu scheuen, als einen kalten, wenn auch gleich noch so sanften, Wind, der ihm seine Abende eher rauh und kalt macht, und auch seine Morgen gar sehr verbittert, wenn diese anfangen warm und angenehm zu werden; um so mehr, da die Mondluft so dünne und so sehr wärmeleitend ist. Orte also, die diesen Wind abhalten, werden die angenehmsten seyn; und so kommt es, daß auch die kleinen Ringgebirge nicht undeutliche Spuren von Bewohntheit in ihrem Innern tragen; wovon nachher noch Mehreres vorkommen wird. Deshalb können wir wohl vermuthen, es sey aus dieser Ursache jener schiefe Wall angelegt worden.”

Gruithuisens Zeichnung der Wohnhausanlage auf dem Mond (Bild: gemeinfrei)

Natürlich hat sich Gruithuisen all diese Strukturen auf dem Mond nur eingebildet – spektakuläre Berichte über Mondbewohner gab es aber auch von anderen Leuten. Es war damals durchaus eine wissenschaftlich anerkannte Meinung davon auszugehen, dass die restlichen Himmelskörper des Sonnensystems (inklusive Sonne und Mond) bewohnt sind, wie ich hier schon einmal ausführlich erklärt habe. Am weitesten dabei ging vermutlich der englische Pfarrer und Hobby-Astronom Thomas Dick. Er schrieb ein Buch mit dem Titel Celestial scenery, or, The Wonders of the planetary system displayed : illustrating the perfections of deity and a plurality of worlds” und rechnete darin exakt vor, wie viele Leute überall im Sonnensystem lebten. Ausgehend von der Hypothese, dass der Mond ebenso dicht besiedelt ist wie England kommt er zu einer Einwohnerzahl von 4,2 Milliarden Mondmenschen; immerhin deutlich mehr als damals auf der Erde lebten! Insgesamt kommt seine Hochrechnung auf 21.891.974.404.480 Bewohner des Sonnensystems, also fast 22 Billionen!

Angesichts solcher ernsthaft vorgebrachten Argumente ist ein “Moon Hoax” wie der in der New York Sun durchaus verständlich. Und zeigt ein weiteres Mal, wie sehr uns unser Nachbar im All beschäftigt hat. So sehr, dass wir fast nicht anders konnten, als irgendwann auch selbst einen Fuß auf seine Oberfläche zu setzen!

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond/feed/ 0 42783
Kurz notiert: LET – linearer Energietransfer [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/kurz-notiert-let-linearer-energietransfer/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kurz-notiert-let-linearer-energietransfer http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/kurz-notiert-let-linearer-energietransfer/#respond Mon, 17 Jun 2019 06:11:45 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=2054 Wenn ionisierende Strahlung durch Materie geht, dann interagiert sie mit dieser, bricht chemische Bindungen auf und schädigt biologische Zellen. Verschiedene Arten von Strahlung tun dies auf verschiedene Art und Weise und übertragen dabei eigene Energie auf das Medium durch die sie sich gerade bewegen. Auch wenn man da jetzt bei den Photonen (sprich Gamma- und…]]>

Wenn ionisierende Strahlung durch Materie geht, dann interagiert sie mit dieser, bricht chemische Bindungen auf und schädigt biologische Zellen. Verschiedene Arten von Strahlung tun dies auf verschiedene Art und Weise und übertragen dabei eigene Energie auf das Medium durch die sie sich gerade bewegen. Auch wenn man da jetzt bei den Photonen (sprich Gamma- und Rötgenstrahlung) etwas relativistisch “herumfuschen” muss ist unterm Strich alles nur Kinetik. Das ist auch direkt der beste intuitive Anhaltspunkt. Photonen sind sehr leicht und übertragen nur wenig Energie, Elektronen sind mittelmäßig schwer und übertragen mittelmäßig Energie. Hadronen, also Protonen und Neutronen, sind schwer und übertragen viel Energie, wobei Protonen geladen sind und somit sehr häufig reagieren und Neutronen eben nicht. Komplette Teilchen aus dem Teilchenbeschleuniger, wie Kohlenstoff Atome, übertragen dann noch mehr Energie.

Verschiedene Teilchenarten, die in der Medizin zur Strahlentherapie genutzt werden und ihr Verhältnis zwischen LET und Präzision (also wie genau man den Strahl im menschlichen Körper positionieren kann). Aktueller Stand der Technik (der Autor dieses Artikeln behauptet, dass er das mit Neutronen besser könnte, als aktuell in der Literatur angegeben 😉 )

In der medizinischen Strahlentherpie und im Strahlenschutz macht es einen großen Unterschied, wieviel Energie pro Interaktion und wieviel Energie insgesamt übertragen wird. Mikroskopisch gesehen interagieren Photonen zu ca. 70% mit der Zelle über chemische freie Radikale, die sie in der Zelle produzieren und nur 30% über direkte DNS-Schädigung. Mit höherer LET verschiebt sich dieses Verhältnis zu Gunsten der direkten DNS-Schädigung, von denen man in der Medizin gerne mehr haben würde.

 

 

Alle “Kurz notiert:” Artikel gibt es hier.

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/kurz-notiert-let-linearer-energietransfer/feed/ 0 42875
Hilfe ich bin verstrahlt worden! – Anfragen & Fälle von Lesern mit Gesundheitsproblemen und Strahlung – Teil 1 – Einleitung [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung/#respond Mon, 17 Jun 2019 06:20:40 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=1894 Es gibt fiese Krankheiten und einige davon können durch ionisierende Strahlung hervorgerufen werden. Oftmals verlassen sich die betroffenen Personen dann nicht nur auf die Meinung ihrer persönlichen Ärzte, sondern gehen selber im Internet und anderen Informationsangeboten auf die Suche um sich selber zu helfen. Schon bevor ich als Strahlenphysiker selber an Leukämie erkrankt bin habe…]]>

Es gibt fiese Krankheiten und einige davon können durch ionisierende Strahlung hervorgerufen werden. Oftmals verlassen sich die betroffenen Personen dann nicht nur auf die Meinung ihrer persönlichen Ärzte, sondern gehen selber im Internet und anderen Informationsangeboten auf die Suche um sich selber zu helfen. Schon bevor ich als Strahlenphysiker selber an Leukämie erkrankt bin habe ich über meinen Blog regelmäßig Anfragen wegen ganz konkreter Fälle bekommen und seit ich mein Leukämietagebuch schreibe und mein Repertoire und Schwerpunkt dementsprechend erweitert habe um so mehr.

Dabei ist das ganze aber alles andere als einfach, denn die Leute, die über eine Suchmaschine oder einen Link in einem Forum zu mir finden, haben in der Regel sehr unterschiedliche Fälle und Probleme und auch eigene Vorgeschichten und Lebenssituationen. Da ist alles dabei, von der Mutter, die nach einer neuen Strahlentherapie für ihr krebskrankes Kind sucht, bis zum Verschwörungstheortiker, der von Geheimdiensten mit Strahlung beschossen wird. Alle diese Fälle haben ihre Daseinsberechtigung und selbst so manch eine Verschwörungstheorie hat durchaus einen wahren oder zumindest interessanten Kern.

Wie das “Teil 1” oben schon angedeutet werde ich über die folgenden Links mal ein paar Nachschlageseiten aufbauen mit do´s und dont´s bei der Kommunikation mit Fachexperten (wie mir), Medizinern und Behörden und dann werde ich direkt mit einem super Beispiel in den Kampf um die Meinungshoheit einsteigen. Dazu hat mir ein Mann, der hier als User “NHL-Opfer” zu meinen Kommentarzeilen gefunden hat, freundlicherweise seinen Fall zur Verfügung gestellt, in dem er an Krebs erkrankte und eine Nagelpilzbehandlung mit Strahlung in den 60ger Jahren für diese Krankheit verantwortlich macht.

Das wichtigste ist erstmals, dass man nie mit 100%Sicherheit sagen kann, dass eine bestimmte Strahlenexposition mit einer bestimmten Krankheit zusammenhängt. Das sind alles immer nur Wahrscheinlichkeiten. Aber man kann eben eine Zusammenhangswahrscheinlichkeit angeben und wenn man sagen kann “Die Bestrahlung war mit 95%tiger Sicherheit Auslöser für die Krankheit” das ist das was ganz anderes, als wenn man sagen muss “die Bestrahlung hat nur mit 4%tiger Wahrscheinlichkeit zu der Krankheit geführt”. Offizielle Behörden wollen meist eine bestimmte Wahrscheinlichkeit auf dem Papier sehen und erkennen dann z.B. ab 50% Verursachungswahrscheinlichkeit die Krankheit an, zahlen Entschädigungen, eröffnen Verfahren etc. pp.

In dem Beispielfall ist bei einem Mann ein Non Hodkin Lymphom diagnostiziert worden (Details im .pdf). Dies ist eine Art Krebs, die das lymphatische System befällt und kann wie alle anderen Krebsarten auch durch ionisierende Strahlung verursacht werden und/oder natürlich auftreten. Da er als Kind in den 60gern eine Nagelpilzbehandlung wahrscheinlich mit einer Strahlenquelle bekommen hat, macht er diese ursächlich dafür verantwortlich und sucht nach Möglichkeiten dies nachzuweisen. In den Kommentare (und auch wohl anderen Foren) ist dies aber schnell abgedriftet, weil auch von staatlichen Vertuschungsaktionen und Mordanschlägen geredet worden ist, wodurch sich viele wissenschaftsorientierte Leser hier viel zu schnell an unhaltbare Verschwörungstheorien bis hin ins lächerliche übersteigerte Flachwelt-Zion Mythen erinnert sehen. Daher fange ich erst mal mit Fakten an, die in dem Fall zu 90% oder mehr wahr und undiskutabel sind:

Dann stelle ich dem gegenüber einige Behauptungen des Patienten, wo ich mit Sicherheit von über 90% sagen kann, dass sie falsch sind:

Alle anderen Vermutungen und Behauptungen liegen irgendwo dazwischen. Ich könnte jetzt Vermutungen anstellen, welche Strahlenquelle eingesetzt worden ist und mit welchen Aktivitäten, aber da ist immer viel Vermutung dabei. Das sind alles keine harten Fakten und kann daher eben nur Anhaltspunkte geben. Ein professioneller Gutachter kann diese Anhaltspunkte bewerten und sagen wie das mit Strotiumquellen, Chromosomenabberation etc. pp. zu bewerten ist. Aber das kann ich hier per Ferndiagnose im Internet nicht leisten und es erfordert einiges an Arbeit.

Recht schädlich im Umgang mit Behörden und Experten im Internet ist es zu viele Emotionen in die Bewertung einfließen zu lassen. Ob jetzt ein Beamter mit der “Hand auf den Tisch” geschlagen oder der Ärztin “bei gerötetem Gesicht entsetzt geschüttelt schreiend mit “Nein!!!” (…) ein Kronleuchter aufging, mag für den Patienten zwar extrem wichtig sein, aber das will weder Behörde noch Experte wissen. Diese Informationen sind für eine objektive Beurteilung der Situation schädlich.

In diesem speziellen Fall kann halt jetzt von einer Infrarotbestrahlung und natürlicher NHL bis hin zu einer richtigen Verstrahlung mit einer Co60 Quelle alles passiert sein. Mein “Expertenwissen” war also gerade mal dafür gut ein paar von den Extrempositionen vom Tisch zu nehmen. So wird das leider bei den meisten Fällen sein. Aber vielleicht hilft dieses bischen ja schon mal einen Schritt weiter.

Als ich mit meiner Strahlenkrankheit, Blut aus der Lunge hustend, auf der Isolierstation gelegen habe sind mir so manche Gedanken durch den Kopf gegangen, unter denen auch viele der Patienten hier leiden. Angst, Schuldzuweisung und vieles mehr. Psychologische/therapeutische Betreuung, in meinem Fall durch die Psychoonkologie, will hier viel helfen und kann ich nur wärmstens empfehlen. Im Zweifelsfall erst mal Ruhe bewahren und gesund werden, bevor man irgendwelche Behörden verklagt.

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung/feed/ 0 42465
Die Sonne – ein Superflare-Stern? [Alpha Cephei] http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/06/17/die-sonne-ein-superflare-stern/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-sonne-ein-superflare-stern http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/06/17/die-sonne-ein-superflare-stern/#respond Sun, 16 Jun 2019 22:21:29 +0000 http://scienceblogs.de/alpha-cephei/?p=3847 Lange schon ist bekannt, dass Rote Zwergsterne ziemlich übellaunig sein können und mit ihren starken Magnetfeldern Superflares auf ihre potenziellen Planeten abfeuern können, UV- und Röntgenstrahlenschauer, die die Oberfläche einer solchen Welt sterilisieren können. Unsere Sonne ist da ja zum Glück weitaus friedfertiger. Dachte man jedenfalls bisher. Etwas überraschend zeigte sich dann als Beifang zu…]]>

Lange schon ist bekannt, dass Rote Zwergsterne ziemlich übellaunig sein können und mit ihren starken Magnetfeldern Superflares auf ihre potenziellen Planeten abfeuern können, UV- und Röntgenstrahlenschauer, die die Oberfläche einer solchen Welt sterilisieren können. Unsere Sonne ist da ja zum Glück weitaus friedfertiger. Dachte man jedenfalls bisher. Etwas überraschend zeigte sich dann als Beifang zu den Beobachtungen des Planetensuchers Kepler, dass ganz gewöhnliche sonnenähnliche F8-G8-Zwergsterne mitunter auch Superflares hervorbringen können. Wenn auch nur ein sehr kleiner Teil von ihnen. Ein japanisch-amerikanisches Team hat die Kepler-Superflaresterne systematisch analysiert, um die Unterschiede zwischen den Superflare-Sternen und unserer Sonne zu finden. Um es vorweg zu nehmen: sie fanden keine.

 

Magnetische Kurzschlüsse

Sonnenflares sind magnetische Kurzschlüsse in der Sonnenatmosphäre, die entstehen, wenn das Magnetfeld sich lokal neu verbindet und die darin gespeicherte Energie schlagartig freigesetzt wird. Anders als bei der Erde entsteht der Magnetismus der Sonne nicht tief in ihrem Inneren, sondern in den oberen Schichten. Das Plasma aus geladenen Teilchen, aus denen die Sonne besteht, wird dort durch aufsteigende Strömungen umgewälzt, die die Wärme aus dem Inneren an die Oberfläche transportieren (Konvektion), wobei die bewegten Ladungsträger ein Magnetfeld erzeugen. Das wäre einigermaßen regelmäßig, wenn die Sonne nicht auch noch rotieren würde, und zwar differentiell: an den Polen dreht sie sich alle 31 Tage um sich selbst, am Äquator in nur 25 Tagen. Dadurch verdrillen sich die Magnetfeldlinien über die Jahre, verstärken sich an manchen Stellen, und bilden teils Schlaufen. In den Schlaufen bewegt sich das Plasma den Feldlinien entlang und erzeugt so zum Beispiel die bogenförmigen Protuberanzen, die man mit entsprechenen Filtern am Sonnenrand sehen kann, oder die Sonnenflecken, dunklere Zonen der Oberfläche, wo die Feldlinien gewissermaßen kühlere Löcher in die Photosphäre gebohrt haben. Durch das allmählliche Verdrillen der Magnetfeldlinien kommt es zur periodischen Sonnenaktivität, die unregelmäßig mit einem Mittelwert von 11 Jahren ein Maximum erreicht. Im Maximum ist das globale Feld vollkommen verquirlt, bricht schließlich zusammen, und baut sich in gegenpoliger Richtung wieder auf, bis zum nächsten Maximum, an dem sich das Spiel wiederholt. Im Maximum zeigt die Sonnenoberfläche ständig ein paar Sonnenflecken, im Minimum (wie gerade jetzt) oft wochenlang keinen einzigen.

Hat die Sonne viele Flecken, dann ist sie besonders aktiv, dann sind die Magnetfelder stark verdrillt, und genau dann kommt es auch am häufigsten zu Flares. Wenn die sonst bogenförmigen Feldlinien aufreißen, werden Elektronen in der äußeren Chromosphäre und Korona im Magnetfeld stark beschleunigt, die dann den Feldlinien folgend mit hoher Geschwindigkeiten auf die dichtere Photosphäre prallen, wo sie stark abgebremst werden. Elektronen stark abzubremsen ist genau das Prinzip der von Wilhelm Konrad Röntgen erfundenen Röhre – so entsteht die Röntgenstrahlung des Flares. In Gegenrichtung beschleunigte Teilchen werden als koronaler Massenauswurf (engl. coronal mass ejection, CME) nach außen geschleudert. Erfolgt der Auswurf in Richtung der Erde, können die Teilchen nach 1-3 Tagen Flugzeit mit bis zu 2000 km/s dieselbe erreichen und vom Erdmagnetfeld zu den Polen abgeleitet Polarlichter bei uns verursachen. Das Röntgenlicht eines Flares ist hingegen mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs schon nach 8 Minuten und 20 Sekunden bei uns. So kann ein Flare als Vorwarnung vor dem Partikelstrom eines CME dienen, der bei großer Intensität als Sonnensturm bezeichnet wird.

 

Weltraumwetter

Sonnenstürme sind also Schauer geladener Teilchen, die z.B. direkt die Elektronik von Satelliten zerstören können, und die für zukünftige Raumfahrer außerhalb des Erdmagnetfelds lebensgefährlich werden können. Das Magnetfeld der Erde schützt die niedrig kreisende ISS und auch uns Erdenbewohner zuverlässig vor Sonnenstürmen, die jedoch das Feld selbst erschüttern und deformieren können. Dies führt zu großräumigen Schwankungen der Magnetfeldstärke, die man sogar mit Amateurmitteln messen kann. In langen Leitern (Strom- und metallische Datenleitungen) kann das schwankende Feld dann durch Induktion teils beträchtliche Ströme erzeugen (induzieren), die angeschlossene Geräte oder Trafos zerstören können. Bei einem Sonnensturm im März 1989 in Quebec brach großflächig wegen durchgebrannter Transformatoren das Stromnetz zusammen. Noch stärker war der Sonnensturm von 1859 nach dem von Carrington und Hodgson ersten beobachten Flare überhaupt (im sichtbaren Licht!) dessen CME die Erde voll erwischte. Damals waren Polarlichter bis nach Kuba und Hawaii berichtet worden und Telegraphen, deren Papierstreifen durch Funkenschlag Feuer fingen. Und dies war noch kein Superflare.

Flares werden nach ihrer Röntgenleuchtkraft in einer logarithmischen Skala klassifiziert, A, B, C, M und X. Klasse B setzt 10mal so viel Energie frei wie Klasse A (Röntgenleuchtkraft 10-8 W/m²), Klasse C das hundertfache. Die einzelnen Klassen sind noch einmal linear von 1 bis 9 unterteilt, so ist M2 doppelt so stark wie M1 (10-5 W/m²), M3 dreimal so stark etc. und M10 = 10 mal M1 entspricht dann X1. In der höchsten Klasse X wird nach oben offen weitergezählt: der stärkste bisher gemessene Flare war ein X28 am 4. November 2003, dessen CME die Erde zum Glück verfehlte. Der Carrington-Flare wird auf X45 geschätzt, derjenige, der dem Sonnensturm von Quebec vorausging, lag bei X15 [6]. Den Röntgenleuchtkräften der Flares kann man annähernd die freigesetzte Energie zuordnen, wobei X1 etwa 2·1031 erg = 2·1024 Joules = 480 Billionen Tonnen TNT entsprechen (die stärkste von Menschen je erzeugte Energiefreisetzung war die Zar-Atombombe mit 50 Millionen Tonnen TNT bei 1/1000 der Stärke eine A-Klasse-Flares; immerhin…). X28 entsprechen knapp 3·1032 erg. Carrington lag bei 4,5·1032 erg. Die Energieeinheit erg stammt übrigens aus dem alten Zentimeter-Gramm-Sekunde-System (cgs), das dem heutigen SI-System mit Meter, Kilogramm und Sekunde vorausging. Die meisten Astronomen halten starrsinnig am cgs fest, so auch die Autoren der hier betrachteten Arbeit, daher verwende ich die Einheit hier ebenfalls. 10erg sind 1 Joules.

 

Eine andere Liga

Superflares spielen in einer um Zehnerpotenzen höheren Liga: 1033 bis 1038 erg, 10 bis eine Million mal so stark wie die stärksten gemessenen Sonnenflares. Der Planetensucher Kepler, der zum Aufspüren der winzigen Verfinsterungen von Sternen durch vorbeiziehende Planetenscheibchen die Helligkeit hunderttausender Sterne mit großer Präzision über lange Zeiten vermessen hat, fand neben den üblichen Flares von M-Zwergen auch anscheinend ganz gewöhnliche Sterne vom Typ der Sonne, etwa Spektralklassen F8V bis G8V, die mitunter Superflares produzierten, was angesichts der als friedlich betrachteten Sonne ziemlich überraschend kam. Solche Sterne zeigten quasiperiodische Helligkeitsschwankungen von 0,1% bis zu 10%, die auf riesige Sonnenflecken hindeuteten, die bei der Rotation des Sterns periodisch durch das Blickfeld Keplers zogen. Bei M-Zwergen weiß man, dass sie bis zum Zentrum hin konvektiv und deswegen besonders magnetisch aktiv sind, aber warum sollten sich G-Sterne anders verhalten als unsere Sonne? Von insgesamt 83000 sonnenähnlichen Sternen zeigten in einer 2012 veröffentlichten Analyse der Kepler-Daten nur 184 Sterne insgesamt 365 Superflares. Das sind nur 0,2% aller sonnenähnlichen Sterne.

Manche, aber nicht alle, sind Partner in engen Doppelsternsystemen, bei denen der andere Stern das Magnetfeld beeinflussen und zusätzlich verdrillen könnte. Eine Vermutung war, dass eng umlaufende heiße Jupiter ähnliches bewirken könnten, und Kepler sah solche Planeten ja nur, wenn die Erde ungefähr in der Bahnebene des Planeten lag, was nur selten der Fall ist. Aber Beobachtungen mit der alternativen spektroskopischen Radialgeschwindigkeitsmethode, die auch Planeten auf stark verkippten Bahnen aufspüren kann, konnten diese Annahme nicht bestätigen. Eine andere, bisher gültige und durch Beobachtungen bestätigte Annahme geht davon aus, dass Sterne, die schnell rotieren, ihre Magnetfelder stärker verdrillen sollten und somit Superflares erzeugen. Die Sonne sollte demnach mit ihren gemächlichen 25 Tagen Rotation keine Superflares erzeugen können.

 

What’s it take to superflare?

Ein japanisch-amerikanisches Team um Nota Yotsu hat nun 18 der Kepler-Superflare-Sonnen mit dem 3,5-m-Teleskop des Apache Point Observatoriums in New Mexico von der Erde aus auf ihre Eigenschaften und Gemeinsamkeiten hin untersucht und zusätzlich aus den Gaia-DR2-Daten ihre Radien bestimmt. Diese Daten kombinierten sie mit früheren Analysen von 50 Superflaresternen aus dem Jahr 2015 mit dem Subaru-Teleskop auf Hawaii. 4 Sterne wurden von beiden Teleskopen beobachtet, so dass insgesamt die Daten von 64 Superflaresternen vorliegen. Alle Daten stammen aus dem ersten Drittel (500 Tage) der Kepler-Primärmission, die ein Sternfeld im Schwan 4 Jahre lang fest im Blick hatte.

Im ersten Bild sind die atmosphärischen Parameter dargestellt, links die Schwerkraft, stellvertretend für den Druck an der Oberfläche, und rechts die Metallizität (Eisengehalt relativ zur Sonne), beides über der Temperatur aufgetragen (stellvertretend für die Spektralklasse: 6400K=F7, 5000K=G9). Und die Sonne ☉ (G2, 5800K) zum Vergleich. Die befindet sich mitten im Gewimmel. Ihre Atmosphäre und Temperatur unterscheidet sie nicht im geringsten von den Superflaresternen.

Atmosphärenparameter der unteruschten Superflaresterne: Links Oberflächenschwerkraft log g im cgs-System (Erdschwerkraft g = 981 cm/s², also log g = 2,99) über der Temperatur, rechts Metallizität (Logarithmus der Eisenhäufigkeit relativ zur Sonne; Sonne also log 1 = 0). Die Subaru-Sterne sind schwarz, die APO-Sterne rot, und unter den APO-Sternen sind die Einzelsterne als Quadrate dargestellt; 3 APO-Sterne sind Doppelsterne (visuell: VB für visual binary, oder spektroskopisch: RV für radial velocity). Zum Vergleich die Sonne (Kreis mit Punkt). Nichts zeichnet sie unter den Superflaresternen aus. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Wie sieht es mit dem Alter der Sterne aus? Junge Sterne rotieren gewöhnlich schneller als alte. Das Alter der Sterne kann man anhand des Lithiumgehalts abschätzen, der mit dem Alter abnimmt. Im folgenden Bild sind die Lithiumhäufigkeiten relativ zur Sonne (1) über der Temperatur aufgetragen. Die Lithiumhäufigkeit nimmt mit dem Alter ab, aber die Beziehung ist komplex, daher sind die Lithiumhäufigkeiten von Sternen im Hyaden-Sternhaufen (Alter 625 Millionen Jahre) als graue Kreuze und Plus-Zeichen eingetragen. Die Sterne unter den grauen Kreuzen sind älter, die darüber jünger als die Hyaden. Die Sonne zählt im Vergleich zu den Superflaresternen zu den Methusalems, aber es gibt ähnlich alte Superflaresterne.

Lithiumgehalt A(Li) der Superflaresterne über der Temperatur im Vergleich zur Sonne (=1). Der Lithiumgehalt nimmt mit dem Alter ab, so dass jüngere Sterne weiter oben im Diagramm liegen. In Blau und Rot die Superflaresterne, zum Altersvergleich Sterne des Hyadensternhaufens (625 Millionen Jahre; graue Kreuze und Plus-Zeichen) und die Sonne. Die meisten Superflaresterne sind jünger als die Sonne, aber es gibt auch ähnlich alte. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

“Sonnenähnlich” war bisher auf die Temperatur der Sterne bezogen – wie sieht es mit den Durchmessern aus? Aufgrund der Entfernung, Temperatur und Helligkeit kann der Radius eines Sterns bestimmt werden. Die Autoren nutzten Entfernungsmessungen aus dem Gaia-DR2-Katalog, um die Sterndurchmesser zu ermitteln. Es zeigte sich, dass etwa 40% der Superflaresterne tatsächlich keine waschechten Hauptreihensterne (Leuchtkraftklasse V, Zwerge wie die Sonne), sondern Unterriesen sind (Klasse IV, unterhalb der Roten Riesen in Klasse III), wie im folgenden Bild zu sehen ist. Der Radius in Sonnenradien ist nach oben hin aufgetragen, die Temperatur von 3000K (Spektralklasse M) bis 8000K (Klasse A) von rechts nach links. Die farbigen Punkte im Hintergrund sind alle von Kepler gemessenen Sterne, eingefärbt nach Leuchtkraftklasse V (schwarz), IV (Grün) und III (Rot). In Blau kühle Hauptreihen-Doppelsterne. Die Sonne ist hier nicht dargestellt, man denke sie sich bei 100=1 und 5800K. Das ist im unteren Teil der Superflaresterne-Wolke, noch innerhalb derselben.

Die Radien der Superflaresterne in Sonnenradien über der Temperatur. Im Hintergrund alle von Kepler beobachteten Sterne, eingefärbt nach Leuchtkraftklassen: Schwarz = Klasse V (Zwergsterne, Hauptreihensterne), grün = Klasse IV, (Unterriesen), rot = Klasse III (Riesen), blau = kühle Hauptreihen-Doppelsterne. 40% der Superflaresterne sind Unterriesen (einer ist ein Riese), aber 60% Zwerge. Die Sonne befände sich bei 5800K und 100 im unteren Bereich der Superflaresterne. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Wie schaut es aus mit der Rotationsperiode? Im nächsten Bild sind die von Kepler beobachteten Flare-Energien über den Umlaufzeiten in Tagen abgebildet. Zwar streut die Flare-Energie (auch bei der Sonne schwanken sie ja von A bis X über einen großen Bereich), aber man erkennt deutlich, dass schnelle Rotation zu höheren Flare-Energien führt, als langsame Rotation. Die Sonne läge in diesem Bild mit dem Carrington-Flare unten rechts etwa beim “d” im Wort “data”, alle anderen Flares lägen tiefer.

Gemessene Flares der Superflare-Sterne über der Rotationsperiode der jeweiligen Sterne. Blaue Kreuze entstammen Kepler-Messungen im 30-Minuten-Takt, rote Quadrate solchen im 1-Minuten-Takt, die auch schwächere Flares erfassen konnten. Es gibt eine klare Tendenz, dass die Flareenergie mit zunehmender Rotationsdauer sinkt. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Auch die Rotationsrate kann also nicht erklären, warum die Sonne nicht imstande sein sollte, Superflares von 1034 bis 1035 zu erzeugen. Es gibt Superflaresterne der gleichen Größe und Temperatur, der gleichen Zusammensetzung, des gleichen Alters, der gleichen Rotationsrate und ohne enge Begleiter wie die Sonne. Welchen Unterschied zwischen der Sonne und den Superflaresternen könnte es sonst geben? Sterne sind im Grunde genommen einfach gestrickt, sie sind Gasbälle aus Wasserstoff und Helium, die sich lediglich in der Masse, Metallizität, Entwicklungsstufe und Rotationsrate unterscheiden. Theoretisch könnte es noch feine Unterschiede im Anteil der Metalle geben oder bestimmte Kombinationen von Eigenschaften zusammen kommen müssen, um einen sonnenähnlichen Stern zum Superflarestern zu machen.

 

Gleiche unter Gleichen?

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: dass es gar keinen Unterschied gibt. Was wäre, wenn nicht etwa nur 0,2% aller sonnenähnlichen Sterne Superflares produzieren, sondern alle, aber nur zu 0,2% der Zeit? Kepler sah schließlich in seinen 4 Jahren Primärmission nicht einmal einen metaphorischen Lidschlag im Leben der Sterne, aber weil das Weltraumteleskop eine so große Menge von Sternen überwachte, sah es Sterne in praktisch jeder Phase ihres Lebens.

Von Kepler beobachtete Superflares waren immer mit sehr großen Sternflecken verbunden. Im folgenden Bild sind die Wahrscheinlichkeiten für die Größe von Sternfleckengruppen für besonders sonnenähnliche Sterne (±200K, etwa F9-G4) mit Rotationsperioden von 20-40 Tagen aufgetragen. Auf der x-Achse die Fläche der Flecken relativ zur Fläche der Sonnenscheibe, auf der y-Achse die Häufigkeit der Fleckenguppen von mindestens dieser Größe pro Stern und Jahr. Die schwarze gestrichelte Linie gibt die Statistik der Sonne seit 1874 wieder, die bei 10-2=1% der Sonnenfläche nach oben abgeschnitten ist, weil im Beobachtungszeitraum keine größeren Flecken beobachtet wurden. In Blau die Daten der Kepler-Sterne, die bei Flecken von weniger als 10-3=0,1% der Sternfläche nach unten abgeschnitten ist, weil Kepler kleinere Flecken nicht mehr wahrnehmen konnte. Im Schnittbereich sind beide Graphen innerhalb der gleichen Größenordnung und folgen dem rot gestrichelten Verlauf. Dies spricht dafür, dass auch der Graph der Sonne entsprechend weiter verlaufen würde, wenn man nicht nur 150 sondern 1500 oder 15000 Jahre an Daten zur Verfügung hätten.

Statistik der Größe (Flächenanteil relativ zur Sonnenscheibe) von Sonnen- und Sternfleckengrößen für Sterne von ungefähr der Temperatur der Sonne ( ±200K) und Rotationsdauer von 20-40 Tagen (Sonne: 25). Die y-Achse gibt die Wahrscheinlichkeit an, Fleckengruppen von mindestens der Größe auf der x-Achse pro Jahr und Stern vorzufinden. Da systematische Daten der Sonnenflecken erst seit 1874 vorliegen, ist die schwarz gestrichelte Kurve der Sonne oberhalb 10-2 abgeschnitten – es wurden in den ca. 150 Jahre keine Sonnenfleckengruppen von mehr als 1% der Sonnenfläche beobachtet. Da Kepler Sternflecken nur oberhalb von ca. 1/1000 des Sterndurchmesser entdecken konnte, ist die blaue Kurve unterhalb von 10-3 abgeschnitten – Flecken von weniger als 0,1% der Sternfläche blieben unentdeckt. Im gemeinsamen Schnittbereich liegen die Daten innerhalb einer Zehnerpotenz und werden durch die rote gestrichelte Linie nach oben abgeschätzt. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Im letzten Bild ist schließlich noch die Statistik der Flareenergien für Sonnenflares und der in verschiedenen Arbeiten behandelten Superflares für sehr kleine (Nanoflares) bis sehr große Flares (Superflares) dargestellt. Türkisblau die Nanoflares bis zu 1026 erg, deren Häufigkeit (Anteil dN von Flares mit dem Energieintervall dE) gemäß einer Arbeit von Aschwanden et al. einem Exponentialgesetz mit dem Exponenten -1,79 der Energie E folgt. Darunter in Violett Mikroflares um 1028 erg (bis Klasse B) mit einem Exponenten von -1,74.  Nachfolgend in Grün normale Sonnenflares der Klassen A1 bis X10, die einem Exponenten von -1,53 folgen, und unten rechts schließlich die Daten von Superflares mehrerer Arbeiten. Die einzelnen Abschnitte lassen sich im Rahmen einer Größenordung mit einem gemeinsamen Exponenten von -1,8 approximieren (schwarze durchgezogene Linie).

Statistik verschiedener Flareenergien für Sonnenflares und Superflares, gemäß mehrerer Arbeiten. Auf der x-Achse die Flareenergie, auf der y-Achse die Häufigkeit der Flares pro Intervall von einem erg und Jahr. Grün gestrichelt die gewöhnlichen Sonnenflares der Klassen A bis X10 mit Energien zwischen 5·1026 und 1032 erg. Flares niedrigerer Energien werden als Mikro- und Nanoflares bezeichnet. Diese folgen exponentiellen Häufikgkeitsgesetzen mit den angegeben Exponenten -1,53, -1,74 und -1,79. Unten rechts die Kepler-Superflares. Alle Teilgraphen lassen sich durch ein gemeinsames Exponentialgesetz von -1,8 innerhalb einer Größenordnung annähern (schwarze durchgezogenen Linie). Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Dies ist verträglich mit der Annahme, dass wir uns möglicherweise in der “friedlichen Natur” der Sonne getäuscht haben. Wir kennen sie, bzw. ihr Flareverhalten einfach noch nicht lange genug. Gemäß der in den letzten beiden Graphiken extrapolierten Statistiken wäre für die Sonne etwa alle 2000-3000 Jahre mit einem Flare von mehr als 5·1034 erg zu rechnen (entsprechend ca. X10.000). Ohne Teleskop und Sonnenfilter wäre so ein Flare aber möglicherweisei nicht auffällig und beobachtbar. Bestenfalls würde man das Polarlicht des folgenden Sonnensturms wahrnehmen, der die Erde aber durchaus auch verfehlen könnte (siehe 2003). Polarlicht in Mitteleuropa gibt es aber gelegentlich schon bei X1-Flares und historische Aufzeichnungen von Polarlicht-Sichtungen aus den Tropen sind m.W.n. nichtexistent bis spärlich.

 

Auch die Sonne kann vermutlich Superflares

Kann man ausschließen, dass die Sonne jemals Superflares produziert hat? Wäre das Leben auf der Erde nicht untergegangen, denn Superflares sollen das Leben auf Planeten von Roten Zwergen ja so gut wie unmöglich machen? Solche Planeten umkreisen ihren Stern jedoch viel enger als die Erde unsere Sonne, wenn sie sich seiner kleinen habitablen Zone befinden sollen, in 5%-20% des Abstands der Erde von der Sonne, und die Sterne  produzieren sehr viel häufiger Superflares als die Sonne. Mit ihrer langsamen Rotation gehört die Sonne zudem zu den G-Sternen, deren potenzielle Superflares 2 Größenordnungen unter denen der extremsten von Kepler beobachteten Flares liegen.

Und wenn es denn so wäre: kann man mögliche Spuren von Superflares auf der Erde finden? Eine der wenigen Möglichkeiten zum Nachweis bietet radioaktiver Kohlenstoff-14, der beim Ansturm der Partikel eines großen Sonnensturms (eine Art von Radioaktivität) verstärkt gebildet wird. Tatsächlich fanden Fusa Miyake et al. 2012 [2,3] einen scharfen Anstieg der C-14-Konzentration in japanischen Zedern für das Jahr 774-775. Für das gleiche Jahr fand sich ein ebensolcher Spitzenwert in kalifornischen Pinien, deutschen Eichen, sibirischen Lärchen und neuseeländischen Kauri-Bäumen. Das Bombardement der solaren Partikel erzeugt außerdem das Isotop Beryllium-10 in der Atmosphäre, das sich im folgenden auf dem Erdboden niederschlägt, wo es in kalten Regionen rasch von Schnee bedeckt werden kann. Tatsächlich fand Miyake in Eisbohrkernen aus der Antarktis für das Jahr 775 einen Anstieg der Beryllium-10-Konzentration um 80%. Neben einem Superflare könnten auch eine nahe Supernova-Explosion oder ein Gammastrahlenschauer C-14 und Beryllium-10 produzieren, aber eine nahe Supernova wäre strahlend hell gewesen und mit Sicherheit von Historikern dokumentiert worden, und ein Gammastrahlenburst dauert nur Sekundenbruchteile und könnte höchstens eine Hälfte der Erde bestrahlen. Insofern ist ein Superflare die plausibelste Erklärung für die Messungen.

 

Willst Du nicht haben

Und wenn uns heute ein Superflare träfe? Nun, wir würden sicher nicht gleich alle sterben. Die Menschheit wurde offenbar in historischer Zeit nicht durch einen Superflare oder Sonnensturm erheblich dezimiert, das hätte man bemerkt. Erhöhte Krebsraten in der Spätantike sind denkbar, aber mangels medizinischer Kenntnisse der damaligen Zeit nicht zu belegen. Im Unterschied zur Antike sind wir heute jedoch in großem Maße von Stromversorgung und Elektronik abhängig. Insofern würde es die Menschheit heutzutage schon katastrophal treffen, wenn etwa ein Sonnensturm weltweit die Transformatoren der Hochspannungsnetze zerstören würde. Transformatoren werden nicht in so großen Stückzahlen gefertigt oder gelagert, dass das Netz binnen Tagen wieder hergestellt wäre, es könnte nach einer Studie [4,5] der National Academy of Sciences Monate dauern, bis das Netz der Vereingten Staaten wieder vollständig hergestellt wäre, die Folgeschäden lägen bei bis zu 2 Billionen Dollar, 20mal höher als die des Hurrikan Kathrina, und die Nachwirkungen wären erst nach 4-10 Jahren beseitigt. Jeder mag sich das Leben in einer Großstadt ausmalen, die für ein paar Wochen ohne Strom und damit auch ohne fließendes Wasser und Klärwerke, ohne Bahnen und Tankstellen, ohne Geldautomaten, Alarmanlagen und Straßenbeleuchtungen wäre.

Glücklicherweise kommt ein Sonnensturm mit einem bis mehreren Tagen Verzögerung nach einem Flare und koronalen Massenauswurf auf der Sonne bei uns an, und wir haben die Sonne mit dem Solar Dynamics Observatory SDO permanent im Blick. Als vorgeschobener Spähposten im All befindet sich zusätzlich das Weltraum-Sonnenteleskop ACE im Lagrange-1-Punkt der Erde, 1,5 Millionen km vor der Erde, und es registriert die Stärke ankommender Sonnenstürme schon 1/2-1 Stunde bevor sie die Erde treffen. Es ist also möglich, rechtzeitig vor dem Eintreffen die Netze abzuschalten – wenn jemand die Verantwortung dafür auf sich nähme. Man muss den unvermeidlichen kurzfristigen Schaden einer solchen Abschaltung gegenüber dem möglichen, aber nicht absolut sicheren katastrophalen Schaden eines langfristigen Netzausfalls abwägen. Es ist auch technisch kein großes Problem, die Netze hart gegen Sonnenstürme zu machen. Die Netzbetreiber müssten nur die nötigen Investitionen tätigen. Arbeiten wie die vorliegende können hoffentlich dazu beitragen, dass entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Im Moment scheint ein Superflare aber nicht akut zu sein. Die Sonnenaktivität ging in den vergangenen Zyklen kontinuierlich zurück und die Zyklen wurden länger (d.h. das Verdrillen der Magnetfelder dauerte länger). Wir kennen die Ursachen nicht und wissen noch viel zu wenig über die langfristigen Aktivitätszyklen der Sonne und sonnenähnlicher Sterne. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, dass Astronomie mitunter durchaus wichtige Erkenntnisse für unser tägliches Leben liefern kann. Nur zur Erinnerung, falls noch einmal jemand über die Kosten von Weltraumteleskopen jammert.

 

Referenzen

[1] Yuta Notsu,  Hiroyuki Maehara, Satoshi Honda et al., “Do Kepler superflare stars really include slowly-rotating Sun-like stars ? – Results using APO 3.5m telescope spectroscopic observations and Gaia-DR2 data –“, The Astrophysical Journal, Volume 876, Number 1, 3. Mai 2019; arXiv:1904.00142.

[2] Fusa Miyake, Kentaro Nagaya, Kimiaki Masuda & Toshio Nakamura, “A signature of cosmic-ray increase in ad 774–775 from tree rings in Japan“, Nature, 486, S. 240-242, 14. Juni 2012.

[3] Monica Bobra, “Superflares“, Sky & Telescope, November 2015, S. 22-27.

[4] Jason Samenow, “The devastating potential of an extreme solar storm and what the White House is doing about it“, The Washington Post, 29. Oktober 2015.

[5] “Severe Space Weather Events – understanding socieatl and Economics Impacts, A Workshop Report“,  National Research Council, 2008, Washington, DC: The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/12507.

[6] Kazunari Shibata, Hiroaki Isobe, Andrew Hillier et al., “Can Superflares Occur on Our Sun?“, Publications of the Astronomical Society of Japan Vol. 65, S. 49, 25. Juni 2013.

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http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/06/17/die-sonne-ein-superflare-stern/feed/ 0 42870
Astronomie in 365 Tagen: Tag 167 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung/#respond Sun, 16 Jun 2019 16:34:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30118 Auch in Zukunft werden wir Planeten nur selten direkt sehen können. Und wir werden die Planeten immer nur als Lichtpunkt sehen; aber keine Details ihrer Oberfläche. Dafür sind sie viel zu weit von der Erde entfernt.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 167

Tag 167/365: Auch in Zukunft werden wir Planeten nur selten direkt sehen können. Und wir werden die Planeten immer nur als Lichtpunkt sehen; aber keine Details ihrer Oberfläche. Dafür sind sie viel zu weit von der Erde entfernt.

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung/feed/ 0 42854
Auf einen Blick: Die belastbare Evidenz zur Wirksamkeit von Homöopathika über Placebo hinaus [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/16/auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/16/auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus/#respond Sun, 16 Jun 2019 11:04:09 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4070 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/16/auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus/feed/ 0 42876 Go! Musik zur Mondlandung von “Public Service Broadcasting” [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting/#respond Sun, 16 Jun 2019 06:00:31 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29832 5 WOchen sind es nur noch, bevor wir am 21. Juli das 50. Jubiläum der ersten Landung auf dem Mond begehen können. Deswegen gibt es im 50tägigen Countdown zum Jubiläum heute ein wenig Musik, mit der man sich auf das Ereignis vorbereiten kann. Die Band “Public Service Broadcasting” aus England finde ich schon seit längerer…]]>

5 WOchen sind es nur noch, bevor wir am 21. Juli das 50. Jubiläum der ersten Landung auf dem Mond begehen können. Deswegen gibt es im 50tägigen Countdown zum Jubiläum heute ein wenig Musik, mit der man sich auf das Ereignis vorbereiten kann.

Die Band “Public Service Broadcasting” aus England finde ich schon seit längerer Zeit sehr interessant. Sie stellen ihre Alben zu Mitschnitten aus öffentlichen Informationsfilmen, Archivaufnahmen und Propagandamaterial zusammen und machen dazu elektronische Musik. Manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber immer sehr interessant.

2015 erschien ihr Album “The Race For Space”, das sich mit den Raumfahrtmissionen der USA und der Sowjetunion in den 1960er beschäftigt. Das ganze Album gibt es als Playlist auf YouTube. Und das beste Lied dabei ist “Go!” – Da hat man die Audioschnipsel aus der Apollo-11-Kapsel und der Kontrollzentrale zu einem wirklich coolen Lied zusammengeschnitten:

Besonders cool: Bei den “Go/No Go”-Abfragen im Refrain sind alle sehr ruhig und professionell. Aber wenn man genau hinhört, erkennt man ein “Go!”, das ein klein wenig aufgeregt klingt. Die stammt von Steve Bales, der damals an der “Guidance”-Kontrolle saß. Apollo-11 war kurz vor der Landung auf dem Mond schneller als geplant und es lag an ihm, die Landung entweder freizugeben oder abzubrechen. Trotz der Fehlermeldung entschied er sich für ein “Go!” – und die Aufregung dieser Entscheidung hört man… (Der Mann war damals erst 26 Jahre alt – ich weiß nicht, ob ich in dem Alter schon in der Lage gewesen wäre, so eine weitreichende Entscheidung zu treffen. Waren andere Zeiten damals – und andere Menschen…)

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting/feed/ 0 42782
Astronomie in 365 Tagen: Tag 166 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/astronomie-in-365-tagen-tag-166-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-166-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/astronomie-in-365-tagen-tag-166-exoplanetenentdeckung/#respond Sat, 15 Jun 2019 16:34:45 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30117 Bis heute wurden insgesamt 4075 Planeten bei 3043 Sternen entdeckt. Die meisten davon durch die “Transitmethode” bei der man die Verdunkelung des Sternenlichts misst, wenn ein Planet an ihm vorüber zieht.
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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 166

Tag 166/365: Bis heute wurden insgesamt 4075 Planeten bei 3043 Sternen entdeckt. Die meisten davon durch die “Transitmethode” bei der man die Verdunkelung des Sternenlichts misst, wenn ein Planet an ihm vorüber zieht.

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NASA-Videos zur ersten (und kommenden) Mondlandung [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/nasa-videos-zur-ersten-und-kommenden-mondlandung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=nasa-videos-zur-ersten-und-kommenden-mondlandung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/nasa-videos-zur-ersten-und-kommenden-mondlandung/#respond Sat, 15 Jun 2019 06:00:31 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29831 Im 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute ein bisschen was zu sehen. Denn die NASA betreibt einen YouTube-Kanal der durchaus den einen oder anderen Blick wert ist. Da gibt es zum Beispiel (natürlich!) eine Serie zum Mondlandungsjubiläum: Zur Zeit gibt es dort Videos zu den Apollo-Missionen 7 bis 10 – aber…]]>

Im 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute ein bisschen was zu sehen. Denn die NASA betreibt einen YouTube-Kanal der durchaus den einen oder anderen Blick wert ist.

Da gibt es zum Beispiel (natürlich!) eine Serie zum Mondlandungsjubiläum:

Zur Zeit gibt es dort Videos zu den Apollo-Missionen 7 bis 10 – aber Apollo 11 wird mit Sicherheit auch bald auftauchen.

Angesichts der Mondlandung vor 50 Jahren stellt sich natürlich auch immer die Frage: Wann kehren wir denn wieder zurück zum Mond? Ich bin da ja skeptisch, dass das recht bald passiert und noch skeptischer, dass es die amerikanische Raumfahrtagentur sein wird, die als nächstes Menschen zum Mond schickt. Aber die NASA sieht das naturgemäß anders und hat eine entsprechende Playlist mit optimistischen Videos veröffentlicht in denen sie erklärt, schon 2024 dort landen zu wollen:

Und hey – wenn William Shatner das sagt, dann kann es ja fast nur stimmen 😉

Videomaterial zur Mondlandung gibt es selbstverständlich noch viel mehr. Das eine oder andere werde ich euch sicher noch zeigen. Und bis dahin freue ich mich auf Hinweise zu guten Videos! (Aber bitte nur Zeug, das legal im Netz gelandet ist – also keine Mitschnitte von Fernsehsendungen die von irgendwelchen Leuten online gestellt worden sind, die dazu die Rechte nicht besitzen…)

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Wunderglaube oder Pseudowissenschaft? [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/14/wunderglaube-oder-pseudowissenschaft/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wunderglaube-oder-pseudowissenschaft http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/14/wunderglaube-oder-pseudowissenschaft/#respond Fri, 14 Jun 2019 18:27:46 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4066 Für aufgeklärte Zeitgenossen ist der Glaube an Wunder ein Grund zum Kopfschütteln. Wunder passen nicht mehr in die Zeit. Heute gründen wir Aussagen über die Welt auf Tatsachen und als Tatsachen gilt, was öffentlich nachprüfbar ist und sich ins Gesamtbild unseres Weltverständnisses fügt. Da mag es etwas paradox anmuten, dass früher durchaus auch Wunder diese Funktion erfüllt haben. Sie waren nicht aufzuklärende Rätsel, sondern damit wurden Rätsel erklärt. Das Wunder hatte Beweiskraft. Die Verschwinden der Wunder aus dem Repertoire der Beweismittel im Zuge der Entwicklung der neuzeitlichen Rationalität hat z.B. Lorraine Daston von 20 Jahren in ihrem Buch „Wunder, Beweise und Tatsachen“ nachgezeichnet.

Das Wunder ist dennoch unter uns, die Skeptikerbewegung gräbt immer neue Beispiele aus, von Botschaften aus dem Jenseits bis hin zur Wirkung der Homöopathie. In dem Zusammenhang hat mich der Kommentator „bote19“, der hier im Blog unter verschiedenen Pseudonymen (lange z.B. als „Robert“) hunderte von Kommentaren geschrieben hat, auf eine Idee gebracht. Die Kommentare von „bote19“ sind Glaubensbekenntnisse. Er vertritt eine Art christlichen Kinderglauben und er glaubt daran, dass man der Frage der Wirksamkeit der Homöopathie mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht gerecht wird.

Und ich glaube, das passt gut zusammen. Die Anhänger der Homöopathie sind davon überzeugt, dass durch Verdünnen und Schütteln „geistartige Kräfte“ aus einer wirkstofflosen Flüssigkeit auf Zuckerkügelchen übergehen und von dort irgendwie in den Körper. Dass es auch homöopathische Mittel gibt, in denen noch Wirkstoffe nachweisbar sind, egal was sie nun bewirken mögen, muss hier nicht interessieren, es geht um die geheimnisvolle Transsubstantiation des Zuckers durch die „geistartigen Kräfte“. Sie machen aus Zucker ein Medikament.

Christen, die glauben, was die Kirche sagt, glauben auch an eine Transsubstantiation, nämlich die von Brot und Wein in Leib und Blut Christi bei der Wandlung. Das ist nicht als symbolischer Vorgang gemeint, sondern als echte „Wandlung“ des Wesens von Brot und Wein. Auf der Internetseite der Katholischen Kirche, katholisch.de, kann man dazu nachlesen: „Es ist die Substanz, das Wesen, das sich wandelt und zu Leib und Blut Christi wird.“ Diesen übernatürlichen (!) Vorgang könne man aber trotzdem durch den Verstand nachvollziehen:

„Aristoteles hat für einen solchen Fall ein sehr anschauliches Beispiel: nämlich das einer Türschwelle. Durch sinnliche Wahrnehmung alleine kann man sie höchstens als ein Stück Holz einer bestimmten Form definieren. Erst der Verstand sagt dem Betrachter, dass dieses Stück Holz an einer bestimmten Position eine bestimmte Funktion erfüllt und so zur Türschwelle wird. Verändert man die Position, hört die Türschwelle auf eine solche zu sein.“

Das ist magisches Denken. Von mir aus auch ein Relikt des mittelalterlichen Universalienrealismus. In der Kirche verändert das Wort des Pfarrers das Wesen der Dinge, in der Homöopathiefirma macht im Prinzip auch das Wort das Wunder, mehr als die Behauptung der Wirksamkeit gibt es ja nicht. Nur die Rituale unterscheiden sich etwas, der Messwein wird z.B. kaum verdünnt. Den Christen geht es bei alldem um die „reale Gegenwart“ Christi, die nicht erst am Ende aller Tage erfahrbar sein soll. Ich glaube ja, diese „reale Gegenwart“ sollten sie eher im Leid der Flüchtlinge suchen, die im Mittelmeer ertrinken, oder der Kinder, die in Afrika verhungern, aber das ist eine andere Geschichte.

Das Zitat der katholischen Kirchenseite gibt der Wortmagie übrigens noch eine besonders aparte Note, weil es das Wesen der Dinge an ihre Funktion bindet. Wenn man also die Türschwelle z.B. verheizt, heizt man gar nicht mit der Türschwelle, denn sie ist ja keine mehr. Wer mit einer Tomate bei einer Demo wirft, der wirft kein Nahrungsmittel, denn mit dem Werfen ist es zu einer Wurfwaffe geworden, transsubstantiiert. Natürlich kann man nach dieser Logik auch keine Lebensmittel wegwerfen. Sie werden dadurch zu Wegwerfmitteln oder Mülltonneninhaltsstoffen.

Für Katholiken hat der Glaube an die Transsubstantiation dogmatische Strenge. Papst Paul VI. ließ daran in seiner Enzyklika „Mysterium fidei“ aus dem Jahr 1965 keinen Zweifel. Aber wer verlangt, dass die Kirchenmitglieder an so etwas zu glauben haben, stellt in der heutigen Zeit, sofern man nicht die Gnade von Hanlon’s Law gewähren will, schlicht einen Gesslerhut auf. Hier wird der Verzicht auf das Denken zugunsten eines unsinnigen Glaubens diktiert. Vor 1.000 Jahren, als man auch sonst noch an Wunder, Hexen und Dämonen geglaubt hat, an „geistartige Kräfte“ aller Art, konnte man das noch anders sehen, die „Konzeptkonformität“ (Lorraine Daston) war gegeben. Aber heute? Im Ernst?

Ob man die homöopathische Lehre als säkularisierte Verfallsform der christlichen Transsubstantiationslehre betrachten muss? Also eher ein aus der Zeit gefallener Wunderglaube als eine moderne Pseudowissenschaft?

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http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/14/wunderglaube-oder-pseudowissenschaft/feed/ 0 42874
Solve a puzzle, find a treasure [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/14/solve-a-puzzle-find-a-treasure/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=solve-a-puzzle-find-a-treasure http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/14/solve-a-puzzle-find-a-treasure/#respond Fri, 14 Jun 2019 17:40:30 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18687 A Canadian company hides treasures that can be found by solving puzzles. The first round of the hunt is over, a second one has been announced. One of the most famous unsolved crypto mysteries in the world is based on three encrypted texts allegedly left behind by some Thomas Beale in the 19th century. These…]]>

A Canadian company hides treasures that can be found by solving puzzles. The first round of the hunt is over, a second one has been announced.

One of the most famous unsolved crypto mysteries in the world is based on three encrypted texts allegedly left behind by some Thomas Beale in the 19th century. These messages, known as the Beale cryptograms, are said to describe the hiding place of a treasure worth tens of millions of dollars.

In case you believe that the Beale cryptograms are a hoax (I certainly do), you still can try your luck with a few other ciphertexts that allegedly lead to a hidden treasure – for instance the La Buse message, the Peralta stone inscriptions or the Oak Island cipher stone. Unfortunately, the probability that one of these encrypted messages will really make you rich are as good as zero.

If you prefer to search for a treasure that is likely to really exist, try to make sense of a poem written by US art dealer and millionaire Forrest Fenn. If you guess the meaning of this poem correctly, you might find the Fenn treasure.

 

The Gold Hunt treasures

Blog reader John Lamping has recently made me aware of another treasure hunt that requires solving puzzles. So far, three treasures of this kind have been hidden. All hiding places are located in Canada (namely in Vancouver, Calgary and Edmonton).

The first good news about this story is that these treasures really exist. The first bad news is that all of them have already been found. The second good news is that more hunts of this kind have been announced. The second bad news is that none of these treasures will make you a millionaire – their values are in the magnitude of 100,000 Canadian dollars (about 66,000 Euros) each.

The treasure hunts in question are organized by a Canadian start-up company named Gold Hunt. Their plan is to earn money with these projects, which means that they expect a return on their investments. This contrasts with the Fenn treasure, which was hidden by its creator for fun.

To find one of the Gold Hunt treasures, one can download a map that includes a poem containing a series of riddles and cryptic messages. This map includes everything one needs to find the treasure, but the additional clues provide hints that help to solve the mystery faster. Clues have to be paid for, and this is how Gold Hunt wants to make their money.

The following video provides some information about the Gold Hunt treasures:

A look at the Vancouver hunt

As mentioned, the three treasures of the first round have all been found. Meanwhile, Gold Hunt has published all riddles, clues and keys of the three hunts (in Vancouver, Calgary and Edmonton). Let’s take a look at the Edmonton map (it has been officially un-licensed, so I can reproduce it here):

Gold Hunt (un-licensed)

As can be seen, all the hints and the solutions have been added to the map. This gives us the chance to see how the whole thing worked. For instance, the first two lines of the poem read as follows:

It starts with the Heath family, here they can be seen,
where the east meets the west, or somewhere in between

These words refer to the Arbustus Greenway, a street in Vancouver. Arbustus is a tree that belongs to the heath family of plants. Would you have guessed this?

And here’s one of the clues the participants had to pay for:

A sheltered bay has produced an incredible bean
I’m near there quite often, but I have never seen

This refers to Honolulu coffee (the word “Honolulu” means “sheltered bay”).

As far as I can see, no encryption in the narrow sense was involved in this game.

The video and the website don’t say how many people took part in the first three treasure searches and how much revenue was generated. However, it is clear that Gold Hunt needs to take at least 100,000 Euros per hunt in order to refinance a treasure worth 66,000 Euros and the work invested. In my view, it is quite difficult to make so much money just by selling clues.

Nevertheless, I wish Gold Hunt good luck with this new concept. Perhaps, treasure hunts of this kind will one day be as popular as escape rooms.


Further reading: Four cryptograms from a 1930s treasure hunt

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 165 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/astronomie-in-365-tagen-tag-165-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-165-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/astronomie-in-365-tagen-tag-165-exoplanetenentdeckung/#respond Fri, 14 Jun 2019 16:34:38 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30116 Direkt beobachten kann man die Planeten anderer Sterne nur in Ausnahmefällen. Das geht nur bei jungen Sternen die noch junge und heiße Planeten haben. Und bei großen Planeten. Man hat bis jetzt aber nur eine Handvoll Planeten anderer Sterne direkt beobachtet.
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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 165

Tag 165/365: Direkt beobachten kann man die Planeten anderer Sterne nur in Ausnahmefällen. Das geht nur bei jungen Sternen die noch junge und heiße Planeten haben. Und bei großen Planeten. Man hat bis jetzt aber nur eine Handvoll Planeten anderer Sterne direkt beobachtet.

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Auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen das Hepatitis-E-Virus [BioInfoWelten] http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/14/auf-der-suche-nach-einem-wirkstoff-gegen-das-hepatitis-e-virus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=auf-der-suche-nach-einem-wirkstoff-gegen-das-hepatitis-e-virus http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/14/auf-der-suche-nach-einem-wirkstoff-gegen-das-hepatitis-e-virus/#respond Fri, 14 Jun 2019 08:57:04 +0000 http://scienceblogs.de/bioinfowelten/?p=240 Liebe Freunde der Bioinformatik, lange Zeit habe ich nichts von mir hören lassen. Das Problem: Zeitmangel! Wobei die mangelnde Zeit weniger das Schreiben an sich betrifft. Das fällt mir leicht und geht recht schnell. Aber die Recherchearbeit, die hinter den meisten meiner bisherigen Blogbeiträge steckt, passt zeitlich einfach nicht mehr in meinen Berufs- und Familienalltag.…]]>

Liebe Freunde der Bioinformatik, lange Zeit habe ich nichts von mir hören lassen. Das Problem: Zeitmangel! Wobei die mangelnde Zeit weniger das Schreiben an sich betrifft. Das fällt mir leicht und geht recht schnell. Aber die Recherchearbeit, die hinter den meisten meiner bisherigen Blogbeiträge steckt, passt zeitlich einfach nicht mehr in meinen Berufs- und Familienalltag.

Trotzdem möchte ich den Blog nicht sterben lassen, denn er ist mir immer noch eine Herzensangelegenheit. Wissenschaftskommunikation finde ich extrem wichtig; denn was nützen die spannendsten wissenschaftlichen Erkenntnisse, wenn sie immer nur einem kleinen Kreis bekannt sind? Und mit diesem kleinen Kreis meine ich nicht einmal Wissenschaftler allgemein, sondern nur genau die Menschen, die am selben Thema forschen. Das ist einfach zu wenig!

Deswegen habe ich mir vorgenommen, hier häufiger Zusammenfassungen aktueller Publikationen zu schreiben, die sowieso auf meinem Lesestapel liegen. Hauptsächlich werde ich nun also über Viren (nicht die aus dem Computer, sondern die realen) und Viren-Bioinformatik schreiben. Vorteil für euch: Die Themen sind brandaktuell!

Hepatitis: Entzündung der Leber

Los geht’s heute mit einem Review Paper über das Hepatitis-E-Virus. Reviews sind Übersichtsartikel, die den allgemeinen Stand der Forschung zusammenfassen. Dankenswerterweise machen sich Forscher hier und da die Mühe, solche Übersichten zu verfassen und ersparen damit anderen Forschern eine Menge Recherchearbeit. In der Publikation, die ich eben gelesen habe, geht es um den Stand der Entwicklung von Wirkstoffen gegen das Hepatitis-E-Virus.

Das Hepatitis-E-Virus (kurz HEV) verursacht (wie der Name schon andeutet) eine Hepatitis, also eine Entzündung der Leber. HEV verursacht mehr Fälle von akuter Hepatitis als jedes andere humane Hepatitis Virus (Hepatitis A, B, C, D). HEV wird hauptsächlich über kontaminiertes Trinkwasser übertragen, aber auch durch unzureichend gekochtes Fleisch oder durch Kontakt mit infizierten Tieren wie Schweinen, Wildschweinen und Rehen. In Deutschland haben etwa 17% der Menschen Antikörper gegen HEV, können sich also nicht mit einer Hepatitis infizieren. Die meisten HEV-Infektionen verlaufen ohne wesentliche Symptome. Es gibt aber auch Risikogruppen und zwar, wie bei den meisten Infektionen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere. Bei Schwangeren führt eine Infektion in rund einem Viertel der Fälle zum Tod. Die derzeitigen Therapiemöglichkeiten gegen HEV beschränken sich auf die Anwendung unspezifischer Virostatika, also Medikamente, die die Vermehrung von Viren allgemein hemmen.

Was können wir tun, um neue Medikamente, die ganz gezielt gegen das Hepatitis-E-Virus wirken, zu finden?

Es gibt mehrere Wege auf der Suche nach einem wirksamen Mittel gegen HEV: (1) die Suche nach völlig neue Wirkstoffen, (2) das Testen bereits vorhandener Medikamente gegen andere Infektionen auf ihre Wirksamkeit gegen HEV und (3) die Suche nach möglichen “Angriffspunkten” im Virus oder im Wirt, um daraufhin gezielte Medikamente zu entwickeln.

Von Neuem und Altbekanntem

Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen, stießen Forscher zum Beispiel auf die antivirale Aktivität von Ethanolextrakten aus Pflanzen (einer ostasiatischen Primelart und einem koreanischen Spargelgewächs) gegen HEV. Welcher Wirkstoff genau gegen die Viren wirkt, hat man jedoch nicht untersucht, ebenso wenig Giftigkeit, die Möglichkeit der Resistenz gegen das Mittel, geschweige denn die Wirksamkeit im lebenden Organismus.

Beim Testen bereits bekannter Wirkstoffe ist es naheliegend, zuerst einmal auf Mittel gegen andere Hepatitisinfektionen zurückzugreifen. Sofosbuvir zum Beispiel ist ein Wirkstoff zur Behandlung der chronischen Hepatitis C, und ist derzeit der einzige Kandidat in klinischen Studien gegen HEV. Vorläufige Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass dies kein Durchbruch in der HEV-Therapie sein wird. Seine antivirale Wirksamkeit ist mäßig, es könnte aber in Kombination mit den oben genannten unspezifischen Virostatika weiter untersucht werden.

Silvestrol ist ein Naturstoff, der ausschließlich in Mahagonigewächsen vorkommt. Silvestrol ist eigentlich aus der Krebstherapie bekannt, wurde aber auch schon als Virenhemmer beschrieben. Silvestrol blockiert die Translation der Viren. Der Wirkstoff ist vergleichsweise gut charakterisiert und ein vielversprechender Kandidat in der Behandlung gegen HEV; besonders in Fällen, in denen die eingangs genannten unspezifischen Virostatika bereits unwirksam sind. Ein weiterer Schritt ist nun zum Beispiel die Erforschung möglicher Resistenzen.

Das Ziel ist der Weg

Ein weitaus vielversprechenderer Weg um neue Medikamente zu finden, ist, zuerst einmal nach möglichen “Angriffspunkten” für diese Medikamente zu suchen. Das können sowohl Angriffspunkte am Virus selbst sein, aber auch wirtseigene Faktoren, die für den viralen Lebenszyklus notwendigen sind. Denn Viren haben in der Regel sehr kleine Genome (also sehr wenig “Lebensinformation”) und sind daher stark von ihren Wirten abhängig, um ihren Lebenszyklus zu vervollständigen. Diese Abhängigkeit vom Wirt ist ein möglicher Angriffspunkt. So kann man zum Beispiel versuchen zu verhindern, dass die Viren überhaupt in die menschlichen Zellen eindringen.

Das oberste Ziel wäre es, Wirkstoffe zu entdecken, die spezifisch auf die viralen Enzyme abzielen, zum Beispiel auf die HEV-Polymerase, die zur Vermehrung des Virus unabdingbar ist. Diese sogenannten “direkt wirkenden Virostatika” sind hochspezifisch und waren zum Beispiel bei der Behandlung von Hepatitis C ein Durchbruch mit hohen Heilungsraten. Um einen solchen Wirkstoff zu entwickeln, ist es jedoch unabdingbar, die Struktur des Enzyms genau aufzuklären. Leider wurde bisher keiner der potentiellen Anti-HEV-Wirkstoffe auf der Grundlage einer solchen Enzymstruktur entworfen.

Ein weiterer Eckpfeiler bei der Bekämpfung von HEV wird die Identifizierung neuer Wirtsfaktoren sein, denn auch hier sind bisher nur wenige bekannt. Hier müssen alle “omics” Bereiche untersucht werden, um die veränderte zelluläre Umgebung während einer HEV-Infektion zu entschlüsseln. Auf der Suche nach möglichen “Angriffspunkten” ist die Bioinformatik ein unerlässliches Instrument, von der Aufklärung der Enzymstrukturen der Viren bis hin zum Verständnis der Immunreaktion des Menschen.

Impfen

Ein Möglichkeit, die ich bisher noch gar nicht erwähnt habe, wäre, einen Impfstoff gegen HEV zu entwickeln. Ein Impfstoff befindet sich bereits in klinischer Erprobung und wurde in China sogar bereits zugelassen. Es gibt aber auch hier noch viele offenen Fragen, allen voran die Wirksamkeit bei Risikopatienten und ob man sich zur Bekämpfung einer HEV-Epidemie ausschließlich auf einen Impfstoff verlassen kann.

Am Rande sei noch erwähnt, dass keiner der in diesem Artikel vorgestellten Medikamentenkandidaten für die Anwendung bei schwangeren Frauen zugelassen ist.

Publikation: Hepatitis E Virus Drug Development. V Kinast, T L Burkard, D Todt, E Steinmann. Viruses 2019, 11(6), 485.

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Das ProZES-Computerprogramm des BfS – Ausrechnen, wann Radioaktivität schuld am Krebs ist [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/14/das-prozes-computerprogramm-des-bfs-ausrechnen-wann-radioaktivitaet-schuld-am-krebs-ist/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=das-prozes-computerprogramm-des-bfs-ausrechnen-wann-radioaktivitaet-schuld-am-krebs-ist http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/14/das-prozes-computerprogramm-des-bfs-ausrechnen-wann-radioaktivitaet-schuld-am-krebs-ist/#respond Fri, 14 Jun 2019 05:52:32 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=2023 Das Bundesamt für Strahlenschutz hat ein tolles kleines Programm, mit dem man ausrechnen kann, ab welchen Grenzwerten radioaktive bzw. Ionisierende Strahlung Schuld an einer Krebserkrankung ist. Sowohl das Programm selber, als auch mein Ausprobieren von ebenjehnem orientieren sich an dem “Original”-Programm der US-Amerikanischen Bundesbehörde für arbeitsmedizinische Forschung und wer sich wirklich dafür interessiert, aber meinen…]]>

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat ein tolles kleines Programm, mit dem man ausrechnen kann, ab welchen Grenzwerten radioaktive bzw. Ionisierende Strahlung Schuld an einer Krebserkrankung ist. Sowohl das Programm selber, als auch mein Ausprobieren von ebenjehnem orientieren sich an dem “Original”-Programm der US-Amerikanischen Bundesbehörde für arbeitsmedizinische Forschung und wer sich wirklich dafür interessiert, aber meinen Artikel über das NIOSH-IREP Programm aus Oakridge noch nicht gelesen hat, der möge dies tun, bevor er sich diesem Artikel hier zuwendet. Wer einfach nur mal kurz reinschnuppern möchte, der kann gerne einfach weiterlesen.

Was als erstes auffällt ist der große Hinweis, dass sich das Programm (Stand Sommer 2019) noch in der Erprobungsphase befindet (Letztes Update Jan 2018). Aber dafür funktioniert es mMn schon mal ganz gut. Da will sich wahrscheinlich jemand absichern?! Unter der Haube funktioniert es genauso, wie das US-amerikanische Programm, sprich es wird die Atombomben- Kohorte genommen, an die aktuelle Bevölkerung (in diesem Fall Deutschland) angepasst, mit ein paar epidemiologischen Daten validiert und danach mit Monte-Carlo traktiert, bis eine quantifizierbare Zusammenhangswahrschienlichkeit herauskommt. Da sich das Programm explizit an NIOS-IREP orientiert, werde ich das ganze hier nicht noch mal durchkauen, sondern mich eher auf die Unterschiede konzentrieren.

ProZES Windows Programm des BfS. Bilschirmabbildung meiner Anwendung nach Zitatrecht http://www.bfs.de/EN/topics/ion/service/prozes/prozes.html

ProZES gibt es als Download für Windows und läuft dann auf dem eigenen Rechner und nicht über ein Web-Interface auf einem Server im Fichtenwald von Knoxville, Tennessee. Das ist schon mal ein großer Fortschritt, denn die Rechenkapazität, die es dafür braucht ist, nicht der Rede wert. Außerdem kommt es mit einer funktionellen GUI daher, die es erlaubt das verwendete Patientenprofil als Exel-Datei (wieso muss es immer Microsoft sein) und den Bericht als .pdf abzuspeichern*. Praktisch. Ebenso kann ich erstellte Excel Profile öffnen und berechnen lassen. Das funktioniert dann so wie beim Original. Sehr schön finde ich, dass es eine grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen der  Wahrscheinlichkeit (das es wahrscheinlicher ist den Krebs von der Exposition als aus natürlichen Quellen) und der Zusammenhangswahrscheinlichkeit zu bekommen. Da die “rechtverbindliche” Definition da immer bei 50% liegt hätte man eigentlich auch nur diesen einen Wert abgeben brauchen, aber hübsch ist es trotzdem.

Unterschiede gibt es auch. Während man in NIOSH-IREP noch zwischen einer ganzen Reihe von Strahlungsarten unterscheiden kann (niedriger LET für Elektronen und Gammas jeweils im Hochnenergiebereich >250keV und im Niedrigenergiebereich, Alpha und Neutronen für den High LET) da gibt es bei ProZES nur niedrig LET für alles außer Radon und Bergbau (sprich nur Lungenkrebs). Das sieht erst mal wie ein riesiger Nachteil aus, bis man sich klar macht, dass das amerikanische Programm zwar die Eingabeoption für die verschiedenen Strahlungsarten hat, da aber bei den meisten Krebsarten keinen Unterschied macht und einfach nur ein lineares Modell benutzt. Gerade bei meiner ALL ist das ein klein wenig anders, weil es da eben noch die Option auf ein linearquadratisches Modell gibt, aber bei den meisten anderen macht es eigentlich keinen Unterschied, welche Art der Strahlenquelle man angibt.

Darüber hinaus gibt es eine Angabe der Arbeitszeit, die dann benutzt wird um eine durchschnittliche Dosisrate zu berechnen. Grundsätzlich wäre das nach dem LNT-Modell egal ob die Dosis auf einmal oder über einen längeren Zeitraum fraktioniert aufgenommen worden wäre, aber hier wird für niedrige Dosisraten eine erhöhte Unsicherheit angenommen, was sich dann vor allem bei vielen kleinen Dosen in der Perzentile entsprechend bemerkbar macht.

Der zweite große Unterschied sind natürlich die epidemiologischen Daten und die Verknüpfung mit den jeweiligen nationalen Krebsregistern (insofern es diese gibt). Da kann ich jetzt pauschal wenig zu sagen, weil man sich dafür die Dokumentation zu jeder einzelnen Krebsart angucken müsste und dafür fehlt mir eindeutig die Zeit. Für meine ALL habe ich das aber natürlich schon mal gemacht und es kann daher als ein wenig exemplarisch angesehen werden. Wie bei NIOSH-IREP sind weder die die INWORKS noch die DKKR-Studie benutzt worden, was aber auch nicht wirklich verwunderlich war, da erstere mit einem Erscheinungsdatum von 2015 noch zu neu und zweitere nicht Eindeutig ist. Was ein wenig dummer ist, ist dass die altersspezifische Abhängigkeit von ALL nicht mit eingeflossen ist. Das liegt daran, dass es dafür in Deutschland aufgrund eines fehlenden zentralen Krebsregisters (Länderregister) keine Daten gibt und dafür nur Daten aus den USA herangezogen werden könnten (wie ich dies in meinem Widerspruch gemacht habe). Dabei ist es, wie an der anderen Stelle schon gesagt, ein Unterschied um eine ganze Größenordnung von einem 1:10.000 Risiko für Kinder zu einem 1:100.000 Risiko für Menschen in meinem Alter.

Naja, jetzt sind wir schon so richtig in den Feinheiten angekommen. Wie bei NIOSH-IREP konnte ich auch hier die Rechnung meines Kollegen der BGETEM in 5 Minuten reproduzieren und wie erwartet kommt man mit einer Organdosis von 6mSv noch nicht mal annähernd in den Bereich, der für eine Anerkennung als BK notwendig wäre. Der riesige Unterschied ist hier jetzt aber, dass ich schon nach kurzen Herumspielen mit einzelnen Expositionen, die eine Inkorporation oder ähnliches bedeuten könnten, ziemlich schnell über die 50% Hürde gekommen bin. Genauer gesagt reicht eine einzelne Exposition mit 40mSv schon aus um in dem 1 Sigma Intervall die 50% Hürde zu knacken im Gegensatz zu den stolzen 300mSv, die dazu bei NIOSH-IREP nötig waren. Woran das jetzt genau liegt bzw. ob ich irgendwo einen Fehler gemacht habe kann ich jetzt spontan noch nicht sagen, werde der Sache aber sicher noch mal auf den Grund gehen, bevor ich das in irgendwelchen offiziellen Dingen benutzen werden. Ganz unplausibel ist es nicht, denn gerade bei der ALL werden bei den Programmen eben andere Modelle benutzt.

 

 

ProZES Windows Programm des BfS. Bilschirmabbildung meiner Anwendung nach Zitatrecht http://www.bfs.de/EN/topics/ion/service/prozes/prozes.html

ProZES Windows Programm des BfS. Bilschirmabbildung meiner Anwendung nach Zitatrecht http://www.bfs.de/EN/topics/ion/service/prozes/prozes.html

40mSv wiederum sind echt nicht viel und kann bei meinen Tätigkeiten durch echt viele Anlässe ausgelöst werden. Von einer recht kleinen Inkorporation bis zu einem unglücklich gezielten Neutronenstrahl gibt es viele Möglichkeiten sich so eine verhältnismäßig mittelmäßige Dosis unbemerkt einzufangen, wie ich ja in meinem Widerspruch schon aufgezeigt hatte. Wie gesagt muss ich das noch mal in Ruhe durchrechnen, aber momentan sieht es danach aus, dass ich mit dem deutschen Programm wesentlich besser fahren würde. Ist die Frage, wie schwer da der “in Entwicklung”-Status wiegt, vorallem bei einer so großen Diskrepanz zwischen den einzelnen Programmen.

Beispiel: Leserfall NHL

Abschließend möchte ich dann auch noch mal hier das Beispiel unseres Leserfalles mit NHL durchrechnen, weil das hier mit einer einzelnen Exposition eben relativ leicht ist. Nach Eingabe der gleichen Parameter (Geburtsdatum 1951, Diagnose 2006, NHL, 1 Exposition im Jahr 1968 mit low LET Photonen) muss ich hier allerdings die Dosis auf 1000mSv aufdrehen, bis ich die 50% Hürde knacke im Gegensatz zu den 600mSv, die noch bei NIOSH-IREP gereicht haben. Für eine Strahlentherapie ist das auch weiterhin plausibel, aber es ist halt schon ein Faktor von nahezu zwei zwischen den einzelnen Programmen.

Das mag daran liegen, dass NHL keineswegs so klar definiert ist, wie andere Krebsarten und auch die Berechnung der Organdosis sollte echt noch mal einen Unterschied machen sollte, ob nur der Fuß, oder gleich der ganze Körper bestrahlt wird. NIOSH-IREP verlässt sich darauf, dass die Dosis in “ihrem patentierten Format” eingepflegt wird, was aber auch nur ein netter Weg ist um zu sagen “wir haben keine wirkliche Möglichkeit großartig zwischen verschiedenen Arten von Dosen zu differenzieren”. Das deutsche Programm schenkt sich einfach diese Annahme und lässt sie durch den Fehler repräsentieren.

Also, bei einer so großen Bandbreite in den Ergebnissen sehe ich viel Spielraum für Interpretationen und Diskussionen. Klar ist, dass in meinem Fall von 6mSv kein Blumentopf zu gewinnen ist, aber das war ja schon von vornherein klar und nicht anders zu erwarten. Ich bin mal sehr gespannt wie hoch in einem Gutachterstreit oder gar einem Verfahren der Stellenwert der Quantifizierung solcher Programme ist und fühle mich mittlerweile mit ein wenig moderater Recherche in dem Bereich gut ausgerüstet um da in so einige spannende Diskussionen zu gehen.

 

*: Ich habe dem Programm hier etwas unrecht getan. Man kann dem auch .csv und ein paar andere Formate füttern. Das habe ich aber erst später herausgefunden.

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Sternengeschichten Folge 342: Warum die Asteroiden Asteroiden heißen [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/sternengeschichten-folge-342-warum-die-asteroiden-asteroiden-heissen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sternengeschichten-folge-342-warum-die-asteroiden-asteroiden-heissen http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/sternengeschichten-folge-342-warum-die-asteroiden-asteroiden-heissen/#respond Fri, 14 Jun 2019 06:02:20 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30000 Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen. ————————————————————————————— Sternengeschichten Folge 342: Warum die Asteroiden Asteroiden heißen Ich habe in den Sternengeschichten schon sehr oft über Asteroiden gesprochen. Über diese kleinen Himmelskörper…]]>

SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter]
Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen.


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Sternengeschichten Folge 342: Warum die Asteroiden Asteroiden heißen

Ich habe in den Sternengeschichten schon sehr oft über Asteroiden gesprochen. Über diese kleinen Himmelskörper gibt es ja auch jede Menge zu erzählen. Es sind höchst faszinierende Objekte von denen man jede Menge über das Universum lernen kann. Was ich aber noch nicht im Detail erzählt habe, ist der Ursprung ihres Namens. Also nicht warum einzelne Asteroiden so heißen, wie sie es tun (worüber ich ja auch schon gesprochen habe). Sondern wo das Wort “Asteroid” selbst her kommt.

Als der italienische Astronom Giuseppe Piazzi im Jahr 1801 den ersten Asteroid entdeckte hatte, nannte er ihn “Ceres”, wie ich in Folge 186 ausführlich erzählt habe. Und er nannte ihn “Planet”. Es gab damals gute Gründe davon auszugehen, dass sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter ein weiterer, noch unbekannter Planet befindet. Und als Ceres genau dort entdeckt wurde, hielt man ihn zuerst natürlich für genau diesen gesuchten planetaren Himmelskörper.

Planet? Asteroid? Auf jeden Fall Ceres! (Bild: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA, gemeinfrei)

Man kannte ja auch nichts anderes. Man kannte Sterne, das waren die Objekte die am Nachthimmel leuchten und sich nicht bewegen zu scheinen. Man kannte die Planeten, also die Objekte, die am Nachthimmel leuchten und sich im Vergleich zu den Sternen bewegen. Und man kannte Kometen, die sich auch bewegen, aber völlig anders aussehen als Sterne und Planeten. Kometen waren verwaschene Wolken, mit langem Schweif; Sterne und Planeten waren Lichtpunkte. Und ein sich im Vergleich zu den Sternen bewegender Lichtpunkt wie Ceres, der sich genau da befand wo man einen Planeten gesucht hatte, wurde natürlich auch als Planet betrachtet.

1802 wurde ein weiteres neues Objekt entdeckt dessen Umlaufbahn zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter lag. Das war Pallas, den wir heute auch als Asteroid bezeichnen und der damals so wie Ceres “Planet” genannt wurde. 1802 mischte sich aber auch Wilhelm Herschel in die Angelegenheit ein. Herschel war kein Unbekannter, er wurde berühmt als er 1781 den Uranus entdeckte. Der war ohne jeden Zweifel ein Planet und es war damals das erste Mal, das ein Mensch einen neuen Planeten des Sonnensystems entdeckt hatte.

Herschel war unzufrieden damit, die neuen Objekte ebenfalls als “Planeten” zu bezeichnen. Er hatte Beobachtungen von Ceres und Pallas angestellt und wollte einen Artikel darüber veröffentlichen. Und suchte ein neues Wort, um diese beiden Himmelskörper bezeichnen zu können. Er schrieb damals seinem Freund, dem Naturforscher William Watson und erklärte, dass Ceres und Pallas deutlich kleiner sein müssen als die Planeten. Herschel konnte in seinem großen Teleskop erkennen, dass die Objekte zwar als kleine Scheibchen sichtbar waren, aber eben deutlich kleiner als die der Planeten und sie leuchteten auch schwächer. Auch die Bahnen von Ceres und Pallas waren gegenüber den Bahnen der anderen Planeten geneigt. Er war der Meinung, es handle sich um eine grundsätzlich andere Kategorie von Himmelskörper die auch anders benannt werden muss.

Er bat Watson in einem Brief darum eine Wort zu finden, dass einen “flinken, kleinen Eindringling der sich schräg durch die majestätischen Umlaufbahnen der großen Körper des Sonnensystems bewegt” zu finden. Watsons Vorschläge fand Herschel allerdings nicht so gut. Watson dachte sich verschiedene Verkleinerungsformen des Wortes “Planet” aus. Zum Beispiel “Planetel”, “Planeret”, “Planetkin”, “Planetine” und “Planetling”. Unzufrieden damit schrieb Herschel nun an Sir Joseph Banks, dem Präsidenten der Royal Society. Wenn sich einer damit auskennt, Dingen Namen zu geben, dann dieser Botaniker der haufenweise neu entdecke Pflanzen benannt hat. Banks gab diese Aufgabe an den Sprachwissenschaftler Stephen Weston weiter und der schickte ihm tatsächlich ein paar Namen, die aber leider nicht überliefert sind.
Herschel war aber jedenfalls auch damit unzufrieden. “Keiner davon kann für die neue Art von Objekten verwendet werden, die wir zu benennen haben.”, schrieb er. In der Zwischenzeit hatte Herschel auch selbst über das Problem nachgedacht. Das Wort auf das er kam war “Asteroid” und er war damit nicht absolut zufrieden. Aber da all die anderen Vorschläge seiner Meinung nach noch unbrauchbarer waren, blieb er dabei.

Wilhelm Herschel auf der Suche nach nem Namen… (Bild: James Godby, gemeinfrei)

Schon am 22. Mai 1802 schrieb er einen Brief an die wissenschaftlichen Größen der damaligen Zeit. Carl Friedrich Gauss, Jerome Lalande, Heinrich Olbers, Johan Elert Bode, Johann Schroeter, Giuseppe Piazzi, Pierre-Simon Laplace und einige andere wurden von ihm informiert, dass die neuen Himmelskörper zwischen all den Sternen am Himmel stehen und auch in einem guten Teleskop so sehr wie punktförmige Sterne aussehen, dass er sie “Asteroiden” als “Sternähnliche” nennen möchte.

Die Wahl dieses Wortes wurde nicht sonderlich begeistert aufgenommen. Piazzi schrieb an Herschel, dass er lieber das Wort “Planetoid” verwenden würde. Andere, wie der Chemiker Thomas Thomson waren ihm sogar Eifersucht vor. Herschel wäre nur deswegen so dringend auf der Suche nach einem anderen Namen für Ceres und Pallas, weil er selbst der einzige sein wollte, der als Entdecker eines echten Planeten bezeichnet werden kann. Anderswo, vor allem im deutschsprachigen Raum wo viele der damaligen Asteroidenbeobachter lebten, ignorierte man den Begriff vorerst komplett.

Aber die Liste der immer noch weit verbreitet als “Planeten” bezeichneten Objekte wurde immer länger. 1803 kam “Juno” dazu, 1807 “Vesta”. Es dauerte bis 1845, als “Astrea” entdeckt wurde und von dann an ging es rasch voran. Die Begriffe “Asteroid” und “Planet” wurden wild durcheinander verwendet. So schrieb zum Beispiel der Astronom William Thynne Lynn im Jahr 1867 “Professor C.H.F. Peters hat einen weiteren kleinen Planeten gefunden. Diese Entdeckung ist einigermaßen bedeutsam, weil es nun 100 bekannte hauptsächliche Planeten im Sonnensystem gibt.” Später, als er die Geschichte der Planetenentdeckungen zusammenfasst verwendet er aber die Wörter “Asteroid” und “Kleinplanet”.

Als 1846 der wiederum zweifelsfrei als solcher erkennbare Planet Neptun entdeckt wurde, wurde er als 13. Planet des Sonnensystems geführt. Das Wort “Asteroid” hatte dank Herschel zwar Einzug in die Astronomie gehalten, aber es hatte noch nicht die klare Bedeutung, die es heute hat. In den Berichten über die Entdeckung und Beobachtung weiterer kleiner Himmelskörper zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter wurde weiterhin von “Planeten” geschrieben, von “kleinen Planeten”, von “Planetoiden” und so weiter. Bis zu einem gewissen Grad haben diese Begriffe bis heute überlebt. Gerade im Deutschen sind die Wörter “Planetoid” und “Kleinplanet” immer noch als Synonym für “Asteroid” in Verwendung und die international anerkannte Stelle an der alle Informationen über Asteroiden und Kometen zusammen getragen und analysiert werden, heißt heute noch das “Minor Planet Center”, also das “Kleinplanetenzentrum”.

Maßgeblich dazu beigetragen, dass das Wort “Asteroid” seine heutige Bedeutung erlangt hat, hat der deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt. All seine Leistungen aufzuzählen würde eine ganze Serie an Podcasts nötig machen. Aber in seinem Hauptwerk mit dem Titel “Kosmos” hat er auch alles zusammengefasst was man damals, in der Mitte des 19. Jahrhunderts über das Sonnensystem wusste. In Kapitel 14 des dritten Bandes beschreibt Humboldt das Sonnensystem so wie es damals bekannt war und zählt “22 Hauptplaneten” auf: Merkur, Venus, Erde, Mars; Flora, Victoria, Vesta, Iris, Metis, Hebe, Parthenope, Irene, Asträa, Egeria, Juno, Ceres, Pallas, Hygiea; Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun. In dieser Liste sind aber nur die acht Objekte die wir auch heute noch als Planet bezeichnen fett gedruckt und Humboldt erklärt:

“Bei der Aufzählung der 22 Hauptplaneten (…) sind die 14 Kleinen Planeten (bisweilen auch Coplaneten und Asteroiden genannt, und in unter einander verschlungenen Bahnen zwischen Mars und Jupiter liegend) (…) von den 8 größeren Planeten unterschieden worden.”.

In Kapitel 16 findet man dann auch eine Tabelle, die den Titel “Zeitfolge der planetarischen Entdeckungen (Haupt und Nebenplaneten) seit der Erfindung des Fernrohrs im Jahr 1608” trägt. Mit “Nebenplaneten” sind die Monde der Himmelskörper gemeint und zu den “Hauptplaneten” erklärt Humboldt:

“Ein Sternchen ist der Classe von Hauptplaneten beigefügt, welche eine eigene und sehr ausgedehnte Gruppe, gleichsam einen Ring von 33 Millionen geographischer Meilen Breite, zwischen Mars und Jupiter bilden; und gewöhnlich Kleine Planeten, auch wohl: telescopische, Coplaneten, Asteroiden oder Planetoiden, genannt werden.”

Und tatsächlich sind die damals 14 bekannten Objekte der Liste die wir heute zu den Asteroiden zählen mit einem Stern markiert. Viel wichtiger ist aber die Einteilung, die Humboldt danach vornimmt. Er fasst Merkur, Venus, Erde und Mars zu den “inneren Planeten” zusammen und Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun zu den “äußeren Planeten”. Dazwischen platziert er die “mittlere Gruppe”, wo die 14 Asteroiden liegen. Er schreibt dazu: “Diese mittlere Planetengruppe hat den abweichendsten Charakter: durch ihre in einander verschlungenen, stark geneigten und excentrischen Bahnen; durch die beträchtliche Kleinheit ihrer Planeten.” Außerdem schreibt er ab nun von diesem Bereich als den “Ring der Asteroiden” und nimmt damit den Begriff “Asteroidengürtel” vorweg den wir heute verwenden.

Asteroidenfan Humboldt (Bild. F.G. Weitsch, gemeinfrei)

Humboldt vermischt zwar ebenfalls noch die Begriffe “Asteroid” und “Planet”, weist aber immer wieder auf deren grundlegende Unterschiede hin und vor allem darauf, dass sich die Asteroiden alle zusammengedrängt in einem Ring zwischen den beiden Gruppen der inneren und äußeren Planeten befinden.

Wie populär Humboldt damals auf der ganzen Welt war und wie weit verbreitet seine Werke können wir uns heute nur noch schwer vorstellen. Aber er war extrem einflussreich und seine Beschreibung der Asteroiden hat dann dazu geführt dass wir darunter heute das verstehen, was sie tatsächlich sind. Keine Planeten, sondern kleine Objekte die es nicht geschafft haben, sich zu einem großen Planeten zusammenzufinden.

“Asteroid”, also “sternähnlich” ist allerdings trotzdem kein wirklich passender Begriff. Mit Sternen haben die Asteroiden nichts zu tun. Herschel hatte Recht mit seinem Unbehagen wegen dieses Wortes und seiner Suche nach besseren Begriffen. Aber er hatte auch Recht damit, die übrigen Vorschläge zu verwerfen. Immer noch besser wir reden von “Asteroiden” als von “Planetlingen”…

Mehr Informationen:

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Max Valier: Das erste Todesopfer der Raumfahrt [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/max-valier-das-erste-todesopfer-der-raumfahrt/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=max-valier-das-erste-todesopfer-der-raumfahrt http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/max-valier-das-erste-todesopfer-der-raumfahrt/#respond Fri, 14 Jun 2019 06:00:27 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29830 Der 50tägige Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung ist bei Tag 37 angekommen. Und es ist Zeit, auch einmal darüber nachzudenken, welche Opfer auf dem Weg zum Mond gebracht werden musste. Der tragische Tod der Apollo-1-Astronauten zwei Jahre vor dem erfolgreichen Flug zum Mond ist den meisten bekannt. Aber auch davor starben Menschen: Testpiloten bei…]]>

Der 50tägige Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung ist bei Tag 37 angekommen. Und es ist Zeit, auch einmal darüber nachzudenken, welche Opfer auf dem Weg zum Mond gebracht werden musste. Der tragische Tod der Apollo-1-Astronauten zwei Jahre vor dem erfolgreichen Flug zum Mond ist den meisten bekannt. Aber auch davor starben Menschen: Testpiloten bei ihren Flügen; Kosmonauten bei Übungen, und so weiter. Und auch in den ganz frühen Tagen der Raumfahrt gab es Todesopfer.

Ich kann dazu nur einen Besuch im historisch-technischen Museum Peenemünde empfehlen. Dort bekommt man eindrücklich erklärt, wie während des zweiten Weltkrieges Wernher von Braun dort seine Raketen baute aus denen später die ernsthafte Raumfahrt werden sollte. Damals waren es Waffen. Bei deren Einsatz jede Menge Menschen starben; aber noch mehr wurden als Zwangsarbeiter bei deren Bau umgebracht. Und auch vor dem Krieg kam es bei den Pionieren der Raumfahrt zu tödlichen Unfällen.

Als “erste Todesfall in der Raumfahrt” wird meistens Max Valier genannt. Er wurde am 9. Februar 1895 in Bozen geboren. Der Südtiroler studierte Astronomie, Mathematik und Physik in Innsbruck; veröffentlichte aber auch Science-Fiction-Geschichten. So wie viele andere wurde er durch Hermann Oberths Buch “Die Rakete zu den Weltenräumen” zu eigenen Gedanken über den Flug zu den Sternen angeregt. Valiers Buch “Der Vorstoß in den Weltenraum” das 1924 erschien war ein großer Erfolg; weniger erfolgreich war seine wissenschaftliche Karriere. Da war Valier ein Anhänger der unwissenschaftlichen “Welteis”-Lehre weswegen es ihm auch verwehrt wurde, seinen Doktor in Astronomie zu machen.

An der Raumfahrt aber blieb er dran; gründete 1927 den “Verein für Raumschifffahrt”, dem unter anderem Wernher von Braun, Hermann Oberth und Hermann Noordung angehörten. Und Valier wollte auch selbst Raketen bauen. Vorerst allerdings keine, die ins All fliegen. Sondern Raketenautos! Und auch einen “Raketenschlitten”: Mit “RAK BOB II” stellte Valier 1929 auf dem zugefrorenen Starnberger See einen Geschwindigkeitsrekord von knapp 400 km/h auf.

Aber schon wenig später war Valiers Forschung zu Ende. Bei der Erprobung eines neuen Triebwerks am 17. Mai 1930 in Berlin gab es eine Explosion und Max Valier starb. Ein Raumfahrtpionier, der Raketenautos baute und pseudowissenschaftlicher Ideen über das Universum anhing (was aber bei vielen Pionieren der Raumfahrt so war; dazu aber vielleicht mehr in anderen Teilen dieser Serie) wurde das erste Todesopfer beim Versuch, den Weltraum zu erreichen. Beziehungsweise erhielt er diesen Titel; ob er wirklich der erste Mensch war, der durch den Traum vom Flug zu den Sternen ums Leben kam, ist zu bezweifeln.

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 164 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/13/astronomie-in-365-tagen-tag-164-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-164-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/13/astronomie-in-365-tagen-tag-164-exoplanetenentdeckung/#respond Thu, 13 Jun 2019 16:34:37 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30115 Einsteins Relativitätstheorie erklärt: Massen krümmen den Raum. Licht wird durch gekrümmten Raum abgelenkt, wie durch eine optische Linse. Eine “Gravitationslinse” kann daher auch Sternenlicht verstärken. Wird der Stern von einem Planet umkreist, gibt es eine zusätzliche Verstärkung durch die man den Planet finden kann.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 164

Tag 164/365: Einsteins Relativitätstheorie erklärt: Massen krümmen den Raum. Licht wird durch gekrümmten Raum abgelenkt, wie durch eine optische Linse. Eine “Gravitationslinse” kann daher auch Sternenlicht verstärken. Wird der Stern von einem Planet umkreist, gibt es eine zusätzliche Verstärkung durch die man den Planet finden kann.

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konnte nicht geladen werden!/feed ScienceBlogs auf Deutsch http://scienceblogs.de Wissenschaft - Kultur - Politik Tue, 25 Jun 2019 18:13:10 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 40905212 Astronomie in 365 Tagen: Tag 176 (Sonnenflecken) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/astronomie-in-365-tagen-tag-176-sonnenflecken/#respond Tue, 25 Jun 2019 16:15:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30258 Das Gas der Sonne ist so heiß, dass die Elektronen der Atome nicht mehr an die Atomkerne gebunden sind. Kerne und Elektronen bewegen sich unabhängig voneinander. So etwas nennt man “Plasma” und es ist elektrisch geladen.
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Snoopy: Bei der Generalprobe zur Mondlandung verloren und jetzt (vielleicht) wieder da! [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/snoopy-bei-der-generalprobe-zur-mondlandung-verloren-und-jetzt-vielleicht-wieder-da/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=snoopy-bei-der-generalprobe-zur-mondlandung-verloren-und-jetzt-vielleicht-wieder-da http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/25/snoopy-bei-der-generalprobe-zur-mondlandung-verloren-und-jetzt-vielleicht-wieder-da/#respond Tue, 25 Jun 2019 06:00:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29851 Vor 50 Jahren sind wir das erste Mal auf dem Mond gelandet. Aber jede Premiere hat auch eine Generalprobe. Im Fall der Apollo-11-Mission die am Ende Neil Armstrond und Buzz Aldrin auf die Oberfläche des Mondes gebracht hat, war das die Apollo-10-Mission. Und um die soll es heute in meinem 50tägigen Blog-Countdown zum Jubiläum gehen.…]]>

Vor 50 Jahren sind wir das erste Mal auf dem Mond gelandet. Aber jede Premiere hat auch eine Generalprobe. Im Fall der Apollo-11-Mission die am Ende Neil Armstrond und Buzz Aldrin auf die Oberfläche des Mondes gebracht hat, war das die Apollo-10-Mission. Und um die soll es heute in meinem 50tägigen Blog-Countdown zum Jubiläum gehen. Denn ein wichtiges Stück Technik das damals verschwunden ist, ist heute (vielleicht) wieder aufgetaucht.

Apollo 10 flog am 18. Mai 1969 ins All. Zuvor hatte ja schon Apollo 8 gezeigt das man in der Lage war, den Mond zu umrunden und Apollo 9 zeigte, dass die Mondlandefähre im Prinzip funktionierte. Apollo 10 sollte nun beides zusammenführen und deswegen taten Eugene Cernan, Thomas Stafford und John Young das, was nach ihnen Armstrong, Aldrin und Collins tun sollten. Beziehungsweise taten sie FAST genau das gleiche. Sie flogen zum Mond. Sie umkreisten den Mond. Sie trennten die Landefähre vom Kommandomodul. Sie näherten sich mit der Landeoberfläche dem Mond. Aber sie landeten nicht.

Fast da! Aber nur fast… (Bild: NASA, gemeinfrei)

14 Kilometer über der Mondoberfläche drehten sie wieder um. Sie wären zwar vermutlich auch da schon in der Lage gewesen, tatsächlich zu landen; trotz einiger Computerprobleme. Aber ein Start vom Mond zurück ins All wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Die NASA hatte absichtlich nicht genug Treibstoff mitgeschickt um sicher sein zu können dass Cernan und Stafford nicht vielleicht doch spontan eine echte Landung versuchten.

Wäre es eine echte Landung gewesen, dann wäre die Mondlandefähre zuerst komplett auf dem Mond aufgesetzt. Beim Rückflüg ins All wäre dann aber die sogenannte “Abstiegsstufe” dort geblieben. Das ist das Teil, das man nur zum Landen braucht. Die “Aufstiegsstufe” die ins All fliegt wäre dann aber auch nicht lange im Einsatz gewesen. Nachdem die Astronauten wieder zurück ins Kommandomodul geklettert wären, hätte man auch sie im All zurück gelassen. Um auch das zu simulieren, wurde die Abstiegsstufe einfach im All abgesprengt so dass sie später auf den Mond stürzen würde. Die Aufstiegsstufe schickte man nach der Rückkehr zum Kommandomodul auf eine Umlaufbahn um die Sonne. Man wollte sie nicht im Mondorbit lassen, aus Angst sie könnte aus Versehen Apollo 11 in die Quere kommen.

Snoopy, gesehen von Charlie Brown aus (Bild: NASA, gemeinfrei)

Der Name der Mondlandefähre war “Snoopy” und das Kommandomodul hatte das Rufzeichen “Charlie Brown”. Gemeinsam mit Young, Stafford und Cernan ist auch Charlie Brown wieder zurück zur Erde geflogen. Wo Snoopy sich rumtreibt, war aber unbekannt. So genau war seine Bahn nicht bekannt um das Ding leicht wiederfinden zu können. Und da der Weltraum groß, so eine Aufstiegsstufe aber eher klein ist, hat sie seit 1969 niemand mehr zu Gesicht bekommen.

Bis vor kurzem. 2011 begannen Amateurastronomen damit, nach Snoopy zu suchen. Und einer von ihnen, Nick Howes, denkt, er hätte Snoopy gefunden. Zumindest ist er sich “zu 98% sicher”. Die ganze Geschichte kann man zum Beispiel hier oder hier nachlesen.

“The heliocentric orbit looks good, the object is artificial, and the size is right.”

sagt Howes in einem der oben verlinkten Interviews. Aber absolut sicher wird man es erst wissen, wenn das Objekt nahe genug ist um per Radar abgetastet zu werden.

Momentan trägt es die Bezeichnung “2018 AV2”, befindet sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne auf der es 382 Tage für eine Runde braucht und ist zur Zeit mehr als 50 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Damit ist es nur in den allergrößten Teleskopen sichtbar. Wir müssen noch bis zum 4. Juli 2037 warten, dann erreicht es mit einem Abstand von 6,4 Millionen Kilometer seinen “nächsten” Abstand zur Erde.

Es wäre schön gewesen, wenn wir rechtzeitig zum Jubiläum auch das verlorene Requisit der Generalprobe wieder gefunden hätten. Auch aus wissenschaftlicher Sicht; man kann sicher viel lernen, wenn man untersucht wie so eine Raumfähre nach 50 Jahren im All aussieht. Aber wer weiß – vielleicht kriegen wir Snoopy ja doch noch mal ein wenig genauer zu sehen. Das 75. Jubiläum der ersten Mondlandung kommt ja auch noch irgendwann…

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 175 (Sonnenflecken) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/astronomie-in-365-tagen-tag-175-sonnenflecken/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-175-sonnenflecken http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/astronomie-in-365-tagen-tag-175-sonnenflecken/#respond Mon, 24 Jun 2019 16:15:36 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30257 Die Sonne ist kein fester Körper und rotiert darum nicht einheitlich. Das Material am Äquator braucht ungefähr 25 Tage für eine Rotation, in der Nähe der Pole sind es circa 30 Tage.
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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Tag 175/365: Die Sonne ist kein fester Körper und rotiert darum nicht einheitlich. Das Material am Äquator braucht ungefähr 25 Tage für eine Rotation, in der Nähe der Pole sind es circa 30 Tage.

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Was wäre wenn… wir vor 50 Jahren nicht auf dem Mond gelandet sind? [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/was-waere-wenn-wir-vor-50-jahren-nicht-auf-dem-mond-gelandet-sind/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=was-waere-wenn-wir-vor-50-jahren-nicht-auf-dem-mond-gelandet-sind http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/24/was-waere-wenn-wir-vor-50-jahren-nicht-auf-dem-mond-gelandet-sind/#respond Mon, 24 Jun 2019 06:00:39 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29850 Die große Mondlandungsshow der Science Busters ist schon wieder Geschichte. Aber ein paar Mal werde ich noch alleine ein wenig über die erste Landung auf dem Mond vor 50 Jahren reden. Und zwar in Münster (am 1. Juli) und Nürnberg (am 2. Juli). Ich wurde gebeten über die Verschwörungstheorien zur Mondlandung zu sprechen. Was ich…]]>

Die große Mondlandungsshow der Science Busters ist schon wieder Geschichte. Aber ein paar Mal werde ich noch alleine ein wenig über die erste Landung auf dem Mond vor 50 Jahren reden. Und zwar in Münster (am 1. Juli) und Nürnberg (am 2. Juli).

Ich wurde gebeten über die Verschwörungstheorien zur Mondlandung zu sprechen. Was ich ja eigentlich gar nicht so extrem gerne tue. Das ist ein Thema, zu dem wirklich schon jeder alles gesagt hat, was gesagt werden kann. Natürlich kann man immer noch ein weiteres Mal erklären, warum die Schatten der Astronauten auf der Mondoberfläche genau so sind, wie sie sein sollen; warum die Fahne sich so bewegt, wie sie es tun muss; warum der Staub so fällt, wie er es tut, und so weiter. Aber damit reproduziert man nur wieder all die Diskussionen, die in den letzten Jahrzehnten mehr als genug geführt sind und wenn man sich in all diesen Details verzettelt, überzeugt man nicht nur sowieso niemanden der wirklich daran glauben will, sondern verpasst auch die eigentlich spannende und beeindruckende Geschichte!

Ja, wir waren wirklich dort! (Bild: NASA)

Ich habe deshalb zwar meinen Vortrag durchaus um das Thema “Verschwörung” herum strukturiert. Aber den Fokus ganz woanders gesetzt. Nämlich bei der Frage, die man sich meist nicht stellt, wenn man behauptet, das wir nie zum Mond geflogen sind: “Was wäre wenn?” Was würde daraus folgen, wenn das, was die Verschwörungstheoretiker behaupten, WIRKLICH WAHR wäre. Wie müsste eine Welt aussehen, in der die Mondlandung nur ein Fake ist? Um das heraus zu finden, ist es notwendig die Geschichte des ersten Flugs zum Mond von Anfang an zu erzählen. Man muss auch die Geschichte der sowjetischen Bemühungen im Weltraum erzählen. Und jede Menge andere Geschichten. All die werde ich erzählen um am Ende zu zeigen, warum die Welt in der wir leben definitiv eine Welt ist, in der vor 50 Jahren das erste Mal Menschen auf dem Mond gelandet sind.

Ich würde mich freuen, wenn ihr vorbei kommt. In Münster werde ich im Planetarium auftreten (Sentruper Straße 285, 4861 Münster). Das ganze beginnt um 19.30 und Informationen/Tickets gibt es hier. Am Tag darauf werde ich in Nürnberg ebenfalls im Planetarium (Nicolaus-Copernicus-Planetarium Bildungszentrum, Am Plärrer 41) sein; ebenfalls um 19.30 und Informationen/Tickets findet ihr hier.

Bis dann!
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Does trap quote steganography prove that Google is a copycat? [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/23/does-trap-quote-steganography-prove-that-google-is-a-copycat/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=does-trap-quote-steganography-prove-that-google-is-a-copycat http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/23/does-trap-quote-steganography-prove-that-google-is-a-copycat/#respond Sun, 23 Jun 2019 21:32:17 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18729 Some song lyrics provided by Google’s lyrics platform contain the hidden message RED HANDED. It was encoded by competitor Genius in order to prove that Google is copying from them. Readers of my (German) book about the history of steganography (Versteckte Botschaften) certainly are familiar with the concept of fictitious entries.   Fictitious entries A…]]>

Some song lyrics provided by Google’s lyrics platform contain the hidden message RED HANDED. It was encoded by competitor Genius in order to prove that Google is copying from them.

Readers of my (German) book about the history of steganography (Versteckte Botschaften) certainly are familiar with the concept of fictitious entries.

 

Fictitious entries

A fictitious entry is a deliberately incorrect entry in a reference work, such as a dictionary, an encyclopedia, or a map. The purpose of a fictitious entry is (provided that it is not a mere hoax) to reveal plagiarism or copyright infringement. If, say, a non-existing expression originally published in dictionary A is later encountered in dictionary B, it can be assumed that the creators of dictionary B have copied from their competitor.

Here are a few famous examples of fictitious entries (some of them are taken from Wikipedia, I hope this list doesn’t contain a fictitious entry):

  • The New Oxford American Dictionary of 2001 contained the word “esquivalience”, defined as “the wilful avoidance of one’s official responsibilities”. This word doesn’t exist. It was intended as a copyright trap, as the dictionary was distributed electronically and thus very easy to copy.
  • Many maps contain non-existing streets (known as “trap streets”) or places (“phantom settlements”). Famous phantom settlements are Argleton and Agloe, New York.
  • In one of his computer books, Yahoo Tech author David Pogue wrote that it was possible to make a rabbit appear on the computer screen when certain keys were pressed. This non-working trick was later mentioned in other books.
  • Sellers of email addresses for mass mailings often add dummy entries to their collections, which are connected to otherwise unused mail accounts. Such an account allows for checking whether a customer has used the email address package he has purchased more often than he has paid for.

 

Trap quotes

Blog reader Dave Oranchak recently informed me about a similar kind of steganography: trap quotes. Apparently, trap quotes are used by the website Genius, which refers to itself as “the world’s biggest collection of song lyrics and musical knowledge”. In recent years, Genius has faced Google as an increasingly important competitor, as Google provides more and more song lyrics on its own platform.

According to the website JWZ (operated by Jamie Zawinski), Genius now accuses Google of copying lyrics from their database. Allegedly, this can be proven with subtle changes (trap quotes) Genius made to some of the songs in its lyrics collection and that were later found on Google.

These trap quotes consist of apostrophes alternating between straight and curly in exactly the same sequence for every song. When the two types of apostrophes are converted to dots and dashes and read as Morse code, they spell out the words RED HANDED.

Technically speaking, the apostrophes not only represent a trap quote, but also a semagram.

 

Is it illegal?

There’s no doubt that we deal with a nice example of steganography here. However, I have no idea what the legal implications are. I assume that Google has the right to publish all these song lyrics, otherwise they wouldn’t do it. And if they have the right, it doesn’t make much a difference, in my view, if they copy the lyrics from the CD booklets or if they take them from other websites. Perhaps, a reader knows more about the legal background of these practices.

The author of the JWZ article concludes: “So that’s clever and funny, and Google are anticompetitive dicks, but there are no winners here. Genius is straight up admitting that the thing that drives people to their site is just the lyrics, not the annotations that they provide. Google isn‘t cloning their annotations.“


Further reading: How steganography solved a murder case

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Träumen Octopusse von elektrischen Kalmaren? [Meertext] http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/23/traeumen-octopusse-von-elektrischen-kalmaren/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=traeumen-octopusse-von-elektrischen-kalmaren http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/23/traeumen-octopusse-von-elektrischen-kalmaren/#respond Sun, 23 Jun 2019 17:45:33 +0000 http://scienceblogs.de/meertext/?p=2965 Do octopuses dream of electric squid?fragte der Sydney Morning Herald.
Anlaß der Frage war ein Video von Rebecca Otey, das einen offenbar schlafenden Octopus zeigt – ein bleicher Krake hängt fast bewegungslos im Wasser, auf einmal laufen dunkle Farbwellen über seinen Körper.
Rebecca Otey  hatte zwei schlafende Kraken 2017 während ihres Praktikums im Butterfly Pavilion gefilmt. Ihre Interpretation des Farbwechsels: Der Octopus muss heftig geträumt haben. Die beiden Kraken sind Karibische Zweifleck-Octopusse (Octopus hummelincki), der Butterfly Pavilion ist ein Non-Profit-Zoo für wirbellose Tiere in Westminster, Colorado. Rebecca Otey hatte das Video im Februar 2018 bei Youtube hochgeladen.


Diese Interpretation ist im Netz natürlich begeistert aufgegriffen worden, Kraken sind in der Pop-Kultur Symboltiere für pfiffige Quasi-Aliens und der Cat-Content für Nerds.
Was steckt dahinter?
Können Kraken träumen?
Das würde voraussetzen, dass sie schlafen.
Können Kraken schlafen?


Octopusse können schlafen

Daniela Meisel war 2011 zu dem Ergebnis gekommen: “Behavioral sleep in Octopus vulgaris” – Kraken können also schlafen (D. V. Meisel, Ruth Anne Byrne, J. A. Mather, Michael J. Kuba: “Behavioral sleep in Octopus vulgaris” ; Vie et Milieu 61(4):185-190,  December 2011).
Aber wie lässt sich so etwas nachweisen?
Schlaf ist für Wirbeltiere ein essentieller Teil ihres Lebens, diese Ruhephase des Körpers ist für sie überlebenswichtig. 
Biologen können Schlaf an den Vitalfunktionen und neurologischen Mustern gut nachweisen. Bei wirbellosen Tieren ist Schlaf weitaus weniger gut untersucht. Meisel hatte dazu 16 Octopusse Tag und Nacht gefilmt. Die Octopusse waren jeweils allein im Aquarium, es gab keine Reize von außen. Die Biologen haben die Aktivitäszyklen der achtarmigen Weichtiere dokumentiert. Klar erkennbar war, dass die Octopusse für ihre Ruhepause einen bevorzugten Ruheplatz hatten, manchmal einen Schlupfwinkel bauten und eine bevorzugte Körperhaltung einnahmen. In der Ruhephase zuckten Arme und Tentakel, außerdem zeigten die Tiere dann eine spezifische Halb- und-Halb-Färbung, die keine Tarnung war. Darum sind Meisel und ihre Kollegen überzeugt: Octopusse schlafen!

Können Octopusse träumen?

Träumen ist die psychische Aktivität während des Schlafes. Rebecca Otey hatte richtig beobachtet, dass die Kraken in ihrer Ruhephase waren, die dem Wirbeltierschlaf entspricht. Zu Beginn des Videos haben die Oktopusse eine opak-weißliche Färbung.  Dann laufen plötzlich dunkle Farbwellen über den Köper, im Rhythmus der Atmung. Als nächstes überflutet eine dunkle Färbung die Krakenhaut um verblasst schließlich wieder zu fast Weiß.

Die Farbwechsel werden über die Chromatophoren in der Haut hervorgerufen, spezialisierte Farbzellen, die sich kontraktieren oder ausdehnen können. Dazu kommen noch Iridiophoren und Leucophoren. Sie alle zusammen erschaffen die Farben von weißlich mit silbrigem Schimmer über Rot bis zu Dunkelbraun der Krakenhaut. Tintenfische können ihre Hautfarbe aktiv und schnell verändern. Die Farbe dient der Tarnung und der Kommunikation, soviel ist heute sicher.

Auch wenn die Tintenfisch-Forschung bereits seit Jahren auch den Schlaf dieser Tiere erforscht, gibt es da noch viele offene Fragen, erklärt Sara Stevens vom Butterfly Pavilion, gegenüber Live Science. Dass Octopusse eine dem REM-Schlaf der Wirbeltiere ähnliche Schlafphase haben, die auch für das Träumen wichtig ist, ist zwar eine Hypothese, aber bislang noch nicht endgültig bewiesen: “It’s been hypothesized that octopus species can exhibit something very similar to REM cycles in humans — but the jury’s still out on whether they’re achieving REM sleep”.

Das liegt auch daran, dass Octopusse nicht ein einziges Zentralnervensystem wie Wirbeltiere haben, sondern neben ihrem zentralen Ganglion im Kopf auch noch in jedem Arm ein untergeordnetes Arm-Gehirn. Wie die Schlaf-Koordination und dann noch mögliche Träume dieser Nervenknoten aussehen könnte, ist vollständig ungeklärt. Dass der Farbwechsel einen traumartigen Grund haben könnte, ist allerdings eine naheliegende Interpretation.

Träumen Octopusse von elektrischen Kalmaren?
Octopusse werden, da ihre Nervenstruktur so ganz anders ist, als die der Wirbeltiere, mittlerweile als Inbegriff einer fremdartigen Intelligenz betrachtet. Der dabei manchmal gebrauchte Begriff „alien“ ist immer mal wieder als „außerirdisch“ interpretiert worden, was dann regelmäßig zu großflächiger Medienhysterie führt. Dabei bedeutet „alien nur „fremdartig“ – schließlich trennen die Weichtiere und die Chordatiere (inkl. der Wirbeltiere – also wir) fast 600 Millionen Jahre Evolution.
Der australische Philosoph Peter Godfrey-Smith hat sich immer wieder mit der Intelligenz und auch dem Bewußtsein des Octopus beschäftigt – natürlich war auch er zum Video des Träumenden Octopus interviewt worden. Der Sydney Morning Herald hatte ihn dazu interviewt  – “Professor Godfrey-Smith said it is not clearly known. It appears cephalopods engage in some sleep-like activity, with something similar to rapid-eye movement.”. Godfrey-Smith konnte also nur bestätigen, dass Octopusse  schlafähnliche Zustände zeigen, inklusive der schnellen Augenbewegungen (rapid-eye movement = REM), die für die traumintensive REM-Schlafphase der Säugetiere und Vögel so charakteristisch sind.

Die Überschrift des Sydney Morning Herald ist allerdings ein Kracher: „Träumen Octopusse von elektrischen Kalmaren?“ ist eine Reverenz an den berühmten dystopischen Roman von P. K. Dick: “Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ (Do Androids Dream of Electric Sheep? – 1968), der 1982 als „Blade Runner“ von Ridley Scott verfilmt das Cyberpunk-Zeitalter in die Kinos brachte. Der Film basiert eher locker auf der Roman-Idee, in Buch und Film geht es darum, wie menschlich oder menschenähnlich Androiden – humanoide Roboter – sind.
Damit ist der Octopus mal wieder als Liebling der Nerds, Ikone der Science Fiction und Quasi-Alien ehrenhalber in die Schlagzeilen geraten.

 

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Preise und ihre Endziffern [Mathlog] http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/23/preise-und-ihre-endziffern/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=preise-und-ihre-endziffern http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/23/preise-und-ihre-endziffern/#respond Sun, 23 Jun 2019 08:04:44 +0000 http://scienceblogs.de/mathlog/?p=12413 Im letzten Beitrag ging es um eine Aufgabe, bei der gefragt wurde, wie wahrscheinlich es ist, beim Einkaufen im Supermarkt einen glatten Eurobetrag zu bezahlen. Die naheliegende Lösung wäre natürlich 1%. Andererseits enden die allermeisten Preise auf die Endziffer 9, bis auf wenige Artikel, deren Preise auf 0 oder 5 enden, und bis auf Dinge,…]]>

Im letzten Beitrag ging es um eine Aufgabe, bei der gefragt wurde, wie wahrscheinlich es ist, beim Einkaufen im Supermarkt einen glatten Eurobetrag zu bezahlen.

Die naheliegende Lösung wäre natürlich 1%. Andererseits enden die allermeisten Preise auf die Endziffer 9, bis auf wenige Artikel, deren Preise auf 0 oder 5 enden, und bis auf Dinge, die abgewogen werden wie 🍇 und 🍅. Das spricht gegen eine Gleichverteilung der Endziffern.

Tatsächlich gibt es, worauf mich Joseph in den Kommentaren hingewiesen hat, eine 65 Seiten lange Münzgeldstudie der Deutschen Bank aus dem Jahr 2015, in der diese Frage untersucht wird. (Hintergrund ist die angedachte Abschaffung der 1- und 2-Cent-Stücke.)

In dieser Studie findet sich eine Verteilung der häufigsten Preise.

Aus der Verteilung der Preise könnte man natürlich die Verteilung der Centbeträge berechnen. Leider interessiert man sich in der Studie nur für die letzte Stelle.

Es ist sicher plausibel, dass die Ziffern der vorletzten Stelle gleichverteilter sein sollten als die der letzten Stelle. Die Wahrscheinlichkeit für einen glatten Eurobetrag dürfte also zwischen 1,2 und 1,3 Prozent liegen, jedenfalls deutlich über 1%.

Die Studie findet man auf https://www.bundesbank.de/resource/blob/599430/0f1ab0849f009dbede497e8e2cbd03cb/mL/muenzgeldstudie-data.pdf.

Bildquelle: Wikimedia Commons

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 174 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/astronomie-in-365-tagen-tag-174-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-174-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/astronomie-in-365-tagen-tag-174-sonne/#respond Sun, 23 Jun 2019 16:41:28 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30137 Auch in Zukunft werden wir Planeten nur selten direkt sehen können. Und wir werden die Planeten immer nur als Lichtpunkt sehen; aber keine Details ihrer Oberfläche. Dafür sind sie viel zu weit von der Erde entfernt.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 174

Tag 174/365: Es dauert im Durchschnitt circa 100.000 Jahre bis die Energie aus dem Kern die Sonnenoberfläche erreicht und dort in Form von Licht ins All abgestrahlt wird.

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Video: Warum seit fünf Jahrzehnten keiner mehr zum Mond geflogen ist [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/video-warum-seit-fuenf-jahrzehnten-keiner-mehr-zum-mond-geflogen-ist/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=video-warum-seit-fuenf-jahrzehnten-keiner-mehr-zum-mond-geflogen-ist http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/23/video-warum-seit-fuenf-jahrzehnten-keiner-mehr-zum-mond-geflogen-ist/#respond Sun, 23 Jun 2019 06:00:37 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29849 In meinem 50tägigen Countdown hier im Blog zähle ich ja die Tage bis sich die Landung der ersten Menschen auf dem Mond zum 50. Mal jährt. Diesen ersten Menschen – Neil Armstrong und Buzz Aldrin – sind noch zehn weitere gefolgt. Von den insgesamt also 12 “Moonwalkern” sind 8 schon gestorben. Die vier verbliebenen sind…]]>

In meinem 50tägigen Countdown hier im Blog zähle ich ja die Tage bis sich die Landung der ersten Menschen auf dem Mond zum 50. Mal jährt. Diesen ersten Menschen – Neil Armstrong und Buzz Aldrin – sind noch zehn weitere gefolgt. Von den insgesamt also 12 “Moonwalkern” sind 8 schon gestorben. Die vier verbliebenen sind Buzz Aldring (89 Jahre alt), David Scott (87 Jahre), Charles Duke (83 Jahre) und Harrison Schmitt (83 Jahre). Recht jung sind die vier Herren also alle nicht mehr und rein statistisch gesehen kann es nicht mehr lange dauern, bis niemand mehr auf diesem Planeten lebt der jemals einen anderen Himmelskörper betreten hat.

Das wäre schade. Und die Frage die sich da stellt lautet: Warum sind wir seit 1972 nicht mehr auf den Mond zurück gekehrt? Das hat Quarks & Co gefragt und die Gründe in einem netten Video zusammengefasst:

Ich bin gespannt ob wir es hinkriegen, noch jemandem zum Mond beschicken bevor die letzten Mondbesucher der Apollo-Missionen gestorben sind. Es wäre schon irgendwie schade, wenn die Zeit zwischen 1969 und 202x (ich bin mal optimistisch und hoffe, das dieses Jahr niemand mehr stirbt) eine Ausnahme gewesen ist. Und wir demnächst wieder in einer Welt leben, in der es keine Menschen gibt die erzählen können, wie es ist einen anderen Himmelskörper zu betreten…

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 173 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/astronomie-in-365-tagen-tag-173-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-173-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/astronomie-in-365-tagen-tag-173-sonne/#respond Sat, 22 Jun 2019 16:41:28 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30136 Das durch die Energie aus dem Kern aufgeheizte Material der Sonne das nach oben steigt und wieder absinkt kann man beobachten. Die Sonne “brodelt” wie ein Topf kochendes Wasser. Das nennt man “Granulation”.
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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 173

Tag 173/365: Das durch die Energie aus dem Kern aufgeheizte Material der Sonne das nach oben steigt und wieder absinkt kann man beobachten. Die Sonne “brodelt” wie ein Topf kochendes Wasser. Das nennt man “Granulation”.

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Wernher von Braun: Genie oder Blender? [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/wernher-von-braun-genie-oder-blender/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wernher-von-braun-genie-oder-blender http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/22/wernher-von-braun-genie-oder-blender/#respond Sat, 22 Jun 2019 06:00:08 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29848 Heute gibt es in meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung was zum Hören. Mein Podcast-Kollege Holger Klein hat im letzten Jahr mit Christopher Lauer geredet. Der hat eine Bachelorarbeit mit dem Titel “Umstände und Voraussetzungen für Wernher von Brauns Eintritt in das Heereswaffenamt” verfasst und darin untersucht, wie Wernher von Braun eigentlich seine…]]>

Heute gibt es in meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung was zum Hören. Mein Podcast-Kollege Holger Klein hat im letzten Jahr mit Christopher Lauer geredet. Der hat eine Bachelorarbeit mit dem Titel “Umstände und Voraussetzungen für Wernher von Brauns Eintritt in das Heereswaffenamt” verfasst und darin untersucht, wie Wernher von Braun eigentlich seine große Karriere gemacht hat.

Genie oder Blender? (Bild: NASA/MSFC, gemeinfrei)

Wernher von Braun gilt wie kein anderer als der Kopf hinter dem ersten Flug zu Mond; ohne seine Arbeit an den V2-Raketen und später seiner Arbeit im Apollo-Programm wäre die NASA nicht zum Mond gekommen. Aber war das wirklich so? Dass von Braun nicht so unwissend über die grauenhaften Zustände in den Konzentrationslagern war, in denen die für den Bau der V2-Raketen verwendeten Zwangsarbeiter lebten, ist mittlerweile klar. Aber Lauer ist auch der Meinung, dass von Braun generell nicht so begabt und wissend war, was die Raumfahrttechnik angeht. Und dass sein Ruf als “Wunderkind” und sein späterer Ruhm als Mann der die Mondlandung möglich gemacht hat, vor allem seinen Selbstvermarktungsfähigkeiten und seinen Mitarbeitern zu verdanken ist. Welche Belege es dafür gibt, könnt ihr euch im Podcast selbst anhören.

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 172 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/astronomie-in-365-tagen-tag-172-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-172-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/astronomie-in-365-tagen-tag-172-sonne/#respond Fri, 21 Jun 2019 16:41:27 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30135 Hinter der Strahlungszone der Sonne schließt die “Konvektionszone” an. Die Energie wird hier in Form von Wärme nach außen transportiert. Das Gas aus dem die Sonne besteht heizt sich auf, steigt nach oben, kühlt dort ab und sinkt wieder nach unten.
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Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 172

Tag 172/365: Hinter der Strahlungszone der Sonne schließt die “Konvektionszone” an. Die Energie wird hier in Form von Wärme nach außen transportiert. Das Gas aus dem die Sonne besteht heizt sich auf, steigt nach oben, kühlt dort ab und sinkt wieder nach unten.

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Luna 10 und Apollo 8: Alles dreht sich um den Mond [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/luna-10-und-apollo-8-alles-dreht-sich-um-den-mond/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=luna-10-und-apollo-8-alles-dreht-sich-um-den-mond http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/luna-10-und-apollo-8-alles-dreht-sich-um-den-mond/#respond Fri, 21 Jun 2019 06:00:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29837 Noch 30 Tage sind übrig im 50tägigen Artikel-Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung. Und weil sich alles um den Mond dreht, geht es heute um das, was den Mond umkreist. Bevor die Astronauten von Apollo 11 auf dem Mond landen konnten, musste sie erst einmal eine Umlaufbahn um den Mond herum einnehmen. Das gelang ihnen…]]>

Noch 30 Tage sind übrig im 50tägigen Artikel-Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung. Und weil sich alles um den Mond dreht, geht es heute um das, was den Mond umkreist.

Bevor die Astronauten von Apollo 11 auf dem Mond landen konnten, musste sie erst einmal eine Umlaufbahn um den Mond herum einnehmen. Das gelang ihnen hervorragend. Aber so wie alles andere in der Raumfahrt musste auch das erst lange geübt werden. Die ersten, die überhaupt was zum Mond geschickt hatten, war die Sowjetunion. Ihre Raumsonde Luna 1 flog am 4. Januar 1959 in 6000 Kilometer Entfernung am Mond vorbei. Aber eben nur vorbei, nicht rundherum. Im September schlug Luna 2 auf dem Mond auf und war damit das erste Objekt aus Menschenhand das dort landete. Eine Umlaufbahn hat aber auch sie vorher nicht erreicht. Luna 3 flog tatsächlich um den Mond herum. Aber es war keine echte Umlaufbahn, es war ein “Hin, rum und Zurück” (Nein, das ist kein offizieller Raumfahrtausdruck; das hab ich mir gerade ausgedacht). Es war eine “freie Rückkehrbahn”, also vereinfacht gesagt eine Flugbahn in Form einer liegenden “Acht” in deren beiden Teilen Erde und Mond liegen. Damit konnte Luna 3 im Oktober 1959 zwar das erste Mal die Rückseite des Mondes fotografieren. Aber ein Umlaufbahn war es eben nicht. Luna 4 flog am Mond vorbei, ungeplant. Luna 5 schlug auf dem Mond ein; ebenfalls ungeplant. Luna 6, 7 und 8 hatten ebenfalls Fehlfunktionen. Luna 9 landete am 31. Januar 1966 erfolgreich auf dem Mond und die Landung war tatsächlich eine Landung und kein Einschlag. Und auch wenn das eine sehr beeindruckende Premiere war – das erste Mal eine kontrollierte und sanfte Landung auf dem Mond – musste man immer noch auf die Umkreisung warten.

Die gelang mit Luna 10 am 3. April 1966. Drei Stunden brauchte sie für einem Umlauf um den Mond. Der erste künstliche Satellit des Mondes maß Gammastrahlung, hatte Instrumente dabei um Mikrometeorite zu registrieren, suchte nach Infrarotstrahlung vom Mond und analysierte auch den Sonnenwind und die Stärke der kosmischen Strahlung in der Umgebung des Mondes. Sie entdeckte außerdem das, was wir heute “Mascons” nennen, also große Bereiche mit Gestein das eine höhere Dichte als üblich hat (“mass concentration”). Man geht davon aus, dass sie in der Frühzeit des Sonnensystems entstanden als riesige Asteroiden auf dem Mond einschlugen. Neben all der Wissenschaft hatte Lunar 10 auch noch ein Gerät an Bord das “Die Internationale” abspielen und zur Erde senden sollte. Was aber – im Gegensatz zur wissenschaftlichen Mission – nicht funktioniert hat.

Die Amerikaner waren – wie immer zu dieser Zeit – ein klein wenig langsamer als die Sowjetunion. Ihre erste Mondumlaufbahn wurde im August 1966 von der Raumsonde “Lunar Orbiter 1” erreicht. Die ersten Menschen die den Mond in einer Umlaufbahn umrundeten waren dann aber doch Amerikaner. Und zwar Frank Borman, James Lovell und William Anders, die im Rahmen der Apollo-8-Mission am 24. Dezember 1968 in eine echte Mondumlaufbahn einschwenkten und den Mond zehnhmal umrundeten, bevor sie wieder zurück zur Erde flogen.

Die Besatzung von Apollo 8 (Bild: NASA, gemeinfrei)

Seitdem hat der Mond immer wieder künstliche Satelliten bekommen. Und falls jemand nun wissen will, ob der Mond auch einen echten “Mond” haben kann, also einen natürlichen Himmelskörper der so um ihn herum kreist wie der Mond um die Erde: Diese Frage habe ich hier beantwortet.

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Sternengeschichten Folge 343: Der Supergalaxienhaufen Laniakea [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/sternengeschichten-folge-343-der-supergalaxienhaufen-laniakea/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sternengeschichten-folge-343-der-supergalaxienhaufen-laniakea http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/21/sternengeschichten-folge-343-der-supergalaxienhaufen-laniakea/#respond Fri, 21 Jun 2019 06:02:23 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30001 Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen. ————————————————————————————— Sternengeschichten Folge 343: Der Supergalaxienhaufen Laniakea Heute geht es in den Sternengeschichten wieder einmal ganz nach draußen. Beziehungsweise werfen wir einen Blick auf…]]>

SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter]
Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen.


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Sternengeschichten Folge 343: Der Supergalaxienhaufen Laniakea

Heute geht es in den Sternengeschichten wieder einmal ganz nach draußen. Beziehungsweise werfen wir einen Blick auf die sehr, sehr großen Strukturen im Universum. In Folge 63 habe ich ja schon mal über die großräumige Struktur des Kosmos gesprochen. Darüber, dass die Erde Teil des Sonnensystems ist, das Sonnensystem Teil der Milchstraßengalaxie die zusammen mit jeder Menge anderer Galaxie einen Galaxienhaufen bildet. Der wiederum mit anderen Galaxienhaufen einen Supergalaxienhaufen bildet und die vielen Supergalaxienhaufen im Universum bilden noch größere Strukturen.

Es ist aber gar nicht so einfach, diese großen Strukturen zu identifizieren und herauszufinden, was wozu gehört. Beim Sonnensystem ist es ja noch recht simpel: Alles was die Sonne dauerhaft umkreist, ist Teil des Sonnensystems. Und alle Sterne die sich um das Zentrum der Milchstraße bewegen sind Teil unserer Galaxie. Aber danach wird es schon ein wenig schwieriger. Wenn man die Bewegung der Galaxien selbst betrachtet sind die Dinge nicht mehr so klar. Bei Galaxien gibt es keine so klare Hierarchien mehr.

Die Sonne hat sehr viel mehr Masse als all die Himmelskörper die sie umkreisen. Sie ist das klare Zentrum des Sonnensystems und auch bei der Milchstraße ist in deren Zentrum sehr viel mehr Masse als in den äußeren Bereichen. Betrachtet man aber die Galaxien, die sich in einem Galaxienhaufen bewegen, gibt es selten ein einziges dominierendes Objekt um das herum sich alle anderen Galaxien bewegen. Die Systeme aus Milliarden von Sternen haben alle zumindest annäherungsweise die gleiche Masse und sie wirbeln durcheinander ohne das klar ist, wer jetzt zu wem gehört. Vor allem weil das “wirbeln” selbstverständlich höchst übertrieben war. Galaxien bewegen sich zwar wie alle anderen Objekte im Universum und sie tun das schneller als die Planeten oder Sterne. Aber die Größenskalen auf denen diese Bewegung stattfindet ist enorm. Die anderen Galaxien sind absurd weit von uns entfernt und die Abstände zwischen ihnen sind gewaltig. Die Umkreisung zweier Galaxien kann Millionen Jahre dauern und die Bewegung aller Objekte in einem Galaxienhaufen zu untersuchen ist ein kompliziertes Unterfangen. Nur weil wir ein paar Galaxien am Himmel in der gleichen Region sehen können heißt das noch lange nicht, dass sie auch zusammengehören und gemeinsam durch ihre wechselseitige Gravitationskraft aneinander gebunden sind.

Künstlerische Darstellung der Milchstraße mit Scheibe (außen) und dem hellen Bulge in der Mitte (Bild: Mark Garlick, public domain)

Will man die großräumigen Strukturen im Universum kartografieren, dann muss man normalerweise zuerst mal herausfinden, wie weit die Galaxien entfernt sind, die man klassifizieren will. Vielleicht sind die beiden Galaxien die wir dicht nebeneinander am Himmel sehen ja in Wahrheit Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt. Wir sehen ja immer nur ein zweidimensionales Bild. Entfernungsbestimmung ist aber nicht so einfach, vor allem bei diesen großen Entfernungen. Und selbst wenn man herausgefunden hat, dass ein Haufen Galaxien alle tatsächlich in der gleichen Region des Universums liegen, folgt daraus nicht, dass sie auch zusammen einen Galaxienhaufen bilden.

Schauen wir dazu wieder in das leichter verständliche Sonnensystem. Wir blicken zum Himmel und sehen auf unserer Aufnahme ein paar Planeten und vielleicht auch ein paar Asteroiden. Wir messen ihre Entfernung zur Sonne und stellen dabei fest, dass sie sich alle in mehr oder weniger der gleichen Gegend befinden. Sind sie deswegen auch alle Teil des Sonnensystems? Vielleicht. Vielleicht stammt aber auch einer der Asteroiden aus dem interstellaren Raum. Vielleicht saust er gerade mit enormer Geschwindigkeit durch unser Sonnensystem hindurch und verschwindet demnächst wieder irgendwo zwischen den Sternen. Um das zu bestimmen müssen wir auch die Geschwindigkeit kennen mit der sich die Objekte bewegen. Im Sonnensystem ist das halbwegs einfach, hier können wir ziemlich schnell bestimmen, auf welchen Bahnen sich Objekte bewegen und prüfen, ob sie die Sonne wirklich umkreisen oder nur auf der Durchreise sind.

Bei den Galaxien in einem Galaxienhaufen ist das aber viel schwieriger. Die beobachtbare Bewegung ist extrem gering; wir müssten schon ein paar Millionen Jahre am Stück beobachten um wirklich etwas davon zu sehen. Und auch hier kann es sein, dass eine Galaxie die sich inmitten anderer Galaxien befindet, nur auf der Durchreise ist und kein Teil des Galaxienhaufens. Es ist also, kurz gesagt, eine knifflige Situation. Die im Jahr 2014 der amerikanische Astronom Brent Tully und seine Kollegen ein wenig durchschaubarer gemacht haben. Sie haben jede Menge Galaxien in unserer Umgebung beobachtet und zwei unterschiedliche Arten von Geschwindigkeiten bestimmt. So etwas macht man bei diesen Entfernungen über die Rotverschiebung. Darüber habe ich ja schon in Folge 21 der Sternengeschichten ausführlich gesprochen. Das ganze funktioniert mit dem Doppler-Effekt, den man auch von der Sirene bei Einsatzfahrzeugen kennt. Dort ändert sich die Tonhöhe, je nachdem ob das Fahrzeug sich auf uns zu oder von uns weg bewegt weil die Schallwellen durch die sich bewegende Schallquelle entweder gestaucht oder gestreckt werden. Das funktioniert mit Licht aber genau so, nur ändert sich hier die Farbe entweder in Richtung blau, wenn sich eine Lichtquelle auf uns zu bewegt oder zum Roten, wenn sie sich entfernt.

Wir wissen, dass das Universum sich beständig ausdehnt. Alle Galaxien die wir beobachten bewegen sich also von uns fort und zwar umso schneller, je weiter sie entfernt sind, wie ich in Folge 249 ausführlich erklärt habe. Alle Galaxien zeigen also auch eine Rotverschiebung die um so größer ausfällt, je größer ihre Entfernung ist. Diese Rotverschiebung ist aber eben ein Result der Expansion des Universums; sie entsteht weil der Raum selbst sich ausdehnt, nicht weil die Galaxie sich DURCH den Raum bewegt. Das tut sie aber und auch das verursacht eine kleine Rotverschiebung. Diese durch die Eigenbewegung der Galaxie verursachte Rotverschiebung ist es die relevant ist wenn wir wissen wollen, wer zu einem Galaxienhaufen gehört und wer nicht. Denn die sagt uns etwas über das gravitative Kräftemessen im Universum.

Stellen wir uns einen einfachen Fall vor: Zwei große Galaxien weit voneinander entfernt und eine dritte Galaxie irgendwo dazwischen in der Mitte. Beide äußeren Galaxien üben eine Gravitationskraft auf die mittlere Galaxie aus – aber welche ist stärker? Wenn wir sehen könnten, in welche Richtung sich die mittlere Galaxie bewegt, wüssten wir auch, ob wir sie mit der einen oder der anderen Galaxie zu einer Gruppe zusammenfassen sollen.

In der Realität ist das noch viel komplizierter. Da hat man nicht drei Galaxien sondern hunderttausende die alle aneinander zerren und jeweils ihre Bewegung beeinflussen. Um das aufzudröseln hat haben Tully und seine Kollegen also probiert die Eigenbewegung der Galaxien zu messen. Das ist bei weit entfernten Objekten extrem schwer, weil die durch die Expansion des Universums verursachte Rotverschiebung deutlich größer ist als die, die von der Eigenbewegung stammt. Aber es ist ihnen mit ein paar neuen mathematischen Filtermethoden gelungen die Daten so zu verarbeiten, dass sie auch diesen kleinen Anteil isolieren und so die Bewegungsstrukturen der vielen Galaxien in unserer Umgebung sichtbar machen konnten.

Und sie stellten dabei fest, dass man hier klare Grenzen ziehen kann. Ein Haufen Galaxien bewegte sich – vereinfacht gesagt – gemeinsam in die eine Richtung, ein anderer Haufen in die andere Richtung. Die Realität ist ein bisschen komplizierter, man kann es sich vielleicht so vorstellen wie die Wasserscheiden bei Flusssystemen. Alle Flüsse fließen ja irgendwann ins Meer. Hier in Europa fließen manche ins Mittelmeer, manche in die Nordsee, manche in den Atlantik, manche ins schwarze Meer, und so weiter. Welcher Fluss wo landet kann man auf den ersten Blick nicht so einfach sagen. Die Donau zum Beispiel fließt nach Süden ins schwarze Meer, der Rhein nach Norden in die Nordsee, und das obwohl die Quelle des Rheins viel weiter südlich liegt als die Quelle der Donau. Aber wenn man alle Quellen auf einer Karte einzeichnet und schaut, wohin die Flüsse fließen, kann man trotzdem Grenzen um die jeweiligen Einflussbereiche der Meere ziehen. Diese Grenzen sind die Wasserscheiden und so ähnlich funktioniert es auch bei den Galaxien. Man kann Grenzen finden, die die gravitativen Einflussbereiche der Galaxienhaufen voneinander trennen. Beziehungsweise IST in dem Fall der gravitative Einflussbereich genau das, was man “Galaxienhaufen” nennt.

Ich glaube ich kann mein Haus sehen! (Tully et al, 2014)

In diesem Fall haben Tully und seine Kollegen circa 100.000 Galaxien identifiziert, darunter auch die Milchstraße, die sich über einen Bereich von ungefähr 520 Millionen Lichtjahren erstrecken und alle aufgrund ihrer Bewegung zusammengehören. Bisher dachte man, der sogenannte Virgo-Haufen wäre die übergeordnete Struktur zu der Milchstraße gehört. Unsere Galaxie bildet ja mit ein paar anderen Galaxien, darunter die Andromedagalaxie, den sogenannten “Lokalen Haufen”. Und dieser Galaxienhaufen gehört mit ein paar anderen Galaxienhaufen zum Virgo-Haufen. Dachte man. Die neue Arbeit hat gezeigt, dass der Virgo-Haufen quasi nur ein Vorort einer noch viel größeren Struktur ist. Nämlich dem riesigen Supergalaxienhaufen der den Namen “Laniakea” bekommen hat. Das Wort stammt aus dem Hawaiischen und bedeutet so viel “unermesslicher Himmel”. Eine absolut treffende Beschreibung! Die mehr als 500 Millionen Lichtjahre durchmessende Region des Univesums mit ihren 100.000 Galaxien zu der auch wir gehören kann man mit Sicherheit als “unermesslich” für uns Menschen beschreiben. Und noch unermesslicher wird die Sache, wenn wir uns klar machen, dass auch Laniakea nur einer von sehr, sehr vielen solcher Supergalaxienhaufen im Universum ist…

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Wenn aus Ungesagtem Unsagbares wird: Politische Kultur am Abgrund oder am Wendepunkt? [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt/#respond Thu, 20 Jun 2019 17:40:13 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4079 Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bringt die AfD in Erklärungsnöte. Selbst hochrangige AfD-Funktionäre haben immer wieder Äußerungen von sich gegeben, die man als Aufruf zur gewaltsamen Abrechnung mit dem politischen Gegner verstehen kann. So ist beispielsweise bis heute eine Drohung des Chefs der AfD in Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, bei twitter online:

„Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden! Dafür lebe und arbeite ich. So wahr mir Gott helfe!“

Natürlich will ich Uwe Junge nicht unterstellen, dass er das als Aufruf zu Mord und Totschlag am politischen Gegner gemeint hat, aber es ist eben auch nicht klar, was er gemeint hat und mancher Hitzkopf liest aus solchen Ankündigungen eben heraus, was er meint, dass es gemeint ist. Auch Gaulands böses Wort über die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz kann man so oder so verstehen:

„Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.”

So hat er es selbstverständlich nicht gemeint, sondern so. Also irgendwie anders. Gegenüber Walter Lübcke gab es im Vorfeld nicht nur offene Morddrohungen aus der rechtsradikalen Szene, sondern eben auch „missverständliche“ Äußerungen der rechten Politprominenz, erst vor kurzem von Erika Steinbach. Jetzt hat also jemand irgendetwas so verstanden, wie es die AfD hoffentlich nie gemeint hat, aber bewusst als assoziationsoffenes Angebot nach rechts in die öffentliche Diskussion gab. Und wenn solche „missverständlichen“ Äußerungen von Rechtsaußen in den Kommentaren dann eindeutig ausgelegt wurden, hat man sie oft genug nicht gelöscht, sondern stehenlassen. So wird Unsagbares aus Ungesagtem.

Wie geht die AfD mit der Situation um? Das „strategische Entsetzen“ der Parteioberen und der in Machtergreifungskategorien denkenden Köpfe des AfD-Umfelds ist groß. Der Mord an Walter Lübcke zerstört das Spiel des Offenhaltens von „Nicht-so-Gemeintem“ gegenüber rechten Auslegungen und dementsprechend versucht man nun zu suggerieren, man habe nie dieses Spiel gespielt und sich immer eindeutig gegen jede Gewalt, natürlich von links und rechts, distanziert. Alice Weidel exerziert das auf Facebook vor:

„Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschüttert ganz Deutschland. Mutmaßlicher Täter soll ein verurteilter Neonazi sein, der jüngsten Ermittlungen zufolge nicht allein handelte. Der 45-Jährige ist einschlägig vorbestraft, war Mitglied der NPD, saß wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis und griff in den Neunziger Jahren eine Asylunterkunft an. Die Ermordung Walter Lübckes ist die Tat eines Wahnsinnigen, eines Entglittenen.“

Sie weiß schon, dass es ein „Neonazi“ war, kein Mitläufer der AfD, kein von AfD-Sprüchen zur Tat verleiteter Sympathisant. Und natürlich muss er „wahnsinnig“ sein. Vielleicht stimmt das alles, aber auch solche Leute können anfällig für da sein, was über Jahre von prominenten AfD-Leuten zu hören war. Aber wer darauf hinweist, diffamiert, so Weidel, eine „fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Bürgerpartei“:

„Statt pietätvoll Lübckes Familie Raum zur Trauer zu lassen und das Geschehen bis ins kleinste Detail lückenlos aufzuklären, verfallen die Altparteien in ihre üblichen Beißreflexe und versuchen den Mord in Verbindung mit der AfD zu bringen. Damit verunglimpfen sie nicht nur unsere fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehende Bürgerpartei, die sich schon zur Gründung gegen Extremismus und Gewalt eindeutig positionierte, sondern man diffamiert zugleich Millionen unserer Wähler.“

Nicht wirklich lange ist es her, dass Alice Weidel mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, sie habe sich in einer Mail 2013 so über die Bundesregierung geäußert:

„Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen“

Das ist RAF-Sprache pur. Wenn die AfD es ernst damit meint, durch ihre Sprache nicht zu Gewalt beitragen zu wollen, sollte sie einmal innehalten und darüber nachdenken, ob sie wirklich gar keinen Anlass zur Selbstbesinnung hat, statt gleich wieder zurückzuschießen und Kritikern an ihrem Politikstil Diffamierung zu unterstellen. Weidels Aufforderung, „Abrüstung ist das Gebot der Stunde“, gilt das für die AfD-Frontleute selbst nicht? Sonst liegt die Vermutung nahe, dass der Mord an Walter Lübcke für die AfD nur ein politischer Spielball im immer gleichen Spiel ist: Die AfD ist das unschuldige Opfer von Kampagnen der Schweine und Marionetten der Siegermächte, die man eines Tages zur Rechenschaft ziehen muss und dann irgendwo in Anatolien entsorgt.

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http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/wenn-aus-ungesagtem-unsagbares-wird-politische-kultur-am-abgrund-oder-am-wendepunkt/feed/ 0 42921
Astronomie in 365 Tagen: Tag 171 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/astronomie-in-365-tagen-tag-171-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-171-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/astronomie-in-365-tagen-tag-171-sonne/#respond Thu, 20 Jun 2019 16:41:26 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30134 Um den Kern herum befindet sich die “Strahlungszone”. Hier wird die Energie aus dem Kern in Form von Strahlung in Richtung der Sonnenoberfläche transportiert.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 171

Tag 171/365: Um den Kern herum befindet sich die “Strahlungszone”. Hier wird die Energie aus dem Kern in Form von Strahlung in Richtung der Sonnenoberfläche transportiert.

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Wahrscheinlichkeitstheorie für Babys [Mathlog] http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/20/wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/20/wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys/#respond Thu, 20 Jun 2019 07:22:51 +0000 http://scienceblogs.de/mathlog/?p=12404 Der Loewe-Verlag hat damit begonnen, eine Baby-Universität herauszubringen, unter anderem mit Büchern zur Quantenphysik und Relativitätstheorie. Einen Band „Wahrscheinlichkeitstheorie für Babys“ gibt es bisher nicht, dafür hat das englische Original der Buchreihe aber Bayesian Probability for Babies im Angebot. Die Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung haben eine Kinderseite, bei der in jedem Heft eine Knobelaufgabe mit…]]>

Der Loewe-Verlag hat damit begonnen, eine Baby-Universität herauszubringen, unter anderem mit Büchern zur Quantenphysik und Relativitätstheorie. Einen Band „Wahrscheinlichkeitstheorie für Babys“ gibt es bisher nicht, dafür hat das englische Original der Buchreihe aber Bayesian Probability for Babies im Angebot.

Die Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung haben eine Kinderseite, bei der in jedem Heft eine Knobelaufgabe mit Praxisbezug gestellt wird. Im neuen Heft gibt es eine Aufgabe zur Wahrscheinlichkeitstheorie: Wie wahrscheinlich ist es, beim Einkaufen im Supermarkt einen glatten Eurobetrag zu bezahlen? Hängt es auch von der Anzahl der gekauften Artikel ab?

Ich muß zugeben, dass mich die Aufgabe etwas ratlos zurückläßt.
Wie immer, wenn ich nicht weiterweiß, wende ich mich also an die Leser, um die Frage per Abstimmung zu klären.

Wie wahrscheinlich ist es, einen glatten Eurobetrag zu bezahlen?

1%
10% – falls eine durch 10 teilbare Artikelanzahl erworben wurde.
10% – falls eine durch 10 teilbare Artikelanzahl, aber kein Obst und Gemüse, erworben wurde.
Nichts davon.

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http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/20/wahrscheinlichkeitstheorie-fuer-babys/feed/ 0 42897
Can you decipher this encrypted inscription from the Way of Saint James? [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/20/can-you-decipher-this-encrypted-inscription-from-the-way-of-saint-james/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=can-you-decipher-this-encrypted-inscription-from-the-way-of-saint-james http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/20/can-you-decipher-this-encrypted-inscription-from-the-way-of-saint-james/#respond Thu, 20 Jun 2019 15:47:09 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18718 Camino de Santiago hiker Jens Grabarske has made me aware of an encrypted inscription in northern Spain. Can reader decipher it? In 2006, German actor and comedian Hape Kerkeling published a book about his hike on the Way of Saint James (Camino de Santiago). Titled I’m Off Then (German original: Ich bin dann mal weg),…]]>

Camino de Santiago hiker Jens Grabarske has made me aware of an encrypted inscription in northern Spain. Can reader decipher it?

In 2006, German actor and comedian Hape Kerkeling published a book about his hike on the Way of Saint James (Camino de Santiago). Titled I’m Off Then (German original: Ich bin dann mal weg), this work became extremely popular in Germany. It was translated into English in 2009. According to Wikipedia, I’m Off Then has sold over three million copies. A film adaptation was released in December 2015.

Contrary to most other works of Hape Kerkeling, I’m Off Then is not primarily humoristic in nature. Instead, it tells the true story of how Kerkeling started his long, solitary hike in order to escape his midlife crisis.

As a consequence of Kerkeling’s unexpected bestseller, hiking on the Way of Saint James (actually, it consists of many ways, all of which lead to the cathedral of Santiago de Compostela, Spain) became very popular in the German-speaking world. Originally, a hike of this kind was considered a pilgrimage, but nowadays many people take such a trip without religious motives.

My friend and fellow-skeptic Jens Grabarske recently started a hike on the Way of Saint James, too. On the Camino Primitivo, the oldest route to Santiago de Compostela, near the town of Tineo, Jens came across the following stone:

Source: Jens Grabarske

Apparently, the inscription on this stone is encrypted. Thankfully, Jens thought of me and sent me a picture of it.

This stone (I don’t know if it has an official name) isn’t mentioned in the crypto literature I am aware of. I haven’t even found information about it on the internet. When I learned about it from Jens, the first thing I did is include it in my Cryptologic Travel Guide.

The solution of the cryptogram is known. However, I will wait for a few days before I publish it. Readers of this blog are invited to try to decipher this message themselves and to publich the plaintext in the comment section. Good luck!


Further reading: The Langelsheim inscription: an unsolved cryptogram on a baroque altar

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Noch einmal: Die Kommentarspalten des Deutschen Ärzteblatts als Spielwiese der Impfgegner [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/noch-einmal-die-kommentarspalten-des-deutschen-aerzteblatts-als-spielwiese-der-impfgegner/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=noch-einmal-die-kommentarspalten-des-deutschen-aerzteblatts-als-spielwiese-der-impfgegner http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/20/noch-einmal-die-kommentarspalten-des-deutschen-aerzteblatts-als-spielwiese-der-impfgegner/#respond Thu, 20 Jun 2019 10:39:34 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4075 Vor vier Wochen hatte ich hier darüber berichtet, dass die Kommentarspalten des Deutschen Ärzteblatts, immerhin das Organ der Bundesärztekammer, beim Thema Impfen von Impfgegnern zugespammt werden. Es sind im Wesentlichen immer drei Kommentatoren, „Mitdenker“ und „Pro-Natur“, zwei faktenbefreite Polemiker, und – mit etwas mehr Datenbezug – „Rosenkohl“.

Ich habe gerade die Kommentarspalten des Ärzteblatts zum Thema Impfen in den letzten vier Wochen noch einmal überflogen, die drei sind praktisch immer dabei. So auch gestern bei einem Ärzteblatt-Bericht über den Tod eines dreijährigen Kindes in Dresden, das möglicherweise infolge einer Meningokokken-Infektion gestorben ist. Ob tatsächlich eine Meningokokken-Infektion ursächlich war, wird noch untersucht. Der Kommentar von „Pro-Natur“ dazu beim Ärzteblatt:

Der Kommentator nimmt den Tod des Kindes, dessen nähere Umstände zudem noch offen sind, zum Anlass, mit falschen Aussagen Stimmung gegen das Impfen zu machen. Dass Impfen einen negativen Einfluss auf das Immunsystem hat und ungeimpfte Kinder gesünder seien, behauptet nicht einmal der gewiss nicht impfaffine Autor von „Eingeimpft“, David Sieveking. Der zitiert immerhin die Studien von Peter Aaby zu unspezifischen Impfeffekten, positiven wie negativen. Bei dem Thema ist noch vieles unklar, aber für die pauschale und einseitig negative Aussage von Pro-Natur spricht nichts, gar nichts.

Die Frage bleibt, warum das Deutsche Ärzteblatt diese Narrenbühne zulässt, als ob man die Warnung der WHO, dass Impfgegner eine „globale Bedrohung“ darstellen, nicht gehört hätte.

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Die Wiederauferstehung des Dodo – vom Pummelchen zum kräftigen Läufer (Teil 2) [Meertext] http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/20/die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/20/die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer/#respond Thu, 20 Jun 2019 07:00:13 +0000 http://scienceblogs.de/meertext/?p=2952 Auf der Basis der vorliegenden Informationen eine Rekonstruktion erschaffen, ist nicht nur eine fachliche Herausforderung, sondern auch zeitraubend und kostenintensiv. 2015 zeigte ein Sponsor Interesse, das Senckenberg-Museum bei so einer Dodo-Rekonstruktion finanziell zu unterstützen. So konnte Hilde Enting – fast – mit ihrem Projekt Dodo loslegen.
Sie wollte unbedingt noch die neue Publikation abwarten, deren Erscheinen für 2016 angekündigt war. Einer der Autoren: der versierte Dodologe Julian Hume. So verzögerte sich das Projekt noch einmal, aber diese Arbeit sollte noch wichtige neue Impulse geben und einige ihrer Vermutungen bestätigen.

Die meisten Dodo-Skelette stammen aus Grabungen im Mare aux Songes, einem küstennahen Sumpfgebiet im Südosten der Insel Mauritius. Der Sumpf ist eine Fossillagerstätte, in der sich die subfossilen Überreste von etwa 300 Dodos und anderer im Holozän ausgestorbener Tierarten angesammelt haben, darunter viele Dodos. Eine Expedition von 2005 erbrachte neue Ergebnisse: Viele der Tiere waren offenbar während einer Dürreperiode im zähen Schlamm des Sumpfes stecken geblieben, sie sind dann dort verendet und ihre Knochen eingespült worden. Allerdings liegen die Knochen durcheinander und lassen sich nicht einzelnen Individuen zuordnen, so dass daraus “Komposit-Dodo-Skelette” entstanden sind, die heute in vielen Museen der ganzen Welt sind. Eines dieser Exemplare gehört auch zur Sammlung des Senckenberg-Museums.

Die meisten heute erhaltenen Dodo-Skelette sind also aus den Knochen verschiedener Vögel zusammengesetzt, die – abhängig von Alter und individuellem Körperbau – unterschiedlich groß gewesen sein dürfte. Für biomechanische Analysen ist aber das Größenverhältnis der einzelnen Knochen zueinander aussagekräftig. Eine seriöse biomechanische Untersuchung kann also nur an den Knochen eines einzigen Individuums durchgeführt werden.
Claessens, Hume und ihre Mitautoren legten mit ihrer Arbeit “The morphology of the Thirioux dodos” eine neue Rekonstruktion des Bewegungsablaufs und der Körperhaltung vor, die auf einem ganzen Skelett basierte (Claessens, L. P. A. M., H. J. M. Meijer, and J. P. Hume. 2015. The morphology of the Thirioux dodos; pp. 29–187 in L. P. A. M. Claessens, H. J. M. Meijer, J. P. Hume, and K. F. Rijsdijk (eds.), Anatomy of the Dodo (Raphus cucullatus L., 1758): An Osteological Study of the Thirioux Specimens. Society of Vertebrate Paleontology Memoir 15. Journal of Vertebrate Paleontology 35(6, Supplement)).

Claessens, Hume et al haben die Knochen der beiden Skelette, die nachweislich zu jeweils einem einzigen Individuum gehören, untersucht. Diese Skelette stammen aus einer historischen Grabung des mauritianischen Amateur-Naturforschers Etienne Thirioux, der sie vor mehr als 100 Jahren gefunden hatte. Er konnte seine Funde damals nicht publizieren und so sind sie in Vergessenheit geraten. Sie stammen aus einer anderen Lokalität – Thirioux hatte sie 1904 in Höhlen bei Le Pouce, gefunden. Die Exemplare gehören heute Museen in Durban und Port Louis.
Vor allem das Exemplar aus Port Louis bot den Dodologen neue Einsichten in die relativen Proportionen des großen flugunfähigen Vogels, der perfekt an sein Ökosystem angepasst war. Das Projekt zur Studie der Biomechanik der Fortbewegung trägt den Namen „Dodomotion“-Projekt. Es ging dabei auch um die besonderen musculoskeletalen Modifikationen, die die schnelle Evolution der Köpergröße ermöglichten.

Claessens, Hume und ihre Mitautoren legten mit ihrer Arbeit “The morphology of the Thirioux dodos” eine neue Rekonstruktion des Bewegungsablaufs und der Körperhaltung vor, die auf einem ganzen Skelett basierte (Claessens, L. P. A. M., H. J. M. Meijer, and J. P. Hume. 2015. The morphology of the Thirioux dodos; pp. 29–187 in L. P. A. M. Claessens, H. J. M. Meijer, J. P. Hume, and K. F. Rijsdijk (eds.), Anatomy of the Dodo (Raphus cucullatus L., 1758): An Osteological Study of the Thirioux Specimens. Society of Vertebrate Paleontology Memoir 15. Journal of Vertebrate Paleontology 35(6, Supplement)).


Dodo-Golem aus Draht, Knetmasse, Federn und mehr

Die Rekonstruktion eines ausgestorbenen Tieres ist eine Arbeit im Spannungsfeld zwischen Forschung, Handwerk und Kunst. Um aus einzelnen Teilen und Meßdaten ein lebensnahes Modell zu bauen, braucht es ein enormes Wissen von Anatomie bis Materialkunde, Forschergeist und geschickte Hände. Stück für Stück hat sich die Präparatorin mit unterschiedlichen Techniken dem Dodo genähert, theoretisch und praktisch. Ihre Arbeitsgrundlage waren die detailliert vermessenen Skelette in der Arbeit von Claessens, Meijer und Hume.
Aus den anatomischen und biomechanischen Daten hat Hilde Enting zunächst ein lebensgroßes Dodo-Poster gezeichnet, in dem Knochen, Körper- und Gefiederumriss sowie die wichtigen Maße eingezeichnet waren. Auch die aufrechte Körperhaltung stammt aus dieser Arbeit.

Das Grundgerüst besteht bei Präparaten oft aus einem Skelett – beim Dodo undenkbar, die wenigen Skelette sind viel zu kostbar. So hat Hilde Enting ihrem Vogel ein Gerippe aus Draht und anderen stabilen Materialien gegeben. Dabei hat sie bereits die Größe und lebensnahe Körperhaltung des Tieres angelegt.  Mit formbarem Füllmaterial wie Modelliermasse bekam das Gerüst die Körperform und -fülle. Die Oberfläche des Dodo-Körpers sieht mit ihrer Muskulatur so lebensecht aus wie ein gerupfter Truthahn – nur ohne Stoppeln.
Nach den Abmessungen und der aufrechten Körperhaltung ist der Frankfurter Dodo nun 72 Zentimeter hoch. In vielen anderen Quellen wird er als einen Meter hoch beschrieben. Das zeigt mal wieder, dass kaum jemand ihn ernsthaft gemessen, sondern die meisten Autoren wohl eher voneinander abgeschrieben haben. So, wie die Maler und Zeichner kopiert haben, ohne selbst Material gesehen zu haben.

Die vorhandenen Gipsabgüsse von Kopf und Fuß wurden eingescannt, dann 3 D-ausgedruckt. Diese Druck-Produkte sind allerdings erst ein Zwischenschritt, denn sie stammen von mumifizierten, verformten Körperteilen mit geschrumpftem Weichgewebe.
Raphus cuclatus hatte ein nacktes Gesicht mit einem gewaltigen Schnabel. Der Schnabel hatte eine große Hornscheide, die an einen übergestülpten Socken erinnert und endete in einem Haken. Der Schnabel des Senckenberg-Exemplars war natürlich ohne die Hornscheide, die nach dem Tod des Tieres brüchig wird und ab- oder zerfällt.
Hilde Enting begann ihre Rekonstruktion mit dem Einscannen des Kopf-Gipsabdrucks und einem 3 D-Print. Den hat sie dann abgeformt, dann gegossen, an dem Ergebnis hat sie dann weiter geschnitzt, bis sie mit der Form zufrieden war – schließlich musste sie die Größe und Form der Hornscheide rekonstruieren und dem Dodo-Gesicht realistische Hautfalten geben.
So hilfreich und nützlich 3 D-Drucker sind, sie sind nur ein weiteres Instrument im Werkzeugkoffer der Präparatoren. Ein einzigartiges Präparat braucht immer noch viel mehr Arbeit und Kunstfertigkeit.

Der Dodo-Fuß ist kräftig, groß und fleischig. Ganz klar der Fuß eines Fußgängers, irgendwo zwischen Huhn und Nandu. Die Weichteile des mumifizierten Fußes sind natürlich geschrumpft und verformt. Hier hat sie die Maße des sehr großen Exemplars aus der Claessens-Arbeit genommen und auf diese Knochen dann um Weichteile und Haut – angelehnt an den mumifizierten Fuß – ergänzt. Wenn man sich ausschaut, wie lebendig die Schwielenpolster und die reptilhafte Hautoberfläche sind, werden die Sachkenntnis und Kunstfertigkeit der Präparation deutlich.

Die Befiederung eines Präparats ist auch eine besondere Herausforderung – schließlich sollen die Federn wie lebendig aussehen. Wie viele Federn in verschiedenen Formen und Größen hatte das Original?
In diesem Fall beschloß Hilde Enting, die Gefieder-Rekonstruktion einem Feder-Experten zu überlassen: Dem Erfurter Präparator Marco Fischer (BioDesign, Apolda). Im Januar 2018 wurde der Dodo zum Befiedern gegeben. Der Ohrfasan (Crossoptilon auritum) sollte der Federspender werden. Dieser in Asiens Mischwäldern lebende Fasan hat eine ähnliche Ökologie und ein vermutlich ähnliches Gefieder wie der Dodo – grau und „haarartig zerschlissen“ sind seine Federn. Die Federn ausgesuchter Fasanen wurden nochmals gefärbt, in verschiedenen Braun-Nuancen.
Das schlichte braune Federkleid lässt den Aufwand, den es verursachte, kaum ahnen.
Die Flügelchen mit ihrer Haltung tief an der Seite des runden Rumpfes und ihrer kurzen Befiederung sind auf den Gemälden gut erkennbar – so auch beim Senckenberg-Dodo.
Aber wie sieht es mit dem Schwanz aus?
Der Dodo hat ein rundes Hinterteil, einige Gemälde und Zeichnungen zeigen einen Federtuff.
Eine Abbildung präsentiert den exotischen Vogel sogar von der Hinterseite– den Bürzel schmückt ein blütenartiger Federtuff. Ob die Dronte-Kehrseite ein Affront des Zeichners gegen seinen Auftraggeber war oder ein anderes Zeichen setzen sollte, wissen wir heute nicht – aber sicher ist, dass der Dodo auch von hinten sehenswert war. Die auffallend gekräuselten Schwanzfedern werden oft in Texten und Abbildungen beschrieben, in anderen Beschreibungen fehlen sie hingegen ganz.
Einige Wissenschaftler meinen, dass Raphus vielleicht nur manchmal ein schmuckes Schwänzchen hatte, abhängig von der Jahreszeit. Das würde das zeitweilige Vorhandensein eines so auffallenden Merkmals erklären.

So hat die geniale Präparatorin in monatelanger Arbeit leblosen Materialien wie Draht und Modelliermasse Leben eingehaucht und einen Dodo-Golem erschaffen.
Aus glänzenden Augen schaut er mich aus der Vitrine an, die helle Iris lässt seinen Blick scharf wirken: Zeitgenossen sagen, seine Augen hätten geglitzert wie Diamanten, erklärt Hilde Enting, darum hat sie Glasaugen mit heller Iris gewählt.
Erhaben und neugierig gleichermaßen ist der stattliche Vogel.
Bei genauerem Hinschauen ist zu sehen, dass die hintere Zehe leicht erhoben ist – daran klebt eine Daunenfeder. Erst bei man ganz Hinsehen wird erkennbar, was die Feder dort hält: Ein Dodo-Köttel.

Gleich hinter dem Eingang zur Vogelabteilung steht er nun, hinter der Treppe in die oberen Stockwerke.
In der Gesellschaft des Riesenalks und einiger Moas. Flugunfähige Vögel von unterschiedlichen Kontinenten. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle sind durch den Menschen ausgerottet worden. Ein Club der gefiederten Mahner.

Nur ausgeleuchtet ist er noch nicht ganz perfekt – hoffentlich bekommt das neue Highlight des Vogelsaals noch etwas mehr Licht.


Dodo und Mensch – Zerrbild einer unglücklichen Beziehung

Warum ist der Dodo unsterblich geworden, ja gerade symbolhaft für ein ausgerottetes Tier? Bezeichnend dafür ist der englische Ausdruck „dead as a dodo“.
Und nicht der Solitär von der Insel Reunion? Ebenfalls ein großer flugunfähiger Vogel, auf einer Insel endemisch lebend und im gleichen Zeitraum entdeckt und ausgerottet.
Im Senckenberg steht der Dodo in einer kleinen Gruppe Vögel, die durch den Menschen ausgelöscht worden sind: Riesenalk und Moas.
Erschlagen für ihr Fleisch oder um in Kuriositäten- und Naturaliensammlungen zu enden.

„Ausgestopft“ zu postmortalem Ruhm gekomme. Selbst ihre Eier wurden noch gesammelt, zum Essen oder für oologische Sammlungen – die Rieseneier waren begehrte Sammlerstücke für Museen und Zeitgenossen, die sich gern als Naturphilosophen inszenierten.
Die meisten dieser Vögel sind nur wenigen Menschen bekannt.
Was hat der Dodo, was sie nicht haben? 

Trotz aller Dramatik sieht der Dodo auf Abbildungen und Rekonstruktionen eher sympathisch als dramatisch aus. Neugierig, zutraulich, behäbig.
Außerdem haben ihn ja schon die ungebildeten Menschen vor Jahrhunderten ausgerottet, lange bevor es Artenschutzmaßnahmen gab. Da müssen wir aufgeklärte Menschen uns heute keine Vorwürfe machen.
War er vielleicht selbst schuld, weil er so arglos war?

Oder zu langsam zum Weglaufen?
In Wahrheit war er gar nicht tollpatschig. Das Projekt Dodomotion hat jedenfalls erbracht, dass der auf Mauritius lebende Dodo ein perfekt an seine Umgebung angepaßter Laufvogel war, der in einer schnellen Evolution das Fliegen aufgab und zum Läufer wurde, wie seine kräftigen Füße und Beine sowie die aufrechte Körperhaltung bezeugen.
Zum bemitleidenswerten übergewichtigen Tolpatsch, der traurig auf zu großen Füßen herumstolpert, wurde er erst durch den Menschen. Für seine Arglosigkeit konnte er nichts, auf seiner Insel gab es keine Feinde. Der nachtaktive Fruchtfresser konnte in aller Ruhe seine Nester am Boden bauen und seine Küken dort behüten.
Bis zur Ankunft der Menschen mit ihrer Gier nach Proviant und Kuriositäten und ihrer vierbeinigen Plage von Begleitern wie Hunden, Katzen und Ratten. Dann war es schnell um die endemischen Vögel geschehen, innerhalb weniger Jahrzehnte waren sie vollständig ausgerottet.

Der Dodo ist ein besonderer Vogel und gleichzeitig Metapher und Projektionsfläche: Einst ein exotisches Tier, steht er heute für die Rücksichtslosigkeit der Menschen und und stetige Bedrohung der Biodiversität.


Persönliche Anmerkung:
2002 haben Hilde Enting und ich gemeinsam in der Zoologischen Abteilung des Hessischen Landesmuseums eine kleine Vitrine zum Dodo und Solitär eingerichtet. Den ca zwei Quadratmetern war kaum anzusehen, wieviel Rechercheleistung dafür nötig war. Die braunen abgenagt aussehenden Knochen des Solitärs sahen alles andere als kostbar aus, vom Dodo war noch weniger vorhanden. Solange beschäftigt sich die Präparatorin bereits mit diesem Thema. Dieser Zeitraum zeigt, wie lange es manchmal braucht, um in einem Museum auch nur eine einzelne Rekonstruktion zu realisieren.

Für diesen Artikel haben wir von Hilde eine Sonderführung bekommen und davon jede Minute genossen!

 

Zum Weiterlesen:

Claessens, Hume und ihre Mitautoren legten mit ihrer Arbeit “The morphology of the Thirioux dodos” eine neue Rekonstruktion des Bewegungsablaufs und der Körperhaltung vor, die auf einem ganzen Skelett basierte (Claessens, L. P. A. M., H. J. M. Meijer, and J. P. Hume. 2015. The morphology of the Thirioux dodos; pp. 29–187 in L. P. A. M. Claessens, H. J. M. Meijer, J. P. Hume, and K. F. Rijsdijk (eds.), Anatomy of the Dodo (Raphus cucullatus L., 1758): An Osteological Study of the Thirioux Specimens. Society of Vertebrate Paleontology Memoir 15. Journal of Vertebrate Paleontology 35(6, Supplement)).

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Dodo_-_2_From_the_Journal_of_the_Gelderland_1601.png

https://www.welt.de/wissenschaft/article168017311/So-lebte-der-sagenumwobene-Riesenvogel-wirklich.html#

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturgeschichte-des-dodo-raetselhafter-vogel-zum-liebhaben.976.de.html?dram:article_id=442205

https://www.theatlantic.com/science/archive/2016/06/the-dodos-redemption/486086/

https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02724634.2015.1121723?scroll=top&needAccess=true

https://books.google.de/books?id=g9ZogGs_fz8C&pg=PA229&lpg=PA229&dq=Joris+Joostensz+Laerle&source=bl&ots=1C933zV4Hq&sig=ACfU3U1IKCZDykY-OEfpXuzBhAFl7qcM4g&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwj96snbscviAhVlMewKHS66BGgQ6AEwDHoECAkQAQ#v=onepage&q=Joris%20Joostensz%20Laerle&f=false

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http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/20/die-wiederauferstehung-des-dodo-vom-pummelchen-zum-kraeftigen-laeufer/feed/ 0 42879
SCE to AUX oder: Wie Apollo 12 beinahe nicht zum Mond geflogen wäre [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/20/sce-to-aux-oder-wie-apollo-12-beinahe-nicht-zum-mond-geflogen-waere/#respond Thu, 20 Jun 2019 06:00:38 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29836 In meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute einen Gastbeitrag von Rüdiger. Er hat eine sehr schöne Geschichte über ein technisches, aber sehr interessantes (und wichtiges!) Detail der Apollo-Mondflüge aufgeschrieben. Ich wünsch euch viel Spaß damit – und wenn ihr auch eine Geschichte über den Mond, die Mondlandung oder ein verwandtes…]]>

In meinem 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute einen Gastbeitrag von Rüdiger. Er hat eine sehr schöne Geschichte über ein technisches, aber sehr interessantes (und wichtiges!) Detail der Apollo-Mondflüge aufgeschrieben. Ich wünsch euch viel Spaß damit – und wenn ihr auch eine Geschichte über den Mond, die Mondlandung oder ein verwandtes Thema als Gastbeitrag erzählen wollt, dann schreibt mir doch einfach ne Mail (aber bitte bis 30. Juni).
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SCE to AUX Oder: Wie Apollo 12 beinahe nicht zum Mond geflogen wäre

Gastbeitrag von Rüdiger

An einem regnerischen Freitagnachmittag, dem 14. November 1969 um 16:22 Uhr Ortszeit startete die Apollo 12 Mission mit den Astronauten Charles “Pete” Conrad, Richard F. Gordon und Alan L. Bean mit einer Saturn V Rakete von der Startrampe 39A in Cape Canaveral.

Nach der geglückten Landung von Apollo 11 und den ersten Schritten auf dem Mond, sollte diese Mission im Oceanus Procellarum, dem Ozean der Stürme landen, in unmittelbarer Nähe der zwei Jahre zuvor dort gelandeten Sonde Surveyor 3. Dies war besonders spannend, weil man so die Gelegenheit hatte, zu untersuchen, wie sich ein längerer Aufenthalt auf dem Mond auf die Technik auswirkt.

Die Wetterbedingungen waren nicht ideal. Es regnete in Strömen und ein Gewitter zog über das Startgebiet. Der Start fand jedoch planmäßig statt. Die fünf mächtigen F1-Triebwerke der ersten Stufe brachten den Boden zum Erbeben und verbrannten ihre rund 60.000 bzw. 90.000 Liter an Kerosin und flüssigem Sauerstoff pro Minute. Eine unvorstellbare Leistung von 34.000 kN Schub wurden freigesetzt. Die mächtigen Haltearme, die die Saturn V bis jetzt an ihrem unteren Rand auf der mobilen Startplattform festgehalten haben, schwenkten nach oben, und während ein flammendes Inferno unter den Triebwerken sich den Weg durch den Flammengraben bahnte, erhob sich langsam und majestätisch die fast 3.000 Tonnen schwere Rakete, passierte den Launch Umbilical Tower und drehte sich planmäßig durch das für die Startphase vorgesehene Rollprogramm in die korrekte Position. Alles sah, trotz des schlechten Wetters, nach einem Bilderbuchstart aus.

Dann – genau 36,5 Sekunden nach dem Start – traf ein Blitz die startende Rakete. Der Abgasstrahl aus ionisiertem Gas fungierte wie ein Blitzableiter, an dem der Blitz entlang zum Boden wandern konnte. Sensoren in den Brennstoffzellen des Kommando-Service-Moduls, die für die Stromversorgung der Kommandokapsel zuständig waren, bemerkten eine Überladung und schalteten diese ab, was zum Ausfall eines Großteils der Cockpitinstrumente führte. Knapp 16 Sekunden später schlug ein weiterer Blitz in die Rakete ein. Diesmal fiel in der Kommandokapsel auch der sogenannte “Eight-Ball” aus, der Fluglageanzeiger. Zusätzlich wurde die Übermittlung der Telemetrie an Mission Control gestört, die Terminalbildschirme zeigten wirre Muster von blinkenden Zeichen an.

Blitzeinschlag im LUT nach dem Start von Apollo 12. Bild: NASA, Scan: Ed Hengeveld, gemeinfrei

Pete Gordon blickte indessen an Bord der “Yankee Clipper” getauften Kommandokapsel auf einen, wie er ihn später bezeichnete, “beleuchteten Weihnachtsbaum” von Warn- und Alarmlichtern.

“I got three fuel cell lights, an AC bus light, a fuel cell disconnect, AC bus overload 1 and 2, Main Bus A and B out. We just lost the platform gang. I don’t know what happened here; we had everything in the world drop out.”, funkte er zu Gerald Carr, der als CAPCOM (Capsule Communicator) die Verbindung mit den Astronauten über Sprechfunk hielt.

Die Techniker in Mission Control hatten nicht die geringste Ahnung, was passiert war. Sie wussten nichts von dem Blitzschlag. Die Anzeigen auf ihren Bildschirmen waren ein einziger Kauderwelsch. John Aaron, ein Techniker in Mission Control, bezeichnete sie untertrieben als “non-sensical”.
Man stand also mit einem Problem da, das noch nie aufgetreten war, und von dem man noch nicht einmal genau wusste, was es war, geschweige denn, wo es herkam. Guter Rat war mehr als teuer.

Der Datenmüll auf den Terminals der Controller. Bild: NASA, gemeinfrei

Zumindest flog die Rakete immer noch auf Kurs. Die Steuerung, die sogenannte Instrument Unit für die anfängliche Flugphase bis in den Orbit, befand sich nämlich nicht in der Kommandokapsel, sondern in einem Ring zwischen der zweiten und dritten Stufe. Dort waren die Fluglagesensoren, Gyroskope, Beschleunigungssensoren und ein Flugkontrollcomputer, der von IBM für die NASA entwickelt worden war, untergebracht. Die Instrument Unit war von den restlichen Systemen komplett unabhängig und schien trotz des Blitzeinschlags noch brav ihren Dienst zu tun, was den Astronauten und Mission Control zumindest noch ein paar Minuten Zeit verschaffte, bis eine Entscheidung über einen Missionsabbruch getroffen werden musste.

In so einem Fall würde der sogenannte Launch Escape Tower an der Spitze der Rakete gezündet werden, und die Kommandokapsel mit den Astronauten in eine sichere Entfernung bringen. Dann würde die komplette restliche Rakete kontrolliert gesprengt werden, was man natürlich vermeiden wollte. Aber was nutzten noch so viele zusätzliche Minuten, wenn man keine Telemetriedaten hatte, aufgrund derer man das Problem hätte analysieren oder gar beheben können?
John Aaron war für die Telemetrietechnik eigentlich gar nicht zuständig. Sein Bereich waren die Brennstoffzellen, die Elektrik der Kapsel, der Kabinendruck und andere Systeme. Die Mitarbeiter in Mission Control, die Ingenieure und Techniker saßen in den “Gräben”, den Trenches, wie die Reihen von Kontrollpulten im sogenannten MOCR, dem Mission Operations Control Room genannt wurden. Dort wurden die unterschiedlichen Kontrollstationen mit Akronymen bezeichnet. FIDO, TELMU, GNC, RETRO… überhaupt war die NASA immer groß darin, alles mögliche mit coolen Abkürzungen zu versehen. Das hatte jedoch auch einen Sinn: Es ermöglicht eindeutige Namen, die möglichst kurz sind, da sie beispielsweise auch im Funkverkehr ständig verwendet werden, und hier kommt es auf kurze, präzise Bezeichnungen an. Wer sich einen typischen “Flight Director’s Loop” (zum Beispiel von einem Start) anhört, wird merken, wie außerordentlich effizient diese “NASA-Speech” sein kann.

Effizient war auch die Arbeitsweise und Problemlösungstaktik in Mission Control, aber ohne Daten half auch dies nicht. Wirre Zeichen flimmerten über die Mattscheibe der Terminals.

Gerry Griffin, der als Flight Controller die Hauptaufsicht über den Missionsablauf hat, musste bald eine Entscheidung treffen. Go oder No Go. Er wollte nicht unbedingt als der erste Flight Controller in die Geschichte eingehen, der einen Missionsabbruch mit Selbstzerstörung der größten, jemals gebauten Rakete befahl.

Aber keine der Stationen konnte in dieser Situation ein “Go” geben. Man tappte immer noch im Dunkeln.
Ein sinnfreies Muster blinkte dort, wo Daten über den Zustand der Systeme angezeigt werden sollten. John Aaron starrte auf dieses Muster. Er hatte es irgendwo schon einmal gesehen. Er dachte angestrengt nach. Es war vor über einem Jahr gewesen. Damals wurden die Systeme der Kommandokapsel während einer Testsequenz am Boden versehentlich mit nur einer Batterie hochgefahren. Die Elektronik, die die Signalspannung anpasst und die Daten der Telemetriesensoren aufbereitet, erhielt nicht genügend Strom und erzeugte quasi Datenmüll. Genau so einen Datenmüll, wie der, auf den er gerade blickte.

SCE to AUX. Bild: NASA, gemeinfrei

“Flight, try SCE to AUX!” – John Aaron sprach Gerry Griffin über seine Konsole hinweg an, der verdutzt zurück fragte: “SCE to AUX? What is that?”, aber dennoch Gerald Carr instruierte, die Anweisung an die Crew weiterzugeben. Er vertraute selbstverständlich auf die Expertise seiner Mitarbeiter, so auch auf die von John Aaron.

Carr gab die Anweisung weiter: “Apollo 12, Houston. Try SCE to auxiliary. Over.”

Pete Conrad an Bord der Yankee Clipper antwortete prompt: “FCE to auxiliary… What the hell is that?”

Gordon fiel im Hintergrund ein: “FCE? Fuel Cells?”

“NCE..?”, fragte Conrad zurück.

Gerald Carr korrigierte: “SCE, SCE to AUX. SCE to auxiliary!”

Alan Bean, der als Lunar Module Pilot (LMP) auf der rechten Seite der Kapsel saß, wusste was gemeint war. Er sah den Schalter direkt vor sich. Er betätigte ihn. SCE. Signal Conditoning Electronics. Die Elektronik zur Signalaufbereitung auf Hilfsstrom schalten.

Bingo.

Die Daten waren wieder da. Die Telemetrie funktionierte. Jetzt konnten die Mitarbeiter in Mission Control wieder etwas tun. Schnell war das Problem eingekreist: Die Brennstoffzellen waren ausgefallen – sicherheitshalber von den Bordsystemen abgeschaltet worden. Man musste sie nur resetten und neu starten, wollte aber warten, bis der Orbit sicher erreicht war.

Mittlerweile war auch die erste Stufe der Saturn V leergebrannt und abgetrennt worden. Die Instrument Unit spulte beharrlich ihr Programm ab. Für die Astronauten fühlte sich das Staging, das Abtrennen der Stufe, in etwa so an, als ginge man bei 300 Sachen voll in die Eisen, um ein paar Sekunden darauf von null auf 300 in einer Sekunde zu beschleunigen. “A hell of a ride”, wie mancher Astronaut es beschrieb.
All das lief jedoch perfekt nach Plan ab, die Instrument Unit hatte während all dieser aufregenden Minuten die Rakete auf Kurs gehalten und die Abtrennung der ersten Stufe veranlasst. Diese Unit der Saturn V basierte übrigens auf einem Versuchssystem, das Wernher von Braun und Konrad Dannenberg bereits über 20 Jahre zuvor in Peenemünde in ihrer A4 (Aggregat 4) getestet hatten; jener Rakete, die seinerzeit als “Vergeltungswaffe” V2 traurige Berühmtheit erlangte. IBM hatte diese weiterentwickelte Version für die NASA gebaut.

John Aaron. Bild: NASA, gemeinfrei

John Aaron, der durch eine Kombination aus Zufall, Wissen und Neugier, über den Tellerrand seiner Zuständigkeit hinaus über Systeme Bescheid zu wissen, genau im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen konnte und damit Apollo 12 vor einer Katastrophe bewahrt hat, wurde für diese Aktion mit dem Spitznamen “Steely-Eyed Missile Man” bedacht. Seitdem ist dies im NASA-Jargon ein feststehender Begriff für einen Ingenieur oder Astronauten, der schnell eine geniale Lösung für ein schwieriges Problem unter extremem Druck findet.

Aaron war übrigens auch bei der Beinahe-Katastrophe von Apollo 13 mit von entscheidender Bedeutung. Nachdem bei der Mission auf ungefähr halbem Weg zum Mond eine Explosion die Sauerstofftanks des Versorgungsmoduls zerstört hatte, war er es, der die einzig mögliche Vorgehensweise benannte: Die Kommandokapsel abzuschalten und die Mondlandefähre als Rettungsboot zu nutzen, obwohl man zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob man die Kapsel überhaupt jemals würde reaktivieren können. Dies nicht zu tun, hätte jedoch in einem sicheren Tod der Besatzung in den nächsten Stunden resultiert.
Und wer zufällig den Film “Der Marsianer” im Originalton schaut (oder das Buch liest), wird bemerken, dass in der Szene, wo die Besatzung der Hermes ohne Wissen der NASA ein Manöver zur Kursänderung vornimmt, die Kommandantin folgende Nachricht an Mission Control übermittelt:
“Houston, Be Advised: Rich Purnell is a Steely-Eyed Missile Man.”

Rich Purnell ist in der Geschichte ein Astrodynamiker, der in einer brenzligen Situation eine funktionierende Lösung für ein in dem Moment unmöglich scheinendes Problem findet. Durch sein komplexes “Purnell-Manöver” wird die Rettung von Mark Watney überhaupt möglich gemacht.
Es gibt aber auch noch andere “Steely-Eyed Missile Men”, auch wenn sie vielleicht offiziell nicht so genannt werden. Alle Mitarbeiter in Misson Control, jeder Flight Director, jeder Techniker und Ingenieur. All diese Menschen leisten eine großartige Arbeit. Die Pioniere in Mission Control haben diesen Job nicht nur erlernt, sondern auch von quasi Null an entwickelt. Als Alan Shepard als erster US-Amerikaner mit einer Mercury Redstone Rakete, einer umgebauten militärischen Langstreckenrakete zu seinem ersten Suborbitalflug aufbracht, waren die Arbeitsabläufe und Prozeduren noch in den Kinderschuhen. Die Technik war immer gerade so weit und so gut, dass sie das tat, wofür man sie brauchte. Man war ungeheuer kreativ, musste alles quasi neu erfinden. Hier war hauptsächlich Christopher Columbus Kraft (ja, er heißt wirklich so…) für verantwortlich. Er und Gene Kranz, der sowohl die Mondlandung als Flight Director begleitet hat, als auch bei Apollo 13 während der Rettungsaktion die Fäden in der Hand hatte, haben Mission Control maßgeblich mit aufgebaut und all die Prozeduren entwickelt, die dafür gesorgt haben, dass ein “SCE to AUX” im richtigen Moment eine ganze Mission, das Raumfahrtzeug und vor allem die Astronauten rettet.

Wer sich übrigens näher für die Geschichte und Technik von Mission Control interessiert, dem seien folgende Videos ans Herz gelegt:
• Failure Is Not An Option – A Flight Control History of NASA:

• Mission Control – The Unsung Heroes of Apollo
https://www.netflix.com/title/80175483

Zu den amerikanischen Weltraummissionen generell:
When We Left Earth – The NASA Missions

Und hier zu der Technik, die speziell für das Mondprogramm entwickelt wurde:
Moon Machines

Und wer die Landung multimedial nachverfolgen will, wird hier fündig. Die echten Audio-Loops, zusätzlich repräsentiert als Kurznachrichten im Twitter-Style, plus synchrone Videosequenzen. Sehr beeindruckend.
First Men on the Moon

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Wieder einmal Bioscan & Co. [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/19/wieder-einmal-bioscan-co/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wieder-einmal-bioscan-co http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/19/wieder-einmal-bioscan-co/#respond Wed, 19 Jun 2019 21:13:21 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4072 Seit einiger Zeit berichten die Medien regelmäßig über blinkende Scheindiagnostika wie Bioscan, dem Gerät, das auch dem Leberkäse sagt, ob er zum Arzt soll. Heute war dazu unter dem Titel „Abzocke mit Bioscannern in der Apotheke“ wieder ein Beitrag in der ARD, gefühlt zum zehntenmal. Manche Apotheken reden den Kunden mit den Bioscannern erst nichtvorhandene gesundheitliche Probleme ein und bieten dann dazu passend teure Mittelchen an. Wenn man Glück hat, verliert man nur Geld, wenn man Pech hat, seine Gesundheit. Im Plusminus-Beitrag heute wurde z.B. einer Testperson mit ganz normalen Eisenwerten ein Eisenmangel „diagnostiziert“ und ein entsprechendes Mittel empfohlen. Eine dauerhafte Eisenüberversorgung kann zu gesundheitlichen Beschwerden bis hin zu Gewebeschäden führen.

Der Hersteller des Bioscan-Geräts bewirbt es als „Skalarwellen-Analysator“. Skalarwellen gibt es nicht. Ob man sich für diese Aussage demnächst auch eine juristische Unterlassungsaufforderung einhandelt, weiß ich nicht, ich kann hier ja schon einmal vorsorglich sagen, dass ich nicht vorhabe, mich mit diesem Unsinn länger als unbedingt nötig zu beschäftigen.

Was mich interessiert: Wenn das Gerät in Apotheken eingesetzt wird, um den Absatz anzukurbeln, obwohl es physikalischer und technischer Unfug ist, warum werden dann die Apothekerkammern nicht aktiv? Und analog, wenn Ärzte damit arbeiten, warum nicht die Ärztekammern? Die Berufsordnungen der Landesapothekerkammern enthalten z.B. solche Formulierungen: „Der Apotheker hat im Rahmen seines Verantwortungsbereiches geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die der Sicherung der Qualität seiner Berufsausübung und seiner Arbeitsstätte nach dem Stand von Wissenschaft und Technik dienen“, die der Landesärztekammern solche: „Mit Übernahme der Behandlung verpflichten sich Ärztinnen und Ärzte den Patientinnen und Patienten gegenüber zur gewissenhaften Versorgung mit geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.“ Und was sagt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dazu?

Was Herr Spahn dazu meint, will ich erst mal noch nicht fragen, er produziert schließlich selbst wie eine Art Bioscanner am laufenden Band fragwürdige Problembeschreibungen mit fragwürdigen Lösungsvorschlägen. Aber wenn ich die gefühlt 100.ste Sendung zu Bioscannern ansehen musste, gründe ich VEGIDA, die „Vernünftigen gegen die Irrationalisierung des Abendlandes“, kaufe mir einen Bioscanner und schicke jeden Montag die Befunde an Spahn.

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http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/19/wieder-einmal-bioscan-co/feed/ 0 42896
Astronomie in 365 Tagen: Tag 170 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne/#respond Wed, 19 Jun 2019 16:41:29 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30133 Der Kern der Sonne hat einen Radius von circa 175.000 km. Er enthält fast die Hälfte ihrer gesamten Masse. Die Dichte ist dort so hoch, dass hier Kernfusion stattfinden kann. Die gesamte Energie der Sonne wird dort produziert.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 170

Tag 170/365: Der Kern der Sonne hat einen Radius von circa 175.000 km. Er enthält fast die Hälfte ihrer gesamten Masse. Die Dichte ist dort so hoch, dass hier Kernfusion stattfinden kann. Die gesamte Energie der Sonne wird dort produziert.

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/astronomie-in-365-tagen-tag-170-sonne/feed/ 0 42857
Hilfe ich bin verstrahlt worden! – Anfragen & Fälle von Lesern mit Gesundheitsproblemen und Strahlung – Teil 3 – Häufige Fehler [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/19/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/19/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler/#respond Wed, 19 Jun 2019 06:44:01 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=1918 Ich habe nach einer sehr hohen Strahlendosis eine Woche lang Blut gehustet und im Bett am Morphintropf gehangen. Ich weis, wie es ist nur jeden zweiten Gedanken klar fassen zu können und gleichzeitig mit der Angst klarzukommen das, was da passiert, irgendwie überstehen zu müssen. Damit bin ich aber als Strahlenphysiker und potentieller Gutachter/Experte einer…]]>

Ich habe nach einer sehr hohen Strahlendosis eine Woche lang Blut gehustet und im Bett am Morphintropf gehangen. Ich weis, wie es ist nur jeden zweiten Gedanken klar fassen zu können und gleichzeitig mit der Angst klarzukommen das, was da passiert, irgendwie überstehen zu müssen. Damit bin ich aber als Strahlenphysiker und potentieller Gutachter/Experte einer von Wenigen. Sachbearbeiter auf Ämtern, Gutachter in Instituten, Justizbeamte und Wissenschaftsbegeisterte Menschen in Foren haben diese Erfahrung (mit ein paar Ausnahmen) nicht … und das ist gut so.

Nur wenn man die Emotionen und menschlichen Schicksale hinten anstellt, dann können ordentliche, sachliche und objektive Urteile gefällt, Maßnahmen ergriffen und umgesetzt werden. Wenn wir unseren Ängsten die Oberhand überlassen, dann enden wir im Chaos und es wird der Gesellschaft als solches schlechter gehen. Daher will ich von Anfang an eine Lanze brechen für die kranken Menschen, die eben gerade an einem wirklichen Tiefpunkt schreiben, diskutieren, berichten und ebenso, für die Offiziellen, die objektiv sein wollen, sollen und müssen.

  1. Gesundheit ist das Wichtigste. Bevor ihr loslegt und einen Schuldigen dingfest macht, eine Behörde zum Eingreifen bringt oder jemanden verklagt, seht erstmal zu, dass das es euch gut geht. Akute Gefährdungssituationen müssen entschärft sein und Medikamente müssen stabil eingestellt sein. Klar gibt es genug Krankheiten, die sehr lange dauern und tendenziell immer schlimmer werden. Aber auch diese haben stabile Phasen (und wenns auch nur für ein paar Tage sind) und Achterbahnfahrten wenn neue Medikamente oder Symptome dazu kommen. Seht zu, dass ihr nur in den stabilen Phasen was tut und sonst die Ressourcen zur Erholung und Heilung einsetzt.
  2. Holt euch psychologische Hilfe. Das sind die besten Verbündeten, die ihr haben könnt. Therapeuten, Psychater und Pychoonkologen helfen mit den Ängsten besser fertig zu werden, die alle ganz natürlich in einer solchen Situation haben. Wenn man mit diesen besser klar kommt, dann hat man viel mehr Ressourcen für Heilung und letztendlich auch “den (Gegen)angriff” zur Verfügung.
  3. Einen Freund: Es ist genauso, wie wenn man mit dem Ex-Partner per Brief und Mail um das Sorgerecht der zuvor noch verhassten Zimmerpflanze streitet. Dann geht es plötzlich nicht mehr um die Zimmerpflanze, sondern alle Emotionen kochen hoch und beide werfen sich nur noch Beleidigungen und die kleinsten Kleinigkeiten an den Kopf, die in der Beziehung schief gelaufen sind. Da braucht ihr einen guten Freund und dem gebt ihr dann alles, was ihr schreibt, im Internet verfasst und sonstwie in die Welt hinaustragt erst mal zum drüberlesen. Wenn der dann sagt: “Ne das kannste aber so nicht sagen.” Dann hört auf den und schreibt es notfalls noch mal neu.
  4. Holt euch Hilfe: Am besten Selbsthilfegruppen und Organisationen wie das rote Kreuz oder Greenpeace. Zur Not irgendwelche Diskussionsforen im Internet (wie diese hier). Aber Vorsicht, da treiben sich die wildesten komischen Gesellen (wie ich) herum, von denen man nie wirklich wissen kann, wer sie sind oder was sie eigentlich wollen. Wir Menschen sind Herdentiere und die Gemeinschaft macht uns stark. Holt Hilfe.
  5. Bleibt ruhig: Bei jeder “Attacke gegen eine Behörde” lasst dem “Gegner” eine Rückzugsmöglichkeit und setzt ihm nicht die Pistole auf die Brust. Wenn ihr merkt, dass eine Behörde mauert, abblockt, sich unendlich lang Zeit mit der Bearbeitung lässt … dann lasst sie. Ruft nicht täglich einen Sachbearbeiter an, sondern nehmt eine Auszeit und überlegt in Ruhe, ob eine andere Strategie an einer anderen Stelle nicht sinnvoller wäre. Das gleiche gilt für euch selber. Lasst euch immer eine Rückzugsmöglichkeit offen. Wenn ihr euch immer nur mit dem Bundesamt für Strahlenschutz beschäftigt und die euch schon in Lawinen von Gutachten begraben haben, die euch haarklein erklären, warum euer Fall unmöglich ist … dann gebt euch geschlagen. Zieht euch zurück und kämpft an einem anderen Tag an einer anderen Stelle. Wer sich absolut verbissen an einer Stelle festkämpft der hat nicht nur verloren, der wird auch sonst nichts mehr anderes machen. Wo Leben ist, da ist noch Hoffnung und wenn es an einer völlig neuen Stelle passiert.
  6. Lasst ab von Drachen: Redet nicht von Geheimdiensten, Regierungsverschwörungen und dergleichen. Da könnt ihr nur verlieren, selbst wenn es war ist. Behaltet es für euch, aber hängt es nicht an die große Glocke.

Beispiel: Fallbeispiel NHL

  1. Nur so halb. Grundsätzlich ist er in ärztlicher Behandlung bzgl. des NHL-Krebs, aber es gibt verschiedenen Behandlungsmethoden, manche Medikamente nur bei Studien etc. pp. Würde die vermeintliche Strahlungsbehandlung in der Kindheit als Ursächlich angesehen werden könnten evtl. zusätzliche, neue medizinische Verfahren (wie Antikörperbehandlung) eine Option sein. Aber eigentlich sollte mit der klaren jetzigen Diagnose ein stabiler Zustand erreicht sein.
  2. Keine Angaben. Bei Leuten “vom alten Schlag” ist psychologische Hilfe oft stigmatisiert. Ich hoffe hier ist das nicht der Fall.
  3. Keine Angaben. Aber wenn Behörden die gleichen Briefe, mit einem gleichen Satzbau, wie ich bekommen haben, dann hat da garantiert kein zweites paar Augen drüber geguckt. Bitte unbedingt ändern.
  4. Keine Angaben. Er ist wohl im Internet aktiv, was ihn auch hier auf Scienceblogs gebracht hat, aber das ist die schwächste Form von Hilfe, die es geben kann. Wie sieht es in dem Fall mit Greenpeace oder den Grünen aus?
  5. Da hat er sich wohl durch alle möglichen Behörden und Institutionen telefoniert und geschrieben. Empfehlungen siehe oben.
  6. Keine richtigen Drachen in Sicht, nur Beamte und Verantwortliche, die im Zweifelsfall den eigenen Pelz retten wollen. Das kann man denen dann auch sicher nicht vorwerfen. Also kein Problem an dieser Front

Zurück zur Einleitung und dem Fallbeispiel

 

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/19/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-3-haeufige-fehler/feed/ 0 42475
Johann Wolfgang von Goethe und der Mond [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond-2/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond-2 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/19/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond-2/#respond Wed, 19 Jun 2019 06:01:14 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29835 Wenn wir an die erste Landung von Menschen auf dem Mond denken, dann denken wir vor allem an Technik, Raumfahrt und Wissenschaft. Und natürlich war die Landung eine technische und wissenschaftliche Meisterleistung. Aber der Mond hat selbstverständlich auch eine kulturelle und geisteswissenschaftliche Seite. Und in der heutigen Folge meines 50tägigen Countdowns zum 50. Jubiläum der…]]>

Wenn wir an die erste Landung von Menschen auf dem Mond denken, dann denken wir vor allem an Technik, Raumfahrt und Wissenschaft. Und natürlich war die Landung eine technische und wissenschaftliche Meisterleistung. Aber der Mond hat selbstverständlich auch eine kulturelle und geisteswissenschaftliche Seite. Und in der heutigen Folge meines 50tägigen Countdowns zum 50. Jubiläum der Mondlandung geht es daher um einen, der Geistes- und Naturwissenschaft immer schon als Teil eines großen Ganzen gesehen hat: Johann Wolfgang von Goethe.

Goethe schaut – vermutlich gerade nicht zum Mond (Bild: K.J. Stieler, gemeinfrei

Goethe kennt man heute natürlich für seine literarischen Werke. Aber er hat sich immer auch schon sehr für die Naturwissenschaft interessiert. Als Geheimrat in Weimar war er unter anderem für den Bergbau zuständig, was, wie er selbst gesagt hat, sein Interesse an der Natur geweckt hat. Goethe hat übrigens auch die Sternwarte in Jena gegründet und zwar im ehemaligen Garten von Schiller (und welche andere Sternwarte kann schon auf so eine Geschichte verweisen!). Goethe wollte auch die Newtonsche Optik umstürzen und entwickelte eine eigene Lehre von Licht und Farben. Die war aber eher Quatsch – was nichts daran ändert, dass er sich sein Leben lang mit der Naturwissenschaft beschäftigt hat.

In seinen literarischen Werken kann man sie daher auch immer wieder finden. Inklusive Mond. Aus dem Jahr 1778 stammt zum Beispiel das Gedicht mit dem Titel “An den Mond”:

“Füllest wieder Busch und Thal
Still mit Nebelglanz,
Lösest endlich auch einmal
Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild
Lindernd deinen Blick,
Wie des Freundes Auge mild
Über mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz
Froh und trüber Zeit,
Wandle zwischen Freud’ und Schmerz
In der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluß!
Nimmer werd’ ich froh;
So verrauschte Scherz und Kuß
Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal,
Was so köstlich ist!
Daß man doch zu seiner Qual
Nimmer es vergißt!

Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu!

Wenn du in der Winternacht
Wüthend überschwillst
Oder um die Frühlingspracht
Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt
Ohne Haß verschließt,
Einen Freund am Busen hält
Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewußt
Oder nicht bedacht,
Durch das Labyrinth der Brust
Wandelt in der Nacht.”

Gleich hier bei mir zuhause ums Ecke liegen die schönen Dornburger Schlösser und als Goethe dort 1828 den Mond beobachtet hat, hat ihn das zum Gedicht “Dem aufgehenden Vollmond” inspiriert:

“Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen,
Und nun bist du gar nicht da.

Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, dass ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.

So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht!”

Vollmondnacht am Fluß (gemalt von Goethe), gemeinfrei

Goethe hat den Mond aber nicht nur mit Papier und Feder in der Hand beobachtet, sondern auch mit dem Teleskop. In seinen Briefen findet man immer wieder Berichte über seine Beobachtungen. Am 11. Februar 1800 schrieb er etwa an Friedrich Schiller:

“Um 7 Uhr, da der Mond aufgeht, sind Sie zu einer astronomischen Partie eingeladen, den Mond und den Saturn zu betrachten, denn es finden sich heute Abend drei Teleskope in meinem Haus.”

Goethe und Schiller, gemeinsam bei astronomischen Beobachtungen: Da wäre man wohl gerne dabei gewesen. Ich zumindest!

Und wie jeder Hobby-Astronom ist auch Goethe nicht immer erfolgreich bei seinen Versuchen, wie er am 2. April 1800 an Karl Ludwig von Knebel über sein neu gekauftes Teleskop schrieb:

“Den Mond zeigt es köstlich, mit den Planeten will es aber noch nicht ganz gelingen, ob man gleich den Ring des Saturns sehr deutlich unterscheidet; vielleicht gelingt es uns auch noch, das zweideutige und doppelbildartige in diesen Fällen bei Seite zu bringen.”

Und Goethe wäre nicht Goethe, wenn er nicht immer auch an die Frauen denken würde. Anscheinend hat er sein Teleskop zum Laufen gebracht und einiges damit vor, wie er am 10. April 1800 an Schiller berichtet:

“Es war eine Zeit, wo man den Mond nur empfinden wollte, jetzt will man ihn sehen, ich wünsche daß es recht viel Neugierige geben möge damit wir die schönen Damen nach und nach in unser Observatorium locken.”

Wer noch mehr über Goethe und den Mond wissen will, dem kann ich das kleine Büchlein “Goethes Monde: Gedichte und Zeichnungen”* empfehlen, das alle Stellen in Goethes Werken auflistet, in denen er über den Mond spricht (und aus der ich auch die obigen Zitate habe).

Ich bin mir sicher, dass Goethe auch anlässlich der ersten Landung auf dem Mond das eine oder andere Gedicht produziert hätte. Schade, das wir die nicht zu lesen bekommen.

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Diebe und Halsbänder [Mathlog] http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/19/diebe-und-halsbaender/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=diebe-und-halsbaender http://scienceblogs.de/mathlog/2019/06/19/diebe-und-halsbaender/#respond Tue, 18 Jun 2019 20:45:40 +0000 http://scienceblogs.de/mathlog/?p=12398 Dies ist eine Geschichte über Diebe. Sie stehlen zusammen ein Halsband. So beginnt Noga Alon im neuen Numberphile-Video. Das Halsband hat Rubine und Diamanten und diese sollen mit nur zwei Schnitten gerecht aufgeteilt werden. Dass das möglich ist folgt aus einem Stetigkeitsargument, das Alon als eine diskrete Version des Zwischenwertsatzes bezeichnet. Über ein ähnliches Stetigkeitsargument…]]>

Dies ist eine Geschichte über Diebe. Sie stehlen zusammen ein Halsband. So beginnt Noga Alon im neuen Numberphile-Video.

Das Halsband hat Rubine und Diamanten und diese sollen mit nur zwei Schnitten gerecht aufgeteilt werden. Dass das möglich ist folgt aus einem Stetigkeitsargument, das Alon als eine diskrete Version des Zwischenwertsatzes bezeichnet.

Über ein ähnliches Stetigkeitsargument hatte ich hier mal in TvF XII geschrieben, nämlich über den Beweis, dass jede geschlossene Kurve durch ein Quadrat umschrieben werden kann.

Der Beweis (nach dem Buch von Boltjanski-Efremowitsch) geht wie folgt:
Zu jedem Winkel α findet man ein Rechteck, dessen erste Seite Neigungswinkel α hat und das die Kurve umschreibt. (Man nehme einfach ein sehr grosses Rechteck mit Neigungswinkel α, das gross genug ist um die Kurve im Inneren zu enthalten. Dann verschiebe man die Seiten durch Parallelverschiebung, bis sie die Kurve gerade berühren.) Sei A die Länge der ersten Seite, B die Länge der zweiten Seite. Falls A-B=0 ist, haben wir ein Quadrat. A und B hängen stetig vom Winkel α ab. (Das muss man strenggenommen eigentlich noch beweisen.) Nun erhalten wir für α=90o dasselbe Rechteck wie für α=0o, wobei aber die Rolle von A und B vertauscht ist. Wenn also für α=0o A>B ist, dann ist für α=90o B>A (und umgekehrt). A-B ist also bei α=0o positiv und bei α=90o negativ, oder umgekehrt. Also muss A-B zwischendurch einmal den Wert 0 annehmen, wir bekommen also ein Quadrat.

Das ist „im Prinzip“ dasselbe Argument wie bei der Zerlegung des Halsbands. Im Video geht es dann natürlich noch um anspruchsvollere Probleme, wie sie im (englischen) Wikipedia-Artikel Necklace splitting problem beschrieben werden.

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Die Geschichte der Erforschung des chemischen Universums [BioInfoWelten] http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/18/die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/18/die-geschichte-der-erforschung-des-chemischen-universums/#respond Tue, 18 Jun 2019 18:01:38 +0000 http://scienceblogs.de/bioinfowelten/?p=255 Heute bin ich auf eine interessante Veröffentlichung über die Geschichte der Chemie gestoßen, genauer gesagt, über die Entdeckung neuer chemischer Strukturen. Spannend finde ich das, weil Strukturdatenbanken die grundlegende Ressource meines Doktorarbeitsthemas waren, und weil neue chemische Moleküle immer auch das Potential für die Entwicklung neuer Medikamente bieten. Um die wissenschaftlichen Entdeckung der Chemie aus…]]>

Heute bin ich auf eine interessante Veröffentlichung über die Geschichte der Chemie gestoßen, genauer gesagt, über die Entdeckung neuer chemischer Strukturen. Spannend finde ich das, weil Strukturdatenbanken die grundlegende Ressource meines Doktorarbeitsthemas waren, und weil neue chemische Moleküle immer auch das Potential für die Entwicklung neuer Medikamente bieten.

Um die wissenschaftlichen Entdeckung der Chemie aus mehr als 200 Jahren zu analysieren, haben die Autoren natürlich nicht tausende Veröffentlichungen gewälzt, sondern die Geschichte der Chemie mit einem vollständig datengetriebenen Ansatz aufgerollt. Soll heißen, sie haben sich die größte Reaktionsdatenbank geschnappt, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und in der sich etwa 42 Millionen Reaktionen mit über 20 Millionen Substanzen befinden, und darauf eine Menge Statistiken berechnet.

Das “chemische Universum” umfasst alle möglichen chemischen Strukturen, von kleinen Molekülen wie Wasser, bis zu riesigen Molekülen wie Proteinen. Dazu zählen sowohl Substanzen, die auf natürliche Weise vorkommen, aber auch Substanzen, die chemisch synthetisiert werden müssen, das heißt durch eine Reaktion von zwei oder mehreren Verbindungen hergestellt werden. Jedes Jahr dehnt sich das “chemische Universum” um 4,4 Prozent aus, das heißt, jedes Jahr werden 4,4 Prozent neue chemische Strukturen entdeckt; davon etwa die Hälfte durch Synthese. Und das relativ konstant seit 1800. “Relativ”, weil dieses Wachstum natürlich auch Schwankungen unterlag, unter anderem durch gesellschaftliche, aber auch durch wissenschaftliche Ereignisse.

Die drei Zeitalter der Strukturchemie

Wissenschaftlich lassen sich in den Daten drei verschiedene Perioden erkennen, deren Übergänge sich überraschenderweise ziemlich scharf abtrennen lassen: das protoorganische, das organische und das organometallische “Zeitalter”. Während der Übergänge zwischen den Zeitaltern waren die Wachstumsraten leicht gestört, aber die Chemie kehrte schnell zu ihrem Wachstumstrend von 4,4 Prozent zurück.

Im protoorganischen Zeitalter (1800–1860) und vor allem in den ersten Jahren, schwankte die jährliche Wachstumsrate noch recht stark. In diesem Zeitalter dominierten anfangs Kohlenstoff- und Wasserstoff-Verbindungen, später Verbindungen auf Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff- und Halogenbasis. In dieser Zeit wurde der chemische Raum noch hauptsächlich durch Extraktion von Substanzen aus tierischen und pflanzlichen Produkten erweitert; Synthese fand wenn, dann basierend auf typisch anorganischen Verbindungen statt.

Im zweiten Zeitalter, dem organischen Zeitalter (1861–1980), wurden neue Substanzen bereits mit einer viel größeren Regelmäßigkeit entdeckt. Diese Regelmäßigkeit lässt sich wissenschaftlich auch mit der Einführung der Valenz- und Strukturtheorie in Verbindung bringen, die die Forschung in der organischen Chemie um 1860 veränderte. Ab da gingen die Chemiker in ihrer Arbeit wesentlich planmäßiger vor und die Neuentdeckungen waren dadurch weniger vom Zufall bestimmt als in der Epoche zuvor.

Im organometallischen Zeitalter (1981-heute) erlebten die Metallverbindungen ein Revival, sowohl als Ausgangsstoffe als auch als Endprodukte chemischer Reaktionen. Zehn Prozent der neuen Verbindungen basierten auf Platinmetallen. Siliciumverbindungen, bisher kaum beachtet in der Geschichte der Chemie, wurden zu Stars. Noch stärker als in der vorherigen Epoche wurde regelmäßig eine Verbindung nach der anderen synthetisiert. Ab etwa 1995 gewannen vor allem bioorganische Verbindungen an Interesse.

Das “Abgrasen” des chemischen Universum

Interessanterweise wurden nicht nur neue Strukturen entdeckt, sondern auch neue Stoffzusammensetzungen, also die Menge an Elementen, aus denen die Moleküle bestehen (unabhängig von deren Verhältnis, vgl. Summenformel). Unangefochten auf Platz 1 stehen seit 1890 die Substanzen, die sich rein aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff zusammensetzen. Alles in allem wurde das “chemische Universum” also bisher eher ohne rechten “Plan” abgegrast. Nur wenige der Stoffzusammensetzungen sind überhaupt ausführlich untersucht.

Einfluss gesellschaftlicher Ereignisse: Chemie in Zeiten der Weltkriege

Wie zu erwarten, hatten die beiden Weltkriege einen drastischen Einfluss auf die Wissenschaft und führten zum vorübergehenden Einbruch in der Anzahl der neu entdeckten chemischen Substanzen. Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs waren besonders verheerend, insbesondere weil sich die chemische Industrie und Forschung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf Deutschland konzentrierte. Im Nachhinein führte der Krieg zu einem raschen Aufstieg der Chemie in anderen Ländern, insbesondere den USA. Vielleicht auch deshalb waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Anzahl chemischer Neuentdeckungen weniger stark zu spüren. Nach beiden Kriegen erholte sich die chemische Forschung (so wie auch andere Forschungsgebiete) von diesen Rückschlägen relativ schnell und kehrte zu ihrer Wachstumskurve von etwa 4,4 Prozent pro Jahr zurück.

Die Kriege führten aber auch zu einer Verlagerung der chemischen Forschung. Während des Ersten Weltkriegs nahm unter anderem die Bedeutung von Arsen-, Antimon- und Bismut-Verbindungen zu, während die von Aluminium, Gallium, Indium und Thallium abnahm. Das Interesse an Arsen-Verbindungen erklärt sich vermutlich durch die verschiedenen im Ersten Weltkrieg entwickelten Arsen-Kampfstoffe. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Stickstoffverbindungen und Alkalimetalle zunehmend uninteressant, während Schwefel, Bor, Phosphor und Silicium an Interesse gewannen. Phosphorverbindungen wurden vor allem relevant, als ihr Rolle in alltäglichen Anwendungen und als neuartige Insektizide und andere industrielle Materialien bekannt wurde.

Die Lieblinge der Chemiker

Interessanterweise, waren und sind die Chemiker recht konservativ bei der Wahl ihrer Ausgangsstoffe. Die meisten Substrate werden nur ein einziges Mal als Ausgangsstoff verwendet; die “Lieblingsstoffe” jedoch immer wieder. Ein möglicher Grund ist sicher die leichte Verfügbarkeit dieser Substanzen. In der Tat umfassen die meisten Reaktionen typischerweise zwei Ausgangsstoffe: eine weniger bekannte Substanz und einen “Klassiker” aus dem Synthesewerkzeugkasten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren vor allem starke Säuren und Basen beliebt, später vor allem organische Substanzen. Einer der Topstars ist Essigsäureanhydrid, das 1852 synthetisiert wurde und seit 1880 besonders gern für Acetylierungsreaktionen verwendet wird. Eine Acetylierung ist der Austausch von einem Wasserstoffatom durch eine Acetylgruppe (C2H3O), wobei entsprechende Verbindungen entstehen (zum Beispiel Aceton, Heroin oder Himbeerketon, die Hauptgeruchskomponente von Himbeeren).

Wie geht’s weiter?

Alles in allem wirft die Studie die Frage auf, warum die Chemie trotz gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Störfaktoren eine so stabile Wachstumsrate von 4,4 Prozent beibehält? Die Forscher basteln derzeit an formalen Modellen, um diese Frage weiter zu untersuchen. Ich bin gespannt!

Exploration of the chemical space and its three historical regimes.
EJ Llanos, W Leal, DH Luu, J Jost, PF Stadler, G Restrepo.
Proc Natl Acad Sci USA, pii: 201816039, 2019

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 169 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/astronomie-in-365-tagen-tag-169-sonne/#respond Tue, 18 Jun 2019 16:41:24 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30132 Im Kern der Sonne herrschen Temperaturen von etwa 15 Millionen Grad. An ihrer Oberfläche sind es nur 5500 Grad Celsius.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 169

Tag 169/365: AIm Kern der Sonne herrschen Temperaturen von etwa 15 Millionen Grad. An ihrer Oberfläche sind es nur 5500 Grad Celsius.

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Die Wiederauferstehung des Dodo – im Senckenberg-Museum (Teil 1) [Meertext] http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/18/die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1 http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/18/die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1/#respond Tue, 18 Jun 2019 07:00:29 +0000 http://scienceblogs.de/meertext/?p=2950 Der große braune Vogel guckt mich aus glänzenden Augen an, vorbei an seinem gewaltigen Schnabel. Der klobige Schnabel endet in einem großen Haken und wirkt durch das unbefiederte Gesicht des Vogels noch größer. Mit erwartungsvoll erhobenem Kopf, in gelassener Neugier, starrt er zurück. Das nackte Gesicht ist vom Kopfgefieder eingerahmt wie von einer Kapuze und hat dem Federvieh seinen wissenschaftlicher Namen Raphus cucullatus eingebracht – „kapuzentragender Nachtvogel“.
Besser bekannt als Dodo oder Dronte.
Über 70 Zentimeter hoch und solide gebaut ist das kapitale Federvieh. Der massive Körper steht auf zwei starken Beinen mit großen Füßen, die lächerlich kleinen Flügel ohne Schwungfedern und die Andeutung eines Schwänzchens zeigen klar, dass er gut zu Fuß war.
Unprätentiös dunkelbraun-grau gescheckt ist das glatte Gefieder, ohne gezwirbelte und geschwungene Schmuckfedern. Der Schnabel schimmert bläulich.
1589 von holländischen Seeleuten auf Mauritius entdeckt und als willkommener, wenn auch wenig wohlschmeckender Proviant gegessen oder lebendig mitgenommen. Wenig später auch als Rarität und Forschungsobjekt gesammelt, schmolz die kleine Population des großen flugunfähigen Vogels schnell dahin, 1690 war die Art dann schon ausgerottet.

Jetzt steht er mit glänzenden Augen wieder im Senckenberg-Museum – die Präparatorin Hilde Enting hat diese Ikone des menschengemachten Artensterbens wieder zum Leben erweckt. In jahrelanger Vorbereitung und nach dem allerneusten wissenschaftlichen Stand.


Der Senckenberg-Dodo – die Präparatorin und ihr Projekt

Vom Dodo sind heute viele Skizzen, Zeichnungen und Gemälde sowie Beschreibungen von Zeitgenossen erhalten. Das Originalmaterial ist ungleich rarer – ein mumifizierter Kopf, ein ebensolcher Fuß und viele Skelette, von denen aber nur zwei von einem Individuum stammten, alle anderen sind aus den Knochen verschiedener Exemplare zusammengesetzt.
Ein ausgestorbenes Tier zum Leben zu erwecken ist auf dieser spärlichen Basis und widersprüchlichen Abbildungen eine gewaltige Herausforderung. Die Präparatorin Hilde Enting ist von dem knolligen Vogel aber schon seit zwei Jahrzehnten fasziniert, seit sie Fullers Buch „Extinct Birds“ in die Hände bekam. Seitdem sammelt sie Informationen und beschäftigt sich mit der Frage „Wie sah der Dodo denn nun wirklich aus?“.

Schon lange gibt es ein Skelett im Senckenberg-Museum – allerdings nicht aus den Knochen nur eines Individuums -, Gipsabgüsse von dem mumifizierten Kopf und Fuß lagen ebenfalls vor. Aber zu viele Informationen fehlten noch.
Der ausgestorbene Dodo ist kein Vogel wie jeder andere, ein Abguss vom Original oder eine Dermoplastik mit einem Original sind ausgeschlossen. Die eigentliche Arbeit der Präparatorin begann darum mit der Erforschung der historischen Überlieferungen in Wort und Bild. Besonders problematisch ist dabei, dass sich die Abbildungen so stark voneinander unterscheiden. Manche Zeichnungen und Gemälde zeigen rundliche, träge Vögel, andere Vögel sind dynamischer und viel schlanker. Was stimmt nun? Und: was sagen WissenschaftlerInnen dazu? In der Diskussion mit dem Senckenberg-Paläo-Ornithologen Gerald Mayer, durch das Studieren der Publikationen und die historischen Kontexte kam Hilde Enting der lebensechten Rekonstruktion immer näher.


Ökologie eines Verschwundenen

Der Dodo war ein flugunfähiger nachtaktiver Vogel, der ausschließlich auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean vorkam. Der als etwas über einen Meter große und etwa 20 Kilogramm schwer beschriebene Vogel lebte und brütete im Unterholz, er hatte auf der Insel keine natürlichen Feinde.
Das Gefieder war in blaugraubraun Schattierungen, eine gute Tarnfarbe für seinen Lebensraum.

Ein besonders wichtiger Bestandteil des mutmaßlichen Dodo-Menus waren wohl die hartschaligen Früchte des Calvarienbaums. Vogel und Frucht sind endemisch auf Mauritius, lange Zeit wurde eine Ko-Evolution angenommen: Die Calvarien-Früchte sollten erst nach der Darmpassage im Vogelgekröse keimen:
„Zurückgehend auf einen einflussreichen Artikel des amerikanischen Ökologen Stanley A. Temple[6] hat sich die Theorie verbreitet, der Calvariabaum von Mauritius wäre in Koevolution zum berühmten, ebenfalls ausgestorbenen Vogel Dodo oder Dronte (Raphus cucullatus) auf diese vermutlich fruchtfressende Art für die Vermehrung angewiesen gewesen und sei nun, nach deren Ausrottung, ebenfalls zum Aussterben verdammt. Der Same hätte, aufgrund der steinharten Samenschale, nur im Magen der Vögel mit ihren Magensteinen die Fähigkeit zur Keimung erlangt. Zur Erhärtung seiner These verfütterte Temple später Früchte des Baums experimentell an Truthühner (Meleagris gallopavo), wonach sich ihre Keimungseigenschaften stark verbesserten.
Der These ist längst widersprochen worden[7], dennoch wurde die Baumart im Englischen lange Zeit sogar als „Dodo Tree“ bezeichnet. Die These hat, aufgrund ihrer attraktiven moralischen Qualität, weite Verbreitung, bis hin in Schul- und Lehrbücher gefunden.[8][9] Es konnte zumindest bestätigt werden, dass Arten mit großen Früchten wie der Calvariabaum noch stärker zurückgegangen sind als die bedrohte endemische Flora der Insel insgesamt.[10] Inzwischen werden, neben dem Dodo, auch andere ausgestorbene Fruchtfresser genannt, deren Verschwinden möglicherweise ebenso ursächlich für den Rückgang gewesen sein könnte, etwa die Riesenschildkröten der Gattung Cylindraspis[11] Spätere Experimente mit angeritzten Samenschalen zeigten außerdem, dass das Reiben der Samen durch die Magensteine von Vögeln die Keimungseigenschaften nicht, wie erwartet, verbessert.[3] Ein Zusammenhang zwischen dem Rückgang fruchtfressender Arten und dem Rückgang des Baums ist danach heute durchaus plausibel, aber nicht bewiesen, da die Art außerdem durch andere Faktoren wie Entwaldung und eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten (Neobiota) bedroht ist. Temples ursprüngliche Theorie gilt heute aber als unwahrscheinlich.[12]“ (Wikipedia: Calvarienbaum)


Dodo – ein Vogel zwischen Inselhabitat, Naturalienkabinett und Pop-Kultur

Das exotische Federvieh war populär genug, um immer wieder abgebildet und nachgedruckt zu werden. Viele Zeichnungen und Gemälde aus mehr als 300 Jahren zeigen den ausgestorbenen Vogel, der Wahrheitsgehalt schwankt zwischen Realität und Popkultur. Die Bandbreite der Vogelgestalt ist groß von einem agilen Läufer mit der Körperhaltung eines Moas bis zum knuffigen gefiederten Moppel.

Einige sehr schlichte Zeichnungen sind im Logbuch des holländischen Schiffes „Gelderland“ zu finden. Ganz unprächtig ist der Dodo, schlicht und von mehreren Seiten inklusive einiger Details. Diese Zeichnungen stammen vermutlich von Joris Joostensz Laerle (Julian Hume: The journal of the flagship Gelderland – dodo and other birds on Mauritius 1601 (April 2003, Archives of Natural History 30(1):13-27, DOI, 10.3366/anh.2003.30.1.13))

Drawing of a dodo from the journal of the ship “de Gelderland”, 1601
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Dodo_-_2_From_the_Journal_of_the_Gelderland_1601.png

Laerle war als Steuermann angeheuert worden, zeichnete aber offenbar lieber. Auch wenn er kein ausgebildeter Naturforscher war, sind seine Zeichnungen lebendig und detailreich. Da er vermutlich echte Dodos gesehen hat, in freier Wildbahn, gerade erst gefangen oder getötet, sind seine Skizzen sehr authentisch. Laerle zeichnete einen Dodo, der noch auf dem Boden der Insel Mauritius stand, schreibt der Dodologe Julian Hume und unterstreicht damit die Authentizität der Zeichnungen des holländischen Seemanns.

In Conrad Gessners dreiteiliger Tier-Enzyklopädie von 1669 darf der exotische Vogel nicht fehlen: In Thomus II oder dem „Vollkommenen Vogelbuch“ ist er unter 83 als Cygnus cuculatus beschrieben, als Schwan (Cygnus). Gessner beschreibt den „Schwan“ als schwanengroß mit kräftigen Laufbeinen, einem besonders kräftigen Schnabel. Etwas irritierend ist die Bemerkung, die „Schiffer nennen ihn Walghvogel, einen Vogel, welcher Ekel erregt“.
„Ekelig“ könnte als holländische Beschreibung für tranig, fett, gedeutet werden, erklärt mir Hilde Enting. Beschreibungen über den offenbarwenig angenehmen Geschmack des Vogels gibt es von den Seeleuten genug.
Interessant dabei ist, dass Gessners Abbildungen viel schwerfälliger und roher aussehen, als alle anderen. Dieser Umstand ist sicherlich dem Druckverfahren geschuldet. Trotz der groben Abbildung wirkt sein Dodo aber wesentlich agiler als die Exemplare auf den Ölgemälden und spätere Zeichnungen. Er muss also eine gute Beschreibung oder ein gut erhaltenes Exemplar eines gesunden, fitten Kapuzenvogels gehabt oder gesehen haben. Flügel und Schwanzfedern sind als einzelne Federn klar erkennbar.

Eine der bekanntesten Abbildungen ist der Oxford-Dodo – ein opulentes Öl-Gemälde zeigt einen sehr fetten braungefiederten Vogel inmitten eines exotischen Lebensraums und mit anderen tropischen Vögeln wie Papageien. Das Ashmolean-Museum in Oxford verwahrt auch einen Schädel, auf dessen linker Seite die Haut und der knöcherne Skleralring um das Auge erhalten sind, einen Fuß, eine Feder und ein paar Gewebe-Proben. Vor dem ausgestellten Gemälde stehen ein montiertes Skelett und die Rekonstruktion eines pummeligen gefiederten Exemplars. Der Schwanzpuschel der gefiederten Rekonstruktion sieht aus wie ein Wattebausch
(Mehr zum Hintergrund und Abbildungen des Oxford-Dodos gibt es hier)

Das Gemälde „George Edward’s dodo by Roelandt Savery“ (ca 1626) zeigt einen Dodo mit dem großen Schnabel samt Haken, einem fetten Körper und mit Schwanzpuschel.

Auch Rudolf II. (1552–1612), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Böhmen, fand Gefallen an dem flugunfähigen Inselvogel. So ließ er ihn von dem renommierten Maler Hans Savery dem Jüngeren auf dem Gemälde „Eine Waldlandschaft mit exotischen Vögeln“, das Pelikane, Pfaue, Strauße, Schwäne, einen Papagei, einen Truthahn und einen Dodo versammelt, malen.
„Eines der wertvollsten ausgestopften Tiere in Rudolfs Sammlungen war der Dodo, ein flugunfähiger Vogel, der noch während des 17. Jahrhunderts ausgestorben ist. Rudolf II. sowie Savery hatten das Glück, diesen Vogel noch zu erlebten. Sie hatten beide eine besondere Vorliebe für den Dodo-Vogel. Darum haben wir den Dodo zum Maskottchen unserer Ausstellung gemacht. Savery platzierte den Dodo sehr gern in seine Tierkompositionen. Einen Dodo können die Besucher zum Beispiel auf dem Savery-Gemälde ´Orpheus mit den Tieren´ aus der Gemäldegalerie Berlin sehen.“

Da Saverys Dodo einen seltsam aussehenden Schnabel hat, besteht die Möglichkeit, dass er als Vorlage für sein Gemälde nur noch den toten, präparierten Dodo genutzt hat. Der Schnabel sieht aus, als ob die Hornscheide geschrumpft und verformt sei, vermutet Hilde Enting. Das wäre eine gute Erklärung – denn der Schnabel sieht aus, als ob er eine Socke ´drübergezogen hatte. Was auch auf vielen späteren Abbildungen übernommen worden ist.

George Edwards Druck „The Dodo and the Guinea Pig“, zeigt ebenfalls einen fettbrüstigen Vogel mit keck aufragendem Federpuschel am Hinterteil – die Schwanzfedern erinnern an Straßenfedern.

Dieser Druck dürfte die Vorlage für eine andere berühmte Dodo-Abbildung gewesen sein:
John Tenniels Dodo-Illustration für Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ dürfte dem außergewöhnlichen Federtier viel Publicity auch außerhalb der Fachwelt gebracht haben. Hinter dem Pseudonym Lewis Carroll verbarg sich der oxforder Mathematik-Dozent Charles Lutwidge Dodgson, der sicherlich dort vor Ort den Hype um den ausgestorbenen Vogel mitbekommen hat.
John Tenniel hat mit seiner Zeichnung “A Caucus-Race and a Long Tale” Massstäbe gesetzt: Sein dicker gemächlicher Dodo mit Gehstock ist so immer wieder kolportiert worden, incl. Hakenschnabel und Schwanzfederpüschel, bis in die Walt Disney-Verfilmung von „Alice im Wunderland“.

Die Zechnung “Dodo attributed to Joris Hoefnagl”, c.1602., zeigt einen kräftigen, aber schlanker Vogel, er erinnert von Körperhaltung und Dynamik her eher an große Laufvögel.
https://www.researchgate.net/publication/228371340_The_history_of_the_Dodo_Raphus_cucullatus_and_the_penguin_of_Mauritius/figures?lo=1

Die Miniatur des Ustad Mansur (Meister Mansur) ohne Titel (1625, Hermitage Museum, Saint Petersburg, Russia) zeigt einen recht schlanken Dronte. Der Vogel läuft offenbar in einer Voliere umher mit einem Sittich, einem Fasan und anderen exotischen Gefiederten. Der Miniaturenmaler Mansur hat diese Vögel nach lebenden Vorbildern in der Menagerie des Kaisers Jahangir gemalt, ihre Gefieder leuchten bis heute dem Betrachter entgegen. Der Herrscher hat ein Exemplar in seiner Menagerie gehalten.

Hilde Enting hat diese Abbildungen und noch mehr sorgfältig analysiert. Ihr Fazit: Nur wenige Zeichner haben einen lebenden Dodo in seinem natürlichen Lebensraum gesehen, Laerle war vermutlich der Einzige, der einen Dodo auf mauritianischem Boden abzeichnete.

Als fürstliche Geschenke, für wissenschaftliche Sammlungen und Raritätenkabinette sind mehrere Vögel nach Europa und Asien gebracht worden. Die Tiere, die die lange Reise von Mauritius nach Europa überlebt haben, hatten sicherlich nicht ihre richtige Nahrung zur Verfügung, Dodos waren Fruchtfresser, außerdem hatten sie in Gefangenschaft sicherlich zu wenig Auslauf. Die fetten und plumpen Dodos der Abbildungen dürften also durch die Gefangenschaft zu ihrer Leibesfülle gekommen sein.
Andere Künstler haben ihre Dodos nach Erzählungen der Seeleute gezeichnet und gemalt, oder nach ausgestopften Exemplaren, viele haben einfach voneinander abgemalt.
Die schlichten, aber lebendigen Laerle-Skizzen und die prächtige Mansur-Miniatur hingegen zeigen agile, gesunde Vögel, die zu den neuen Untersuchungsergebnissen der Publikation von Claessens, Meijer und Hume: „The morphology of the Thirioux dodos“ von 2016 passen.
Beide Künstler dürften die Vögel in ihrem ursprünglichen Zustand oder in guter Form  beobachtet haben.
So dienten die beiden dann im Wesentlichen als Grundlage für den Frankfurter Dronte.

(Fortsetzung folgt)

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http://scienceblogs.de/meertext/2019/06/18/die-wiederauferstehung-des-dodo-im-senckenberg-museum-teil-1/feed/ 0 42878
Hilfe, ich bin verstrahlt worden! – Anfragen & Fälle von Lesern mit Gesundheitsproblemen und Strahlung – Teil 2 – Umgang mit Behörden [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/18/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/18/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden/#respond Tue, 18 Jun 2019 06:43:16 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=1898 Eine der ersten Anlaufstellen für Menschen, die Gesundheitsprobleme durch Strahlung haben, sind offizielle Behörden in der einen oder anderen Form. Von der Polizei über das Bundesamt für Strahlenschutz bis zu den Gerichten und Gesundheitsinstitutionen gibt es da viele Anlaufstellen. Alle haben eins gemeinsam, sie lieben Papier, in der ein oder anderen Form und daher sollte der erste Schritt sein, harte Fakten, schwarz auf weiß zu produzieren. Oder ganz konkret:

  1. Konkreter medizinischer Fall. Ihr braucht einen Arztbrief, eine Diagnose, eine klar umrissene medizinische Situation, auf die ihr euch berufen könnt.
  2. Eine plausible Theorie aufgrund derer ermittelt werden kann, z.B. Strahlenbelastung durch das Leben neben einer Mineralwasserabfüllquelle oder Erdgasstation.
  3. Anhaltspunkte und/oder Beweise, die die Theorie untermauern. Strahlungsmesser für 60€ im Internet kaufen und nachmessen.
  4. Offizielle Dokumentationen, Gutachten etc. pp. Strahlenquellen müssen in Deutschland registriert werden. Es gibt offizielle Messtationen und regelmäßige Gutachten für viele Fälle.

… und das ganze wie gesagt in Papierform, damit man es faxen oder per Brief verschicken kann.

1.) Eine Beschreibung von Symptomen reicht nicht, die Behörden wollen einen konkreten Fall haben. Auch wenn ihr euch nicht sicher seid, was es genau ist. Holt euch von einem Arzt einen Arztbrief (oder ähnliches), der eine Krankheit bestimmt. “Konzentrationsstörung, Übelkeit und körperliche Schwäche durch Blutarmut” wäre z.B. schon ein Fall, wenn auch nicht so klar umrissen, wie es ideal wäre. Das ganze sollte so viele Daten wie möglich beinhalten. Pulsmessung, Temperatur, Blutdruck, Körpergewicht kann man alles zuhause machen und darüber Tagebuch führen. Das Blutbild gibt es schon vom Hausarzt. Wenn es diffuse Probleme sind, dann hilft es auch sehr, ein entsprechendes Tagebuch zu führen – wie bei Migränepatienten oder ähnlichen Krankheiten, die man nicht direkt messen kann. Die Ärzte brauchen sich dabei auch gar nicht weit aus dem Fenster legen und irgendwelche Vermutungen anstellen. Dazu sollte man sie auch nicht drängen. Man sollte sich einfach nur den Fall mit den entsprechenden Messwerten aufschreiben lassen und dann die Interpretation ruhig den Behörden überlassen.

2.) Die Behörden brauchen irgendein Ziel, was sie tun können. Also es muss eine plausible Theorie her, ein möglicher Grund für die Gesundheitseinschränkung. Ebensowenig wie die ärztliche Diagnose muss diese Theorie von Anfang an perfekt sein. “Die Beschwerden kommen von Radon im Keller, seit den Umbauten am XXX.” oder “Die Beschwerden kommen vom Aufbau des 5G-Sendemast im Haus gegenüber” oder “Mein Nachbar hat eine Mineraliensammlung begonnen” oder “Die Arztpraxis im Nachbarhaus hat eine neue Röntgenanlage in Betrieb genommen.”

Sachen, die nicht nachgewiesen oder kontrolliert werden können, kann man sich auch direkt schenken. Das erzeugt eher Ablehnung und löst keine konkreten Handlungsanweisungen aus.

3.) Kauft euch einen Strahlungsmesser im Internet und messt nach. Bringt Beweise für eure Theorie auf dem Tisch. Macht Fotos und dokumentiert, wann ihr an welcher Stelle gemessen habt und schreibt Tagebuch darüber. Schreibt auf (und macht Fotos), welchen Strahlungsmesser ihr benutzt habt. Nehmt dabei nicht nur positive Ergebnisse, sondern auch welche, wo eben nichts gemessen wurde, um den Unterschied zu zeigen. Wenn ihr mit dem Strahlungsmesser in der Wohnung erhöhte Strahlung messt, dann geht mit dem gleichen Gerät auch in den Park nebenan und zeigt, dass der Strahlungsmesser dort eben nichts mehr misst. Eine Nullmessung ist auch ein Ergebnis. Vor allem, wenn es zeitabhängig ist. Erhöhte Strahlung um 14:30 in der Wohnung (Arztpraxis ist geöffnet) -> 22:15 keine erhöhte Strahlung in der Wohnung (Arztpraxis ist geschlossen). Die Fotos und Messergebnisse schön aufbereiten und zusammenstellen, dass man sie faxen oder per Brief verschicken kann.

4.) Behörden lieben es, wenn eine andere Behörde schon mal etwas dokumentiert hat. Dann können sie immer schön Verantwortung auf die andere Behörde abwälzen und ihr profitiert davon. Röntgengeräte, Sendemasten etc. pp. müssen alle zugelassen und dokumentiert werden und in einem gewissen Umfang gibt es dazu entsprechende Auskunftsrechte für die Bevölkerung. Erdgasanlagen und Mineralwasserabfüllstationen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Über alles gibt es schönes tolles Papier, das man zitieren und weiterreichen kann. Auch eine Ablehnung ist hilfreich. Wenn ein Brief zurück kommt mit “Das dürfen wir ihnen nicht sagen, da haben Sie kein Auskunftsrecht.” kann man diese Ablehnung bei der anderen Behörde einreichen und diese auffordern, bei der kollegialen Behörde intern nachzuverfolgen, wie die konkrete Bestandsaufnahme aussieht.

Bei welcher Behörde man sich jetzt melden soll, ist gar nicht so einfach bzw. pauschal zu beantworten. Nur die Notfallnummern (also 110 und 112) sind definitiv nichts. Die sind für Notfälle reserviert und auch wenn da jetzt eine Krankheit ist, dann ist sie ja schon ein wenig länger da und daher eben per Definition kein Notfall. Daher auch bei Polizei und Feuerwehr die zentrale Anlaufstelle wählen und sich mit der zuständigen Abteilung verbinden lassen. Vorher per Internet und Behördenauskunft die entsprechende Anlaufstelle heraussuchen ist natürlich noch besser und zeugt von Professionalität.

Schickt lieber erst mal einen Brief und gebt der Behörde etwas Zeit, sich damit auseinander zu setzen. Bei einem Anruf bekommt man ggf. zwar schneller irgendwelche Ergebnisse, aber dadurch fühlen sich Behörden schnell bedrängt und zu Handlungen gezwungen. Das kann für den Betreffenden nur schlechter enden, als wenn man denen eine wenig Zeit und Spielraum lässt. Auch wenn es für die Geschädigten oft schwer ist, in einer solchen Situation noch Geduld aufzubringen, ist Eile leider meist kontraproduktiv. Benutzt die Geschäftszeiten.

 

Das Ziel

Ihr müsst euch ein Ziel festsetzen, das man in einem kompakten Satz beschreiben kann. “Ich will, dass die unmittelbare Gefahr abgewendet wird.” – “Ich will eine Entschädigung für den erlittenen Schaden XY.” – “Ich will eine Anerkennung der Straftat bzw. des Verbrechens und eine strafrechtliche Verfolgung.” – “Ich will eine Aufklärung der Situation, damit Gesetze und Richtlinien zum Wohl der Allgemeinheit geändert werden können.”

Das könnt ihr dann ruhig auch so den Behörden kommunizieren, denn je nachdem, was ihr überhaupt wollt, sind andere Leute zuständig und verschiedenen Wege notwendig.

Außerdem braucht ihr einen Plan-B. Was macht ihr, falls die Behörden nicht tätig werden? Wie könnt ihr selber ohne die Hilfe der Behörden weiterkommen und eine Verbesserung herbeiführen. Dieser Plan-B kann ruhig extrem sein, denn er ist ja nur Plan-B. Wegziehen, aufs Land umziehen, Rehamaßnahmen und Kur notfalls auf eigene Kasse etc. pp. All das kann ein guter Plan-B sein, falls das Primärziel partout nicht zu erreichen ist. Das solltet ihr den Behörden dann aber natürlich nicht auf die Nase binden, sondern für euch und eure Freunde behalten 😉

Beispiel: Fallbeispiel NHL

  1. Klare Diagnose NHL-Krebs, gesichert durch diverse ärztliche Befunde und Laborergebnisse. Eindeutig und undiskutabel.
  2. Theorie: Eine Nagelpilzbehandlung mit einer Neutronenquelle in den 60ger Jahren. Neutronenquellen könnte man nachweisen, wenn welche da wären. Alles gut in diesem Punkt.
  3. Erstes Problem: Die Behandlung ist 50 Jahre her und schwer nachzuvollziehen, da der Patient damals noch ein Kind war. Unterlagen über Strahlungsquellen in dem entsprechenden Zeitraum und Krankenhaus existieren zwar, aber nicht die Strahlenquellen, die in 2. vermutet wurde.
  4. Jede Menge Aussagen von diversen Quellen. Es existieren zwar Aussagen, die die Theorie unterstützen, aber keine harten schwarz-auf-weiß Fakten. Alle Dokumente oder offiziellen schriftlichen Aussagen widersprechen Theorie 2.

Ziel: Ja, das ist mir nicht ganz klar. Die unmittelbare Gefahr liegt lange in der Vergangenheit zurück und die Krankenkasse übernimmt die Versorgung der Krankheit. Schutz der Allgemeinheit kann es auch nicht sein, denn solche Nagelpilzbehandlungen werden schon lange nicht mehr gemacht. Daher wahrscheinlich Anerkennung einer Straftat und Schadensersatz. Alle Leute, die persönlich verantwortlich für die Bestrahlung waren, sind mittlerweile längst an Altersschwäche gestorben. Daher müsste eine Institution verantwortlich sein, die in ihrer damaligen Form noch existiert. Schadensersatz … ja da könnte für jahrelange Krebsschmerzen schon was zusammen kommen.

PLan-B: Keine Angaben

 

Zurück zur Einleitung und dem Fallbeispiel

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/18/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-2-umgang-mit-behoerden/feed/ 0 42472
Veranstaltungstipp: 50 Jahre Mondlandung – oder doch nicht? [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond/#respond Tue, 18 Jun 2019 06:00:36 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29834 Beim 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum hab ich heute einen Veranstaltungstipp. Zumindest für alle die in Wien wohnen oder bis heute Abend dorthin fahren wollen. Da kann man nämlich im “Aera” (Gonzagasse 11, 1010 Wien) zu “Skeptics in the Pub” gehen und sich einen Vortrag von Holm Hümmler anhören. Das Thema lautet “50 Jahre Mondlandung –…]]>

Beim 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum hab ich heute einen Veranstaltungstipp. Zumindest für alle die in Wien wohnen oder bis heute Abend dorthin fahren wollen. Da kann man nämlich im “Aera” (Gonzagasse 11, 1010 Wien) zu “Skeptics in the Pub” gehen und sich einen Vortrag von Holm Hümmler anhören. Das Thema lautet “50 Jahre Mondlandung – oder doch nicht?” und so wird die Veranstaltung offiziell angekündigt:

“Ein großer Schritt für die Menschheit – oder der größte Betrug des 20. Jahrhunderts? Im Juli wird der 50. Jahrestag der Apollo-11-Mission gefeiert. Knapp 22 Stunden verbrachten Neil Armstrong und Buzz Aldrin bei der ersten von sechs bemannten Landungen auf dem Mond. Eine ganze Anzahl von Zweiflern bestreitet aber, dass die Mondlandungen jemals stattgefunden haben. Sie verweisen auf suspekte Fotos und Filmaufnahmen, auf denen sie Kulissenschieber mit Jeans und langen Haaren erkannt haben wollen, oder erklären den Flug durchs All wegen tödlicher Strahlung für unmöglich. Der Physiker Dr. Holm Hümmler (Frankfurt/M.) beschäftigt sich seit langem mit den technisch-naturwissenschaftlichen Aspekten von Verschwörungstheorien. Was ist dran an solchen Behauptungen? Und wie kann man die Schlüsselthesen der Verschwörungsgläubigen selbst prüfen?”

Der Eintritt ist frei. Ich werde leider nicht kommen können; ich bin nicht in Wien. Aber wenn ihr dort seid – schaut vorbei!

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/18/johann-wolfgang-von-goethe-und-der-mond/feed/ 0 42784
An unsolved encrypted postcard from 1913 [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/17/an-unsolved-encrypted-postcard-from-1913/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=an-unsolved-encrypted-postcard-from-1913 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/17/an-unsolved-encrypted-postcard-from-1913/#respond Mon, 17 Jun 2019 21:24:55 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18705 In 1913 a man sent an encrypted postcard from Jena, Germany, to his lover in the Hamburg area. Can a reader decipher this cryptogram? Tobias Schrödel is certainly known to most readers of this blog for his frequent appearances on Stern TV and as Germany’s only comedy hacker. Check here for a video of one…]]>

In 1913 a man sent an encrypted postcard from Jena, Germany, to his lover in the Hamburg area. Can a reader decipher this cryptogram?

Tobias Schrödel is certainly known to most readers of this blog for his frequent appearances on Stern TV and as Germany’s only comedy hacker. Check here for a video of one of his performances.

Tobias is also a collector of encrypted postcards. Once again, he has provided me a scan of one of his items. This time, it’s a postcard depicting the Neue Universität (New University) in Jena, Germany.

As can be seen on the text side of the card, the recipient was an unmarried woman named Elsbeth Keitel living in Wandsbek-Mariental, which is today a borough of Hamburg.

The sender is not mentioned, but chances are that it was Elsbeth’s fiancé (as frequent readers of this blog know, most encrypted postcards were sent by young men to their lovers).

The first line of the message on the card is written in the clear: “Jena, den 15. Juli 1913”. This means that the card was written on July 15th, 1913, in Jena.

The cipher used is probably a letter substitution (MASC). Some of the letters have two dots on top of them, which probably means that they stand for umlauts (Ä, Ö, and Ü). The first encrypted word in the text could be MEIN.

All in all, it should be possible to solve this encrypted postcard. If you have found the solution, please leave a comment.


Further reading: A postcard from 1909, encrypted in a strange number code

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 168 (Sonne) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/astronomie-in-365-tagen-tag-168-sonne/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-168-sonne http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/astronomie-in-365-tagen-tag-168-sonne/#respond Mon, 17 Jun 2019 16:41:24 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30131 Die Sonne ist 149,6 Millionen km von der Erde entfernt. Sie hat einen Radius von 700.000 km und eine Masse die dem 332.946fachen der Erdmasse entspricht.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 168

Tag 168/365: Die Sonne ist 149,6 Millionen km von der Erde entfernt. Sie hat einen Radius von 700.000 km und eine Masse die dem 332.946fachen der Erdmasse entspricht.

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Der Great Moon Hoax: Fledermausmenschen auf dem Mond! [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/17/der-great-moon-hoax-fledermausmenschen-auf-dem-mond/#respond Mon, 17 Jun 2019 06:00:32 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29833 Schon lange nevor wir am 21. Juli 1969 auf dem Mond gelandet sind, haben sich die Menschen jede Menge Geschichten darüber erzählt. Vom ältesten Bericht über einen Flug zum Mond hab ich in meinem 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum ja schon erzählt. Heute möchte ich vom “Great Moon Hoax” berichten, dem großen Mond-Schwindel aus dem Jahr…]]>

Schon lange nevor wir am 21. Juli 1969 auf dem Mond gelandet sind, haben sich die Menschen jede Menge Geschichten darüber erzählt. Vom ältesten Bericht über einen Flug zum Mond hab ich in meinem 50tägigen Countdown zum Mondlandungsjubiläum ja schon erzählt. Heute möchte ich vom “Great Moon Hoax” berichten, dem großen Mond-Schwindel aus dem Jahr 1835.

Fledermausmenschen auf dem Mond (Bild: gemeinfrei)

Am 25. August 1835 erschien in der “New York Sun” der erste von sechs Artikel über die Erforschung des Mondes. Das ganze unter dem Titel “„Great astronomical discoveries lately made by Sir John Herschel, L.L.D. F.R.S. &c. At the Cape of Good Hope [From Supplement to the Edinburgh Journal of Science]” und mit erstaunlichen Neuigkeiten. John Herschel, der Sohn des berühmten britischen Astronomen Wilhelm Herschel, war einer der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit. Er hatte, so der Artikel, in Südafrika ein wahrhaft gigantisches Telesekop mit völlig neuer Technik gebaut und war damit in der Lage, die Oberfläche des Mondes in nie gesehenen Details aufzulösen. In weiterer Folge berichtet die “Sun” dann darüber, was dort zu sehen war. Zum Beispiel paradiesische Landschaften mit jeder Menge Tiere:

“Nunmehr begannen wir, den Mittelpunkt des Thales zu durchmustern, und fanden einen breiten vielarmigen Fluß mit hübschen Inseln und Wasservögeln mancherlei Arten. Am zahlreichsten war eine Species des grauen Pelikans; indessen erschien ein schwarz und weisser Kranich mit ungewöhnlich langen Beinen und Schnabel auch sehr häufig.”

Man kann die Artikelserie im Original oder deutscher Übersetzung nachlesen und es lohnt sich. Denn schon bald entdeckten Herschel und seine Kollegen dort nicht nur Tiere, sondern auch eindeutig intelligente Lebewesen:

Vespertilio homo (Bild: gemeinfrei)

“Sie waren ungefähr 4 Fuß hoch, waren, mit Ausnahme des Gesichts, mit kurzen, glatten, kupferfarbigen Haaren bedeckt, und hatten Flügel, welche aus einer dünnen elastischen Haut ohne Haaren bestanden, die hinten zusammengerollt von der Schulterspitze bis zu den Waden lag. Das Gesicht, welches von gelblicher Fleischfarbe war, zeigte eine kleine Veredlung gegen das des großen Orangutangs, da es offener und klüger aussah und eine weit größere Ausdehnung des Vorkopfes zeigte. Indeß war der Mund sehr hervorstehend, obgleich dies etwas durch einen dicken Bart auf dem untern Kinnbacken und durch Lippen von weit menschlicherer Form als diejenigen irgend einer Species des Affengeschlechts verdeckt wurde. […] Wir konnten nun bemerken, daß ihre Flügel eine große Ausdehnung besaßen und in der Striktur Fledermausflügeln glichen, da sie aus einer halb durchsichtigen elastischen Haut bestanden, welche in krummlinigen Abtheilungen vermittelst gerader Halbmesser ausgespannt war, die durch die Rückenhaut verbunden wurden. Was uns aber am meisten in Erstaunen setzte, war der Umstand, daß die Membrane von der Schulter bis zu den Beinen hinunter zusammenhängend, obgleich in der Weite abnehmend, war.”

Der Mond war offenbar von Fledermausmenschen bewohnt, oder “Vespertilio-homo”, wie Herschel sie wissenschaftlich nannte. Und die hatten tatsächlich auch einen Tempel auf dem Mond errichtetm aus Saphir, mit einer Kupferkugel gekrönt.

Die ausführliche Beschreibung der Fledermausmenschenkultur auf dem Mond war eine Sensation und hat der “Sun” zu einer enormen Steigerung ihrer Auflage geholfen. Aber sie war natürlich komplett erfunden. John Herschel hatte nie ein entsprechend großes Teleskop gebaut; das wäre mit der damaligen Technik gar nicht möglich gewesen (auch nicht mit der von heute). Er hatte mit der Sache nichts zu tun – die Artikelserie war das Werk des Reporters Richard Adam Locke (was er 1840 auch offiziell zu gab).

Der Tempel der Fledermausmenschen (Bild: gemeinfrei)

Ein Grund, sich diesen “Great Moon Hoax” auszudenken war die Auflagensteigerung der “Sun”. Ein anderer war mit Sicherheit auch die satirische Auseinandersetzung mit dem, was zur damaligen Zeit reale Wissenschaftler völlig ernsthaft schrieben. Zum Beispiel der deutsche Arzt und Astronom Franz von Paula Gruithausen. 1824 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel “Entdeckung vieler deutlichen Spuren der Mondbewohner, besonders eines collossalen Kunstgebäudes derselben”. Er berichtete darin zwar nicht von der direkten Beobachter irgendwelcher Mondbewohner. Aber er beschreibt sehr genau, dass auf dem Mond die Bauwerke intelligenter Wesen zu sehen seien. Nachdem er festgestellt hatte, dass es

“(…) auf das Vollkommenste erwiesen ist, daß der Mond Wolken und Nebel hat, wodurch es auch zugleich gewiß wird, daß ihm das Wasser nicht fehlen könne.”

beschreibt Gruithuisen was er entdeckt hat. Ein “Collosaler, unsern Städten nicht unähnlicher, Bau im Monde”. Und versichert, dass man sofort sehen könne, dass es sich um etwas Künstliches handel muss:

“Dieses ungewöhnliche Mondgebilde fällt jedem geübten Auge, mit dem ersten Blicke sogleich, als Kunstwerk auf.”

Gruithuisen spekuliert auch darüber, um was es sich dabei handeln könnte:

“Soll dieses Kunstwerk zur Verhöhnung unserer Pyramiden da seyn? — Wenn die Mondbewohner so gute Fernröhre besitzen als wir, so müssen sie doch die chinesische Mauer gesehen haben, welche auch nicht ärmlicher aussieht, als wäre sie von Mondbewohnern gebaut.”

Er ist sich aber sicher, dass es sich um Wohnungen handeln muss und kann auch erklären, warum die genau so aussehen, wie sie es tun:

“Der Mondbewohner hat nichts stärker zu scheuen, als einen kalten, wenn auch gleich noch so sanften, Wind, der ihm seine Abende eher rauh und kalt macht, und auch seine Morgen gar sehr verbittert, wenn diese anfangen warm und angenehm zu werden; um so mehr, da die Mondluft so dünne und so sehr wärmeleitend ist. Orte also, die diesen Wind abhalten, werden die angenehmsten seyn; und so kommt es, daß auch die kleinen Ringgebirge nicht undeutliche Spuren von Bewohntheit in ihrem Innern tragen; wovon nachher noch Mehreres vorkommen wird. Deshalb können wir wohl vermuthen, es sey aus dieser Ursache jener schiefe Wall angelegt worden.”

Gruithuisens Zeichnung der Wohnhausanlage auf dem Mond (Bild: gemeinfrei)

Natürlich hat sich Gruithuisen all diese Strukturen auf dem Mond nur eingebildet – spektakuläre Berichte über Mondbewohner gab es aber auch von anderen Leuten. Es war damals durchaus eine wissenschaftlich anerkannte Meinung davon auszugehen, dass die restlichen Himmelskörper des Sonnensystems (inklusive Sonne und Mond) bewohnt sind, wie ich hier schon einmal ausführlich erklärt habe. Am weitesten dabei ging vermutlich der englische Pfarrer und Hobby-Astronom Thomas Dick. Er schrieb ein Buch mit dem Titel Celestial scenery, or, The Wonders of the planetary system displayed : illustrating the perfections of deity and a plurality of worlds” und rechnete darin exakt vor, wie viele Leute überall im Sonnensystem lebten. Ausgehend von der Hypothese, dass der Mond ebenso dicht besiedelt ist wie England kommt er zu einer Einwohnerzahl von 4,2 Milliarden Mondmenschen; immerhin deutlich mehr als damals auf der Erde lebten! Insgesamt kommt seine Hochrechnung auf 21.891.974.404.480 Bewohner des Sonnensystems, also fast 22 Billionen!

Angesichts solcher ernsthaft vorgebrachten Argumente ist ein “Moon Hoax” wie der in der New York Sun durchaus verständlich. Und zeigt ein weiteres Mal, wie sehr uns unser Nachbar im All beschäftigt hat. So sehr, dass wir fast nicht anders konnten, als irgendwann auch selbst einen Fuß auf seine Oberfläche zu setzen!

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Kurz notiert: LET – linearer Energietransfer [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/kurz-notiert-let-linearer-energietransfer/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=kurz-notiert-let-linearer-energietransfer http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/kurz-notiert-let-linearer-energietransfer/#respond Mon, 17 Jun 2019 06:11:45 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=2054 Wenn ionisierende Strahlung durch Materie geht, dann interagiert sie mit dieser, bricht chemische Bindungen auf und schädigt biologische Zellen. Verschiedene Arten von Strahlung tun dies auf verschiedene Art und Weise und übertragen dabei eigene Energie auf das Medium durch die sie sich gerade bewegen. Auch wenn man da jetzt bei den Photonen (sprich Gamma- und…]]>

Wenn ionisierende Strahlung durch Materie geht, dann interagiert sie mit dieser, bricht chemische Bindungen auf und schädigt biologische Zellen. Verschiedene Arten von Strahlung tun dies auf verschiedene Art und Weise und übertragen dabei eigene Energie auf das Medium durch die sie sich gerade bewegen. Auch wenn man da jetzt bei den Photonen (sprich Gamma- und Rötgenstrahlung) etwas relativistisch “herumfuschen” muss ist unterm Strich alles nur Kinetik. Das ist auch direkt der beste intuitive Anhaltspunkt. Photonen sind sehr leicht und übertragen nur wenig Energie, Elektronen sind mittelmäßig schwer und übertragen mittelmäßig Energie. Hadronen, also Protonen und Neutronen, sind schwer und übertragen viel Energie, wobei Protonen geladen sind und somit sehr häufig reagieren und Neutronen eben nicht. Komplette Teilchen aus dem Teilchenbeschleuniger, wie Kohlenstoff Atome, übertragen dann noch mehr Energie.

Verschiedene Teilchenarten, die in der Medizin zur Strahlentherapie genutzt werden und ihr Verhältnis zwischen LET und Präzision (also wie genau man den Strahl im menschlichen Körper positionieren kann). Aktueller Stand der Technik (der Autor dieses Artikeln behauptet, dass er das mit Neutronen besser könnte, als aktuell in der Literatur angegeben 😉 )

In der medizinischen Strahlentherpie und im Strahlenschutz macht es einen großen Unterschied, wieviel Energie pro Interaktion und wieviel Energie insgesamt übertragen wird. Mikroskopisch gesehen interagieren Photonen zu ca. 70% mit der Zelle über chemische freie Radikale, die sie in der Zelle produzieren und nur 30% über direkte DNS-Schädigung. Mit höherer LET verschiebt sich dieses Verhältnis zu Gunsten der direkten DNS-Schädigung, von denen man in der Medizin gerne mehr haben würde.

 

 

Alle “Kurz notiert:” Artikel gibt es hier.

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/kurz-notiert-let-linearer-energietransfer/feed/ 0 42875
Hilfe ich bin verstrahlt worden! – Anfragen & Fälle von Lesern mit Gesundheitsproblemen und Strahlung – Teil 1 – Einleitung [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung/#respond Mon, 17 Jun 2019 06:20:40 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=1894 Es gibt fiese Krankheiten und einige davon können durch ionisierende Strahlung hervorgerufen werden. Oftmals verlassen sich die betroffenen Personen dann nicht nur auf die Meinung ihrer persönlichen Ärzte, sondern gehen selber im Internet und anderen Informationsangeboten auf die Suche um sich selber zu helfen. Schon bevor ich als Strahlenphysiker selber an Leukämie erkrankt bin habe…]]>

Es gibt fiese Krankheiten und einige davon können durch ionisierende Strahlung hervorgerufen werden. Oftmals verlassen sich die betroffenen Personen dann nicht nur auf die Meinung ihrer persönlichen Ärzte, sondern gehen selber im Internet und anderen Informationsangeboten auf die Suche um sich selber zu helfen. Schon bevor ich als Strahlenphysiker selber an Leukämie erkrankt bin habe ich über meinen Blog regelmäßig Anfragen wegen ganz konkreter Fälle bekommen und seit ich mein Leukämietagebuch schreibe und mein Repertoire und Schwerpunkt dementsprechend erweitert habe um so mehr.

Dabei ist das ganze aber alles andere als einfach, denn die Leute, die über eine Suchmaschine oder einen Link in einem Forum zu mir finden, haben in der Regel sehr unterschiedliche Fälle und Probleme und auch eigene Vorgeschichten und Lebenssituationen. Da ist alles dabei, von der Mutter, die nach einer neuen Strahlentherapie für ihr krebskrankes Kind sucht, bis zum Verschwörungstheortiker, der von Geheimdiensten mit Strahlung beschossen wird. Alle diese Fälle haben ihre Daseinsberechtigung und selbst so manch eine Verschwörungstheorie hat durchaus einen wahren oder zumindest interessanten Kern.

Wie das “Teil 1” oben schon angedeutet werde ich über die folgenden Links mal ein paar Nachschlageseiten aufbauen mit do´s und dont´s bei der Kommunikation mit Fachexperten (wie mir), Medizinern und Behörden und dann werde ich direkt mit einem super Beispiel in den Kampf um die Meinungshoheit einsteigen. Dazu hat mir ein Mann, der hier als User “NHL-Opfer” zu meinen Kommentarzeilen gefunden hat, freundlicherweise seinen Fall zur Verfügung gestellt, in dem er an Krebs erkrankte und eine Nagelpilzbehandlung mit Strahlung in den 60ger Jahren für diese Krankheit verantwortlich macht.

Das wichtigste ist erstmals, dass man nie mit 100%Sicherheit sagen kann, dass eine bestimmte Strahlenexposition mit einer bestimmten Krankheit zusammenhängt. Das sind alles immer nur Wahrscheinlichkeiten. Aber man kann eben eine Zusammenhangswahrscheinlichkeit angeben und wenn man sagen kann “Die Bestrahlung war mit 95%tiger Sicherheit Auslöser für die Krankheit” das ist das was ganz anderes, als wenn man sagen muss “die Bestrahlung hat nur mit 4%tiger Wahrscheinlichkeit zu der Krankheit geführt”. Offizielle Behörden wollen meist eine bestimmte Wahrscheinlichkeit auf dem Papier sehen und erkennen dann z.B. ab 50% Verursachungswahrscheinlichkeit die Krankheit an, zahlen Entschädigungen, eröffnen Verfahren etc. pp.

In dem Beispielfall ist bei einem Mann ein Non Hodkin Lymphom diagnostiziert worden (Details im .pdf). Dies ist eine Art Krebs, die das lymphatische System befällt und kann wie alle anderen Krebsarten auch durch ionisierende Strahlung verursacht werden und/oder natürlich auftreten. Da er als Kind in den 60gern eine Nagelpilzbehandlung wahrscheinlich mit einer Strahlenquelle bekommen hat, macht er diese ursächlich dafür verantwortlich und sucht nach Möglichkeiten dies nachzuweisen. In den Kommentare (und auch wohl anderen Foren) ist dies aber schnell abgedriftet, weil auch von staatlichen Vertuschungsaktionen und Mordanschlägen geredet worden ist, wodurch sich viele wissenschaftsorientierte Leser hier viel zu schnell an unhaltbare Verschwörungstheorien bis hin ins lächerliche übersteigerte Flachwelt-Zion Mythen erinnert sehen. Daher fange ich erst mal mit Fakten an, die in dem Fall zu 90% oder mehr wahr und undiskutabel sind:

  • Es gibt eine klar definierte Krankheit (NHL mit eindeutigem medizinischen Befund)
  • NHL kann, wie andere Krebsarten auch, durch ionisierende Strahlung verursacht werden
  • NHL kann langwierig und tödlich verlaufen
  • Der Patient hat in den 60gern eine Behandlung (nicht klar mit was) wegen Fußpilz bekommen
  • In den “wilden” 60ger Jahren hat man Behandlungen mit ionisierender Strahlung gemacht, die man heute so nicht mehr machen würde, weil das Gesundheitsrisiko als zu hoch für einen möglichen Benefit angesehen wird.

Dann stelle ich dem gegenüber einige Behauptungen des Patienten, wo ich mit Sicherheit von über 90% sagen kann, dass sie falsch sind:

  • Die Fußpilzbehandlung erfolgte nicht mit einer Neutronenquelle, sondern mit etwas anderem. Mehr Informationen habe ich in den Kommentaren hier und hier gegeben. Ich bin einer der 100 oder 1000 absoluten Experten in Deutschland auf dem Gebiet kleiner Neutronenquellen. Ich weis, wovon ich rede und bin mir sicher.
  • In Erlangen hat es bei Siemens keine Toten durch die Herstellung von Neutronenquellen gegeben. Zumindest keine direkten Toten per Strahlenkrankheit, sondern “bestenfalls” in der Langfrist per erhöhtem Krebsrisiko. Das ist selbst in den “wilden” 60gern ausreichend dokumentiert worden.

Alle anderen Vermutungen und Behauptungen liegen irgendwo dazwischen. Ich könnte jetzt Vermutungen anstellen, welche Strahlenquelle eingesetzt worden ist und mit welchen Aktivitäten, aber da ist immer viel Vermutung dabei. Das sind alles keine harten Fakten und kann daher eben nur Anhaltspunkte geben. Ein professioneller Gutachter kann diese Anhaltspunkte bewerten und sagen wie das mit Strotiumquellen, Chromosomenabberation etc. pp. zu bewerten ist. Aber das kann ich hier per Ferndiagnose im Internet nicht leisten und es erfordert einiges an Arbeit.

Recht schädlich im Umgang mit Behörden und Experten im Internet ist es zu viele Emotionen in die Bewertung einfließen zu lassen. Ob jetzt ein Beamter mit der “Hand auf den Tisch” geschlagen oder der Ärztin “bei gerötetem Gesicht entsetzt geschüttelt schreiend mit “Nein!!!” (…) ein Kronleuchter aufging, mag für den Patienten zwar extrem wichtig sein, aber das will weder Behörde noch Experte wissen. Diese Informationen sind für eine objektive Beurteilung der Situation schädlich.

In diesem speziellen Fall kann halt jetzt von einer Infrarotbestrahlung und natürlicher NHL bis hin zu einer richtigen Verstrahlung mit einer Co60 Quelle alles passiert sein. Mein “Expertenwissen” war also gerade mal dafür gut ein paar von den Extrempositionen vom Tisch zu nehmen. So wird das leider bei den meisten Fällen sein. Aber vielleicht hilft dieses bischen ja schon mal einen Schritt weiter.

Als ich mit meiner Strahlenkrankheit, Blut aus der Lunge hustend, auf der Isolierstation gelegen habe sind mir so manche Gedanken durch den Kopf gegangen, unter denen auch viele der Patienten hier leiden. Angst, Schuldzuweisung und vieles mehr. Psychologische/therapeutische Betreuung, in meinem Fall durch die Psychoonkologie, will hier viel helfen und kann ich nur wärmstens empfehlen. Im Zweifelsfall erst mal Ruhe bewahren und gesund werden, bevor man irgendwelche Behörden verklagt.

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http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/17/hilfe-ich-bin-verstrahlt-worden-anfragen-faelle-von-lesern-mit-gesundheitsproblemen-und-strahlung-teil-1-einleitung/feed/ 0 42465
Die Sonne – ein Superflare-Stern? [Alpha Cephei] http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/06/17/die-sonne-ein-superflare-stern/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=die-sonne-ein-superflare-stern http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/06/17/die-sonne-ein-superflare-stern/#respond Sun, 16 Jun 2019 22:21:29 +0000 http://scienceblogs.de/alpha-cephei/?p=3847 Lange schon ist bekannt, dass Rote Zwergsterne ziemlich übellaunig sein können und mit ihren starken Magnetfeldern Superflares auf ihre potenziellen Planeten abfeuern können, UV- und Röntgenstrahlenschauer, die die Oberfläche einer solchen Welt sterilisieren können. Unsere Sonne ist da ja zum Glück weitaus friedfertiger. Dachte man jedenfalls bisher. Etwas überraschend zeigte sich dann als Beifang zu…]]>

Lange schon ist bekannt, dass Rote Zwergsterne ziemlich übellaunig sein können und mit ihren starken Magnetfeldern Superflares auf ihre potenziellen Planeten abfeuern können, UV- und Röntgenstrahlenschauer, die die Oberfläche einer solchen Welt sterilisieren können. Unsere Sonne ist da ja zum Glück weitaus friedfertiger. Dachte man jedenfalls bisher. Etwas überraschend zeigte sich dann als Beifang zu den Beobachtungen des Planetensuchers Kepler, dass ganz gewöhnliche sonnenähnliche F8-G8-Zwergsterne mitunter auch Superflares hervorbringen können. Wenn auch nur ein sehr kleiner Teil von ihnen. Ein japanisch-amerikanisches Team hat die Kepler-Superflaresterne systematisch analysiert, um die Unterschiede zwischen den Superflare-Sternen und unserer Sonne zu finden. Um es vorweg zu nehmen: sie fanden keine.

 

Magnetische Kurzschlüsse

Sonnenflares sind magnetische Kurzschlüsse in der Sonnenatmosphäre, die entstehen, wenn das Magnetfeld sich lokal neu verbindet und die darin gespeicherte Energie schlagartig freigesetzt wird. Anders als bei der Erde entsteht der Magnetismus der Sonne nicht tief in ihrem Inneren, sondern in den oberen Schichten. Das Plasma aus geladenen Teilchen, aus denen die Sonne besteht, wird dort durch aufsteigende Strömungen umgewälzt, die die Wärme aus dem Inneren an die Oberfläche transportieren (Konvektion), wobei die bewegten Ladungsträger ein Magnetfeld erzeugen. Das wäre einigermaßen regelmäßig, wenn die Sonne nicht auch noch rotieren würde, und zwar differentiell: an den Polen dreht sie sich alle 31 Tage um sich selbst, am Äquator in nur 25 Tagen. Dadurch verdrillen sich die Magnetfeldlinien über die Jahre, verstärken sich an manchen Stellen, und bilden teils Schlaufen. In den Schlaufen bewegt sich das Plasma den Feldlinien entlang und erzeugt so zum Beispiel die bogenförmigen Protuberanzen, die man mit entsprechenen Filtern am Sonnenrand sehen kann, oder die Sonnenflecken, dunklere Zonen der Oberfläche, wo die Feldlinien gewissermaßen kühlere Löcher in die Photosphäre gebohrt haben. Durch das allmählliche Verdrillen der Magnetfeldlinien kommt es zur periodischen Sonnenaktivität, die unregelmäßig mit einem Mittelwert von 11 Jahren ein Maximum erreicht. Im Maximum ist das globale Feld vollkommen verquirlt, bricht schließlich zusammen, und baut sich in gegenpoliger Richtung wieder auf, bis zum nächsten Maximum, an dem sich das Spiel wiederholt. Im Maximum zeigt die Sonnenoberfläche ständig ein paar Sonnenflecken, im Minimum (wie gerade jetzt) oft wochenlang keinen einzigen.

Hat die Sonne viele Flecken, dann ist sie besonders aktiv, dann sind die Magnetfelder stark verdrillt, und genau dann kommt es auch am häufigsten zu Flares. Wenn die sonst bogenförmigen Feldlinien aufreißen, werden Elektronen in der äußeren Chromosphäre und Korona im Magnetfeld stark beschleunigt, die dann den Feldlinien folgend mit hoher Geschwindigkeiten auf die dichtere Photosphäre prallen, wo sie stark abgebremst werden. Elektronen stark abzubremsen ist genau das Prinzip der von Wilhelm Konrad Röntgen erfundenen Röhre – so entsteht die Röntgenstrahlung des Flares. In Gegenrichtung beschleunigte Teilchen werden als koronaler Massenauswurf (engl. coronal mass ejection, CME) nach außen geschleudert. Erfolgt der Auswurf in Richtung der Erde, können die Teilchen nach 1-3 Tagen Flugzeit mit bis zu 2000 km/s dieselbe erreichen und vom Erdmagnetfeld zu den Polen abgeleitet Polarlichter bei uns verursachen. Das Röntgenlicht eines Flares ist hingegen mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs schon nach 8 Minuten und 20 Sekunden bei uns. So kann ein Flare als Vorwarnung vor dem Partikelstrom eines CME dienen, der bei großer Intensität als Sonnensturm bezeichnet wird.

 

Weltraumwetter

Sonnenstürme sind also Schauer geladener Teilchen, die z.B. direkt die Elektronik von Satelliten zerstören können, und die für zukünftige Raumfahrer außerhalb des Erdmagnetfelds lebensgefährlich werden können. Das Magnetfeld der Erde schützt die niedrig kreisende ISS und auch uns Erdenbewohner zuverlässig vor Sonnenstürmen, die jedoch das Feld selbst erschüttern und deformieren können. Dies führt zu großräumigen Schwankungen der Magnetfeldstärke, die man sogar mit Amateurmitteln messen kann. In langen Leitern (Strom- und metallische Datenleitungen) kann das schwankende Feld dann durch Induktion teils beträchtliche Ströme erzeugen (induzieren), die angeschlossene Geräte oder Trafos zerstören können. Bei einem Sonnensturm im März 1989 in Quebec brach großflächig wegen durchgebrannter Transformatoren das Stromnetz zusammen. Noch stärker war der Sonnensturm von 1859 nach dem von Carrington und Hodgson ersten beobachten Flare überhaupt (im sichtbaren Licht!) dessen CME die Erde voll erwischte. Damals waren Polarlichter bis nach Kuba und Hawaii berichtet worden und Telegraphen, deren Papierstreifen durch Funkenschlag Feuer fingen. Und dies war noch kein Superflare.

Flares werden nach ihrer Röntgenleuchtkraft in einer logarithmischen Skala klassifiziert, A, B, C, M und X. Klasse B setzt 10mal so viel Energie frei wie Klasse A (Röntgenleuchtkraft 10-8 W/m²), Klasse C das hundertfache. Die einzelnen Klassen sind noch einmal linear von 1 bis 9 unterteilt, so ist M2 doppelt so stark wie M1 (10-5 W/m²), M3 dreimal so stark etc. und M10 = 10 mal M1 entspricht dann X1. In der höchsten Klasse X wird nach oben offen weitergezählt: der stärkste bisher gemessene Flare war ein X28 am 4. November 2003, dessen CME die Erde zum Glück verfehlte. Der Carrington-Flare wird auf X45 geschätzt, derjenige, der dem Sonnensturm von Quebec vorausging, lag bei X15 [6]. Den Röntgenleuchtkräften der Flares kann man annähernd die freigesetzte Energie zuordnen, wobei X1 etwa 2·1031 erg = 2·1024 Joules = 480 Billionen Tonnen TNT entsprechen (die stärkste von Menschen je erzeugte Energiefreisetzung war die Zar-Atombombe mit 50 Millionen Tonnen TNT bei 1/1000 der Stärke eine A-Klasse-Flares; immerhin…). X28 entsprechen knapp 3·1032 erg. Carrington lag bei 4,5·1032 erg. Die Energieeinheit erg stammt übrigens aus dem alten Zentimeter-Gramm-Sekunde-System (cgs), das dem heutigen SI-System mit Meter, Kilogramm und Sekunde vorausging. Die meisten Astronomen halten starrsinnig am cgs fest, so auch die Autoren der hier betrachteten Arbeit, daher verwende ich die Einheit hier ebenfalls. 10erg sind 1 Joules.

 

Eine andere Liga

Superflares spielen in einer um Zehnerpotenzen höheren Liga: 1033 bis 1038 erg, 10 bis eine Million mal so stark wie die stärksten gemessenen Sonnenflares. Der Planetensucher Kepler, der zum Aufspüren der winzigen Verfinsterungen von Sternen durch vorbeiziehende Planetenscheibchen die Helligkeit hunderttausender Sterne mit großer Präzision über lange Zeiten vermessen hat, fand neben den üblichen Flares von M-Zwergen auch anscheinend ganz gewöhnliche Sterne vom Typ der Sonne, etwa Spektralklassen F8V bis G8V, die mitunter Superflares produzierten, was angesichts der als friedlich betrachteten Sonne ziemlich überraschend kam. Solche Sterne zeigten quasiperiodische Helligkeitsschwankungen von 0,1% bis zu 10%, die auf riesige Sonnenflecken hindeuteten, die bei der Rotation des Sterns periodisch durch das Blickfeld Keplers zogen. Bei M-Zwergen weiß man, dass sie bis zum Zentrum hin konvektiv und deswegen besonders magnetisch aktiv sind, aber warum sollten sich G-Sterne anders verhalten als unsere Sonne? Von insgesamt 83000 sonnenähnlichen Sternen zeigten in einer 2012 veröffentlichten Analyse der Kepler-Daten nur 184 Sterne insgesamt 365 Superflares. Das sind nur 0,2% aller sonnenähnlichen Sterne.

Manche, aber nicht alle, sind Partner in engen Doppelsternsystemen, bei denen der andere Stern das Magnetfeld beeinflussen und zusätzlich verdrillen könnte. Eine Vermutung war, dass eng umlaufende heiße Jupiter ähnliches bewirken könnten, und Kepler sah solche Planeten ja nur, wenn die Erde ungefähr in der Bahnebene des Planeten lag, was nur selten der Fall ist. Aber Beobachtungen mit der alternativen spektroskopischen Radialgeschwindigkeitsmethode, die auch Planeten auf stark verkippten Bahnen aufspüren kann, konnten diese Annahme nicht bestätigen. Eine andere, bisher gültige und durch Beobachtungen bestätigte Annahme geht davon aus, dass Sterne, die schnell rotieren, ihre Magnetfelder stärker verdrillen sollten und somit Superflares erzeugen. Die Sonne sollte demnach mit ihren gemächlichen 25 Tagen Rotation keine Superflares erzeugen können.

 

What’s it take to superflare?

Ein japanisch-amerikanisches Team um Nota Yotsu hat nun 18 der Kepler-Superflare-Sonnen mit dem 3,5-m-Teleskop des Apache Point Observatoriums in New Mexico von der Erde aus auf ihre Eigenschaften und Gemeinsamkeiten hin untersucht und zusätzlich aus den Gaia-DR2-Daten ihre Radien bestimmt. Diese Daten kombinierten sie mit früheren Analysen von 50 Superflaresternen aus dem Jahr 2015 mit dem Subaru-Teleskop auf Hawaii. 4 Sterne wurden von beiden Teleskopen beobachtet, so dass insgesamt die Daten von 64 Superflaresternen vorliegen. Alle Daten stammen aus dem ersten Drittel (500 Tage) der Kepler-Primärmission, die ein Sternfeld im Schwan 4 Jahre lang fest im Blick hatte.

Im ersten Bild sind die atmosphärischen Parameter dargestellt, links die Schwerkraft, stellvertretend für den Druck an der Oberfläche, und rechts die Metallizität (Eisengehalt relativ zur Sonne), beides über der Temperatur aufgetragen (stellvertretend für die Spektralklasse: 6400K=F7, 5000K=G9). Und die Sonne ☉ (G2, 5800K) zum Vergleich. Die befindet sich mitten im Gewimmel. Ihre Atmosphäre und Temperatur unterscheidet sie nicht im geringsten von den Superflaresternen.

Atmosphärenparameter der unteruschten Superflaresterne: Links Oberflächenschwerkraft log g im cgs-System (Erdschwerkraft g = 981 cm/s², also log g = 2,99) über der Temperatur, rechts Metallizität (Logarithmus der Eisenhäufigkeit relativ zur Sonne; Sonne also log 1 = 0). Die Subaru-Sterne sind schwarz, die APO-Sterne rot, und unter den APO-Sternen sind die Einzelsterne als Quadrate dargestellt; 3 APO-Sterne sind Doppelsterne (visuell: VB für visual binary, oder spektroskopisch: RV für radial velocity). Zum Vergleich die Sonne (Kreis mit Punkt). Nichts zeichnet sie unter den Superflaresternen aus. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Wie sieht es mit dem Alter der Sterne aus? Junge Sterne rotieren gewöhnlich schneller als alte. Das Alter der Sterne kann man anhand des Lithiumgehalts abschätzen, der mit dem Alter abnimmt. Im folgenden Bild sind die Lithiumhäufigkeiten relativ zur Sonne (1) über der Temperatur aufgetragen. Die Lithiumhäufigkeit nimmt mit dem Alter ab, aber die Beziehung ist komplex, daher sind die Lithiumhäufigkeiten von Sternen im Hyaden-Sternhaufen (Alter 625 Millionen Jahre) als graue Kreuze und Plus-Zeichen eingetragen. Die Sterne unter den grauen Kreuzen sind älter, die darüber jünger als die Hyaden. Die Sonne zählt im Vergleich zu den Superflaresternen zu den Methusalems, aber es gibt ähnlich alte Superflaresterne.

Lithiumgehalt A(Li) der Superflaresterne über der Temperatur im Vergleich zur Sonne (=1). Der Lithiumgehalt nimmt mit dem Alter ab, so dass jüngere Sterne weiter oben im Diagramm liegen. In Blau und Rot die Superflaresterne, zum Altersvergleich Sterne des Hyadensternhaufens (625 Millionen Jahre; graue Kreuze und Plus-Zeichen) und die Sonne. Die meisten Superflaresterne sind jünger als die Sonne, aber es gibt auch ähnlich alte. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

“Sonnenähnlich” war bisher auf die Temperatur der Sterne bezogen – wie sieht es mit den Durchmessern aus? Aufgrund der Entfernung, Temperatur und Helligkeit kann der Radius eines Sterns bestimmt werden. Die Autoren nutzten Entfernungsmessungen aus dem Gaia-DR2-Katalog, um die Sterndurchmesser zu ermitteln. Es zeigte sich, dass etwa 40% der Superflaresterne tatsächlich keine waschechten Hauptreihensterne (Leuchtkraftklasse V, Zwerge wie die Sonne), sondern Unterriesen sind (Klasse IV, unterhalb der Roten Riesen in Klasse III), wie im folgenden Bild zu sehen ist. Der Radius in Sonnenradien ist nach oben hin aufgetragen, die Temperatur von 3000K (Spektralklasse M) bis 8000K (Klasse A) von rechts nach links. Die farbigen Punkte im Hintergrund sind alle von Kepler gemessenen Sterne, eingefärbt nach Leuchtkraftklasse V (schwarz), IV (Grün) und III (Rot). In Blau kühle Hauptreihen-Doppelsterne. Die Sonne ist hier nicht dargestellt, man denke sie sich bei 100=1 und 5800K. Das ist im unteren Teil der Superflaresterne-Wolke, noch innerhalb derselben.

Die Radien der Superflaresterne in Sonnenradien über der Temperatur. Im Hintergrund alle von Kepler beobachteten Sterne, eingefärbt nach Leuchtkraftklassen: Schwarz = Klasse V (Zwergsterne, Hauptreihensterne), grün = Klasse IV, (Unterriesen), rot = Klasse III (Riesen), blau = kühle Hauptreihen-Doppelsterne. 40% der Superflaresterne sind Unterriesen (einer ist ein Riese), aber 60% Zwerge. Die Sonne befände sich bei 5800K und 100 im unteren Bereich der Superflaresterne. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Wie schaut es aus mit der Rotationsperiode? Im nächsten Bild sind die von Kepler beobachteten Flare-Energien über den Umlaufzeiten in Tagen abgebildet. Zwar streut die Flare-Energie (auch bei der Sonne schwanken sie ja von A bis X über einen großen Bereich), aber man erkennt deutlich, dass schnelle Rotation zu höheren Flare-Energien führt, als langsame Rotation. Die Sonne läge in diesem Bild mit dem Carrington-Flare unten rechts etwa beim “d” im Wort “data”, alle anderen Flares lägen tiefer.

Gemessene Flares der Superflare-Sterne über der Rotationsperiode der jeweiligen Sterne. Blaue Kreuze entstammen Kepler-Messungen im 30-Minuten-Takt, rote Quadrate solchen im 1-Minuten-Takt, die auch schwächere Flares erfassen konnten. Es gibt eine klare Tendenz, dass die Flareenergie mit zunehmender Rotationsdauer sinkt. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Auch die Rotationsrate kann also nicht erklären, warum die Sonne nicht imstande sein sollte, Superflares von 1034 bis 1035 zu erzeugen. Es gibt Superflaresterne der gleichen Größe und Temperatur, der gleichen Zusammensetzung, des gleichen Alters, der gleichen Rotationsrate und ohne enge Begleiter wie die Sonne. Welchen Unterschied zwischen der Sonne und den Superflaresternen könnte es sonst geben? Sterne sind im Grunde genommen einfach gestrickt, sie sind Gasbälle aus Wasserstoff und Helium, die sich lediglich in der Masse, Metallizität, Entwicklungsstufe und Rotationsrate unterscheiden. Theoretisch könnte es noch feine Unterschiede im Anteil der Metalle geben oder bestimmte Kombinationen von Eigenschaften zusammen kommen müssen, um einen sonnenähnlichen Stern zum Superflarestern zu machen.

 

Gleiche unter Gleichen?

Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit: dass es gar keinen Unterschied gibt. Was wäre, wenn nicht etwa nur 0,2% aller sonnenähnlichen Sterne Superflares produzieren, sondern alle, aber nur zu 0,2% der Zeit? Kepler sah schließlich in seinen 4 Jahren Primärmission nicht einmal einen metaphorischen Lidschlag im Leben der Sterne, aber weil das Weltraumteleskop eine so große Menge von Sternen überwachte, sah es Sterne in praktisch jeder Phase ihres Lebens.

Von Kepler beobachtete Superflares waren immer mit sehr großen Sternflecken verbunden. Im folgenden Bild sind die Wahrscheinlichkeiten für die Größe von Sternfleckengruppen für besonders sonnenähnliche Sterne (±200K, etwa F9-G4) mit Rotationsperioden von 20-40 Tagen aufgetragen. Auf der x-Achse die Fläche der Flecken relativ zur Fläche der Sonnenscheibe, auf der y-Achse die Häufigkeit der Fleckenguppen von mindestens dieser Größe pro Stern und Jahr. Die schwarze gestrichelte Linie gibt die Statistik der Sonne seit 1874 wieder, die bei 10-2=1% der Sonnenfläche nach oben abgeschnitten ist, weil im Beobachtungszeitraum keine größeren Flecken beobachtet wurden. In Blau die Daten der Kepler-Sterne, die bei Flecken von weniger als 10-3=0,1% der Sternfläche nach unten abgeschnitten ist, weil Kepler kleinere Flecken nicht mehr wahrnehmen konnte. Im Schnittbereich sind beide Graphen innerhalb der gleichen Größenordnung und folgen dem rot gestrichelten Verlauf. Dies spricht dafür, dass auch der Graph der Sonne entsprechend weiter verlaufen würde, wenn man nicht nur 150 sondern 1500 oder 15000 Jahre an Daten zur Verfügung hätten.

Statistik der Größe (Flächenanteil relativ zur Sonnenscheibe) von Sonnen- und Sternfleckengrößen für Sterne von ungefähr der Temperatur der Sonne ( ±200K) und Rotationsdauer von 20-40 Tagen (Sonne: 25). Die y-Achse gibt die Wahrscheinlichkeit an, Fleckengruppen von mindestens der Größe auf der x-Achse pro Jahr und Stern vorzufinden. Da systematische Daten der Sonnenflecken erst seit 1874 vorliegen, ist die schwarz gestrichelte Kurve der Sonne oberhalb 10-2 abgeschnitten – es wurden in den ca. 150 Jahre keine Sonnenfleckengruppen von mehr als 1% der Sonnenfläche beobachtet. Da Kepler Sternflecken nur oberhalb von ca. 1/1000 des Sterndurchmesser entdecken konnte, ist die blaue Kurve unterhalb von 10-3 abgeschnitten – Flecken von weniger als 0,1% der Sternfläche blieben unentdeckt. Im gemeinsamen Schnittbereich liegen die Daten innerhalb einer Zehnerpotenz und werden durch die rote gestrichelte Linie nach oben abgeschätzt. Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Im letzten Bild ist schließlich noch die Statistik der Flareenergien für Sonnenflares und der in verschiedenen Arbeiten behandelten Superflares für sehr kleine (Nanoflares) bis sehr große Flares (Superflares) dargestellt. Türkisblau die Nanoflares bis zu 1026 erg, deren Häufigkeit (Anteil dN von Flares mit dem Energieintervall dE) gemäß einer Arbeit von Aschwanden et al. einem Exponentialgesetz mit dem Exponenten -1,79 der Energie E folgt. Darunter in Violett Mikroflares um 1028 erg (bis Klasse B) mit einem Exponenten von -1,74.  Nachfolgend in Grün normale Sonnenflares der Klassen A1 bis X10, die einem Exponenten von -1,53 folgen, und unten rechts schließlich die Daten von Superflares mehrerer Arbeiten. Die einzelnen Abschnitte lassen sich im Rahmen einer Größenordung mit einem gemeinsamen Exponenten von -1,8 approximieren (schwarze durchgezogene Linie).

Statistik verschiedener Flareenergien für Sonnenflares und Superflares, gemäß mehrerer Arbeiten. Auf der x-Achse die Flareenergie, auf der y-Achse die Häufigkeit der Flares pro Intervall von einem erg und Jahr. Grün gestrichelt die gewöhnlichen Sonnenflares der Klassen A bis X10 mit Energien zwischen 5·1026 und 1032 erg. Flares niedrigerer Energien werden als Mikro- und Nanoflares bezeichnet. Diese folgen exponentiellen Häufikgkeitsgesetzen mit den angegeben Exponenten -1,53, -1,74 und -1,79. Unten rechts die Kepler-Superflares. Alle Teilgraphen lassen sich durch ein gemeinsames Exponentialgesetz von -1,8 innerhalb einer Größenordnung annähern (schwarze durchgezogenen Linie). Bild: [1], arXiv, gemeinfrei.

Dies ist verträglich mit der Annahme, dass wir uns möglicherweise in der “friedlichen Natur” der Sonne getäuscht haben. Wir kennen sie, bzw. ihr Flareverhalten einfach noch nicht lange genug. Gemäß der in den letzten beiden Graphiken extrapolierten Statistiken wäre für die Sonne etwa alle 2000-3000 Jahre mit einem Flare von mehr als 5·1034 erg zu rechnen (entsprechend ca. X10.000). Ohne Teleskop und Sonnenfilter wäre so ein Flare aber möglicherweisei nicht auffällig und beobachtbar. Bestenfalls würde man das Polarlicht des folgenden Sonnensturms wahrnehmen, der die Erde aber durchaus auch verfehlen könnte (siehe 2003). Polarlicht in Mitteleuropa gibt es aber gelegentlich schon bei X1-Flares und historische Aufzeichnungen von Polarlicht-Sichtungen aus den Tropen sind m.W.n. nichtexistent bis spärlich.

 

Auch die Sonne kann vermutlich Superflares

Kann man ausschließen, dass die Sonne jemals Superflares produziert hat? Wäre das Leben auf der Erde nicht untergegangen, denn Superflares sollen das Leben auf Planeten von Roten Zwergen ja so gut wie unmöglich machen? Solche Planeten umkreisen ihren Stern jedoch viel enger als die Erde unsere Sonne, wenn sie sich seiner kleinen habitablen Zone befinden sollen, in 5%-20% des Abstands der Erde von der Sonne, und die Sterne  produzieren sehr viel häufiger Superflares als die Sonne. Mit ihrer langsamen Rotation gehört die Sonne zudem zu den G-Sternen, deren potenzielle Superflares 2 Größenordnungen unter denen der extremsten von Kepler beobachteten Flares liegen.

Und wenn es denn so wäre: kann man mögliche Spuren von Superflares auf der Erde finden? Eine der wenigen Möglichkeiten zum Nachweis bietet radioaktiver Kohlenstoff-14, der beim Ansturm der Partikel eines großen Sonnensturms (eine Art von Radioaktivität) verstärkt gebildet wird. Tatsächlich fanden Fusa Miyake et al. 2012 [2,3] einen scharfen Anstieg der C-14-Konzentration in japanischen Zedern für das Jahr 774-775. Für das gleiche Jahr fand sich ein ebensolcher Spitzenwert in kalifornischen Pinien, deutschen Eichen, sibirischen Lärchen und neuseeländischen Kauri-Bäumen. Das Bombardement der solaren Partikel erzeugt außerdem das Isotop Beryllium-10 in der Atmosphäre, das sich im folgenden auf dem Erdboden niederschlägt, wo es in kalten Regionen rasch von Schnee bedeckt werden kann. Tatsächlich fand Miyake in Eisbohrkernen aus der Antarktis für das Jahr 775 einen Anstieg der Beryllium-10-Konzentration um 80%. Neben einem Superflare könnten auch eine nahe Supernova-Explosion oder ein Gammastrahlenschauer C-14 und Beryllium-10 produzieren, aber eine nahe Supernova wäre strahlend hell gewesen und mit Sicherheit von Historikern dokumentiert worden, und ein Gammastrahlenburst dauert nur Sekundenbruchteile und könnte höchstens eine Hälfte der Erde bestrahlen. Insofern ist ein Superflare die plausibelste Erklärung für die Messungen.

 

Willst Du nicht haben

Und wenn uns heute ein Superflare träfe? Nun, wir würden sicher nicht gleich alle sterben. Die Menschheit wurde offenbar in historischer Zeit nicht durch einen Superflare oder Sonnensturm erheblich dezimiert, das hätte man bemerkt. Erhöhte Krebsraten in der Spätantike sind denkbar, aber mangels medizinischer Kenntnisse der damaligen Zeit nicht zu belegen. Im Unterschied zur Antike sind wir heute jedoch in großem Maße von Stromversorgung und Elektronik abhängig. Insofern würde es die Menschheit heutzutage schon katastrophal treffen, wenn etwa ein Sonnensturm weltweit die Transformatoren der Hochspannungsnetze zerstören würde. Transformatoren werden nicht in so großen Stückzahlen gefertigt oder gelagert, dass das Netz binnen Tagen wieder hergestellt wäre, es könnte nach einer Studie [4,5] der National Academy of Sciences Monate dauern, bis das Netz der Vereingten Staaten wieder vollständig hergestellt wäre, die Folgeschäden lägen bei bis zu 2 Billionen Dollar, 20mal höher als die des Hurrikan Kathrina, und die Nachwirkungen wären erst nach 4-10 Jahren beseitigt. Jeder mag sich das Leben in einer Großstadt ausmalen, die für ein paar Wochen ohne Strom und damit auch ohne fließendes Wasser und Klärwerke, ohne Bahnen und Tankstellen, ohne Geldautomaten, Alarmanlagen und Straßenbeleuchtungen wäre.

Glücklicherweise kommt ein Sonnensturm mit einem bis mehreren Tagen Verzögerung nach einem Flare und koronalen Massenauswurf auf der Sonne bei uns an, und wir haben die Sonne mit dem Solar Dynamics Observatory SDO permanent im Blick. Als vorgeschobener Spähposten im All befindet sich zusätzlich das Weltraum-Sonnenteleskop ACE im Lagrange-1-Punkt der Erde, 1,5 Millionen km vor der Erde, und es registriert die Stärke ankommender Sonnenstürme schon 1/2-1 Stunde bevor sie die Erde treffen. Es ist also möglich, rechtzeitig vor dem Eintreffen die Netze abzuschalten – wenn jemand die Verantwortung dafür auf sich nähme. Man muss den unvermeidlichen kurzfristigen Schaden einer solchen Abschaltung gegenüber dem möglichen, aber nicht absolut sicheren katastrophalen Schaden eines langfristigen Netzausfalls abwägen. Es ist auch technisch kein großes Problem, die Netze hart gegen Sonnenstürme zu machen. Die Netzbetreiber müssten nur die nötigen Investitionen tätigen. Arbeiten wie die vorliegende können hoffentlich dazu beitragen, dass entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

Im Moment scheint ein Superflare aber nicht akut zu sein. Die Sonnenaktivität ging in den vergangenen Zyklen kontinuierlich zurück und die Zyklen wurden länger (d.h. das Verdrillen der Magnetfelder dauerte länger). Wir kennen die Ursachen nicht und wissen noch viel zu wenig über die langfristigen Aktivitätszyklen der Sonne und sonnenähnlicher Sterne. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, dass Astronomie mitunter durchaus wichtige Erkenntnisse für unser tägliches Leben liefern kann. Nur zur Erinnerung, falls noch einmal jemand über die Kosten von Weltraumteleskopen jammert.

 

Referenzen

[1] Yuta Notsu,  Hiroyuki Maehara, Satoshi Honda et al., “Do Kepler superflare stars really include slowly-rotating Sun-like stars ? – Results using APO 3.5m telescope spectroscopic observations and Gaia-DR2 data –“, The Astrophysical Journal, Volume 876, Number 1, 3. Mai 2019; arXiv:1904.00142.

[2] Fusa Miyake, Kentaro Nagaya, Kimiaki Masuda & Toshio Nakamura, “A signature of cosmic-ray increase in ad 774–775 from tree rings in Japan“, Nature, 486, S. 240-242, 14. Juni 2012.

[3] Monica Bobra, “Superflares“, Sky & Telescope, November 2015, S. 22-27.

[4] Jason Samenow, “The devastating potential of an extreme solar storm and what the White House is doing about it“, The Washington Post, 29. Oktober 2015.

[5] “Severe Space Weather Events – understanding socieatl and Economics Impacts, A Workshop Report“,  National Research Council, 2008, Washington, DC: The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/12507.

[6] Kazunari Shibata, Hiroaki Isobe, Andrew Hillier et al., “Can Superflares Occur on Our Sun?“, Publications of the Astronomical Society of Japan Vol. 65, S. 49, 25. Juni 2013.

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http://scienceblogs.de/alpha-cephei/2019/06/17/die-sonne-ein-superflare-stern/feed/ 0 42870
Astronomie in 365 Tagen: Tag 167 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung/#respond Sun, 16 Jun 2019 16:34:40 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30118 Auch in Zukunft werden wir Planeten nur selten direkt sehen können. Und wir werden die Planeten immer nur als Lichtpunkt sehen; aber keine Details ihrer Oberfläche. Dafür sind sie viel zu weit von der Erde entfernt.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 167

Tag 167/365: Auch in Zukunft werden wir Planeten nur selten direkt sehen können. Und wir werden die Planeten immer nur als Lichtpunkt sehen; aber keine Details ihrer Oberfläche. Dafür sind sie viel zu weit von der Erde entfernt.

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http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/astronomie-in-365-tagen-tag-167-exoplanetenentdeckung/feed/ 0 42854
Auf einen Blick: Die belastbare Evidenz zur Wirksamkeit von Homöopathika über Placebo hinaus [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/16/auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/16/auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus/#respond Sun, 16 Jun 2019 11:04:09 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4070 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/16/auf-einen-blick-die-belastbare-evidenz-zur-wirksamkeit-von-homoeopathika-ueber-placebo-hinaus/feed/ 0 42876 Go! Musik zur Mondlandung von “Public Service Broadcasting” [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/16/go-musik-zur-mondlandung-von-public-service-broadcasting/#respond Sun, 16 Jun 2019 06:00:31 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29832 5 WOchen sind es nur noch, bevor wir am 21. Juli das 50. Jubiläum der ersten Landung auf dem Mond begehen können. Deswegen gibt es im 50tägigen Countdown zum Jubiläum heute ein wenig Musik, mit der man sich auf das Ereignis vorbereiten kann. Die Band “Public Service Broadcasting” aus England finde ich schon seit längerer…]]>

5 WOchen sind es nur noch, bevor wir am 21. Juli das 50. Jubiläum der ersten Landung auf dem Mond begehen können. Deswegen gibt es im 50tägigen Countdown zum Jubiläum heute ein wenig Musik, mit der man sich auf das Ereignis vorbereiten kann.

Die Band “Public Service Broadcasting” aus England finde ich schon seit längerer Zeit sehr interessant. Sie stellen ihre Alben zu Mitschnitten aus öffentlichen Informationsfilmen, Archivaufnahmen und Propagandamaterial zusammen und machen dazu elektronische Musik. Manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber immer sehr interessant.

2015 erschien ihr Album “The Race For Space”, das sich mit den Raumfahrtmissionen der USA und der Sowjetunion in den 1960er beschäftigt. Das ganze Album gibt es als Playlist auf YouTube. Und das beste Lied dabei ist “Go!” – Da hat man die Audioschnipsel aus der Apollo-11-Kapsel und der Kontrollzentrale zu einem wirklich coolen Lied zusammengeschnitten:

Besonders cool: Bei den “Go/No Go”-Abfragen im Refrain sind alle sehr ruhig und professionell. Aber wenn man genau hinhört, erkennt man ein “Go!”, das ein klein wenig aufgeregt klingt. Die stammt von Steve Bales, der damals an der “Guidance”-Kontrolle saß. Apollo-11 war kurz vor der Landung auf dem Mond schneller als geplant und es lag an ihm, die Landung entweder freizugeben oder abzubrechen. Trotz der Fehlermeldung entschied er sich für ein “Go!” – und die Aufregung dieser Entscheidung hört man… (Der Mann war damals erst 26 Jahre alt – ich weiß nicht, ob ich in dem Alter schon in der Lage gewesen wäre, so eine weitreichende Entscheidung zu treffen. Waren andere Zeiten damals – und andere Menschen…)

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 166 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/astronomie-in-365-tagen-tag-166-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-166-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/astronomie-in-365-tagen-tag-166-exoplanetenentdeckung/#respond Sat, 15 Jun 2019 16:34:45 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30117 Bis heute wurden insgesamt 4075 Planeten bei 3043 Sternen entdeckt. Die meisten davon durch die “Transitmethode” bei der man die Verdunkelung des Sternenlichts misst, wenn ein Planet an ihm vorüber zieht.
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Das hier ist die Blog-Seite zur Einführung in die Astronomie “Astronomie in 365 Tagen” bei Instagram. An jedem Tag des Jahres gibt es eine neue Lektion; Details zum Projekt gibt es hier. Wer möchte, kann über meinen Instagram-Account bzw #astronomie365 mit dabei sein.

Ich hab die Domain astronomie365.de eingerichtet unter der die gesammelten Blogartikel erreichbar und leichter verlinkbar sind.

Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 166

Tag 166/365: Bis heute wurden insgesamt 4075 Planeten bei 3043 Sternen entdeckt. Die meisten davon durch die “Transitmethode” bei der man die Verdunkelung des Sternenlichts misst, wenn ein Planet an ihm vorüber zieht.

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NASA-Videos zur ersten (und kommenden) Mondlandung [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/nasa-videos-zur-ersten-und-kommenden-mondlandung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=nasa-videos-zur-ersten-und-kommenden-mondlandung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/15/nasa-videos-zur-ersten-und-kommenden-mondlandung/#respond Sat, 15 Jun 2019 06:00:31 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=29831 Im 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute ein bisschen was zu sehen. Denn die NASA betreibt einen YouTube-Kanal der durchaus den einen oder anderen Blick wert ist. Da gibt es zum Beispiel (natürlich!) eine Serie zum Mondlandungsjubiläum: Zur Zeit gibt es dort Videos zu den Apollo-Missionen 7 bis 10 – aber…]]>

Im 50tägigen Countdown zum 50. Jubiläum der Mondlandung gibt es heute ein bisschen was zu sehen. Denn die NASA betreibt einen YouTube-Kanal der durchaus den einen oder anderen Blick wert ist.

Da gibt es zum Beispiel (natürlich!) eine Serie zum Mondlandungsjubiläum:

Zur Zeit gibt es dort Videos zu den Apollo-Missionen 7 bis 10 – aber Apollo 11 wird mit Sicherheit auch bald auftauchen.

Angesichts der Mondlandung vor 50 Jahren stellt sich natürlich auch immer die Frage: Wann kehren wir denn wieder zurück zum Mond? Ich bin da ja skeptisch, dass das recht bald passiert und noch skeptischer, dass es die amerikanische Raumfahrtagentur sein wird, die als nächstes Menschen zum Mond schickt. Aber die NASA sieht das naturgemäß anders und hat eine entsprechende Playlist mit optimistischen Videos veröffentlicht in denen sie erklärt, schon 2024 dort landen zu wollen:

Und hey – wenn William Shatner das sagt, dann kann es ja fast nur stimmen 😉

Videomaterial zur Mondlandung gibt es selbstverständlich noch viel mehr. Das eine oder andere werde ich euch sicher noch zeigen. Und bis dahin freue ich mich auf Hinweise zu guten Videos! (Aber bitte nur Zeug, das legal im Netz gelandet ist – also keine Mitschnitte von Fernsehsendungen die von irgendwelchen Leuten online gestellt worden sind, die dazu die Rechte nicht besitzen…)

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Der komplette Countdown: 50 | 49 | 48 | 47 | 46 | 45 | 44 | 43 | 42 | 41 | 40 | 39 | 38 | 37 | 36 | 35 | 34 | 33 | 32 | 31 | 30 | 29 | 28 | 27 | 26 | 25 | 24 | 23 | 22 | 21 | 20 |19 | 18 | 17 | 16 | 15 | 14 | 13 | 12 | 11 | 10 | 09 | 08 | 07 | 06 | 05 | 04 | 03 | 02 | 01 | 0

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Wunderglaube oder Pseudowissenschaft? [Gesundheits-Check] http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/14/wunderglaube-oder-pseudowissenschaft/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=wunderglaube-oder-pseudowissenschaft http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/14/wunderglaube-oder-pseudowissenschaft/#respond Fri, 14 Jun 2019 18:27:46 +0000 http://scienceblogs.de/gesundheits-check/?p=4066 Für aufgeklärte Zeitgenossen ist der Glaube an Wunder ein Grund zum Kopfschütteln. Wunder passen nicht mehr in die Zeit. Heute gründen wir Aussagen über die Welt auf Tatsachen und als Tatsachen gilt, was öffentlich nachprüfbar ist und sich ins Gesamtbild unseres Weltverständnisses fügt. Da mag es etwas paradox anmuten, dass früher durchaus auch Wunder diese Funktion erfüllt haben. Sie waren nicht aufzuklärende Rätsel, sondern damit wurden Rätsel erklärt. Das Wunder hatte Beweiskraft. Die Verschwinden der Wunder aus dem Repertoire der Beweismittel im Zuge der Entwicklung der neuzeitlichen Rationalität hat z.B. Lorraine Daston von 20 Jahren in ihrem Buch „Wunder, Beweise und Tatsachen“ nachgezeichnet.

Das Wunder ist dennoch unter uns, die Skeptikerbewegung gräbt immer neue Beispiele aus, von Botschaften aus dem Jenseits bis hin zur Wirkung der Homöopathie. In dem Zusammenhang hat mich der Kommentator „bote19“, der hier im Blog unter verschiedenen Pseudonymen (lange z.B. als „Robert“) hunderte von Kommentaren geschrieben hat, auf eine Idee gebracht. Die Kommentare von „bote19“ sind Glaubensbekenntnisse. Er vertritt eine Art christlichen Kinderglauben und er glaubt daran, dass man der Frage der Wirksamkeit der Homöopathie mit naturwissenschaftlichen Methoden nicht gerecht wird.

Und ich glaube, das passt gut zusammen. Die Anhänger der Homöopathie sind davon überzeugt, dass durch Verdünnen und Schütteln „geistartige Kräfte“ aus einer wirkstofflosen Flüssigkeit auf Zuckerkügelchen übergehen und von dort irgendwie in den Körper. Dass es auch homöopathische Mittel gibt, in denen noch Wirkstoffe nachweisbar sind, egal was sie nun bewirken mögen, muss hier nicht interessieren, es geht um die geheimnisvolle Transsubstantiation des Zuckers durch die „geistartigen Kräfte“. Sie machen aus Zucker ein Medikament.

Christen, die glauben, was die Kirche sagt, glauben auch an eine Transsubstantiation, nämlich die von Brot und Wein in Leib und Blut Christi bei der Wandlung. Das ist nicht als symbolischer Vorgang gemeint, sondern als echte „Wandlung“ des Wesens von Brot und Wein. Auf der Internetseite der Katholischen Kirche, katholisch.de, kann man dazu nachlesen: „Es ist die Substanz, das Wesen, das sich wandelt und zu Leib und Blut Christi wird.“ Diesen übernatürlichen (!) Vorgang könne man aber trotzdem durch den Verstand nachvollziehen:

„Aristoteles hat für einen solchen Fall ein sehr anschauliches Beispiel: nämlich das einer Türschwelle. Durch sinnliche Wahrnehmung alleine kann man sie höchstens als ein Stück Holz einer bestimmten Form definieren. Erst der Verstand sagt dem Betrachter, dass dieses Stück Holz an einer bestimmten Position eine bestimmte Funktion erfüllt und so zur Türschwelle wird. Verändert man die Position, hört die Türschwelle auf eine solche zu sein.“

Das ist magisches Denken. Von mir aus auch ein Relikt des mittelalterlichen Universalienrealismus. In der Kirche verändert das Wort des Pfarrers das Wesen der Dinge, in der Homöopathiefirma macht im Prinzip auch das Wort das Wunder, mehr als die Behauptung der Wirksamkeit gibt es ja nicht. Nur die Rituale unterscheiden sich etwas, der Messwein wird z.B. kaum verdünnt. Den Christen geht es bei alldem um die „reale Gegenwart“ Christi, die nicht erst am Ende aller Tage erfahrbar sein soll. Ich glaube ja, diese „reale Gegenwart“ sollten sie eher im Leid der Flüchtlinge suchen, die im Mittelmeer ertrinken, oder der Kinder, die in Afrika verhungern, aber das ist eine andere Geschichte.

Das Zitat der katholischen Kirchenseite gibt der Wortmagie übrigens noch eine besonders aparte Note, weil es das Wesen der Dinge an ihre Funktion bindet. Wenn man also die Türschwelle z.B. verheizt, heizt man gar nicht mit der Türschwelle, denn sie ist ja keine mehr. Wer mit einer Tomate bei einer Demo wirft, der wirft kein Nahrungsmittel, denn mit dem Werfen ist es zu einer Wurfwaffe geworden, transsubstantiiert. Natürlich kann man nach dieser Logik auch keine Lebensmittel wegwerfen. Sie werden dadurch zu Wegwerfmitteln oder Mülltonneninhaltsstoffen.

Für Katholiken hat der Glaube an die Transsubstantiation dogmatische Strenge. Papst Paul VI. ließ daran in seiner Enzyklika „Mysterium fidei“ aus dem Jahr 1965 keinen Zweifel. Aber wer verlangt, dass die Kirchenmitglieder an so etwas zu glauben haben, stellt in der heutigen Zeit, sofern man nicht die Gnade von Hanlon’s Law gewähren will, schlicht einen Gesslerhut auf. Hier wird der Verzicht auf das Denken zugunsten eines unsinnigen Glaubens diktiert. Vor 1.000 Jahren, als man auch sonst noch an Wunder, Hexen und Dämonen geglaubt hat, an „geistartige Kräfte“ aller Art, konnte man das noch anders sehen, die „Konzeptkonformität“ (Lorraine Daston) war gegeben. Aber heute? Im Ernst?

Ob man die homöopathische Lehre als säkularisierte Verfallsform der christlichen Transsubstantiationslehre betrachten muss? Also eher ein aus der Zeit gefallener Wunderglaube als eine moderne Pseudowissenschaft?

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http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/06/14/wunderglaube-oder-pseudowissenschaft/feed/ 0 42874
Solve a puzzle, find a treasure [Klausis Krypto Kolumne] http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/14/solve-a-puzzle-find-a-treasure/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=solve-a-puzzle-find-a-treasure http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/2019/06/14/solve-a-puzzle-find-a-treasure/#respond Fri, 14 Jun 2019 17:40:30 +0000 http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/?p=18687 A Canadian company hides treasures that can be found by solving puzzles. The first round of the hunt is over, a second one has been announced. One of the most famous unsolved crypto mysteries in the world is based on three encrypted texts allegedly left behind by some Thomas Beale in the 19th century. These…]]>

A Canadian company hides treasures that can be found by solving puzzles. The first round of the hunt is over, a second one has been announced.

One of the most famous unsolved crypto mysteries in the world is based on three encrypted texts allegedly left behind by some Thomas Beale in the 19th century. These messages, known as the Beale cryptograms, are said to describe the hiding place of a treasure worth tens of millions of dollars.

In case you believe that the Beale cryptograms are a hoax (I certainly do), you still can try your luck with a few other ciphertexts that allegedly lead to a hidden treasure – for instance the La Buse message, the Peralta stone inscriptions or the Oak Island cipher stone. Unfortunately, the probability that one of these encrypted messages will really make you rich are as good as zero.

If you prefer to search for a treasure that is likely to really exist, try to make sense of a poem written by US art dealer and millionaire Forrest Fenn. If you guess the meaning of this poem correctly, you might find the Fenn treasure.

 

The Gold Hunt treasures

Blog reader John Lamping has recently made me aware of another treasure hunt that requires solving puzzles. So far, three treasures of this kind have been hidden. All hiding places are located in Canada (namely in Vancouver, Calgary and Edmonton).

The first good news about this story is that these treasures really exist. The first bad news is that all of them have already been found. The second good news is that more hunts of this kind have been announced. The second bad news is that none of these treasures will make you a millionaire – their values are in the magnitude of 100,000 Canadian dollars (about 66,000 Euros) each.

The treasure hunts in question are organized by a Canadian start-up company named Gold Hunt. Their plan is to earn money with these projects, which means that they expect a return on their investments. This contrasts with the Fenn treasure, which was hidden by its creator for fun.

To find one of the Gold Hunt treasures, one can download a map that includes a poem containing a series of riddles and cryptic messages. This map includes everything one needs to find the treasure, but the additional clues provide hints that help to solve the mystery faster. Clues have to be paid for, and this is how Gold Hunt wants to make their money.

The following video provides some information about the Gold Hunt treasures:

A look at the Vancouver hunt

As mentioned, the three treasures of the first round have all been found. Meanwhile, Gold Hunt has published all riddles, clues and keys of the three hunts (in Vancouver, Calgary and Edmonton). Let’s take a look at the Edmonton map (it has been officially un-licensed, so I can reproduce it here):

Gold Hunt (un-licensed)

As can be seen, all the hints and the solutions have been added to the map. This gives us the chance to see how the whole thing worked. For instance, the first two lines of the poem read as follows:

It starts with the Heath family, here they can be seen,
where the east meets the west, or somewhere in between

These words refer to the Arbustus Greenway, a street in Vancouver. Arbustus is a tree that belongs to the heath family of plants. Would you have guessed this?

And here’s one of the clues the participants had to pay for:

A sheltered bay has produced an incredible bean
I’m near there quite often, but I have never seen

This refers to Honolulu coffee (the word “Honolulu” means “sheltered bay”).

As far as I can see, no encryption in the narrow sense was involved in this game.

The video and the website don’t say how many people took part in the first three treasure searches and how much revenue was generated. However, it is clear that Gold Hunt needs to take at least 100,000 Euros per hunt in order to refinance a treasure worth 66,000 Euros and the work invested. In my view, it is quite difficult to make so much money just by selling clues.

Nevertheless, I wish Gold Hunt good luck with this new concept. Perhaps, treasure hunts of this kind will one day be as popular as escape rooms.


Further reading: Four cryptograms from a 1930s treasure hunt

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Astronomie in 365 Tagen: Tag 165 (Exoplanetenentdeckung) [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/astronomie-in-365-tagen-tag-165-exoplanetenentdeckung/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=astronomie-in-365-tagen-tag-165-exoplanetenentdeckung http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/astronomie-in-365-tagen-tag-165-exoplanetenentdeckung/#respond Fri, 14 Jun 2019 16:34:38 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30116 Direkt beobachten kann man die Planeten anderer Sterne nur in Ausnahmefällen. Das geht nur bei jungen Sternen die noch junge und heiße Planeten haben. Und bei großen Planeten. Man hat bis jetzt aber nur eine Handvoll Planeten anderer Sterne direkt beobachtet.
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Falls jemand Lust hast, sich grafisch besser auszutoben als ich und die Bilder für andere Zwecke anders formatieren will findet man die Rohdaten der Bilder hier bei Google Drive. Die Texte dazu gibt es bei den jeweiligen Blogartikeln (Solange ich als Autor genannt und die Texte nicht verändert werden, können diese Bilder gerne weiterverwendet werden).

Text Tag 165

Tag 165/365: Direkt beobachten kann man die Planeten anderer Sterne nur in Ausnahmefällen. Das geht nur bei jungen Sternen die noch junge und heiße Planeten haben. Und bei großen Planeten. Man hat bis jetzt aber nur eine Handvoll Planeten anderer Sterne direkt beobachtet.

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Auf der Suche nach einem Wirkstoff gegen das Hepatitis-E-Virus [BioInfoWelten] http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/14/auf-der-suche-nach-einem-wirkstoff-gegen-das-hepatitis-e-virus/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=auf-der-suche-nach-einem-wirkstoff-gegen-das-hepatitis-e-virus http://scienceblogs.de/bioinfowelten/2019/06/14/auf-der-suche-nach-einem-wirkstoff-gegen-das-hepatitis-e-virus/#respond Fri, 14 Jun 2019 08:57:04 +0000 http://scienceblogs.de/bioinfowelten/?p=240 Liebe Freunde der Bioinformatik, lange Zeit habe ich nichts von mir hören lassen. Das Problem: Zeitmangel! Wobei die mangelnde Zeit weniger das Schreiben an sich betrifft. Das fällt mir leicht und geht recht schnell. Aber die Recherchearbeit, die hinter den meisten meiner bisherigen Blogbeiträge steckt, passt zeitlich einfach nicht mehr in meinen Berufs- und Familienalltag.…]]>

Liebe Freunde der Bioinformatik, lange Zeit habe ich nichts von mir hören lassen. Das Problem: Zeitmangel! Wobei die mangelnde Zeit weniger das Schreiben an sich betrifft. Das fällt mir leicht und geht recht schnell. Aber die Recherchearbeit, die hinter den meisten meiner bisherigen Blogbeiträge steckt, passt zeitlich einfach nicht mehr in meinen Berufs- und Familienalltag.

Trotzdem möchte ich den Blog nicht sterben lassen, denn er ist mir immer noch eine Herzensangelegenheit. Wissenschaftskommunikation finde ich extrem wichtig; denn was nützen die spannendsten wissenschaftlichen Erkenntnisse, wenn sie immer nur einem kleinen Kreis bekannt sind? Und mit diesem kleinen Kreis meine ich nicht einmal Wissenschaftler allgemein, sondern nur genau die Menschen, die am selben Thema forschen. Das ist einfach zu wenig!

Deswegen habe ich mir vorgenommen, hier häufiger Zusammenfassungen aktueller Publikationen zu schreiben, die sowieso auf meinem Lesestapel liegen. Hauptsächlich werde ich nun also über Viren (nicht die aus dem Computer, sondern die realen) und Viren-Bioinformatik schreiben. Vorteil für euch: Die Themen sind brandaktuell!

Hepatitis: Entzündung der Leber

Los geht’s heute mit einem Review Paper über das Hepatitis-E-Virus. Reviews sind Übersichtsartikel, die den allgemeinen Stand der Forschung zusammenfassen. Dankenswerterweise machen sich Forscher hier und da die Mühe, solche Übersichten zu verfassen und ersparen damit anderen Forschern eine Menge Recherchearbeit. In der Publikation, die ich eben gelesen habe, geht es um den Stand der Entwicklung von Wirkstoffen gegen das Hepatitis-E-Virus.

Das Hepatitis-E-Virus (kurz HEV) verursacht (wie der Name schon andeutet) eine Hepatitis, also eine Entzündung der Leber. HEV verursacht mehr Fälle von akuter Hepatitis als jedes andere humane Hepatitis Virus (Hepatitis A, B, C, D). HEV wird hauptsächlich über kontaminiertes Trinkwasser übertragen, aber auch durch unzureichend gekochtes Fleisch oder durch Kontakt mit infizierten Tieren wie Schweinen, Wildschweinen und Rehen. In Deutschland haben etwa 17% der Menschen Antikörper gegen HEV, können sich also nicht mit einer Hepatitis infizieren. Die meisten HEV-Infektionen verlaufen ohne wesentliche Symptome. Es gibt aber auch Risikogruppen und zwar, wie bei den meisten Infektionen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Schwangere. Bei Schwangeren führt eine Infektion in rund einem Viertel der Fälle zum Tod. Die derzeitigen Therapiemöglichkeiten gegen HEV beschränken sich auf die Anwendung unspezifischer Virostatika, also Medikamente, die die Vermehrung von Viren allgemein hemmen.

Was können wir tun, um neue Medikamente, die ganz gezielt gegen das Hepatitis-E-Virus wirken, zu finden?

Es gibt mehrere Wege auf der Suche nach einem wirksamen Mittel gegen HEV: (1) die Suche nach völlig neue Wirkstoffen, (2) das Testen bereits vorhandener Medikamente gegen andere Infektionen auf ihre Wirksamkeit gegen HEV und (3) die Suche nach möglichen “Angriffspunkten” im Virus oder im Wirt, um daraufhin gezielte Medikamente zu entwickeln.

Von Neuem und Altbekanntem

Auf der Suche nach neuen Wirkstoffen, stießen Forscher zum Beispiel auf die antivirale Aktivität von Ethanolextrakten aus Pflanzen (einer ostasiatischen Primelart und einem koreanischen Spargelgewächs) gegen HEV. Welcher Wirkstoff genau gegen die Viren wirkt, hat man jedoch nicht untersucht, ebenso wenig Giftigkeit, die Möglichkeit der Resistenz gegen das Mittel, geschweige denn die Wirksamkeit im lebenden Organismus.

Beim Testen bereits bekannter Wirkstoffe ist es naheliegend, zuerst einmal auf Mittel gegen andere Hepatitisinfektionen zurückzugreifen. Sofosbuvir zum Beispiel ist ein Wirkstoff zur Behandlung der chronischen Hepatitis C, und ist derzeit der einzige Kandidat in klinischen Studien gegen HEV. Vorläufige Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass dies kein Durchbruch in der HEV-Therapie sein wird. Seine antivirale Wirksamkeit ist mäßig, es könnte aber in Kombination mit den oben genannten unspezifischen Virostatika weiter untersucht werden.

Silvestrol ist ein Naturstoff, der ausschließlich in Mahagonigewächsen vorkommt. Silvestrol ist eigentlich aus der Krebstherapie bekannt, wurde aber auch schon als Virenhemmer beschrieben. Silvestrol blockiert die Translation der Viren. Der Wirkstoff ist vergleichsweise gut charakterisiert und ein vielversprechender Kandidat in der Behandlung gegen HEV; besonders in Fällen, in denen die eingangs genannten unspezifischen Virostatika bereits unwirksam sind. Ein weiterer Schritt ist nun zum Beispiel die Erforschung möglicher Resistenzen.

Das Ziel ist der Weg

Ein weitaus vielversprechenderer Weg um neue Medikamente zu finden, ist, zuerst einmal nach möglichen “Angriffspunkten” für diese Medikamente zu suchen. Das können sowohl Angriffspunkte am Virus selbst sein, aber auch wirtseigene Faktoren, die für den viralen Lebenszyklus notwendigen sind. Denn Viren haben in der Regel sehr kleine Genome (also sehr wenig “Lebensinformation”) und sind daher stark von ihren Wirten abhängig, um ihren Lebenszyklus zu vervollständigen. Diese Abhängigkeit vom Wirt ist ein möglicher Angriffspunkt. So kann man zum Beispiel versuchen zu verhindern, dass die Viren überhaupt in die menschlichen Zellen eindringen.

Das oberste Ziel wäre es, Wirkstoffe zu entdecken, die spezifisch auf die viralen Enzyme abzielen, zum Beispiel auf die HEV-Polymerase, die zur Vermehrung des Virus unabdingbar ist. Diese sogenannten “direkt wirkenden Virostatika” sind hochspezifisch und waren zum Beispiel bei der Behandlung von Hepatitis C ein Durchbruch mit hohen Heilungsraten. Um einen solchen Wirkstoff zu entwickeln, ist es jedoch unabdingbar, die Struktur des Enzyms genau aufzuklären. Leider wurde bisher keiner der potentiellen Anti-HEV-Wirkstoffe auf der Grundlage einer solchen Enzymstruktur entworfen.

Ein weiterer Eckpfeiler bei der Bekämpfung von HEV wird die Identifizierung neuer Wirtsfaktoren sein, denn auch hier sind bisher nur wenige bekannt. Hier müssen alle “omics” Bereiche untersucht werden, um die veränderte zelluläre Umgebung während einer HEV-Infektion zu entschlüsseln. Auf der Suche nach möglichen “Angriffspunkten” ist die Bioinformatik ein unerlässliches Instrument, von der Aufklärung der Enzymstrukturen der Viren bis hin zum Verständnis der Immunreaktion des Menschen.

Impfen

Ein Möglichkeit, die ich bisher noch gar nicht erwähnt habe, wäre, einen Impfstoff gegen HEV zu entwickeln. Ein Impfstoff befindet sich bereits in klinischer Erprobung und wurde in China sogar bereits zugelassen. Es gibt aber auch hier noch viele offenen Fragen, allen voran die Wirksamkeit bei Risikopatienten und ob man sich zur Bekämpfung einer HEV-Epidemie ausschließlich auf einen Impfstoff verlassen kann.

Am Rande sei noch erwähnt, dass keiner der in diesem Artikel vorgestellten Medikamentenkandidaten für die Anwendung bei schwangeren Frauen zugelassen ist.

Publikation: Hepatitis E Virus Drug Development. V Kinast, T L Burkard, D Todt, E Steinmann. Viruses 2019, 11(6), 485.

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Das ProZES-Computerprogramm des BfS – Ausrechnen, wann Radioaktivität schuld am Krebs ist [Nucular] http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/14/das-prozes-computerprogramm-des-bfs-ausrechnen-wann-radioaktivitaet-schuld-am-krebs-ist/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=das-prozes-computerprogramm-des-bfs-ausrechnen-wann-radioaktivitaet-schuld-am-krebs-ist http://scienceblogs.de/nucular/2019/06/14/das-prozes-computerprogramm-des-bfs-ausrechnen-wann-radioaktivitaet-schuld-am-krebs-ist/#respond Fri, 14 Jun 2019 05:52:32 +0000 http://scienceblogs.de/nucular/?p=2023 Das Bundesamt für Strahlenschutz hat ein tolles kleines Programm, mit dem man ausrechnen kann, ab welchen Grenzwerten radioaktive bzw. Ionisierende Strahlung Schuld an einer Krebserkrankung ist. Sowohl das Programm selber, als auch mein Ausprobieren von ebenjehnem orientieren sich an dem “Original”-Programm der US-Amerikanischen Bundesbehörde für arbeitsmedizinische Forschung und wer sich wirklich dafür interessiert, aber meinen…]]>

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat ein tolles kleines Programm, mit dem man ausrechnen kann, ab welchen Grenzwerten radioaktive bzw. Ionisierende Strahlung Schuld an einer Krebserkrankung ist. Sowohl das Programm selber, als auch mein Ausprobieren von ebenjehnem orientieren sich an dem “Original”-Programm der US-Amerikanischen Bundesbehörde für arbeitsmedizinische Forschung und wer sich wirklich dafür interessiert, aber meinen Artikel über das NIOSH-IREP Programm aus Oakridge noch nicht gelesen hat, der möge dies tun, bevor er sich diesem Artikel hier zuwendet. Wer einfach nur mal kurz reinschnuppern möchte, der kann gerne einfach weiterlesen.

Was als erstes auffällt ist der große Hinweis, dass sich das Programm (Stand Sommer 2019) noch in der Erprobungsphase befindet (Letztes Update Jan 2018). Aber dafür funktioniert es mMn schon mal ganz gut. Da will sich wahrscheinlich jemand absichern?! Unter der Haube funktioniert es genauso, wie das US-amerikanische Programm, sprich es wird die Atombomben- Kohorte genommen, an die aktuelle Bevölkerung (in diesem Fall Deutschland) angepasst, mit ein paar epidemiologischen Daten validiert und danach mit Monte-Carlo traktiert, bis eine quantifizierbare Zusammenhangswahrschienlichkeit herauskommt. Da sich das Programm explizit an NIOS-IREP orientiert, werde ich das ganze hier nicht noch mal durchkauen, sondern mich eher auf die Unterschiede konzentrieren.

ProZES Windows Programm des BfS. Bilschirmabbildung meiner Anwendung nach Zitatrecht http://www.bfs.de/EN/topics/ion/service/prozes/prozes.html

ProZES gibt es als Download für Windows und läuft dann auf dem eigenen Rechner und nicht über ein Web-Interface auf einem Server im Fichtenwald von Knoxville, Tennessee. Das ist schon mal ein großer Fortschritt, denn die Rechenkapazität, die es dafür braucht ist, nicht der Rede wert. Außerdem kommt es mit einer funktionellen GUI daher, die es erlaubt das verwendete Patientenprofil als Exel-Datei (wieso muss es immer Microsoft sein) und den Bericht als .pdf abzuspeichern*. Praktisch. Ebenso kann ich erstellte Excel Profile öffnen und berechnen lassen. Das funktioniert dann so wie beim Original. Sehr schön finde ich, dass es eine grafische Darstellung des Zusammenhangs zwischen der  Wahrscheinlichkeit (das es wahrscheinlicher ist den Krebs von der Exposition als aus natürlichen Quellen) und der Zusammenhangswahrscheinlichkeit zu bekommen. Da die “rechtverbindliche” Definition da immer bei 50% liegt hätte man eigentlich auch nur diesen einen Wert abgeben brauchen, aber hübsch ist es trotzdem.

Unterschiede gibt es auch. Während man in NIOSH-IREP noch zwischen einer ganzen Reihe von Strahlungsarten unterscheiden kann (niedriger LET für Elektronen und Gammas jeweils im Hochnenergiebereich >250keV und im Niedrigenergiebereich, Alpha und Neutronen für den High LET) da gibt es bei ProZES nur niedrig LET für alles außer Radon und Bergbau (sprich nur Lungenkrebs). Das sieht erst mal wie ein riesiger Nachteil aus, bis man sich klar macht, dass das amerikanische Programm zwar die Eingabeoption für die verschiedenen Strahlungsarten hat, da aber bei den meisten Krebsarten keinen Unterschied macht und einfach nur ein lineares Modell benutzt. Gerade bei meiner ALL ist das ein klein wenig anders, weil es da eben noch die Option auf ein linearquadratisches Modell gibt, aber bei den meisten anderen macht es eigentlich keinen Unterschied, welche Art der Strahlenquelle man angibt.

Darüber hinaus gibt es eine Angabe der Arbeitszeit, die dann benutzt wird um eine durchschnittliche Dosisrate zu berechnen. Grundsätzlich wäre das nach dem LNT-Modell egal ob die Dosis auf einmal oder über einen längeren Zeitraum fraktioniert aufgenommen worden wäre, aber hier wird für niedrige Dosisraten eine erhöhte Unsicherheit angenommen, was sich dann vor allem bei vielen kleinen Dosen in der Perzentile entsprechend bemerkbar macht.

Der zweite große Unterschied sind natürlich die epidemiologischen Daten und die Verknüpfung mit den jeweiligen nationalen Krebsregistern (insofern es diese gibt). Da kann ich jetzt pauschal wenig zu sagen, weil man sich dafür die Dokumentation zu jeder einzelnen Krebsart angucken müsste und dafür fehlt mir eindeutig die Zeit. Für meine ALL habe ich das aber natürlich schon mal gemacht und es kann daher als ein wenig exemplarisch angesehen werden. Wie bei NIOSH-IREP sind weder die die INWORKS noch die DKKR-Studie benutzt worden, was aber auch nicht wirklich verwunderlich war, da erstere mit einem Erscheinungsdatum von 2015 noch zu neu und zweitere nicht Eindeutig ist. Was ein wenig dummer ist, ist dass die altersspezifische Abhängigkeit von ALL nicht mit eingeflossen ist. Das liegt daran, dass es dafür in Deutschland aufgrund eines fehlenden zentralen Krebsregisters (Länderregister) keine Daten gibt und dafür nur Daten aus den USA herangezogen werden könnten (wie ich dies in meinem Widerspruch gemacht habe). Dabei ist es, wie an der anderen Stelle schon gesagt, ein Unterschied um eine ganze Größenordnung von einem 1:10.000 Risiko für Kinder zu einem 1:100.000 Risiko für Menschen in meinem Alter.

Naja, jetzt sind wir schon so richtig in den Feinheiten angekommen. Wie bei NIOSH-IREP konnte ich auch hier die Rechnung meines Kollegen der BGETEM in 5 Minuten reproduzieren und wie erwartet kommt man mit einer Organdosis von 6mSv noch nicht mal annähernd in den Bereich, der für eine Anerkennung als BK notwendig wäre. Der riesige Unterschied ist hier jetzt aber, dass ich schon nach kurzen Herumspielen mit einzelnen Expositionen, die eine Inkorporation oder ähnliches bedeuten könnten, ziemlich schnell über die 50% Hürde gekommen bin. Genauer gesagt reicht eine einzelne Exposition mit 40mSv schon aus um in dem 1 Sigma Intervall die 50% Hürde zu knacken im Gegensatz zu den stolzen 300mSv, die dazu bei NIOSH-IREP nötig waren. Woran das jetzt genau liegt bzw. ob ich irgendwo einen Fehler gemacht habe kann ich jetzt spontan noch nicht sagen, werde der Sache aber sicher noch mal auf den Grund gehen, bevor ich das in irgendwelchen offiziellen Dingen benutzen werden. Ganz unplausibel ist es nicht, denn gerade bei der ALL werden bei den Programmen eben andere Modelle benutzt.

 

 

ProZES Windows Programm des BfS. Bilschirmabbildung meiner Anwendung nach Zitatrecht http://www.bfs.de/EN/topics/ion/service/prozes/prozes.html

ProZES Windows Programm des BfS. Bilschirmabbildung meiner Anwendung nach Zitatrecht http://www.bfs.de/EN/topics/ion/service/prozes/prozes.html

40mSv wiederum sind echt nicht viel und kann bei meinen Tätigkeiten durch echt viele Anlässe ausgelöst werden. Von einer recht kleinen Inkorporation bis zu einem unglücklich gezielten Neutronenstrahl gibt es viele Möglichkeiten sich so eine verhältnismäßig mittelmäßige Dosis unbemerkt einzufangen, wie ich ja in meinem Widerspruch schon aufgezeigt hatte. Wie gesagt muss ich das noch mal in Ruhe durchrechnen, aber momentan sieht es danach aus, dass ich mit dem deutschen Programm wesentlich besser fahren würde. Ist die Frage, wie schwer da der “in Entwicklung”-Status wiegt, vorallem bei einer so großen Diskrepanz zwischen den einzelnen Programmen.

Beispiel: Leserfall NHL

Abschließend möchte ich dann auch noch mal hier das Beispiel unseres Leserfalles mit NHL durchrechnen, weil das hier mit einer einzelnen Exposition eben relativ leicht ist. Nach Eingabe der gleichen Parameter (Geburtsdatum 1951, Diagnose 2006, NHL, 1 Exposition im Jahr 1968 mit low LET Photonen) muss ich hier allerdings die Dosis auf 1000mSv aufdrehen, bis ich die 50% Hürde knacke im Gegensatz zu den 600mSv, die noch bei NIOSH-IREP gereicht haben. Für eine Strahlentherapie ist das auch weiterhin plausibel, aber es ist halt schon ein Faktor von nahezu zwei zwischen den einzelnen Programmen.

Das mag daran liegen, dass NHL keineswegs so klar definiert ist, wie andere Krebsarten und auch die Berechnung der Organdosis sollte echt noch mal einen Unterschied machen sollte, ob nur der Fuß, oder gleich der ganze Körper bestrahlt wird. NIOSH-IREP verlässt sich darauf, dass die Dosis in “ihrem patentierten Format” eingepflegt wird, was aber auch nur ein netter Weg ist um zu sagen “wir haben keine wirkliche Möglichkeit großartig zwischen verschiedenen Arten von Dosen zu differenzieren”. Das deutsche Programm schenkt sich einfach diese Annahme und lässt sie durch den Fehler repräsentieren.

Also, bei einer so großen Bandbreite in den Ergebnissen sehe ich viel Spielraum für Interpretationen und Diskussionen. Klar ist, dass in meinem Fall von 6mSv kein Blumentopf zu gewinnen ist, aber das war ja schon von vornherein klar und nicht anders zu erwarten. Ich bin mal sehr gespannt wie hoch in einem Gutachterstreit oder gar einem Verfahren der Stellenwert der Quantifizierung solcher Programme ist und fühle mich mittlerweile mit ein wenig moderater Recherche in dem Bereich gut ausgerüstet um da in so einige spannende Diskussionen zu gehen.

 

*: Ich habe dem Programm hier etwas unrecht getan. Man kann dem auch .csv und ein paar andere Formate füttern. Das habe ich aber erst später herausgefunden.

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Sternengeschichten Folge 342: Warum die Asteroiden Asteroiden heißen [Astrodicticum Simplex] http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/sternengeschichten-folge-342-warum-die-asteroiden-asteroiden-heissen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sternengeschichten-folge-342-warum-die-asteroiden-asteroiden-heissen http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/06/14/sternengeschichten-folge-342-warum-die-asteroiden-asteroiden-heissen/#respond Fri, 14 Jun 2019 06:02:20 +0000 http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/?p=30000 Das ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video. Mehr Informationen: [Podcast-Feed][iTunes][Bitlove][Facebook] [Twitter] Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen. ————————————————————————————— Sternengeschichten Folge 342: Warum die Asteroiden Asteroiden heißen Ich habe in den Sternengeschichten schon sehr oft über Asteroiden gesprochen. Über diese kleinen Himmelskörper…]]>

SG_LogoDas ist die Transkription einer Folge meines Sternengeschichten-Podcasts. Die Folge gibt es auch als MP3-Download und YouTube-Video.

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Über Bewertungen und Kommentare freue ich mich auf allen Kanälen.


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Sternengeschichten Folge 342: Warum die Asteroiden Asteroiden heißen

Ich habe in den Sternengeschichten schon sehr oft über Asteroiden gesprochen. Über diese kleinen Himmelskörper gibt es ja auch jede Menge zu erzählen. Es sind höchst faszinierende Objekte von denen man jede Menge über das Universum lernen kann. Was ich aber noch nicht im Detail erzählt habe, ist der Ursprung ihres Namens. Also nicht warum einzelne Asteroiden so heißen, wie sie es tun (worüber ich ja auch schon gesprochen habe). Sondern wo das Wort “Asteroid” selbst her kommt.

Als der italienische Astronom Giuseppe Piazzi im Jahr 1801 den ersten Asteroid entdeckte hatte, nannte er ihn “Ceres”, wie ich in Folge 186 ausführlich erzählt habe. Und er nannte ihn “Planet”. Es gab damals gute Gründe davon auszugehen, dass sich zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter ein weiterer, noch unbekannter Planet befindet. Und als Ceres genau dort entdeckt wurde, hielt man ihn zuerst natürlich für genau diesen gesuchten planetaren Himmelskörper.

Planet? Asteroid? Auf jeden Fall Ceres! (Bild: NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA, gemeinfrei)

Man kannte ja auch nichts anderes. Man kannte Sterne, das waren die Objekte die am Nachthimmel leuchten und sich nicht bewegen zu scheinen. Man kannte die Planeten, also die Objekte, die am Nachthimmel leuchten und sich im Vergleich zu den Sternen bewegen. Und man kannte Kometen, die sich auch bewegen, aber völlig anders aussehen als Sterne und Planeten. Kometen waren verwaschene Wolken, mit langem Schweif; Sterne und Planeten waren Lichtpunkte. Und ein sich im Vergleich zu den Sternen bewegender Lichtpunkt wie Ceres, der sich genau da befand wo man einen Planeten gesucht hatte, wurde natürlich auch als Planet betrachtet.

1802 wurde ein weiteres neues Objekt entdeckt dessen Umlaufbahn zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter lag. Das war Pallas, den wir heute auch als Asteroid bezeichnen und der damals so wie Ceres “Planet” genannt wurde. 1802 mischte sich aber auch Wilhelm Herschel in die Angelegenheit ein. Herschel war kein Unbekannter, er wurde berühmt als er 1781 den Uranus entdeckte. Der war ohne jeden Zweifel ein Planet und es war damals das erste Mal, das ein Mensch einen neuen Planeten des Sonnensystems entdeckt hatte.

Herschel war unzufrieden damit, die neuen Objekte ebenfalls als “Planeten” zu bezeichnen. Er hatte Beobachtungen von Ceres und Pallas angestellt und wollte einen Artikel darüber veröffentlichen. Und suchte ein neues Wort, um diese beiden Himmelskörper bezeichnen zu können. Er schrieb damals seinem Freund, dem Naturforscher William Watson und erklärte, dass Ceres und Pallas deutlich kleiner sein müssen als die Planeten. Herschel konnte in seinem großen Teleskop erkennen, dass die Objekte zwar als kleine Scheibchen sichtbar waren, aber eben deutlich kleiner als die der Planeten und sie leuchteten auch schwächer. Auch die Bahnen von Ceres und Pallas waren gegenüber den Bahnen der anderen Planeten geneigt. Er war der Meinung, es handle sich um eine grundsätzlich andere Kategorie von Himmelskörper die auch anders benannt werden muss.

Er bat Watson in einem Brief darum eine Wort zu finden, dass einen “flinken, kleinen Eindringling der sich schräg durch die majestätischen Umlaufbahnen der großen Körper des Sonnensystems bewegt” zu finden. Watsons Vorschläge fand Herschel allerdings nicht so gut. Watson dachte sich verschiedene Verkleinerungsformen des Wortes “Planet” aus. Zum Beispiel “Planetel”, “Planeret”, “Planetkin”, “Planetine” und “Planetling”. Unzufrieden damit schrieb Herschel nun an Sir Joseph Banks, dem Präsidenten der Royal Society. Wenn sich einer damit auskennt, Dingen Namen zu geben, dann dieser Botaniker der haufenweise neu entdecke Pflanzen benannt hat. Banks gab diese Aufgabe an den Sprachwissenschaftler Stephen Weston weiter und der schickte ihm tatsächlich ein paar Namen, die aber leider nicht überliefert sind.
Herschel war aber jedenfalls auch damit unzufrieden. “Keiner davon kann für die neue Art von Objekten verwendet werden, die wir zu benennen haben.”, schrieb er. In der Zwischenzeit hatte Herschel auch selbst über das Problem nachgedacht. Das Wort auf das er kam war “Asteroid” und er war damit nicht absolut zufrieden. Aber da all die anderen Vorschläge seiner Meinung nach noch unbrauchbarer waren, blieb er dabei.